Ich beziehe mich hier auf den Kommentar von mila, wo sie am 22.
Mai 2014 20:15 geschrieben hat.
„Ich denke mittlerweile, dass Gewalt intrinsisch in unserem
Gesellschaftssystem angelegt ist.“
Ich gehe da weiter zurück, SEHR viel weiter!
Gewalt ist „auf die Erde“ gekommen, kurz nachdem das Leben
auf der Erde entstanden ist, weil: „GEWALT“ im gemeinten Sinne ist ja stets Gewalt gegen Leben.
Weil: Wenn ein Fels auf einen anderen Fels fällt mag das ja
„gewaltig“ sein, hat in diesem Sinne aber NICHTS mit „Gewalt“ zu tun, ich
denke, da sind wir uns einig.
Gewalt ist stets Gewalt gegen anderes Leben
Und diese Gewalt muss ja nicht mal „absichtlich“ geschehen.
Und DAS ist in den allermeisten Fällen der Fall, AUSSER es geht um den Homo
sapiens sapiens.
Schon die ersten UR-Einzeller haben sich andere UR-Einzeller
einverleibt, zwecks Nahrung.
Beispielsweise ist nachgewiesen, dass die Mitochondrien –
die „Kraftwerke“ der tierischen Zellen – ursprünglich mal eigenständige
Lebewesen waren. Die wurden ja regelrecht versklavt, sozusagen!

Oder die „Verdrängung einheimischer Arten durch invasive Eindringlinge“.
Ist ja auch eine Form von Gewalt, wenn amerikanische Grauhörnchen die
englischen Eichhörnchen aussterben lassen, bloss weil sie „fitter“ sind im
betreffenden Lebensraum?
Oder so böse ausländische Pflanzen die Ur-schweizerischen
Gewächse „verdrängen“.
Australopithecinen im Massanzug
Neurobiologisch gesehen sind wir noch immer Affen, oder
Mäuse oder Krokodile.
ALLE unsere Gefühle, Begierden Triebe und so, vielleicht
sogar unsere Handlungen, werden gelenkt von Hirnstrukturen, die wir +/- mit den
meisten Säugetieren, Reptilien und Vögeln gemeinsam haben.
Und die auch bei allen gleich funktionieren!
Heisst: DAS, wo wir Menschen meinen, dass es uns vor allen
Lebewesen auszeichne, ist und bleibt gesteuert von DEM, was uns mit vielen
Lebewesen verbindet:
Und irgendwie und aber und Fragezeichen und so:
Könnte nicht sogar so ein reanimierter Neandertaler ins
Parlament gewählt werden?
Und bist du nicht willig .......
Und genau DARUM geht’s nämlich!
Wenn ALLE ANDEREN genau das tun würden, wo ICH will, dass
sie es tun sollen, tja DANN würde Friede herrschen auf Erden.
Aber leider habe ICH keine Lust zu tun, was ER oder SIE mir
sagen, dass ich es zu tun hätte. Gegenteilig!
Und deshalb meine ich, und zwar nicht eigentlich entgegen mila:
Gewalt ist intrinsisch in UNS SELBST angelegt!
Und willst du nicht mein Bruder sein
DAS ist nämlich der grosse Unterschied zwischen tierischer und menschlicher Gewalt.
MENSCHEN wenden auch dort Gewalt an, wo sie weder für's Überleben noch für die Fortpflanzung nötig ist.
Aber auch das scheint ja schon eine fast biblische Tradition zu sein.
Da mag es ja auch nicht erstaunen, dass damals auch das einig Volk von Brüdern - ja, ganz genau DAS - sich gegenseitig die Köpfe einschlug:
MENSCHEN wenden auch dort Gewalt an, wo sie weder für's Überleben noch für die Fortpflanzung nötig ist.
Aber auch das scheint ja schon eine fast biblische Tradition zu sein.
Da mag es ja auch nicht erstaunen, dass damals auch das einig Volk von Brüdern - ja, ganz genau DAS - sich gegenseitig die Köpfe einschlug:
"Die Batterie Rust bei Gislikon - Jakob Ziegler"
"Der siegreiche Kampf der Eidgenossen gegen Jesuitismus und Sonderbund"
"Der siegreiche Kampf der Eidgenossen gegen Jesuitismus und Sonderbund"
Wir haben keine Chance. Wollen wir sie nutzen?
Wir sind, sagen wir, vernünftig.
Wir sind religiös, sagen die einten, oder ethisch, sagen die
anderen, und die Politiker sind auch so schaurig und ebenso ehrlich darum bemüht.
Oder wasweissichauchimmer was wir sind.
Und wir alle wollen bloss eines:
Frieden auf Erden und allen Menschen ein Wohlgefallen.
Aber bittesärr: SO, wie ICH es will!
und zum Schluss noch das da:
Wirtschaftliche Gewalt, mal anders
Die Kuhrasse „Freiburger Schwarzfleckvieh“ ist seit 1975
ausgestorben. Damals wurde der letzte reinrassige Stier geschlachtet. Die Kühe
(davon gab’s noch ein paar) also eben: die hatten halt einfach zuwenig Milch
produziert.
Das heutige Maskottchen der Milchindustrie, ebenfalls
schwarz-weiss, ist dagegen eine Holsteiner Kuh wo so ganz urschweizerisch
Lovely heisst.
Dazu Swissmilk auf der Webseite:
„Ab 1965 begann die systematische Einkreuzung mit dem
nordamerikanischen Holstein-Typ. Damit entstand eine leistungsfähige Milchkuh.“
Und das Lidl dazu
ja, das ist das, wo ich möchte, dass es bei
meinem Abschied gespielt wird:




90 Kommentare:
Australopithecinen heissen auf Deutsch "Südaffen".
@Mila: Interessanter Kerli, dieser Ferguson. Er unterstützte George W. Bushs Intervention im Irak und sagte mal über John Maynard Keynes, dass dieser sich in seinen Theorien nicht für die Zukunft interessiert habe, sei logisch, weil er schwul gewesen war und keine Kinder hatte.
Ganz nach meinem Geschmack, dieser Herr Ferguson.
@Fufi: Das meiste von dem oben ist, sorry, ausgemachter Blödsinn.
Gang rüef de schwaazwiihiiseeee
achach.
Keynes war ein ganz Grosser, das sehen viele Leute so. Fergus war ein Trottel, das sehen auch viele Leute so.
@Orlando
Whisky einschenken, Schminéé einfeuern, Havanna anzünden und dann nochmal drüber nachdenken, ok?
Nur schnell.
@Kat: Das faszinierendste am Vortrag von Ferguson war, dass er es war, der ihn gehalten hat.
@Orlando: Sie wissen sicher auch, wer das Girlfriend von Ferguson ist? Wenn wir schon beim Gossiping sind. ;)
Nach acht Stunden Kaminfeuer, 3 Flaschen Cognac und 7 Cohibas: Nein, ist immer noch Blödsinn.
Aber: isch ja gwaltig!!!
Marine stärkste Kraft. Die Konservativen gewinnen die Europa-Wahl! In your faces!
Das Pendel schlägt zurück.
Die sogenannten "liberalen Kräfte der Mitte" haben sich zu lang von den Sozialisten und Politisch Korrekten vor den Wagen spannen lassen. Endlich entpuppt sich in Europa zur Kenntlichkeit, was andernorts längst Sache ist: Es gibt keinen dritten Weg.
"Ein Imperium (als Beispiel der Klassiker des Imperium Romanums) etwa ist nicht eine reine Hierarchie mit einem zentralen Hub. Eine solche Topologie wäre nicht 1000 Jahre überlebensfähig gewesen."
Genau das ist der Punkt: Ferguson stellt zwar Hierarchie und Netzwerk einander begrifflich gegenüber (um sie als geschichtlich wirkende Prinzipien zu verdeutlichen). Aber als Historiker verweist er auch auf ihr Zusammenspiel: (spontane, vertikale) Netzwerke als innovative Inputgeber für (stabile, horizontale) Hierarchien. Ich habe jedenfalls schon viel dümmere historische Interpretationsmodelle gesehen.
