Ich versuche(!) damit, eine Antwort zu geben auf Biancas Frage zum möglichen "Leben nach dem Tod."
Ihre Frage findet ihr hier:
Liebe Bianca!
Du sprichst da ein ziemlich heikles Thema an.
1. Naturwissenschaftlich
Rein biologisch gesehen meine ich, dass mit dem Tod - dem Ende der biophysiologischen Körperfunktionen - alles aus ist.
Der Main-Schalter steht auf "off". Da gibt's höchstens noch eine biodynamische Kondensator-Restspannung, die sich langsam in NICHTS auflöst, gemäss dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik.
Over and done, sozusagen.
Und in einigen 100 Jahren werden WIR der Humus sein, auf dem das Gras, die Blumen und Bäume, und hoffentlich auch noch einiges Gemüse wächst.
Das Tröstliche dabei:
NICHTS wird mehr weh tun! Aber wirklich gar nichts!
auch knapp daneben ist daneben ...
Du sagst, Bianca:
"Viel gelesen habe ich in letzter Zeit über Nahtoderlebnisse, also Erinnerungen von Menschen die bereits klinisch tot waren und ins Leben zurückgeholt wurden. Einheitlich wird da berichtet, dass sich die Sterbenden selbst gesehen haben, wie sie da liegen und reanimiert werden. Auch die Ärzte, Sanitäter oder andere Personen, die dabei sind, werden teils detailliert beschrieben. Das spricht für die These, dass sich unsere Seele von unserem Körper löst und fortbesteht, zumindest für eine Weile. Die Aussage der meisten „Zurückgeholten“, dass sie sich während ihres Sterbens wohl fühlten und keinen Drang verspürten, zurückzukehren, ist tröstlich."
So weit so tröstlich, ABER:
Bei allen Nah-Tod und sonstigen was-weiss-ich-was-für-Erlebnissen:
Bisher ist - naturwissenschaftlich beweisbar - eben doch noch niemand von dort drüben zurückgekehrt!
2. Philosophisch
Auch in der Philosophie ist ein Leben nach dem Tod kein wirklich grosses Thema, es sei denn, es stamme von sogenannten "christlichen Philosophen".
Aber ehrllich gesagt: "christliche Philosophie" ist, um es mit den Worten des Theologen Karl Barth zu sagen, ein "hölzernes Eisen"! Entweder wir betreiben Dogmatik = christliche Philosophie, als zwar als Theologen, und stehen zu unserer Basis, oder wir lassen es bleiben!
3. Religiöserseits sieht's natürlich anders aus
Dazu gibt's aus meiner Sicht die 3 grossen Möglichkeiten:
a) Religionen der Naturvölker und so
Da sind oben die Götter und unten die Menschen und irgendwo dazwischen die Toten.
Und die ganz lieben und guten Toten werden von den Göttern aufgenommen. Und alle andern schwirren da noch irgendwo herum, und je nachdem sind sie uns gut oder böse gestimmt.
Da gibt's nur 1: Einhalten der Rituale und der Gebote, gefälligst!
b) "Wiedergeburt zur Scheidung der Gerechten"
Gemeinsam ist allen diesen Religionen (v.a. Buddhismus, Judentum und Islam), dass sich der Mensch in diesem SEINEM JETZTIGEN Leben das spätere Gute verdienen muss!
Die Idee der Auferstehung der Toten entstand im altjüdischen Kontext, aber deren Auferstehung erfolgte zum "ewigen GERICHT"!
Ebenso wie diejenige, die vom Islam versprochen wird. NUR die GERECHTEN werden Leben! Hallelujah! - oder so?
Ganz schlimm sieht's auch im oft ach so hochgelobten Buddhismus aus!
Ich kenne einige BuddhistInnen, die haben im Fall derart Angst vor dem Sterben.
Werden sie erlöst? Nein!
Und als was kommen sie zurück? Als Schnecke, zum Beispiel?
Und NEIN, ich esse kein Kalbfleisch! Meine Tante kam vielleicht als Kalb .. ?
Und mein Onkel als Ananasbaum?
Klaro?
