Was eh schon längst nicht mehr so ist, das Latinum wird bloss noch für gewisse Studiengänge verlangt, aber dennoch:
Tempora mutantur, wussten schon die alten Römer, und zu
Deutsch heisst das: Die Zeiten ändern sich (halt).
Was mich betrifft: Ich hab die Matur Typ B gemacht (Latein,
kein Griechisch), und bin irgendwie und auf Umwegen später ins Theologiestudium
eingestiegen, und hab das auch ziemlich gut abgeschlossen.
Aber darum geht’s ja nicht, die Frage ist:
WAS hat mir mein Latein im Studium gebracht?, von dem ich
bei Studienbeginn irgendwie nicht viel mehr noch wusste, als dass ich in der
Matur eine 4 (=genügend) erzielt hatte.
Ehrlich gesagt: Ich denke, ich hätte dasselbe Resultat auch
OHNE Latein erreichen können.
Das Bitzeli vor-oder vielmehr NACH-Wissen im Latein machte
die Sache bloss manchmal etwas einfacher, manchmal auch etwas vergnüglicher.
Aber wie gesagt!
Wobei ich, hätte ich mich zum Beispiel auf mittelalterliche
Kirchengeschichte spezialisiert, selbstverständlich NICHT ohne Latein
durchgekommen wäre.
Was ich dagegen viel, viel wichtiger finde ist, dass den
Studierenden mitgegeben wird, dass sie denn etwa nicht die ERSTEN Gescheiten
sind, auf der Welt, sondern in einer langen, sehr langen Tradition stehen, auch
wenn sie das gar nicht wissen (wollen).
Ich denke da etwa an Philosophie-, Sozial-, Wirtschafts-,
Kultur- und Kriegsgeschichte.
Aber auch hier gilt derselbe Vorbehalt wie beim Latein:
LERNEN ist das Eine, VERSTEHEN das Andere!
15 Kommentare:
Nachtrag zum Leserbrief wegen den Neophyten:
Hab mich heute von einem selbsternannten wiedergeborenen Christen belehren lassen müssen, dass das Ausrotten von Pflanzen denn kein Töten sei.
So weit so ja doch, aber irgendwie beschleicht mich jetzt doch ein komisches Gefühl, wenn ich meinen Salat esse. Ich mein: LEBT der noch?
Nein, Nein, sagt er:
Töten, das gehe nur mit Menschen.
Pflanzen und Tiere werden bloss den Menschen untertan gemacht.
So stehe es nämlich in der Bibel, sagt er.
Ok, sage ICH, aber in der Bibel, ich meine DIE wo ER meint, steht auch, dass nur "Volksgenossen" getötet werden können. Anderswo steht, in direkter Anwendung dieses göttlichen Gebotes deshalb, dass Fremdlinge dürfen, sollen und müssen manchmal sogar massakriwert werden. Oder so.
Ich fürchte mich vor DEM TAG, wo der wiedergeborene Christ DAS list!
Interessante Frage, ih habe grad neulich mit einer Freundin übers Latein geredet, das sie, mit einer B-Matur gemacht hatte, worum ich aber,mit dem C, herumgekommen war.
Sie meinte, dass ihr das Latein sehr beim Sprachenlernen und -perfektionieren geholfen hatte, was schwer zu bestreiten ist, denn sie spricht ein recht gutes Italienisch - ohne es je gelernt zu haben. Und ihr Franz ist einfach... wow.
Ich habe beides gemacht, Griechisch und das grosse Latinum. Beides gehasst und nicht eingesehen, was für eine Relevanz für mein weiteres Leben das haben sollte. Es wurde einfach in meiner Familie angenommen, dass ich auch Aerztin werden würde, also hatte ich keine grosse Wahl.
Schon zu Beginn meines ersten Studiums (nicht Medizin) habe ich festgestellt, dass mir allein das Wissen um die hinter den Altsprachen stehenden Philosophien und Schriften grosse Vorteile brachte: mal ganz davon abgesehen, dass ich ohne Mühe die Feinheiten einer Sprache, die Grammatik etc aufnehmen konnte, ohne sie 'merkwürdig' zu finden, war es genau das, was Du oben gesagt hast, fufi: ich hatte immer das Gefühl, mich in eine sehr, sehr lange Tradition anderer, unbekannter, aber trotzdem dadurch mit mir verbundener Studenten/Lernender einzureihen.