Wenn man sich das bisherige Portfolio des Herrn anschaut, hätte man ihm soviel (Sozial-)Kritik nicht zugetraut. Zumal er durchaus zu jenen gehört, die die oberen Stockwerke von Metropolis bewohnen.
"Die menschliche Gesellschaften (plural!) als Teilsysteme dieser Biosphäre, sind nun daran, über die evolutionsbedingten Begrenzungen der Fähigkeit, nur auf dem Massstab des Clans sozial-empathisch zu funktionieren zu können, hinauszuwachsen – oder unterzugehen, im Bewusstsein, dass hierarchische Lösungskonzepte historisch betrachtet, immer versagten."
Ich glaube eben nicht, dass Clanbewusstsein evolutionär in uns angelegt sind. Sondern, im Gegenteil, Inter-Beingness.
Die schöne Nubierin, hah! Na gut, was sie über den Islam sagt, ist wahrlich beleidigend. Den Streifen "Unterwerfung", den sie zusammen mit Theo van Gogh machte (der wenig später eines unnatürlichen Todes starb) zog ich mir gestern noch bis zur Hälfte rein – und er widerte mich offen gesagt an, und zwar nicht in der Weise wie das die Macher beabsichtigten.
Übrigens sind sie verheiratet. Und haben Kinder.
Inter-Beingness Blimey!
Habe ich heute eigentlich schon über den Sieg der Konservativen und der Rechten gejubelt (obwohl mir die Vorgänge innerhalb der EUdSSR eigentlich am Allerwertesten vorbei gehen)?
Also hier: JUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUDIHUUUUUUUUUUUUUUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!!!!!!!!
Orlando, wenn es Sie beruhigt: Ich rede nicht von Selbstauflösung, sondern von der Ur-Verbundenheit aller (Lebe-)Wesen. ;)
Oder weshalb, denken Sie, (be)trifft es uns, wenn fremden Kindern Leid angetan wird? Hätten wir nur ein Clanbewusstsein, könnte es uns, völlig emotionsfrei, schnurzpiepegal sein. Ist es uns aber nicht.
Mila, Du hast mich gleichermassen erfreut wie überrascht mit Deinem langen Dostojewski-Zitat (ich habe nie Dostojewski gelesen). Die Bescheidenheit, die man daraus lesen kann, stünde vielen Selbstgerechten gut zu Gesicht. Sie müssen die Selbstkasteiung ja nicht grad übernehmen. Was das Zitat von Dir sagt, weiss ich nicht, und ich muss es nicht wissen, wenn das nicht nötig ist. Wen es Katharina weiss, oder der Spur nach weiss, dann ist das ok.
Nein, Orlando, Putin sieht sich in diesem Zitat mit Sicherheit NICHT wieder.
Mila: "wir wollten nie Teil einer Selbsthilfegruppe sein" - naja, ich weiss nichts über Euch, aber zu schreiben, mein Herz zu dumpen (Katharina weiss, was ein "Dump" ist), hilft mir beim Leben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei Euch anders ist. In der Lounge verbringen wir je nach Tag viel Zeit. Und das täten wir nicht, wenn wir nicht den Eindruck hätten, dass uns das was bringt. Dass die einen von uns das aus Sendungsbewusstsein tun, ist nicht erstaunlich, aber das ist sicher nicht das einzige Motiv. Weil senden kann man zwar gut hier, aber der Empfängerkreis ist beschränkt. Was mir nichts ausmacht, aber ich verstehe nicht, dass das Orlando nicht grausamst nervt.
"Von was für einem Verbundensein sprechen Sie? Die Netzverbundenheit ist hohl, sie grenzt an der Oberfläche." Ich stimme NICHT zu, mila. Sie kann es sein, klar, bei Leuten, die 500 Facebookfreunde haben ist es meist so. Aber bei mir ist es nicht so. Ihr seid meine Freunde, mehr, viel mehr, als mein Nachbar es ist, der nur hochkommt, um sich zu beschweren, dass die Kinder manchmal trampeln und dass sie auf der Terrasse plaudern um 21 Uhr. Auch Orlando - he, wer sagt, denn, dass man mit Freunden gleicher Meinung sein muss? Wenn ich ihn in der Beiz sehe, kauf ich ihm ein Bier, ist ja klar. "Es hat vielfach keine, oder wenig, Substanz." - das glaubst Du selbst nicht, Mila. Wieso bewegst Du Dich in einem substanzlosen Raum? Das brächte doch nichts. Tja. Du tust es ja nicht. Der Raum hat ja Substanz. Oder verstehe ich Dich falsch? Kann sein, for I am a simple stupid engineer.
"Muss man sich immer bis in die innersten Schichten entzwiebeln, um authentisch zu sein?" Natürlich nicht, das würde ja auch Kat nie behaupten. Bis ins innerste "entzwieble" ich mich ja nicht mal vor mir selbst.
Orlando, wieso musst Du immer über andere Leute spotten? Das ist so ärgerlich, mein Lieber, lass das doch. Niemand interessiert sich dafür, denn dass Du beliebig cool bist, das glauben wir dir auch so (oder auch so nicht), dazu braucht es keinen Spott Deinerseits.
Kat, von wegen zentraler Hub: Frankreich lebt seit Jahrhunderten so, und es hat ja Niederlassungen rund um die ganze Welt. Deine Beobachtung von der Ähnlichkeit von Internet und Demokratie ist eine interessante. Das Internet ist in Wahrheit ja weniger netzförmig als man denkt. Es gibt eine begrenzte Anzahl von Autonomen Systemen, welche das Internet ausmachen, es sind, schätze ich, gegenwärtig rund 45000. Und alle kleineren Internetprovider (also die Swisscom, die Cablecom und so weiter) hängen an einem (meist an mehr als einem) davon (die grossen Provider sind sogar selbst ASe). Diese ASe sind zwar schon vernetzt, aber sie sind hierarchisch schon etwas anderes als ein einfaches Internetcafé oder ein Provider. Dessen ungeachtet ist das Internet nicht irgendwo an einem dicken Faden aufgehängt und verzweigt sich dann (und wenn dieser Faden bricht, dann fällt alles auseinander: single point of failure). Sondern es ist an diesen 45000 Fäden aufgehängt, weltweit. Wenn die Weltgemeinschaft sich entschlösse, die Schweiz abzuhängen, dann wäre das technisch schon machbar, die schweizer Provider müssten dann ihre Verbindungen zu ausländischen ASen kappen und sich untereinander verbinden (über einen schweizerischen AS, den sie auch neu bilden könnten - und der dann halt irgendwo sonst aufgehängt wäre, entfernt von den anderen Netzen). In der Schweiz wäre das Internet zwar nicht mehr besonders nützlich, aber Daten übermitteln von Zürich nach Genf (oder besser von Hinterpfupfikofen nach Untergüllenhauswilen) ginge nach wie vor. Scottsbluff NE wäre von Bellwald aus halt nicht mehr erreichbar. Und umgekehrt.
Soo, soviel zur Internettopologie. Sie hat sich in den letzten 30, 40 Jahren so herausgebildet, sie war zu Beginn natürlich nicht so geplant. Aber sie funktioniert, und sie macht das Internet stark. (Grad heute habe ich gedacht, dass das Internet aus seinen bescheidenen Anfängen das Wachstum bis heute ertragen hat, und das war ein extremes. Man stelle sich vor, man hätte 1600 das Weltnetz an allen Wegen, Gassen, Strassen, Achsen und Autobahnen, das es heute gibt, schon einmal geplant... oder zumindest die Infrastruktur dafür vorausgedacht... undenkbar. Das Internet stösst zwar an gewisse Grenzen, aber nicht an so prinzipielle, dass es nicht mehr wachsen kann, man muss einfach gewisse Techniken, die es seit 35 Jahren tun, auswechseln) Hier die Analogie zur Demokratie aufzuhängen ist nicht daneben. Obschon ich denke, dass es viele Länder gibt, welche eine solche Struktur eher nicht haben und Regenten, die sie nicht wollen. Putin will Zar sein. Merkel will aber nicht Kaiserin sein und Obama nicht König.
