Stell dir vor, du gehst zur Arbeit.
An einem Freitagmorgen, heute zum Beispiel, um 7 Uhr. Da gehst du durch den HB Zürich auf's Tram und musst dazu 2 Strassen überqueren. Beide mit Fussgängerstreifen markiert und mit Lichtsignal gesichert. Kurz, SEHR kurz bevor du die Strasse erreichst, wechselt das Signal für dich von grün auf gelb.
Und jetzt kommt's:
Du weißt, dass du mehr als genug Zeit hast, das Tram zu erreichen. Beeilst du dich, um noch bei gelb über die Strasse zu kommen, oder wartest du die nächste Grünphase ab?
Nun, ICH hab gewartet, sonst hätte ich mich ja beeilen = anstrengen müssen!
Und kaum bin ich gestanden, ist auch der weisse Audi gestanden. Die Seite ca. 30 cm vor mir, die Front ca. 1 m neben mir. Auf der anderen Seite!
KEIN Reifenquietschen, dank ABS.
Das Signal für Fahrzeuge stand schon seit mindestens 30 sek auf rot!
KEINE Reaktion des Fahrers (es war ein Fahrer), KEINE entschuldigende Geste! NICHTS!
Irgendwie hätt ich's ihm gönnen mögen, er hätte mich zum Krüppel oder gar tot gefahren, auf dem Fussgängerinnenstreifen, bei Rotlicht! (aber vielleicht zieht ihn Rotlicht ja sogar an?)
En schöne Tag na, und allzeit gute Fahrt!
Ein krasses Beispiel, ich weiss. Ist aber wirklich erlebt. Und ich möchte nicht dran denken, wie viele Andere denn noch bei gelb rüberwollen hätten.
Für NICHTS und nochmal NICHTS! Bloss dass sie früher drüben gewesen wären.
Und DAS wären sie denn wirklich, in DIESER Situation!
So wie vor einiger Zeit die Frau in Nänikon-Greifensee. Sie überquerte die Gleise, anstatt durch die Unterführung zu gehen. Sie wollte schneller daheim sei. Und das ist ist ihr ja auch gelungen. Definitiv!
Klammer: Ich hab mal einige Monate in einem SBB-Lokdepot gearbeitet. Hab da auch die einen und anderen menschlichen Ueberreste von Lokomotiven abgewaschen. Tja, s'ist halt schon ein schöner, schneller Tod.
Bequemlichkeit meine ich, NICHT Faulheit!
Ihr alle kennt das Sprichwort: "Was du heute kannst besorgen, ... ",
ICH meine: "...., das hat noch Zeit bis übermorgen."
Meistens, jedenfalls!
Klar gibt's "Dinge", die früh- oder zumindest rechtzeitig erledigt werden müssen, besonders die sogenannten "besoins naturelles et administratives". Ach, ihr wisst schon!
Aber wie häufig betrifft das denn "Dinge", die eigentlich gar nicht so dringend wären, wenn wir sie nicht selbst für so schaurig "dringlich" erklären würden?
Meine Modellbahn wartet schon seit gut 5 Jahren auf ihre Weiterentwicklung. Und wer meine www.Adresse.ch aufruft, erhält auch nach 4 Jahren noch die Meldung, die Seite befinde sich "in Entwicklung".
Who cares? Wenn ich denn sterben müsste (siehe oben) ............... !!!
Und doch:
Ich wollte doch noch, ich sollte doch noch, und das hab ich auch noch nicht erledigt!
Also ehrlich: den Fenstern spielt's ja wohl KEINE Rolle, wenn sie jetzt oder erst 2 Wochen später geputzt werden. Oder oder oder oder ...............!
Weshalb gönnen wir uns denn nicht mal 1 oder 2 Tage Entspannung? Im genauen Wissen darum, dass wir "die Dinge" denn schon wieder "in den Griff" kriegen werden?
Und zum Schluss noch dies:
Ich weiss von KEINEM Tier, das mehr tut, als zu seinem Ueberleben nötig ist.
Und ich kenne KEIN Tier, das mehr Besitz anhäuft, als es zum Leben braucht!




10 Kommentare:
Fufi, was Du da beschreibst, ist irgendwie eine never-ending-story. Und wir alle sind irgendwie dran beteiligt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ein Auto unter dem Hintern in vielen Menschen (mich mit eingeschlossen) eine Art temporären Autismus auslöst, so ein Stückli Allmachtsphantasie für die Dauer der Fahrt. Ebenso ist es aber mit dem Velofahrer, der meint, weil er ja so umweltunschädlich ist, darf er die Trottoirs unsicher machen, entgegen von Einbahnstrassen fahren und sich überall noch vorbeidrängen.
Oder der Fussgänger (gerne mal älteren Semesters), der einfach auf den Zebrastreifen trabt, ohne sich umzuschauen - diese Rentner wiederum sind auch gern jene, die als Autofahrer prinzipiell nie anhalten!
Ich meine nur: wir alle sind manchmal Sünder, manchmal Opfer. Entschleunigen müssen wir uns ganz allein - dabei hilft uns niemand.
Und zu Deinen Beispielen aus dem Tierreich: hatten wir doch neulich im Mamablog, dass man Beweise für jegliches Verhalten in der Tierwelt findet. Wie ist es z.B. mit der Elster, die Glänziges klaut? Mit Ueberleben hat das nichts zu tun, soviel ich weiss.....
