Freitag, 28. Oktober 2011

Wenn 2 dasselbe tun ...

Oder auch, wenn 2 dasselbe erleiden ......

Das fragt sich der Tiger heute!
Ich danke für seinen Beitrag!
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Bin Laden tot, Gaddafi tot...

Was haben die beiden Bösewichte aus dem Nahen Osten miteinander zu tun? Nun, das weiss ich nicht, ich nehme an, nicht viel. Aber was unterscheidet sie? Ob ihr Tod auf ungeteilte Zustimmung stösst (im Falle OBLs) beziehungsweise rechtlich als fragwürdig beurteilt wird.

Hm, also zuerst einmal ein paar Gemeinsamkeiten der beiden:

* Beide waren Muslime
* Beide waren Kriminelle
* Beide waren Fanatiker
* Beide waren einst Freunde des "Westens"







Und nun die Unterschiede. Die müssen irgendwie begründen, wieso die Weltgemeinde den Tod Bin Ladens gutheissen kann und den Gaddafis nicht so. Also:

* Bin Laden war nicht irr, Gaddafi hatte eine Meise.
* Bin Laden hatte keinen Staat, den er unterdrückte, Gaddafi schon.
* Bin Laden hatte nur einen kleinen Verein unter sich, Gaddafi einen ganzen Staatsapparat
* Bin Laden wurde von den USA bei ihm zu Hause gekillt, Gaddafi von seinen Landsleuten

Der wichtigste Unterschied ist aber gewiss dieser hier:

* Bin Laden hat VIELE Amerikaner gekillt (sagt man, endgültig bewiesen ist das nicht, zumindest nicht im Fall von 9/11), Gaddafi nicht (jedenfalls nicht in den letzten 20 Jahren, soviel ich weiss).

Aaahaaa! Nachtigall, ick hör dir trapsen. Naja, eigentlich ist das ein Getrampel. Und nicht von Nachtigallen sondern von Rhinos und Elefanten.

Aber seltsam, unsere Staatsrechtler und Militärwissenschaftler sehen dieses Missverhältnis gar nicht. MCR tönt so: «Ich hätte eine Verurteilung Gaddafis bevorzugt» (Link 1).



Die teils seltsamen mittel- und südamerikanigen Regimes sind gar nicht begeistert. In Venezuela wird von Hugo C. das gesagt (Link 2): "Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat den Tod von Libyens Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi bedauert und von „Mord“ an ihm gesprochen."

Das Bemerkenswerteste ist aber, was unser aller Freund Barack O., seines Zeichens US-Präsident, so sagte (Link 3): "Natürlich sieht man ungern jemanden so enden". Sechs Monate zuvor hatte er ein Kommando beauftragt, OBL zu finden. Und dass dieser bei dieser Aktion gekillt wurde, ohne Gegenwehr, wurde nicht in Frage gestellt von ihm. Und generell von fast niemandem. Wie oft konnte man lesen: "Ich hätte ihn lieber in Den Haag gesehen als in einem Sarg."? Im Fall von OBL nie. Im Fall von Gaddafi oft. Auch von Schweizer Beobachtern, wie wir oben sahen.

Warum ist das so? Warum darf "die Weltgemeinschaft" Osama Bin Laden killen und die Opfer von Gaddafi ihren verhassten Führer nicht? Zweierlei Massstäbe? Habe ich etwas übersehen? Oder stelle ich hier eine unanständige Frage? Hm, sorry, wollte ich nicht...

Klärt mich bitte auf!




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Und anstelle von Kommentar 1 meint fufi dazu:

Erstens hat Osama dem Westen nach dem "SIEG" in Afghanistan NICHTS mehr zu bieten gehabt!
Zweitens hat's in Ghaddafis Reich Oel gegeben. VIEL Oel. SCHMIER-Oel!
Drittens ist das Oel auch jetzt noch da, obwohl MG weg ist!
Westliche Oel-Interessen in Libyen

 















Und viertens war "Der libysche Staatschef [ ] der zweitgrößte Aktionär des italienischen Fußball- Rekordmeisters Juventus Turin." Und "In der Folge der Beziehungen der Familie Gaddafi mit dem Verein trainierte kurzzeitig sogar Gaddafis Sohn – Al-Saadi Gaddafi – bei Juventus." 

Vielleicht war's denn ja auch bloss sein Pech, dass die AC Milan einem gewissen Silvio Berlusconi gehört?