So, jetzt muss ich was anderes tun, mehr kommt dann von mir. Irgendwann.
Mein Kommentar wird derzeit nicht entgegen genommen. Hat jemand eine technische Lösung dazu? Ich kann nicht alles in die Handytastatur tippen
Und gleich fallen sich alle hier um den Hals und knutschen sich ab, oder was? Widerlich.
Diese Diskussion bewegt sich ja bisher in einer für einige Teilnehmer offenbar angenehmen (weil distanziert-luftigen) Flughöhe des rein Theoretischen. Zwischen den Wortwolken hindurch scheint zwar noch der Boiden der Realität, des Beispiels, der konkreten Anwendung und des handfesten Arguments, aber das kümmert einen ja nicht bei den Freiflugstunden. Sogar vor einer gescheiten Analogie schreckt man noch zurück.
Mit der Folge, dass man fast nur zustimmen kann. Inter-Beingness statt Clandenken. Jaja, momoll. Harmonisch getrimmtes Wellness-Speak in der Hochglanzausgabe.
In Europa sieht man gerade, wohin sowas führt. 20, 30 Jahre Schönsprache haben zur Aushöhlung der Sinngehalte geführt. Sie sind beliebig geworden, austauschbar. Die Menschen sind nicht dumm. Die merken das. Eine hochbezahlte und Funktionärs- und Politikerkaste hat im elfenbeinturmartigen Brüssel den Kontakt zur realen Welt verloren. Griechenland war das Fanal. Nun kann man von beidem, sowohl den Sünden der Hellenen als auch von der Art und Weise der Rettung halten was man will: Den ersten wirklichen Test hat dieses Gebilde nicht bestanden. Und den Leuten hinterrücks mit dem Vertrag von Lissabon die zweimal demokratisch abgelehnte Verfassung aufoktroyiert.
Mir kann es ja egal sein. Ich glaube, es ginge auch ohne die EU. Ein Zusammenschluss der nordwest- und Mitteleuropäischen Staaten würde reichen. Aber jene, die noch immer vom Nachkriegs-Friedensprojekt* faseln, haben ein paar Schritte verpasst und nicht gemerkt, dass wir uns in einer ganz anderen Phase befinden.
Die Maschine ist jetzt bereit zum Landen. Bitte schnallen Sie sich an und klappen Sie die Sitze hoch.
(*ist ja ohnehin ein schlechter Witz: etwa neun heutige EU-Staaten waren bis 1990 unsere Feinde und jederzeit bereit, von ihrem Territorium aus einen atomwaffengestützten Invasionskrieg gegen uns auszulösen. Also rund ein Drittel der heutigen EU befand sich bis vor rund 30 Jahren noch in einem faktischen, kalten Kriegszustand gegen die anderen zwei Drittel - nur so wegen "längste Friedensphase in Europa"...)
@Tiger: Deine Worte haben mich auch berührt. Aber jetzt bitte nicht abheben.
@Orlando: Ja ja, Sie sind auch ein Teil der Combo. ;)
@Kat: Ich denke, Eisenstein gibt in seinem neuen Buch eine einleuchtende Antwort auf Deine Abschlussfrage. Unabhängig davon, ob neu eingeschaltete, schlummernde Gene am Werk sind (I believe so), oder eine bislang ungenutzte Region in unserem Kopf (Gehirn ist so ein unästhetisches Wort).
"I do not offer this book as someone who has completed this transition himself. Far from it. I have no more authority to write this book than any other man or woman. I am not an avatar or a saint, I am not channeling ascended masters or ETs, I have no unusual psychic powers or intellectual genius, I have not passed through any remarkable hardship or ordeal, I have no especially deep spiritual practice or shamanic training. I am an ordinary man. You will, therefore, have to take my words on their own merits.
And if my words fulfill their intention, which is to catalyze a next step, big or small, into the more beautiful world our hearts know is possible, my very ordinariness becomes highly significant. It shows how close we all are, all of us ordinary humans, to a profound transformation of consciousness and being. If I, an ordinary man, can see it, we must be almost there."
PS@Orlando, mit Bezugnahme auf Renzi:
Schlägt das Pendel immer noch zurück? Oder müssten Sie anhand dieses handfesten Gegenbeispiels Ihre Siegesanalyse leicht modifizieren. ;)
Das ist jetzt die Zwickmühle: Nachdem man jahrelang (wegen Berlusconi) auf die Italiener heruntergeschaut und mitleidig gelächelt hat "die spinnen, die Italier, dolce far niente, Mafia, Abfallchaos, Bunga bunga, kopfschüttel" sollen sie nun plötzlich eine Vernunftskehrtwende eingeschlagen haben? Und weil sie links gewählt haben, ausgerechnet?
Die fette Jahre sind vorbei. Es war schön, solange es währte und man sich eine bürgerliche Regierung eines egomanischen Cavaliere gönnte, der - unterm Strich - den Mittelstand gestärkt und dem Land ein paar seiner wirtschaftlich besten Jahre verschafft hat. Das haben die Italiener voll ausgekostet. Jetzt wo ein steiferer Wind weht kehren sie in alte Muster zurück. Das ist ganz normal und hat nichts mit einer Trendwende zu tun.
Und es schwang wiedemal unterschwellig die Haltung mit: Links = vernünftig, Rechts = pfui. Ist das wirklich ihre Haltung, Mila?
Nein, Orlando, das spüren Sie (unterschwellig) falsch heraus: ich bin weder links noch rechts. Am ehesten kann ich mich nach wie vor mit dem von Ihnen oft geschimpften Etikett liberal identifizieren - wobei ich dieses lieber nicht parteilich betrachte.
Und meinen Sie das Obgesagte wirklich ernst? Italien ist ein Land am gesellschaftlichen Zwiepalt. Wohlgesagt nach der 'bürgerlichen' Herrschaft des 'Cavaliere' (aber sagen Sie mir bitte, was an seiner Haltung war denn eigentlich bürgerlich?).
Das Pendel, das ich jedenfalls beobachte, schwingt jeweils von einem ins andere Extrem. Da alle wohlfeilen Versprechen, egal von welcher Seite, sich jeweils zielsicher in Luftschlössern aufzulösen pflegen.
Mila, ich kenn das Problem, beim chrome kann ich nicht posten (ja, das ist unlogisch). Ich poste mit dem Opera, da geht's. Also Opera installieren.
Orlando, also ich kann mir Übleres vorstellen, als mit Katharina rumzuknutschen. Immerhin ist sie eine Frau. Zwar eine, die auf Frauen steht, was es für mich unangenehm machen täte, aber noch nicht so unangenehm, wie mit einem Typen rumzuknutschen...
Katharina: Das mit der Evolution, die die Empathie einzugemeinden beginnt, ist zwar ein nettes Bild. aber nicht sehr gut. Immerhin ist die Evolution ja LANGSAM. Von Generation zu Generation gibt es im Schnitt weniger als 100 Änderungen in Genen (also in Basenpaaren), das ist verschwindend wenig. Verglichen mit der Kultur steht die Natur also still.
Hinter jedem Nick ist ein Mensch. Genau, Kat. Und wir merken das viel stärker als früher, als der Internetmeinungsaustausch noch neu war.
Ich heb schon nicht ab, mila, ich bin ja fundamental am Fundament. Oder so.
mila, wegen Renzi: Die Italiener sind irgendwie schon unernste Gesellen, wie sie innert weniger Jahre so geschlossen vom Berlusca auf Renzi wechseln. Mich beeindruckt das aber schon. Die Analyse von Orlando stimmt schon der Spur nach, aber ich sehe halt, dass a) die Italiener hier zum ersten Mal seit Jahrzehnten eine gute linke Alternative präsentiert gekriegt haben und b) dass sie jetzt gesehen haben, dass Berlusconi verschissen hat.
Was bürgerlich war an Berlusconi: dass die nordalpine Linkspresse seinen Namen nicht aussprechen konnte ohne Schaum vorm Mund zu bekommen, zum Beispiel. Man erinnert sich auch an den peinlichen Auftritt von Martin Schultz im Parlament damals (als ihn der schmunzelnde il Cavaliere postwendend als Darsteller in einem Weltkriegsfilm vorschlug; als KZ-Wärter).
