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"An manchen besonders dunklen Tagen konnte ich nicht
einmal aus dem Bett aufstehen. Kleine Probleme wurden plötzlich unlösbar, und
so hab ich mich einfach vor der Normalität versteckt. Es erschien damals
einfacher, sich aus dem Leben wegzuducken. Es war eine sehr dunkle und schlimme
Zeit."
Sheryl Crow

Zugänge
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Grob kann man die Reaktionen einteilen in:
a) "Depression" gibt es gar nicht.
"Depressive" sind selbstbemitleidende Scheinkranke.
b) Depressive sind arme Kranke. Eine Depression ist so was wie
eine Totalinvalidität.
c) Eine Depression ist etwas Seltsames und praktisch nicht
Fassbares.
d) Depressive haben in diversen Bereichen Begrenzungen, die
so genannt nicht-Depressive nicht haben.
Es existieren natürlich Fälle, wo Leute in unterschiedlichen
Situationen und bei unterschiedlichen Betroffenen unterschiedliche Reaktionen
zeigen. Das hängt natürlich stark davon ab, wie ein Depressiver wirkt, ob er
offenkundig stark betroffen ist oder ob sein Leiden eher oberflächlich ist.
Ebenso unterscheiden sich Depressive ja stark in ihrem Wesen (wie es auch nicht
Depressive natürlich tun). Über gewisse Verhaltensweisen, welche Depressive
tendenziell teilen, weiter unten.
La depression n'existe pas
Alle dieser Zugänge sind nicht unproblematisch, der letzte davon
ist der nützlichste. Der erste Zugang ist derjenige, welche in der politischen
Rechten bei Leuten, denen eigene Anschauung fehlt, wohl vorherrscht. Diese
Leute wissen nicht, wie sie über die Depression anders nachdenken können als
mit Abwehr. Sie behaupten nicht immer und ausschliesslich, die Depression
existiere nicht, aber doch meistens, und immer, wenn der Adressat ihrer
Äusserungen die Öffentlichkeit ist (die von mir so genannte
Arena-Radikalisierung, nach der Fernseh-Diskussionssendung). Das beim Auftreten
sofort erfolgte Outing der SVP-Exponentin Natalie Rickli als Depressionskranke
(sie hatte ein Burnout, welches ja nichts anderes ist als eine Depression [oder
unter Umständen eine Vorstufe davon] mit bestimmten Eigenheiten) hat hier mit
Sicherheit viel bewirkt. Das SVP-Mitglied hat gesehen, dass auch eine
anscheinend unbesiegbare SVP-Hardlinerin eine Depression bekommen kann und dass
sie die Heilung nicht grundlegend zu einer anderen Person macht. Rickli ist
immer noch SVPlerin. Ihre Affinität zu linken Positionen ist sehr klein. Ich
finde das zwar einerseits etwas schade, weil ich Rickli als sympathisch
erachte, bin aber sehr froh um ihre eindeutig rechte Positionierung, weil es
der Wahrnehmung der Depression in der sich als rechts einstufenden Bevölkerung
hilft. Natalie Rickli hat hier mit Sicherheit viel bewirkt.
Les déprimés sont des pauvres malades
Der Zugang zu Depressiven als "arme Kranke" ist
natürlich sehr unergiebig und zum Glück auf dem Rückzug. Er ist auch völlig
falsch. Ein Depressiver ist ja wirklich jeden Tag anders "drauf". Er
hat Tage, wo es ihm gut geht, wo er ein "nützliches" Mitglied der
Gesellschaft sein kann. Dann gibt es Tage, wo er sich nicht wirklich mit Freude
weiterbewegen kann, und es gibt, vielleicht, Tage, die er im Bett verbringt,
weil er es einfach nicht fertig bringt, aufzustehen. Da tut ihm aber nicht etwa
gut, er versucht einfach, so lange es geht, zu schlafen bis endlich wieder
offizielle Schlafenszeit ist, wo er grad wieder einschläft, diesmal mit
gesellschaftlicher Akzeptanz. Solche Tage hatte ich in den letzten Jahren
diverse, ehrlich gesagt, und es waren Tage, wo ich problemlos 18 Stunden
schlafen konnte (unterbrochen mit einigen Pausen für die notwendigen
Körperfunktionen wie eine minimale Kalorienaufnahme und fürs Katzenfüttern
natürlich). Ohne mich danach sonderlich erfrischt zu fühlen nota bene. Jeder
Depressive hat andere Auslöser für diese Zustände, andere Dauern, andere
Merkmale. Den "Depressiven" gibt es nicht, in dem Sinne, wie es den
Beinbruchpatienten oder auch den Grippekranken gibt. Allerdings ist die
Einstufung der Depression als Krankheit sicher richtig. Diese Einschätzung wird
in der Medizinerschaft und auch bei der Invalidenversicherung heutzutage
geteilt.