Hätte kein grosses Problem mit der Abschaffung, aber ich gebe zu bedenken, dass die mit blossem Auge nicht sichtbaren Vorteile kultur-, sozial- und wirtschaftshistorischer Zusammenhänge ein Stück weit verloren gingen.
Und zu den Neophyten noch:
Habe gerade gestern festgestellt, dass es in unserer Gemeinde eine Abteilung namens 'Neobiota' gibt - ein Schelm, wer……..
Also guys. Seit Freitag wohne ich in Emmen, bei Luzern und nicht mehr in diesem fucking Drecksloch called Zürich.
Toll hä? Naja, ich habe ein grauenhaftes Puff in der Wohnung, und bis lles läuft, wie es soll, wird es Wochen dauern, zumal ich ja nicht so prickeld drauf bin und die Anzahl meiner produktiven Stunden täglich sich auf eine niedrige einstellige Zahl beschränkt... aber naja, die Wohnung ist great, brandneu. Wer mich mal besuchen will, sehr gern, drop me a line.
Bin ganz bei Carolina, wobei ich den Latein- und Griechischunterricht als geistig-kulturelle Erweiterung, nicht als blosse Spracherwerbpflicht empfunden habe (dank durchweg engagierten Lehrern). Kurzum: meine Matura Typus A würde ich nicht hergeben wollen.
Dann halt hier, wenn MB das debugging nicht hinkriegt. tempora mutantur ist ja nicht themenfremd:
«Wie bereiten wir unsere Kinder auf die Welt vor, in der sie leben werden und die mit der Welt ihrer Kindheit nichts gemein haben wird?»
ist aber eine ganz andere Fragestellung als diejenige, die Sie in klassischem politischem Agendasetting umschifft haben:
Bedingungsloses Grundeinkommen ist keine Utopie, sondern eine machbare Option. Immerhin wird im Hochtempel des Kapitalismus - den USA - von sehr ernstzunehmenden Leuten darüber nachgedacht und auch politisiert. Das Geld dazu ist vorhanden. Kriegen im amerikanischen Massstab kostet 1,5 Milliarden pro Monat und Kriegsschauplatz. Wir betrachten also ca. 50 Milliarden pro Monat, wenn alle ‚Schauplätze‘ zusammengerechnet werden. Diese Summe beinhaltet nicht die laufenden Kosten von Basen etc.
Die Zukunft, die wenig mit der Gegenwart der heutigen Generation zu tun haben wird, ist nur Dystopie, wenn wir heute in unserer Gegenwart uns nicht damit auseinandersetzen. Die Saat jener Zukunft, und letztere ist nicht fern – 2030 ist 15 Jahre entfernt –, ist bereits gesät und sie entfaltet sich sehr schnell – so schnell wie das Myzel von Pilzen. Schon heute im Alltag und oft unbemerkt, weil an oberflächlich nicht zusammenhängenden Nischen. Ich erinnere an Robotik und AI, die technologisch gesehen heute da sind, wo die Mikroprozessortechnik und der allgemein erschwingliche persönliche Computer Ende der achtziger Jahre standen. Das wird inzwischen in den Massenmedien hinreichend zum sensationellen Thema abgehandelt. Es ist damit quasi Vergangenheit. Leider, denn der soziale Impact wird selten erörtert. Dieser ist wuchtiger als das viktorianische Zeitalter (industrielle Revolution). Das Bedingungslose Grundeinkommen, oder genauer die Abkehr von Gelderwerb durch Arbeit und damit Kapitalwirtschaft, wird so gesehen zur Option mit wenig Alternativen, um diesen Übergang sozialverträglich zu meistern.
Die Saat an sich gedeiht auch unbemerkt in Bereichen der synthetischen Biologie. So sind als Beispiel einige Gesänge und deren Texte als synthetische DNA gespeichert worden. Diese kann repliziert werden wie jede DNA. Das gesamte heutige menschliche Wissen, Literatur, Kunst… hat so auf einer einzigen Lastwagenladung Ampullen Platz. Oder auch in einem DNA-Strang…
In der Szene der synthetischen Biologie werden heute schon (z.B via Internet) Proteine mit erwünschten Eigenschaften geordert, die dann für Biohacking (an sich selber) angewandt werden. Will sagen: Der Entwurf und das Bauen synthetischer Proteine nach Spezifikation von zu erzielenden Eigenschaften ist Gegenwart. Das bedeutet: Die Zeit der Transhumanen hat begonnen und ist nicht ferne Zukunft.