Was kennzeichnet Bürgerlichkeit in diesem Fall? Fleiss, Ehrgeiz, das Geld den Leuten lassen, die es verdient haben, Schaffeschaffehäuslebaue a litalienne, private Vermögenszuwächse ganzer Mittelstandsschichten, vafanculo al governo, der arbeitsame und strukturstarke Norden schaut für sich, Eindämmung des Gewerkschaftsdiktats und anderer linker Zöpfe aus den Siebziger Jahren (linke Richter und Professoren etc.). Dafür stand il Popolo della Liberta. Alles eher keine linken Werte, die da verwirklich wurden, oder?
Und vom guten alten wohlmeinenden Machismo der Ära Berlusconi genz zu schweigen!
Die Italiener werden auf die Nullerjahre zurückblicken und seufzen: quegli anni dorati, eravamo tani felici!
Wer mal mit den guten Leuten von der Markthalle in Renzis ureigenem Terrirtorium (alles Einzelunternehmer) Kaffee schlürfend, Finocchiona-Wurst und Taggiasche-Oliven schnausend, über Politik geschwatzt hat konnte keinen Zweifel daran haben, dass Menschen mit Köpfchen gemerkt haben, dass der Mann dem Land wirtschaftlich gut tut.
Die Liebesaffäre hatte jedoch ein Verfalssdatum, das haben beide Verliebten zu spät gemerkt. Und die zersetzenden linken Wühlmäuse haben mit juristischem Kleinklein ihre über Jahre betriebene Kampagne dann schlussendlich doch noch zum Erfolg ad hominem geführt.
Orlando, das ist unter Ihrer Würde. Ich meine ja, Wurst und Oliven machen vieles wett (Whisky auch) - aber nicht den Raubtier-Kapitalismus eines 'Cavaliere'. Ich lese demnächst Piketty, und ich bin wirklich sehr, sehr gespannt auf seine Ausführungen. (Oh Gott, höre ich mich jetzt übertrieben links an? Ich denke nicht: ich glaube immer noch an Freiheiten als Verwirklichungschancen. Einheitsbrei ist mir zuwider.)
Okay, ich gebs zu: Ich verdrückte dort an einem kalten Wintermorgen natürlich keine Oliven, sondern etwas, dessen Name ich vergessen habe, das aber zu den kulinarischen Sternstunden meines Lebens zählt: Der Metzger hat eine kleine Beiz für die Markttreibenden, in der er jeden Tag einen Riesenmocken Bullenfleisch um 4 Uhr (wenn der Markt beginnt), in einem herrlich fleischig-tomatigen Sugo mit Rotwein und einer Geheimrezeptur an Gewürzen kocht und dann, ab etwa 10 Uhr, kann man für ein paar Euro ein paar butterzarte, unglaublich aromatische Tranchen davon zwischen zwei frischen Ciabatta-Scheiben haben. Da steht man dann am Tresen i der kalten Durchzugsluft und macht sich über das beste verdammte Sandwich der Welt her und weint ein paar Freundentränen vor lauter Dankbarkeit und Genuss. Und bestellt noch ein Gläsli Chianti zum Runterspülen.
Worin nun genau der Raubtier-Kapitalismus italienischer Ausprägung bestehen soll, müssten Sie vielleicht noch erläutern. Danke.
@Orlando
Mit deinem Kommentar vom 27. Mai 2014 12:15 haste dich selbst übertroffen!
dgn, sozusagen!
@Orlando: Wer und Was und Wo warst du vor 30 Jahren?
"Also rund ein Drittel der heutigen EU befand sich bis vor rund 30 Jahren noch in einem faktischen, kalten Kriegszustand gegen die anderen zwei Drittel".
Magste dich noch erinnern:
"Am 25. März 1957 wurde die EWG mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge durch Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, die Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland gegründet".
Irgendwie waren DIESE Länder ja noch vor bloss 12 Jahren in einem Weltkrieg sich als Feinde gegenübergestanden
Ok, das war noch nicht die BRD sondern das heilige arische Reich deutscher Nation.
Ich widme mich jetzt meinem ganz persönlichen Hafenkran-Projekt und wünsche ALLEN einen schönen Abend!
Senti po'. Könntest Du Dir nicht etwas Mühe geben beim Italienischschreiben? Wenn Du es halt nicht besser weisst, ok, aber diese Ansammlung von Flechtigkeitsfuhlern ist ja unappetitlich.
Nein, Kat, das geht bei mir. Aber beim Chrome poste ich und der Text geht verloren und das Form ist leer. Man kann zurückgehen und bekommt ihn wieder, immerhin, aber gepostet ist er nicht. Darum habe ich mehrere Browser installiert bei mir.
Dass ich mit dem Konkurrenten von Googlesoftware eine Googlesite besser bedienen kann als mit Googlesoftware selbst, ist schon ironisch. Zum googlen komisch.
Ja, deshalb habe ich ja die Chesterfield Sofas verholzt, das Teak verfeuert und mit dem Schnaps die ganze Bude angezündet. Weil mir das ganze schöngeistig, letztlich nichtssagende Hochglanz-Blabla von Leuten mit zuviel Tagesfreizeit im Nirgendwo des Netzes gehörig auf den Wecker ging.
Overview Effect! Meine Güte, welch stümperhafte Hybris. Diesen Effekt kann man günstiger haben als mit ein paar Weltraummissionen: Man muss sich nur die Missa Solemnis anhören. Also wirklich, mit dem Kinderkram kann man vielleicht picklige Teenager im Planetarium beeindrucken. Aber doch nicht uns!
Also, bevor jetzt noch der dämliche Herr Dawkins hier auf einem Videofilmchen aus dem Naturkundemuseum hereintanzt und uns vor einem Dinosaurierskelett erklärt: "We don't need God", suche ich lieber das Weite. Sonst flimmern am End wieder so "chirurgisch analytische" Filmchen über den Bildschirm, wo zwei Lesben einen Mann töten.
Fliegt, ihr Vögel. Fliegt! Aber verbrennt euch die Flügelchen nicht, wenn ihr der Sonne zu nah kommt. Das macht Aua, und man stürzt im Sinkflug auf den Boden. Platsch.
p.s.: Natürlich öffnen wir laufend neue Türen. Und betreten neue Räume. Und dort hat es wiederum mehrere Türen. Wir geben verdammt viel Geld aus, damit wir immer mehr Türen öffnen können. Und kommen in noch mehr Räume mit noch mehr Türen. Im Labyrinth der menschlichen Erkenntnis findet eigentlich die gegenteilige Bewegung statt: Die Zerteilung des Seienden in kleinste und noch kleinere Teile. Anders gesprochen: immer noch weiter zurück, an den "Anfang". Aber Gott lässt es nicht zu, Gott lässt sich nicht in die Karten schauen. Anders gesagt: Wir können die Partitur der Missa Solemnis analysieren, die Entstehungsgeschichte des Werks erforschen, Skizzen dazu auswerten, wir können die innere Struktur und die harmonischen Gesetzmässigkeiten zu Tode analysieren, wir können die Töne messen, die Instrumentierung studieren, wir können das ganze Werk auseinanderbauen und aus Fragmenten neu zusammensetzen. Es wird uns vielleicht sogar gelingen, zu verstehen wie Beethovens Hirn funktionierte als er das schrieb. Allein, wir werden dadurch nie eine zweite Missa Solemnis erzeugen können. Und verstehen, weshalb es uns bewegt, wenn wir sie hören, das gelingt uns sowieso nicht.
Haha, Kolumne von SP-Strahm: Man müsste die SVP wieder voll in den Bundesrat einbinden und mitverantwortlich machen.
Entscheidet euch endlich mal, ihr sauberen 70%+ ! Bisher ist genau das nämlich an euch gescheitert. Es wird langsam mühsam mit euch.