Ein wichtiges Merkmal dieser Art, die Depression zu
betrachten ist es, dass sie nicht wirklich Ernst genommen wird. Wer so über sie
spricht, erachtet sie nicht als einen zentralen Teil der Gesellschaft, als
einen Wesenszug, den viele Leute heutzutage teilen. Denn die Depression ist ja
in Wahrheit recht verbreitet, etwas mehr als halb so verbreitet wie die
Alkoholsucht etwa (dies geht den Statistiken des BFS hervor).
Depression is a strange animal, a very strange one
Der dritte Zugang ist hingegen sehr verbreitet, auch unter
Depressiven selbst. Viele Depressive verstehen sich selbst schlecht, sie sind
ihren Stimmungsschwankungen recht hilflos ausgeliefert. Sie sind sich ihrer
aber meist bewusst und versuchen, oft unter grosser Anstrengung (wann und wo
eine solche vonnöten ist und wann nicht ist sehr unterschiedlich, auch bei den
Patienten selbst), diese so unmerklich zu gestalten wie möglich. Andere
Reaktionsmuster beinhalten den sozialen Rückzug, die Ausbildung von
Aggressionen (auch gegen sich selbst) oder einer weitgehenden Apathie. In der
Tat scheint einer Depression nicht leicht zu begegnen zu sein, und sie kann
sich ja sehr unterschiedlich äussern. Sie ist ausserdem eingebettet in
Verhaltensweisen, die im Alltag sehr normal sind. Oft äussern sich Symptome
einer Depression erst, wenn ein Mensch stark zeitlich oder emotional belastet
ist. Unter grossem Stress etwa äussert sich plötzlich eine grosse
Niedergeschlagenheit, die sonst nicht anwesend ist. Auch kommt bei sehr
freudigen Erlebnissen keine Begeisterung mehr auf. Mir wurde einmal im Zusammenhang
mit einer Ausnahmesituation attestiert, ich sei manchmal "schräg",
und das fand ich eine gute Charakterisierung. "Schräg" zu sein ist ja
nicht katastrophal sondern es macht einen einfach etwas speziell. Vielleicht ZU
speziell für gewisse Leute, für mich ist das etwas speziell Sein überhaupt kein
Problem, was eine gute Sache ist. Es gehört zu meiner Persönlichkeit, die ich
nicht als prinzipiell problematisch empfinde. Aber genau das unterstreicht die
Charakterisierung der Depression als "schwer fassbar", denn gerade
der stete Wechsel der Symptome und ihre nicht-eindeutige Beschreibung
kennzeichnet die Depression meistens.
Krankheit
Als am nützlichsten erachte ich die Beschreibung der
Depression als Krankheit, welche das Funktionieren des Menschen zeitweise in
einzelnen Gebieten einschränkt im Vergleich zu nicht Depressiven. Hier können
sehr viele Gebiete und Verhaltensweisen aufgeführt werden. Ich möchte hier den
Umgang mit einer hohen Arbeitslast und meine persönlichen Erlebnisse erwähnen,
denn damit kann ich mich beschreiben. Ich beanspruche hier keine allgemeine
Gültigkeit, aber die Erlebnisse können durchaus als in gewisser Weise
beispielhaft gelten. See you next time, dann geht es so weiter.
21 Kommentare:
Lesenswert dazu:
http://blog.derbund.ch/berufung/index.php/34191/nur-wer-menschlich-kompetent-ist-fuehrt-langfristig-erfolgreich/
Ob Depression jetzt eine körperliche, geistige oder - wie ich es bezeichnen würde: seelische - Krankheit sein mag, interessant ist, dass die socalled Antidepressiva den Hirnstoffwechsel manipulieren.
Serotonin und Noradrenalin und so.
Und DAS denn echt körperlich abgeht! Inklusive Nebenwirkungen.