Tritt die Prognose der Singularität in ca. 2035 zu, und angenommen, dass AI und synthetische Biologie als Speichermedium konvergieren, kann auch der Zeitpunkt der Posthumanen Morgenröte auf Mitte Dreissigerjahre vermutet werden. Dies ist eine Generation von heute entfernt – also weder ferne Zukunft noch Utopie.
Wie bereiten wir unsere Kinder darauf vor kann ich nur so beantworten, dass es unsere Aufgabe ist, unseren Kindern Visionen, visionäres Denken über mehrere Generationen hinweg, zu vermitteln. Und dass jedes Leben ein Faden in diesem Teppich ist, der die Zukunft der Menschheit malt. Dieses Gewebe hat so viel Sinn oder nicht wie jedes andere Kunstwerk.
Kat, es ist in der Tat ärgerlich, dass diverse Beiträge im MB zuletzt gehäuft im Orkus verschwinden - meiner Beobachtung nach ist dies noch nicht einmal von der jeweiligen Textlänge abhängig, auch nicht vom Inhalt. Mühsam, das, hier insbesondere auch, weil Deine Ausführung spannend sind, gerade im Hinblick auf die drängende (bzw. sich aufdrängende) Frage, wie die basale menschliche (Einkommens-)'Existenz' gesichert werden soll, wenn in Zukunft - infolge der sich bereits abzeichnenden technologischen Entwicklungen - zahlreiche Arbeitsprozesse an Maschinen oder Teil-Maschinen ausgelagert werden sollten.
Womit ich eher Mühe habe ist, dass (wenn) ein prinzipiell 'posthumanes' Zeitalter als ausschliesslich grandiose Vision verkauft wird (nicht, dass Du das tust, aber es wird getan). Wichtiger fände ich es, sich darauf zu besinnen, was wir allenfalls genuin menschlich erhalten wollen. Persönlich bin ich nicht sonderlich scharf darauf, zu einer potentiell alterslosen Cyber-Schnittstelle zu mutieren. Und zwar ungeachtet aller etwaigen 'Optimierungsfortschritte'.
By the way: 'Ex Machina' hat mich kürzlich umgehauen.
Liebe mila,
DAS ist ziemlich interessant:
"Persönlich bin ich nicht sonderlich scharf darauf, zu einer potentiell alterslosen Cyber-Schnittstelle zu mutieren."
allerdings aus einem ganz anderen Grund als wie DU ihn gemeint hast!
Ich hab vor, später mal was dazu zu schreiben!
Aber, fufi, Du kennst doch meine (Beweg-)Gründe (noch) gar nicht... ;)
Womit du, mila, naja!
Aber ich hab die Idee, so ne Idee davon zu haben, was du meinen könntest!
"Wichtiger fände ich es, sich darauf zu besinnen, was wir allenfalls genuin menschlich erhalten wollen."
:-))
Unser Erkenntnishorizont ist nun mal menschlich. Das betrifft auch, was wir als intelligent erkennen können (Anthropozentrismus und die Frage, ob eine Singularität überhaupt von uns erkannt werden wird - oder würde).
Wer oder was ist menschlich? Oder umgekehrt: Auch wenn 'Cortana ex Machina' definitiv kein Wesen mit Humanbiologie ist, ist ihr Wesen, Bewusstsein und Selbstwert nicht menschlich, weil die Komplexität ihres Bewusstseins, auch wenn auf anderem (nichtbiologischem) Substrat entstanden, unserem entspricht?
Oder ist der Zweihundertjährige (Asimov) kein Mensch, nur weil nichtbiologisch, obwohl er bis zu den Vereinten Nationen vorspricht, wegen eines urmenschlichen Bedürfnisses - nämlich sterben zu dürfen - in Würde?