@Kat: Im Kommentar von 7.47 stand fast dasselbe drin, was ich am 26. posten wollte. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich noch zusätzlich geschrieben habe, dass wir uns wohl nicht widersprechen, sondern von Gegenseiten auf die Materie zugehen würden.
Und bist Du Dir sicher, dass Du unsere Rollen nicht verwechselst? ;) Wobei es stimmt, Analytik habe ich zugunsten von Synoptik fast vollständig aufgegeben.
@Orlando: (Ihr) Gott lässt sich vielleicht nicht in die Karten schauen - weil Sie da gar nicht reinblicken wollen. Sie sind zufrieden damit, aus grosser Distanz auf ihn zu blicken - als ehernes Gegenprinzip zur fehlbaren menschlichen Natur. Mea culpa, mea maxima culpa. Was für ein kleinmütiger Gott müsste dieser aber sein, um seine Geschöpfe derart niedrig zu halten.
Ich halte es daher mit dem Thomas-Evangelium, in dem Jesus spricht:
"Wenn die, die euch führen, euch sagen: Seht, das Königreich ist im Himmel, so werden die Vögel des Himmels euch vorangehen. Wenn sie euch sagen: es ist im Meer, so werden die Fische euch vorangehen. Aber das Königreich ist in euch, und es ist ausserhalb von euch. Wenn ihr euch erkennen werdet, dann werdet ihr erkannt, und ihr werdet wissen, dass ihr die Söhne des lebendigen Vaters seid. Aber wenn ihr euch nicht erkennt, dann seid ihr in Armut, und ihr seid die Armut."
Einfacher noch drückt es Grönemeyer mit einem einzigen Satz aus: Die Erde ist unsere Pflicht.
Zu Berlusconi:
Was Berlusconi eindeutig nicht gemacht hat, ist dem klientelen Beziehungs-Kapitalismus den Garaus zu machen. Entsprechend war das Wachstum selbst Mitte 2000, als anderorts die Wirtschaften sich vor dem Crash noch einmal signifikant aufschwangen, sehr bescheiden. Für einen gesunden Mittelstand scheint mir ebenfalls wichtig, dass Reallöhne ansteigen, und nicht zurückgehen.
Sie sind mir zudem die Antwort schuldig, was genau (gut-)bürgerlich am 'System' Berlusconi war.
Nachtrag: Ist Ihnen die FAZ konservativ genug?
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/nach-berlusconi-italien-land-ohne-zukunft-12606302.html
Es nennt sich: das Mysterium. Man versteht es nicht besser, indem man jeden Stein umdreht und schaut, welche Würmer und Käfer darunter krabbeln.
Gott "hält" sich gar nichts, Mila. Und schon gar nicht uns als Geschöpfe. Was ist das denn für ein komisches Bild?
Glauben Sie denn an Jesus, dass Sie ihn zitieren, sich auf ihn berufen? Denn ohne Glauben hat es keinen Belang. Dann ist es ein Wort unter vielen. Platon, Max Frisch, Sun Tzu, Jesus, Grönemeier...
Aber Gott ist nicht einfach eine Perspektive, eine Sichtweise, eine Ansicht. Es ist trivial und unergiebig, einer Diskussion beizuwohnen, in der Gott zerschwatzt werden soll. Daher sagte ich: Ich suche lieber das Weite.
We don't need Dawkins. Diese leere Sicht auf den freischwebenden Planeten. Dieses Schopenhauersche Nicht-Wollen. Diese Sehnsucht nach Auflösung des Selbst, nach der Annihilation des Menschen. Ausdruck tiefer Verzweiflung.
Tatsache ist: Es ist nie zu spät für einen Neubeginn. Gottes Reich ist nahe.
Genau, die Goldene Kette - daran glaube ich. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob Max Frisch dazu gehört.
Das Mysterium ist in Ihnen, Orlando. Und wartet nur darauf, erfahren zu werden (nicht: zerschwatzt).
Reason is the greatest enemy that faith has.
Faith whithout any thinking-about-faith is the greatest enemy that REAL faith has!
Und hierzu beachtet bittebittebittesärr DIESEN Link:
http://www.arth-online.ch
Das ist die Homepage der Gemeinde ARTH, im Kt. Schwyz.ch.
Und DANN klickt mal auf den Reiter "Kirchen".
Und DANN seht euch mal genau, SEHR genau die Kirchen an, wo in der Gemeinde ARTH, im Kt. Schwyz.ch sich anpreisen!
GrinsUndOberGröhl, im Fall!
@Orlando am 28. Mai 2014 11:48
Es ist nie zu spät für einen Neubeginn.
Steppenwolf - It's never too late
https://www.youtube.com/watch?v=2Zxq_vdMYW4
"Gottes Reich ist nahe."
Aber bittebittebitte: NUR um's Kommen beten, NICHT auf eigene Faust etwas nachhelfen wollen, gäll!
Ok, wie wär's denn damit, das wir Christen das "höchste der Gebote" so richtig, richtig meine ich, befolgen täten:
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst"?
Und da hab ich noch was Interessantes, von wegen Bunga-Bunga-Präsidenten anderen verhinderten Volksbefreiern:
Ok, s'ist aus dem Tagi:
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Mehr-Punk-weniger-Hoelle-/story/25977893
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand
kommt zum Vater denn durch mich.(Joh 14,6)
Niemand, und
Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. (Joh. 14,15). Und noch deutlicher: Wer meine Gebote hat und hält sie, der' ist's, der mich liebt (Joh. 14,21).
Nur glauben und sich geliebt fühlen reicht nicht. Jedenfalls nicht im Christentum.
Es gibt keine Gottheit im Menschen, das ist Esoterik. Göttlichkeit ist nicht etwas, was man im Yogakurs erfahren kann. Unser Seelenheil (darum geht es, um nichts anderes) ist allein von der Gnade Gottes abhängig. Wir können nichts weiter dazu tun, keine Opfer bringen, nicht uns in den Himmel hochdienen, nicht durch unsere vernunftmässige Intelligenz noch durch spirituelle Übungen. Sondern nur, indem wir seinem Beispiel filgen und die Gebote halten. Wenn wir das nicht tun, sündigen wir.
Hier das ganze Zitat, Fufi: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! (Markus 1,15)
Umkehren, Leute! Und glauben. lieben. hoffen. Und beten: Kniet nieder, ihr sündigen Völker, vor Gott, dem Herrn!
Man sollte die Botschaft nicht verwässern und nicht verfälschen, bitte.
des Weiteren dann die Diskussion über die Entstehung von Werten: Vergewaltigung, Mord, einfache Tötung, Inzest, Freitod und vieles andere mer ist nach rein rationalen, vernunftsgeleiteten Denkmustern durchaus akzeptabel, d.h. widerspricht einem vernunftsgeleiteten Verhalten keineswegs. Erst der Rückgriff auf christliche Werte (die "Gebote" eben) ermöglicht es, dass uns diese Zuwiderhandlung quasi "natürlich" als sanktionswürdig erscheinen. Logisch, denn ohne Gottesglauben gibt es auch keine extrahumane Instanz, welche absolut geltende Schutzgüter definieren würde. Die Vernunft selber setzt jedenfalls keine solchen. Die unveräusserliche, absolut geschützte Würde eines jeden einzelnen menschlichen Geschöpfes als rechtsleitende Norm ist ohne das Christentum undenkbar.
Und noch dies mit Paulus in die Richtung der Vernunftgläubigen: Gebt Acht, dass euch niemand mit seiner Philosophie und falschen Lehre verführt, die sich nur auf menschliche Überlieferung stützen und sich auf die Elementarmächte der Welt, nicht auf Christus berufen. (Kolosser 2,8)
Und wenn wir schon bei der Feindesliebe sind@Mr Dawkins: Wie kommen sie dazu, aus Glauben und Vernunft ein Gegensatz-, ja Feindespaar zu machen?
Das ist, äxgüsi, Orlando, gut alttestamentarisch-jüdisch geschrieben.
Weisst du, ICH glaube an den LIEBEN GOTT!
So wie er sich uns am Karfreitag in Gestalt eines gewissen JvN geoffenbartz hat.