Hab mich eigentlich nicht über's Strassenverkehrsverhalten auslassen wollen, sondern über meine - damit wohl legendär gewordene - Bequemlichkeit, die mir wohl das Leben gerettet hat.
Wieviele andere hätten noch "pressiert", um die Strasse vor "Rot" zu überqueren? Autsch!
Aber nun doch noch kurz zum Strassenverkehrsverhalten: Wie du beschreibst, gibt's nicht mehr viel hinzuzufügen.
Ich hatte mal nen Töff (bloss 125) und das ging dann so: Helm auf, Hirn aus!
Unterdessen gehöre ich zu denen, die woanders auch schon als "bescheuerte kleinbürgerliche Vollspiesser" bezeichnet wurden. Zu denen nämlich, die als Fussgänger warten, "wenn es rot ist". Auch wenn weit und breit KEIN Auto zu sehen ist. Und als Velo-, bzw. Autofahrer ebenso warten, bei "rot". Auch wenn weit und breit KEIN Fussgängerisches zu sehen ist
Nun ja, ich möchte nicht riskieren, einmal "NICHTS" gesehen zu haben!
Und zum Autofahren:
Wir haben gut 20 Jahre in Zürich/Schlieren gelebt. Da brauchten wir kein Auto und hatten auch keines.
Heute haben wir eines. Und das brauchen wir zum Einkaufen und für Tierarzt-, Arzt- und Spitaltransporte.
6'500 km in 7 Jahren. Meist 2 Tankfüllungen pro Jahr. 3 Zylinder, 983 ccm und 55 PS.
Das Gefährlichste an unserem Gagöppel ist, dass 80% derjenigen, die hinter uns fahren, meinen sie müssten eine solche Schwarte denn unbedingt überholen.
Und ich gestehe, ich kann's sogar auf die Spitze treiben: Ich kann nämlich, z.B. die 3(!) km von Wila nach Saland lockerstens mit 30 km/h hinter einem Traktor herzuckeln, wenn mir das Ueberholen zu riskant erscheint!
Jaja, in Wila chasch din Schtress sila. In Wilen ist es ohne Auto schon recht mühsam. Nach Zürich komme ich nur mit dem Bus mit langweiligem und zeitraubendem Umsteigen auf den Zug. Darum fahre ich mit dem Auto zum Zug. In Richterswil hat es einen riesigen Parkplatz am Bahnhof, extra für dertig wie mich.
De jure kostet der was. De facto ist er aber gratis.
Fufi, Du warst das neulich, als ich Richtung Saland gefahren bin:) Du weisst ja, ich bin das Tussi mit dem Uralt-Cabrio - aber Dein Ding krieg' ich dann doch noch......
Das mit dem Besitz stimmt. Entschleunigen jedoch ist oft ein frommer Wunsch... heute meldete die Kleine, ihre geerbten Winterstiefel drückten, also sind wir mal schnell neue besorgen gegangen. Sie ist dabei fast eingeschlafen, aber die Aktion war erfolgreich. Besonders schön lässt es sich von der Bequemlichkeit träumen, wenn ein Kind eine Nacht lang erbricht. Macht locker fünf Maschinen Wäsche in zwölf Stunden. Seit ich Mutter bin, muss ich bedeutend mehr in die Chaos-Abwehr investieren als zuvor. Wobei ich nicht klagen will, die Zeit ist auf unserer Seite.
Gute Nacht!
Anna2
Hoffentlich hast du dennoch schöne = erholsame Ferien gehabt!
Ich meine ja eigentlich bloss, wir sollten uns denn wenigstens in diesen Dingen NICHT SELBST hetzen, wo wir von niemand anderem gehetzt werden können!
Aber manchmal denke ich, dass wir vor lauter Gehetze auch DAS schon verlernt haben?
Fufi, für mich ist es sicher eine Lebensaufgabe, das nicht zu verlernen! Aber Achtung: ich hatte noch zu Spitalzeiten, d.h. als mein Zeitbudget 99% fremdbestimmt war, einen Patienten, der mir eine Muschel in Form eines Schneckenhauses geschenkt hat mit einer Karte: Chi va piano va sano e lontano. Das wäre alles gut und recht gewesen, wenn der liebe Kärli nicht ein entsetzlicher Laberi gewesen wäre, der mich mit allem und jedem vollquasselte und nach dem ich regelmässig schrecklich im Verzug war, weil ichs nicht übers Herz brachte, ihn grob hinaus zu komplimentieren. Und der wirft mir dann implizit vor, ich sei zu gehetzt und habe zuwenig Zeit für ihn... Die Langsamen laufen Gefahr, selbstgefällig zu werden in ihrer Langsamkeit und achsosouveränen Entspanntheit. Das sehe ich auch nicht selten bei Hausfrauen, die keiner Berufstätigkeit mehr nachgehen; spätestens wenn die Kinder ausgeflogen sind. Um solche Leute herum werde ich innerlich sehr unruhig und wünsche mir, sie würden sich ein bisschen organisieren oder zusammennehmen. Egal ob ich sie nun als Patienten sehe oder privat.
Gute Nacht!
Ja, Anna2, es gibt sie leider immer und überall!
Die Typen, die mit ihrem ganzen Habitus und aus allen ihren Poren nur das eine Gift verspritzen: "ICH bin ja dermassen was von gut - und du nicht! Und dass sollst du auch merken, du XXX!"
Und wie du sagst: Sie kennen nur 3 Dinge auf der Welt: ICH, ICH und ICH!
Arme Kerle!
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