16 Kommentare:

fufi hat gesagt…

Also ich halte das für ein scheinheiliges Geschnörr, so nach dem Motto:
WIR haben das ja NICHT so gewollt, und WIR haben uns die Hände ja NICHT schmutzig gemacht!

Oder andersrum:
WER hätte es denn gewagt - Rittersmann oder Knapp - dem OBL "den Prozess" zu machen, NB einen fairen Prozess? Und WER hätte es denn zusätzlich auch noch gewagt, das Urteil zu vollstrecken, sei es jetzt Knast oder abknallen?
China vielleicht, oder Nord-Korea?
NEIN! Dieser Kerl MUSSTE ganz einfach terminiert und maritim entsorgt werden - sagen sie jedenfalls! Wegen den bösen Islamisten, nämli!

Bei MG ist's ja öppis ganz, ganz anderes!
Da hätten WIR uns ja wohl keine Sorgen machen müssen, wenn der Kerl den Rest seiner Tage in einem Luxuszelt in Holland verbracht hätte?
Aber den haben ja auch nicht WIR umgebracht, sondern "die Rebellen". Und denen kann man darob ja eigentlicht auch gar nicht so richtig böse sein, gelt?
For allem WOLLEN WIR ihnen nicht böse sein, denn JETZT haben SIE das Oel, das WIR ja so dringend wollen!

Tiger hat gesagt…

Die USA sind noch nicht reif dazu gewesen, OBL vor einem anständigen Gericht zu sehen. Sie hätten dann nämlich handfeste Beweise bringen müssen, was ganz ganz leicht hätte peinlich werden können, weil die USA ja bekanntermassen viel stärker mit OBL etc. verstrickt sind als sie das zugeben. Daher KONNTEN sie nicht zulassen, dass er nach Den Haag kommt.

Wovon spreche ich? Von der grössten Verschwörungstheorie von allen zum 11. September, dass nämlich 19 Araber in den USA Flugunterricht genommen haben, Flugzeuge entführt und in Häuser in New York und Virginia gesteuert haben. Diese Theorie ist so gründlich als Lüge entlarvt worden, dass ihr eigentlich niemand einigermassen Belesenes mehr Glauben schenken kann.

Allerdings: Herauszufinden, was wirklich die Ursache der Anschläge war (ich weiss es nämlich genauso wenig wie 99.9% der Weltbevölkerung), würde schmerzhafter Untersuchungen bedürfen. Und dafür ist die USA noch lange nicht fähig.

fufi hat gesagt…

Hey, Tiger!

Aber Lance Armstrong war doch schon auf dem Mond?

Tiger hat gesagt…

Das war Louis Armstrong, fufi.

Anna2 hat gesagt…

Gaddafi war ein Staatschef, der sich erlauben konnte, vor der UNO-Vollversammlung die Abschaffung der Schweiz zu fordern (oder so). Demokratisch legitimiert war er nie, aber das sind viele Staatschefs nicht. Ich halte es schon für einen Unterschied, ob einer eine solches Amt bekleidet oder ein untergetauchter Outlaw ist. Wobei ich Ihnen recht gebe, dass viel Scheinheiligkeit im Spiel ist. Syrien hat weniger Öl, daher greift der Westen dort nicht ein...

Anna2 hat gesagt…

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass mila und Lina noch im Äther über Fufis Lounge rumhängen, eine Buchempfehlung an beide: Dubravka Ugresic, Das Ministerium der Schmerzen. Habs in den Ferien gelesen und war sehr beeindruckt.

Gute Nacht!

Tiger hat gesagt…

Bei Amazon erhältlich für 89 Eurocent, gebunden, sehr guter Zustand...

Anna, wie gesagt, Gaddafi war irre. Als er die Abschaffung der Schweiz forderte, nahm ihn niemand Ernst (ausser den notorischen Hyperventilierern der Schweizer Öffentlichkeit natürlich).

Ich denke, dass niemand hingerichtet werden darf. Jeder Mensch, egal wie schuldig, hat das Recht auf einen anständigen Prozess. Sehr viele Nazis sind in Nürnberg anständig vor Gericht gestellt worden, obwohl ja auch sie eigentlich demokratisch nur zweifelhaft ihr Land vertraten. Auch Hitler wäre nicht standrechtlich erschossen worden, wenn man ihn lebendig gefasst hätte.

Aber vielleicht ist genau das der Unterschied: Ein gewählter Volksvertreter (oder ein Diktator) darf tendenziell weniger hingerichtet werden als ein flüchtiger Krimineller. Warum das so ist, weiss ich nicht, und bisher wäre mir das nicht in den Sinn gekommen.