Magst du sich noch erinnern, wie er da sagte, zum Verbrecher nebenan:
Mach dir keine Sorgen, noch heute wirst du bei mir im Himmel sein!
Fufi, Dein 15:12:
Mir war ja schon immer die Variante von Martin Buber sympathischer, die ich letztes Wochenende bei einer Konfirmation wiederentdeckte:
Liebe Deinen Nächsten, er ist wie Du.
Ich halte es für wirklichkeitsnäher, Mitgefühl mit unseren Nächsten aufzubringen als uns selber zu lieben.
Ok, Carolina,
in heutigem Deutsch wurde ich auch nicht den M.B. zitieren, sondern sagen:
Liebe deinen Nächsten so wie er ist.
Ich betone: wie er IST!
Nicht wie er handelt!
Weil, irgendwie liegt das Problem ja genau in dieser Diskrepanz?
@Katharina
Mit "real faith" habe ich NICHT den einen, wahren Glauben gemeint.
Sondern:
Weroderwas meint, dass erodersie glaubt, soll sich doch bitte und so auch selbst-kritische Gedanken DARÜBER machen, WAS und WIE und WIESOundso erodersie genau DAS glaubt, was erodersie glaubt.
DAS meinte ich damit!
Und ja:
Wenn erodersie DAS denn auch noch nach selbst-kritischer Prüfung glauben will, dann mag das zwar "real faith" sein, aber vielleicht halt dennoch noch immer nicht der richtige und einzige Glaube an die alleinige und ausschliessende(!!!!) "Wahrheit".
Oh nein, fufi. Genau so: Liebe Deinen Nächsten, denn er ist wie Du. Das geht über ein 'so wie er ist' weit hinaus - es fordert Verständnis für Schwächen ein, hält sich nicht mit dem Be- und Verurteilen anderer auf, sondern weiss, dass wir alle alles in uns tragen. Und wenn wir das wirklich erkennen, können wir den Nächsten so lieben wie uns selbst - bzw umgekehrt.
Ansonsten sekundiere ich Katharina und stelle wieder mal fest: jeder (Mensch!), der sich selbst als den Hort ausschliesslicher Wahrheit begreift, hat etwas ganz Substanzielles nicht begriffen - Diskussionen darüber erübrigen sich.
Man soll die Menschen lieben, weil sie Sünder sind, wie wir alle. Insofern gehe ich mit Fufi einig. Die Sünde aber, die sollt ihr verachten. Schon gar nicht dürft IHR sie jemandem vergeben! Wer seid ihr denn: Gott?
Das Christentum ist kein postmodernes Wunschkonzert. Wer den neuen Bund eingehen will, tue dies: Kehre um und glaube! Soviel zum "alttestamentarisch". Wer es nicht verträgt, sollte sich lieber davon fernhalten.
Kat, ich habe nur reagiert auf deinen "profund säkularen Prozess", den du uns als überlebenswichtig für "UNS und unser Raumschiff Erde" andrehst. Nein, von den Videos habe ich nur den Anfang angeschaut. Ich verlange von dir ja auch nicht, im Konzert die Missa Solemnis anzuhören, und zwar ganz, damit du verstehst, was ich meine und wie ich fühle und blabla.
Ich wollte mich aus dem profan-verflachenden Feelgood-Diskurs ja eigentlich nur verabschieden unter Hinweis auf @Darwins Irrtum.
Das Konzept gab es schon vorher, und parallel in anderen Kulturen. Es ist a) kein Konzept und b) war die Quelle der Heiligkeit des menschlichen Lebens auch in diesen Kulturen eine göttliche und nicht einfach rein rational-vernünftiges Prinzip.
2:0
Sam Harris ("The End of Faith") wich in einer Debatte auf die betreffende Frage aus und faselte etwas von: als universales Prinzip reicht es völlig aus, dass wir alles vermeiden, was anderen Lebewesen Leiden schafft. Eine globale Kultur des Leidenverminderns tue not. Mit SOLCHEN Hausfrauenweisheiten kommen sie dann, die vernunftgeleiteten Neo-Esoteriker, haha :-D
jeder (Mensch!), der sich selbst als den Hort ausschliesslicher Wahrheit begreift...
Genau! Denn die ausschliessliche Wahrheit liegt bei Gott. Und "Diskussionen" über Gott erübrigen sich in der Tat. Sehen Sie, Mila, das meinte ich mit der Variante "Zerschwatzen" :-)
@Orlando
Betest du manchmal?
Und wenn du dann betest,
betest du auch:
"wie auch wir vergeben unseren Schuldnern"?
NEIN, C!
Er ist eben gerade meistens NICHT wie ICH!
Sondern eben gerade und so und SO WIE ER IST!
Und SO soll ich .., du weisst schon.
ER ist mein Bruder, meinst du,
oder meine Schwester, wenn ER eine SIE ist?
RIGHT!
Aber irgendwie meine ich, dass wir damit um des Kaisers Bart streiten!
That's it, Katharina!
Aber es gibt welche, wo sich vielleicht ein paar Gedanken darüber machen könnten, ob es wirklich im Sinne IHRES HERRN sei, andere zu diskriminieren, oder abzuknallen.
Leider fürchte ich, dass es da VIELE von WELCHEN gibt,
du weisst was ich meine!
Damals, in der Sonntagsschule mussten wir ein Lidl singen,
und das hiess:
GOTT IST DIE LIEBE!
@Katharina
"Da bleibe ich gerne bescheiden und lausche der Stille zwischen den Tönen."
DA setze ich mich gerne neben dich!
Schön geschrieben, Katharina. Und ja, das Spiegelprinzip ist mir bewusst. Bin nur immer schneller im Erkennen der Polarität bei anderen als bei mir selber;-))
'Interconnectedness': wie Fufi schon sagte, das Problem ist diese dem Menschen scheinbar gegebene Art, Hierarchien zu bilden bzw zu vermeiden, Gleichwertigkeit oder wenigstens Gleichheit aller als Grundprinzip praktisch anzuwenden.
Einen schönen Abend allerseits.
Derweil ich heute als Shopping-Beraterin für meine Halbschwestern fungiere (und als seelische Stütze für meinen Vater; Teenager, aaaarghhh): Lest das Interview mit Hensch im Tagi. Der Mann spricht mir quasi aus dem Herzen.
Hi guys. Es geht rauf und runter, mit mir, aber deutlich weniger weit runter als noch vor einem Jahr. Thank god. Rauf und runter geht es auch mit Kat, und sie ist, please allow my little observation here, gegenwärtig oben. Was mich freut für sie, echt freut. Und Euch freut es alle auch, das merkt man.
Inhaltlich wird was kommen, irgendwann, von mir, aber einstweilen habe ich sooo viel zu tun, ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll.
Mit Teenagern habe ich keine Probleme. Keine Ahnung, warum nicht. Sicher nicht darum, weil ich mit keinen zu tun habe. Sie mögen mich, Echt, irgendwie alle. Ihr hättet die feedbacks zu meinen Lektionen sehen sollen. Unendlich flattering. I lov'em all.
@mila
Tja, offenbar wollen sie die Null-Risiko-Absolut-Sicherheits-Gesellschaft.
Putin gründet seine eigene EU:
"Der EU erwächst im Osten Konkurrenz: Russland und die zwei autoritären Ex-Sowjetrepubliken Weissrussland und Kasachstan haben die Eurasische Wirtschaftsunion mit 170 Millionen Einwohnern gegründet."
SO steht's im TA.
Das ist ja schon ein ganz böser, der Putin.
Jetzt gründet DER doch sogar noch seine eigene EU.
Ob die Schweiz beitreten wird?
Immerhin geht's da um Gas und andere Rohstoffe!