Zwischenruf von fufi
Aber ICH meine, da geht's ja nur allzuhäufig auch nicht ums Jenseits, sondern darum, uns bereits im Diesseits eine derartige Angst vor drüben einzujagen, dass wir denn den SELBST-ernannten GOTT-StellvertreterInnen denn ja bedingungslos gehorchen möchten!
Wer möchte denn schon als Ziesel wiederkommen - zur Strafe! - oder in der Hölle schmoren, wo doch die ach so Heiligen voller Schadenfreude nach unten schauen und sich ob ihrer eigenen Scheinheiligkeit gar nicht mehr zu Benehmen wissen und sich auf ewig mit Ambrosia vollsaufen?
Und - ehrlich gesagt - ich glaub auch nicht, dass ich bis in alle Ewigkeit irgendwelche "Huri" deflorieren möchte, weil ich da unten nämlich so lieb und so brav war und dazu noch 23 ungläubige Hunde getötet habe!
NEIN, NEIN und NEIN!
All das tumbe Geschnörre von Schuld und Sünde und vor allem von "jetzt musst du aber ganz besonders brav und lieb sein um in den Himmel zu kommen" und nämlich ganz besonders fest genau DAS machen, was ICH sage, was du zu tun hast ...?
Also ICH weiss nicht, was da - in IRGENDWELCHER Religion irgendein vollkrankes Arschloch als irgendein Gott verehrt werden sollte!
Und deshalb sag ich: HIERBEI mags um ALLES gehen, BLOSS NICHT um Gott!
4. Erlösung? JA - ein für Allemal! - in Christus!
Dazu zunächst eine Erinnerung an meinen Dogmatik-Professor, einen Schwaben, der nach einer recht turbulenten Seminar-Sitzung sich in allerbestem Schwäbisch ereiferte: Wiedergeburt? - Meinetwegen! Aber nur 1 Mal: In Christus!
RICHTIG! Meine ich!
Ich weiss zwar nicht, was das denn "konkret" bedeuten sollte. War noch nicht drüben, bisher!
Aber es wird bestimmt nichts Böses oder Schlimmes sein!
Ich möchte mich da diskutatorisch nicht in die tiefsten theologischen Abgründe begeben, aber ich behaupte - theologisch fundiert, natürli:
Wir kommen ALLE in den Himmel!
Und wenn ich ALLE sage, meine ich ALLE!
Alles was lebt, oder vielmehr: ALLES was stirbt!
Ja, ich weiss was ich damit sage.
Und was sagt Jesus, gemäss dem Johannes-Evangelium, als letztes?
"tetelestai" - ES ist vollbracht!
Vollbracht! Ganz!, nicht nur so ein bisschen, und jetzt müssen sie denn noch ganz lieb sein.
NEIN: Vollbracht!
Und was meint der Apostel Paulus dazu?
"efhapax" - EIN für allemal!
Hat Christus sich als Sühne(Sünde)opfer dargebracht, für ALLE! (ist natürlich biblisch-religiöse Sprache, aber dennoch?)
5. Mein Gott!
Viele, ich denke, die meisten von uns (Christen) lernen "Gott" zuerst kennen als "den lieben Gott", und Jesus als den "Heiland".
Und erst später "lernen" wir, wie wir denn gefälligst sein zu hätten, damit der - unterdessen NICHT mehr liebe Gott - "Freude" an uns haben könne. Obwohl wir - glaub's - noch immer "seine" Kinder sein möchten?
HEILIGE SCHEISSE!
Vielleicht hat's ja was, wenn JvN sagt: (Mt 18,3)
"Amen, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich hineinkommen."
Obwohl er das (siehe oben) später denn revidiert hat!
Denn bei Gott ist nichts unmöglich, da gehen sogar Kamele durch Nadelöhre!
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Und wenn du, liebe Bianca, dich sorgst um später:
"Was ist aber mit dem Schmerz, den man im irdischen Leben bei seinen Liebsten zurücklässt?"
Weißt du, Bianca, wenn der liebe Gott zu DIR gut sein wird, und DAS glaube ich, wird er es auch zu den DEINEN sein!
In diesem Sinn wünsche ich Dir, Bianca, und den Deinen ganz besonders,
und allen anderen ebenso
ein herzliches
Bhüet eu Gott!