Dennoch. Das Vorgehen der USA im Mai gleicht für mich dem Rückfall in den Wilden Westen, als man Fahndungsplakate aushing, wo drauf stand "Wanted William Bonney - Dead or alive - Reward 100 $" (wobei ich keine Ahnung habe, wieviel dem Staat Billy the Kid wert war). Wobei es bei OBL hiess "Wanted OBL - Preferably dead actually, if in doubt kill him (otherwise we will)".

Astrid hat gesagt…

Hallo Anna, welcome back!
Zu diesem Thema: ich verstehe ganz ehrlich nicht, worum es geht. Wollen wir wirklich unsere westlichen Befindlichkeiten auf diesen Fall anwenden? Es ist doch völlig klar, dass ein Ghadhafi, der vor irgend einem Tribunal in Den Haag oder sonstwo gestanden hätte, für das libyische Volk eine absolute Zumutung gewesen wäre. Ausserdem hätte er ja die Möglichkeit gehabt, sich zu ergeben oder in irgendeiner Wüstenvilla den Rest seiner Tage auszuleben. Narzisst und Machtgeiler, der er war, wählte er stattdessen den Kampf bis zum Tod, dem er Tausende seiner Landsleute (und einige seiner eigenen Familie!) opferte. Dasselbe wird für Assad und Syrien gelten - nur sein Tod wird, nach den gelten Ehrbegriffen, für 'sein Volk' akzeptabel sein.
Das Sterben und der Tod eines Diktators sind ein klarer Spiegel seines Regimes und dessen, was er seinem Volk angetan hat (Churchill??). Das aufgestandene Volk rächt sich mit der einzigen Form von Rache, die es hat: dem Tod. Verglichen mit anderen in der Geschichte ist das Sterben von Ghadhafi geradezu schnell und menschlich über die Bühne gegangen. Seien wir froh, dass die Rebellen uns eine langwierige westliche Aburteilung (wie im Jugoslawien-Krieg) erspart haben.

Tiger hat gesagt…

Ich bin nicht froh darüber, und finde, Du solltest es auch nicht sein. Persönliche Rache ist notabene nicht Bestandteil der Justiz. Rächen darf nur der Staat.

War Milosevic' Prozess eine Zumutung für das bosnische, Görings fürs jüdische Volk? Nein, solche Prozesse sind Zeichen für die Demokratie, für die Zivilisation. Fehlende Prozesse und standrechtliche Erschiessungen sind Zeichen für vordemokratische und unzivilisierte Zustände. Dass viele Nazis verurteilt wurden, muss als sehr grosse zivilisatorische Leistung betrachtet werden. Wenn Du das nicht (mehr?) tust, dann gibst Du demnach nicht sehr viel auf die Zivilisation.

Tiger hat gesagt…

Und noch etwas: Den Internationalen Strafgerichtshof abschätzig als irgend einen beliebigen Ort zu bezeichnen, wie Du es tatst, ist schon einigermassen öh beschränkt...

Astrid hat gesagt…

Abschätzig? Beschränkt? Beliebiger Ort?
Von mir aus, Tiger! Auf dieser langweiligen Basis habe ich keine Lust zu diskutieren.....
Gute Nacht.

Tiger hat gesagt…

"Es ist doch völlig klar, dass ein Ghadhafi, der vor irgend einem Tribunal in Den Haag oder sonstwo gestanden hätte (...)" (Zitat, Astrid, 30.1., 16:56)

"irgend ein Tribunal" ist eine abschätzige Bezeichnung, "sonstwo" beschreibt einen beliebigen Ort. Das "Beschränkt" kann ich nicht festnageln, aber für mich ist das eine Bezeichnung des Ton des Satzes.

fufi hat gesagt…

Hey Tiger: Komm mal wieder runter, ja?

Und lies mal nicht nur die Wörter, die Astrid geschrieben hat, sondern auch ihre Worte!

OK?

Tiger hat gesagt…

Gilt das auch für sie?

fufi hat gesagt…

Hey Tiger!

Jetzt versteh ich dich aber ganz und gar nicht!

Astrid hat dich mit KEINEM Wort angegriffen, hat DICH nicht mal erwähnt!

Vielleicht als Lesehilfe: Lies den Text mal so, als wäre er "fufi-style" geschrieben?

Na, siehste!

Tiger hat gesagt…

Du hast Recht. Ich habe den Humor vergessen. So ein falscher Fehler.

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