Ja, Antidepressiva zu besprechen würde eine weitere Themeneinheit erforderlich machen. Wichtig ist hier aber vor allem, dass die Gesellschaft Antidepressiva nicht mehr so negativ bewertet als sie das früher gemacht hat. Ich tue das auch nicht, eigentlich. Nur sage ich Euch: Nehmt sie nicht, erst wenn es echt nicht mehr anders geht. Sie nivellieren Euer Gefühl, und das ist schlecht. Keine Downs mehr, was gut ist, aber auch keine Ups mehr.
Ausserdem: Sie wieder los zu werden, kann echt schwierig sein. Ich meine: Echt schwierig. Stellt Euch vor, Ihr seid alkoholabhängig, allerdings habt ihr kein Reissen, wenn der Alk fehlt sondern es geht Euch einfach supermies und ihr müsst Euch selbst dazu überwinden, Alk zu saufen, damit es wieder läuft. Schwer vorzustellen? Ja, agreed, aber so ist es. Antidepressiva wird man also nicht von einem Tag auf den anderen los (obwohl das natürlich möglich wäre) sondern man "schleicht sie aus", reduziert also die Dosis graduell.
Wenigstens ist das die offizielle Art. Inoffiziell geht es auch anders.
Willst du funktionieren?
JA oder NEIN
Komm Liebes und hab keine Angst, wir werden dich noch zu einem nützlichen Mitglied der Gesellschaft machen.
Ein Antidepressivum ist keine happy pill. Es ist eine slightly less sad pill. Das wird weitherum falsch gesehen.
Stell dir mal vor, du hast keine Kohle.
Kein ausreichendes Vermögen, zum Beispiel.
Oder keine (IV-)Rente, und auch keinen persönlichen Sponsor.
Aber dennoch möchtest du überleben.
ÜBERLEBEN - nicht Leben.
Vogel schaff - oder verreck!
Und es sind ja bloss noch 9 Jahre bis zur Pensionierung!
9 lange, SEHR lange Jahre!
An die Depressive
Verbrauch doch das bitzeli Geld wo du noch hast, und melde dich danach beim Sozialamt deines Vertrauens!
Die werden gut für dich sorgen!
Und ja, Depressive
Die vom Sozialamt werden dir denn Schnellstens eine IV-Rente besorgen.
Weil dann wirst du nicht mehr aus ihrem, sondern aus einem anderen Kässeli gefüttert.
Aber immer noch mit meinen Steuergeldern.
"Mit der IV kann man leben." Nein. Mit der IV ist sterben irgendwie blöd, aber leben, neee, leben kann man dem nicht sagen. Finanziell reicht es natürlich nicht. Die Gemeinde, also das Sozialamt, bezahlt Zusatzleistungen, und mit denen geht das Leben so leidlich. Habe ich gehört.
Ja, und ich rate Dir auch: Such Dir einen Psychiater, der Dir beim IV-Anmelden hilft. Vegetieren sollst Du nicht.
Mit den Zusatzleistungen reichts mir immerhin zum weitervegetieren.
Ich habe mich damit eingerichtet,
Und was will ich denn mehr erwarten?
Liebe schwer Depressive,
ich kenne das Gefühl. Die Antriebslosigkeit. Das Nicht-Weiter-Kommen, selbst wenn es man möchte. Alles (jede Tätigkeit) ist einfach zu schwer.
Aber sich einrichten damit, keine weiteren Erwartungen haben - gar nicht (nie)? Vielleicht nicht auf dem Weg (den Wegen), die Sie bisher gegangen sind. Aber womöglich auf völlig anderen Pfaden. Trauen Sie sich was.
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Ach ja:
Wer oder was ist Sheryl Crow?
Sheryl Crow? Eine Countryrockmusikerin aus den USA. Musikalisch sehr vielseitig.
Und ausserdem vor einigen Jahren mit dem späteren TdF-Doper Lance Armstrong liiert. Da kann man schon mal etwas depro werden...
Also, wenn's denn um den LA geht, ich meine, da kommt man ja schon fast automatisch auf Speed!
Sag ich ja. All I wanna do is have some fun.
Und dennoch hat sie was von einem Botox-Zombie, die schnüsige Kleine!
Ja, aber als ich hörte, dass sie mit Depressionen kämpft, war sie mir gleich sympathischer...
Entschuldigung wenn ich zynisch erscheinen mag,
aber das Botox-Mädel, das hat ja wohl an Depressionen
auf hohem finanziellen Niveau gelitten.
Und ich mag da fragen:
Sind Depressionen von den (ziemlich) Reichen
dieselben Depressionen, an denen die
ziemlich Armen leiden?
Die, die nicht mal finanzielle Prspektiven haben,
meine ich?
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