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Putin-gruendet-seine-eigene-EU/story/18602077
@Kat: Kurzer Nachtrag zur globalen Vernetztheit: Solange ein Flugzeug mit 300 Chinesli an Bord einfach spurlos vom 'face of the earth' verschwindet, ist doch das alles eine ekstatisch-optimistische Übertreibung, ein Heilsgerede der esoterischen Art. Was nützt ein Teleskop, das in den Weltraum hinausschaut, wenn die Satellitenteleskope die auf unsere Erde schauen, komplett versagen und die NSA unsere Vernetztheit kapert (nicht mal aus den niedersten Motiven) ? Wenn das Bild vom Planeten Erde - vom All aus gesehen - so eine Erschütterung ist, wieso erschüttert es uns dann so viel mehr, wenn diese globale Vernetztheitsideologie uns das nimmt, was wir Menschen am Dringendsten benötigen (und ich denke da gehen wir im Bezug auf die individuelle Entwicklung, Entfaltung und Identitätskonstruktion des Einzelnen, die für unsere Zivilisation massgebend ist, einig): Privatheit, Autonomie, Intimität. Nicht von Ungefähr entstand die klassische Psychologie vor hundert Jahren inmitten einer gesellschaftlichen Entwicklung, die in Richtung Masse, utopischer Kollektivismen, effizient austarierter Systeme, die mit dem Individuum vor allem als massenhaft auftretendes - und beherrschbares - Phänomen kalkulierten. Man kann natürlich argumentieren, dass es angezeigt ist, dass sich die Menschheit allein aufgrund der technischen Möglichkeiten in Richtung eines neuen (in dieser Lesart dann wohl "vernunftgesteuerten") Kollektivismus entwickeln muss, aber soviel Zynismus traue ich dir eigentlich nicht zu.
Nein, solche euphorisch im Sog der Gegenwart, des Trends und der zeitgeistigen Verblendungen fabrizierten Ideologismen müssen wir sehr skeptisch betrachten. Fundamentalopposition. Nicht gegen das Neue, sondern gegen das Falsche.
Du nennst mich deshalb einen Fundamentalisten. Dazu nur dies: Es liegt mir fern, mich aufzudrängen, zu missionieren oder jemanden von der Grösse Gottes zu überzeugen. Gerade bei sogenannten "Intellektuellen" hat dies keinen Sinn. Mein Glaube bietet viele Angriffsflächen - die selbstgefällige Pose der Intellektuellen ist allzuoft der dümmliche Widerspruch als ätzende Routine. Es gibt nichte einfacheres als eine Weltanschauung oder eine Religion zu kritisieren.
Gratis zu haben. Es ist die primitive Attitüde gutgebildeter Primitivlinge, die nichts sein wollen, als ein Gras im Wind und auf Partys eine gute Figur machen beim Smalltalk. Die nichts anderes KÖNNEN.
Sieh es doch mal so: Für mich ist das ähnlich, wie für dich deine geschlechtliche Orientierung. Wir nehmen das auf unsere Weise sehr ernst. Wir beide drängen uns damit hier nicht auf (noch sonst wo), aber wenn man angesprochen wird, versucht man Klartext zu reden. Wir sind beide auf unsere Art Aussenseiter, die mit diesem Blick auf die uns umgebende Welt schauen: a mixture of overwhealmingly passionate admiration and furious dissent and utter disgust.
Und bei deinen Wortschöpfungen à la "Mannequin Piss" und dem Poirot-Verweis schüttelt es mich bisweilen vor Lachen. Die wirklich ernsthaften Menschen sind eben auch immer die humorvollsten - wenn sie es denn wollen.
So, und jetzt pflege ich Religidiot mal noch ein bisschen meine "superparental delusion". Immerhin ist unser Herr am heutigen Tag zu seinem Vater heimgekehrt - ein guter Anlass ist also gegeben.
Gute Nacht, ihr Toren allesamt.
Orlando, mit Verzögerung: man kann die Sünde nicht hassen und nicht verdammen, wenn man ihre Funktion für die Erfahrung (er)kennt. Ohne Schatten kein Licht, ohne Dämmerung kein Morgengrauen, ohne Finsternis keine Erlösung. Gott muss nicht verzeihen. Wir müssen selbst verzeihen, und verzeihen dadurch uns selbst. Beides geht (nur) zusammen.
Entsprechend unterstreiche ich für meinen Teil Katharinas Lesart doppelt und dreifach: Liebe Deinen nächsten, denn er IST DU.
Die Erfahrung, soso. Was ist denn die Erfahrung? Es braucht also Gaskammern, Gulag und Mädchenbeschneidungen - wegen der Erfahrung. und dann reicht die Selbstverzeihung?
Das Konzept der Sünde ist insofern heilsam, als wir mehr oder weniger genau wissen, wo die Grenzen (und Grenzen sind hier jene zwischen Gut und Böse) liegen. Da wir arme Sünder sind, kämpfen wir ständig gegen die Versuchungen des Bösen.
Der entlarvende Satz: Beides geht nur zusammen. Das ist dialektischer Unfug. Es ist nicht so, dass Gut und Böse atomar zusammenprallen, verschmelzen und etwas Neues entsteht. Oder wollen Sie sich das Reich der Synthese vorstellen: Bot und Guse. Dull und Henkel. Uben und Onten. Frann und Mau. Warz und Scheiss. Es sind absolute, unauflösbare Gegensätze!
Und die "Erfahrung" stört mich besonders! Das wäre ja, wie jemandem sagen: Du musst getötet haben, damit du verstehst, dass Töten schlecht ist.
Absurd, wirklich.
Was wir auf der Erde anrichte(te)n, ist unsere Verantwortung - nicht diejenige Gottes. Auch wenn er in jedem Tropfen Existenz steckt.
Die Sünden Gott anzutragen für Vergebung ist deshalb unsinnig. Es gab nie einen Abfall von Gott, nur ein Eintauchen in Materie (die ebenfalls existiert). Gott hat uns längst vergeben - wann stehen wir für unsere Dramen, statt die Schuld auzulagern. Wann verstehen wir (endlich) den Satz: The killer in me is the killer in you.
Statt uns als die weniger Sündigen unter Sündern zu feiern.
Das Böse kann nur existieren kraft des Guten. Aber das Umgekehrte gilt nicht. Das Gute kann auch ohne das Böse existieren
Die Hawaiianer kennen eine Form der Vergebung, die hilft zu erkennen:
http://www.youtube.com/watch?v=i1M-R8QZ7Rg
Das Gute ohne das Böse ist ein Drittes. Sein in Reinform vielleicht.
Ouh, da ist einiges im Argen:
Was wir auf der Erde anrichte(te)n, ist unsere Verantwortung - nicht diejenige Gottes
Ja, sag ich ja. Trotzdem kann nur Gott unsere Sünden vergeben. Durch seine Gnade. Such teacheth the teacher of all teachers.
Es gab nie einen Abfall von Gott
Äh, Schlange, Apfel, Baum der Erkenntnis, Erbsünde...das ist sogar sehr zentral, Mila! Paradise lost. Das können wir von uns aus nicht kitten, leider. Ist natürlich kein Feelgood-Gedanke, das ist mir klar.
Der Abfall von Gott ist sogar die Voraussetzung, um - wie Sie schreiben - "für unsere Dramen einstehen, statt Schuld auslagern".
Wir sind frei, auf dem Pfad zu wandern, den er vorzeichnet. Oder abzuschweifen. Es hängt allein von uns ab. Allein wir müssen aber auch die Konsequenzen tragen. Dieser Glaube ist komplett antideterministisch.
Könnten wir Schuld auslagern, an Gott, dann gelangten wir automatisch zu der dämlichen Theodizee-Frage: Wie kann Gott Leiden zulassen, wenn er allmächtig und gerecht ist. Das ist bekanntlich ein logischer Holzweg (deshalb bringen infantile Atheisten den immer) und hat nichts mit dem Gott der grossen Weltreligionen zu tun.
Statt uns als die weniger Sündigen unter Sündern zu feiern.
Wer tut das? Sie haben nicht verstanden, dass man sich als Christ nicht in den Himmel hochdienen kann. Man kann hienieden keine Superpunkte sammeln und wird dann belohnt. Wenn wir die Sünde bekämpfen und unser individuelles Leben, wie es so schön heisst, immer wieder neu justieren, "auf Gott ausrichten", dann helfen wir dadurch zunächst mal uns selber. Der neue Bund, Mila, sozusagen offeriert durch das Opfer Jesu, ist einer zwischen jedem einzelnen und Gott (und nicht mehr zwischen Gott und seinem Volk).