Da diese entwicklung aus selbstlernenden Algorithmen kommt, also sich selber anpassende und modifizierend, ähnlich unserem Zentralnervensystem, das auch im Lernprozess neue synaptische Verbindungen herstellt und ältere kappt: Was nun, da diese evolution exponentiell schneller stattfindet als unsere?
Wissen die sich via Interface verbindenden, worauf sie sich einlassen? Können sie es wissen (Nein)? Oder werden sie, sobald sie sich in Echtzeit ins Internet stöpseln, ganz einfach wegen sensorischem Overload wahnsinnig? Auf letzteres gibt es Hinweise von Leuten, die mit Oculus Rift etc. arbeiten.
Weiter: Sind Menschen, die künstliche Augen erhalten wegen Blindheit (das gibt es…) nicht mehr menschlich? Oder Marathonläufer, die wegen amputierten Beinen diese ‚Schaufeln‘ haben, die besser funktionieren als Beine?
Das ist ja gerade der (spannende) Knackpunkt bei 'Ex Machine': die Frage, inwieweit der Schöpfer in der Lage ist, die Tragweite seiner Schöpfung zu erkennen. Im Grunde 'liest' sich der Film wie eine Emanzipation des künstlichen vom menschlichen Bewusstsein (Emanzipation durchaus im zweideutigen Sinn, insofern es sich um eine weibliche Schöpfung handelt, und insofern auch der alte Pygmalion-Topos mit hinein spielt).
Der Witz ist in meinen Augen der, dass wir im Grunde noch gar nicht verstehen, wie unser eigenes Bewusstsein in allen seinen Abläufen funktioniert. Damit haben wir, genau besehen, keine feste Vergleichsbasis. Aber wir werkeln, wie immer, trotzdem völlig unbeirrt herum, nach dem guten, alten trial-and-error-Prinzip. Dennoch würde ich mich jetzt schon darauf festlegen, dass ein Bewusstsein, das auf einem nicht-biologischen Substrat, wie Du es nennst, entstanden ist, sondern als eine Entwicklung selbstlernender Algorithmen, etwas dezidiert anderes, genuin eigenes sein wird. Könnte es sich uns schnell einmal - in 'objektiver' Evolutionssicht - als überlegen erweisen? Das ist alles andere als auszuschliessen. Aber ich erwarte ebenfalls, dass auch ein solches autopoietisches System seine 'Mängel', Kurzschlüsse und Grenzen haben wird. 'Höher, schneller, weiter' wird auch da nicht idealperfekt, respektive reibungsfrei, funktionieren.
Das rein 'motorische' Enhancement sehe ich in der Diskussion auf einem etwas anderen Blatt. Wobei man sich auch hier durchaus fragen kann, wie sehr (oder inwieweit) wir unsere Humanbiologie durch eine fremde Komponente ersetzen wollen. Tatsache ist: zu unserer bisherigen menschlichen Erfahrung gehören Alter, Gebrechen und Tod dazu. Wenn diese Komponenten dereinst lange hinausgezögert (und für manche im Wunschfall gar ganz ausgeschaltet) werden können, wird das unsere psychische Konstitution als Erfahrungswesen Mensch nicht minder betreffen wie unsere Körperbeschaffenheit. Wir sind Biologie, plus Bewusstsein. Insofern kann man sich berechtigterweise die Frage stellen, ob wir derart 'enhanced' noch Menschen sein werden, oder nicht eben doch Maschinen, sollten wir uns dereinst von unseren eigenen Grenzen 'befreien'. Was diese 'Befreiung' genau mit (respektive in) uns anrichten wird, können wir jedenfalls zum gegebenen Zeitpunkt nicht absehen.
Für mich selbst kann ich die Frage, weshalb ich den 'menschlichen' Erfahrungshorizont nicht verlassen möchte, mit einem Zitat von Hermann Hesse beantworten: "Sind denn Ideale zum Erreichen da? Leben wir denn, wir Menschen, um den Tod abzuschaffen? Nein, wir leben, um ihn zu fürchten und dann wieder zu lieben, und gerade seinetwegen glüht das bißchen Leben manchmal eine Stunde lang so schön.”
In eigenen Worten: Die kleine, glühende 'Dichte' der Erfahrung ziehe ich der 'Länge' oder dem 'Ideal' vor. Wobei ich, wie gesagt, davon ausgehe, dass auch AI keine Perfektion erreichen wird.
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