Was eh schon längst nicht mehr so ist, das Latinum wird bloss noch für gewisse Studiengänge verlangt, aber dennoch:
Tempora mutantur, wussten schon die alten Römer, und zu
Deutsch heisst das: Die Zeiten ändern sich (halt).
Was mich betrifft: Ich hab die Matur Typ B gemacht (Latein,
kein Griechisch), und bin irgendwie und auf Umwegen später ins Theologiestudium
eingestiegen, und hab das auch ziemlich gut abgeschlossen.
Aber darum geht’s ja nicht, die Frage ist:
WAS hat mir mein Latein im Studium gebracht?, von dem ich
bei Studienbeginn irgendwie nicht viel mehr noch wusste, als dass ich in der
Matur eine 4 (=genügend) erzielt hatte.
Ehrlich gesagt: Ich denke, ich hätte dasselbe Resultat auch
OHNE Latein erreichen können.
Das Bitzeli vor-oder vielmehr NACH-Wissen im Latein machte
die Sache bloss manchmal etwas einfacher, manchmal auch etwas vergnüglicher.
Aber wie gesagt!
Wobei ich, hätte ich mich zum Beispiel auf mittelalterliche
Kirchengeschichte spezialisiert, selbstverständlich NICHT ohne Latein
durchgekommen wäre.
Was ich dagegen viel, viel wichtiger finde ist, dass den
Studierenden mitgegeben wird, dass sie denn etwa nicht die ERSTEN Gescheiten
sind, auf der Welt, sondern in einer langen, sehr langen Tradition stehen, auch
wenn sie das gar nicht wissen (wollen).
Ich denke da etwa an Philosophie-, Sozial-, Wirtschafts-,
Kultur- und Kriegsgeschichte.
Aber auch hier gilt derselbe Vorbehalt wie beim Latein:
LERNEN ist das Eine, VERSTEHEN das Andere!