Und das trifft ja eigentlich das Ausgangsproblem. Die Menschen lieben, aber die Sünde hassen. Selbstverständlich haben wir als menschliche Gesellschaft die Pflicht, gewisse Sünden zu sanktionieren, um die Schwachen zu schützen. Wie, und mit welchen Strafen, das muss jede Gesellschaft unter sich ausmachen.
Oder plädieren Sie für die Abschaffung des Strafrechts?
Gott hat uns längst vergeben
Worauf stützt sich diese Behauptung?
Orlando, ich spreche hier immer von philosophischen, oder vielmehr: spirituellen Zusammenhängen. Das Recht ist menschengemacht, und damit fehlbar. Es kann strafen und sanktionieren, aber Gerechtigkeit vermag es nicht herzustellen. Das stellen Opfer und Angehörige von Opfern immer wieder fest. Selbst die Todesstrafe, das Auge um Auge, löscht die Bitterkeit nicht aus. Was also hilft?
Die Erzählungen der Bibel lese ich als Symbolbilder und erkenne Wahres darin, so wie ich auch Spuren von tiefer Wahrheit in anderen Weltreligionen und Glaubenssystemen erkenne. Wie Katharina glaube ich jedoch nicht an einen Gott ausserhalb von uns, sondern an ein intelligentes Universum, in dem alles Sein miteinander verbunden ist. Nur haben wir Menschen dies auf unserem Erfahrungsweg vergessen, als wir uns zu den Herren der Schöpfung aufschwangen und uns die Erde (vermeintlich) untertan machten. Damit entfernten wir uns in christlicher Lesart (vermeintlich) aus dem göttlichen Zusammenhang, dem Bund mit Gott (paradiesischer Sündenfall). Aber wenn das universale Prinzip in allem Seienden existiert, Geist und Materie, dann waren wir nie ausserhalb von Gott.
Ich halte es daher für sehr bezeichnend, dass Glaubende aller Richtungen sich irgendwann nach innen wende(te)n und die Antwort in sich selber such(t)en. Auch die Mystiker des christlichen Mittelalters taten dies, allen voran Meister Eckhart: "Gott ist allezeit bereit, aber wir sind sehr unbereit. Gott ist uns nahe, aber wir sind ihm ferne. Gott ist drinnen, wir sind draussen. Gott ist in uns heimisch, wir sind Fremde." Jeder hierarchischen Umsetzung von Glauben, jeder (Kirchen-)Lehre, misstraue ich zutiefst: haben Inquisition oder Kastensystem irgend etwas mit dem Wesen der zugrundeliegenden Texte zu tun? Ich sage nein. Sie sind vielmehr interpretatorische Perversionen davon.
Katharina, ich kann nicht oder nur sehr unzulänglich nachvollziehen was es bedeutet, als Kind durch die Hölle von Missbrauch zu gehen. Was ich hingegen nachvollziehen kann ist Missbrauch, den man an sich selbst betreibt. Selbstbestrafung. Den Spiegel dazu hat mir meine Familie geboten. Alles, was ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt bezüglich Heilung sagen kann, findet sich in einem Lied von Ryan O'Neill: "Yet I know, if I stepped aside, released the controls, you would open my eyes. That somehow, all of this mess is just an attempt to know the worth of my life… made of precious metals inside."
Danke für Deine schönen Ausführungen der letzten Tage. Riding on comets becomes you.
Auch ich danke dir, Kat., insbesondere für deine Gedanken zur Biosphäre Erde. Und dass "Leben und Tod", "Fürsorge und Gewalt" halt eben manchmal so nahe sind, in der Natur.
MANCHMAL sage ich, und "in der Natur" !!!!!!!!!!!
Auch in einer der Akten, die so über mich angelegt worden sind steht:
"er ist unter infernalischen Umständen aufgewachsen".
Auch ich kann meinen Eltern nicht verzeihen. Und auch meinen Grosseltern nicht.
Und ja, DAS ist ja das ALLERSCHLIMMSTE: Dass SIE uns nämlich dazu gebracht haben, SELBST Schuld auf UNS zu laden, wo wir UNS nicht verzeihen können. So machen SIE auch später noch die Opfer zu Tätern und insofern verlängern SIE das Leid IHRER Opfer noch lange über IHREN Tod hinaus!
Ja, Katharina,
ich weiss, dass zumindest von aussen gesehen Hölle NICHT gleich Hölle ist.
Bloss meine ich dennoch, dass diese Aussensicht für das unschuldige Kind, das in "seiner" Hölle aufwächst, nicht wirklich tröstlich ist.
Liebe Katharina:
Vielen, vielen Dank für DAS:
"Hass zerfrisst nur das Gefäss, in welchem es haust. Ich habe meines zerbrochen."
Danke für den ganzen Eintrag, Katharina. "Do or die, you'll never make me, because the world will never take my heart." Und vor allem: "I'm unashamed, I'm gonna show my scar."
We (all) have come a long way since we first met. I am grateful to know you.
Es sind nicht immer die grossen Ereignisse und Geschichten, die Menschen nachhaltig aus der Bahn werfen. Oft sind es die stillen, kleinen Dramen, Erzählungen des Alltags. Gerade dann trifft man nicht selten auf kollektives Unverständnis ("Weisst Du eigentlich, wie gut es Dir geht?, "Stell Dich doch nicht so an!", oder eine Spur gravitätischer: "In Afrika verhungern Kinder.").
Ich hatte einen Vater, den ich phasenweise nur durch Leistungen erreichen konnte. Unter der fehlenden Präsenz habe ich sehr gelitten, rang stets um (An-)Erkennung. Dies war lange Zeit ein effizienter, rundum wuchernder Antriebsmotor; ich wurde zu einem fleissigen Arbeitstierchen mit hohen (Selbst-)Ansprüchen. Ich hatte jedoch das Glück, dass mir Neugier und Interesse an der Welt in die Wege gelegt wurden; so verkam das Lernen nicht zum blossen Selbstzweck. Meinen Vater empfand ich zunehmend als egoistisch, selbstbezogen und kalt.
Dann, mit dem Studienende, kam der der Bruch: der Motor geriet ins Stocken. Zwei voneinander (oberflächlich) unabhängige Ereignisse waren die Ursache, ein sozusagen professionelles und ein persönliches. Narzisstische Kränkungen, wenn man so möchte. Die Folge war, unter anderem, eine langanhaltende Depression. In dieser Zeit waren das Internet, die Bar, die Lounge, wenige verbliebene Fenster zur Aussenwelt. Ich weiss, wie schwierig es ist, aus einem derartigen Kreislauf wieder auszubrechen. Und vielleicht war es genau das, was ich lernen musste: dass unbedingter Wille nicht immer zum Ziel führt, dass Habitus und Routine einen nicht vor dem Absturz (be-)wahren können. Und ich stellte fest, dass ich zu eben dem egoistischen, selbstbezogenen Mensch geworden war, als den ich meinen Vater immer gesehen habe.
Heute bin ich überzeugt, dass ein 'Mehr' an Selbstdisziplin, an Kontrolle, nicht die Lösung sein kann. Man kann, wie Einstein treffend festhielt, Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Vielmehr ist ein tiefes Umdenken nötig, und noch ist mir dieses nicht vollends gelungen. Aber ich sehe Resultate, und einen Horizont. Psychologie half mir, meine Geschichte zu durchdringen. Aber die Heilung kommt von einem anderen Ort.
Katharina, ich stimme Deinen Ausführungen insgesamt zu und ergänze: 'that which wants to be born' hatte keinen Platz in meinen alten Strukturen. Und es konnte (und kann) nicht geboren werden, bis meine Familiengeschichte geheilt ist.
Mein Leben lang habe ich nach einer Aufgabe gesucht. Aber diese Aufgabe liegt jenseits dessen, was ich war. Auch dies beschreibt Eisenstein im neuen Buch sehr gut. Ein Buch, das mir - einmal mehr - zur richtigen Zeit in die Hände fiel.
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