Dienstag, 11. November 2014

11/11 - oder: Weshalb ich den November liebe


Der 11te November: Martinstag

Am 11. November geht das Jahr zu Ende, sozusagen. Zumindest im altehrwürdigen Sinne des bäuerlichen Produktionsrhythmus. Da wurde das alte Jahr abgeschlossen, die Steuern wurden bezahlt und der Blick nach vorne auf’s kommende Jahr gerichtet.

Wiki sagt dazu:
Daneben war der Martinstag auch der traditionelle Tag des Zehnten. Die Steuern wurden früher in Naturalien bezahlt, auch in Gänsen, da die bevorstehende Winterzeit das Durchfüttern der Tiere nur in einer eingeschränkten Zahl möglich machte.
An diesem Tag begannen und endeten auch Dienstverhältnisse, Pacht-, Zins- und Besoldungsfristen.
Landpachtverträge beziehen sich auch heute noch häufig auf „Martini“ als Anfangs- und Endtermin, da der Zeitpunkt dem Anfang und Ende der natürlichen Bewirtschaftungsperiode entspricht.
Der Martinstag wurde deshalb auch Zinstag genannt.


Und weil da am 11.11. eh alle am „Zinsort“ waren, gab’s denn auch stets einen grossen „Martinimärt“ mit allerlei zusätzlichen Vergnügunsangeboten – mehr oder grösstenteils weniger moralischer Art.



 Was folgt: Ruhe und Besinnlichkeit

Rückblick auf’s Jahr wo war, Erholung – soweit das möglich war, und ja: Besinnlichkeit, weil bald kam Weihnacht, das Lichterfest, das den Beginn des neuen Arbeitsjahres einläutete.
Ok, DAS war VOR der Erfindung der Shopping-Malls und der TV-Werbung - und so!



Und nun noch zum Wetter

Traditionell hat der November den Ruf, so ziemlich grau zu sein.
Neblig, mit Nieselregen und dem ersten Schnee.
Ein ziemlich schlechter Ruf also?



RUHE! Hab ich gesagt!

Der November ist der Monat der Ruhe, auch und gerade was das „November-Wetter“ betrifft. Da lockt – und jetzt spreche ich im „modernen“ Kontext – da lockt mich also keine Sonne zu was weiss ich welchen Aktivitäten nach draussen, und es verführt mich kein Schnee zu irgendwelchem ausserhäuslichem Treiben.
Nein, ALLES ist ruhig.
ALLES rundum flüstert: Mach dir’s bequem, geniesse dein Zuhause-Sein!

Wer jetzt nicht versteht, weshalb ich stets in den 2 letzten Novemberwochen Ferien mache?



Was andere zum November sagen

Der Herr R. M. Rilke interpretiert das ziemlich deprimativ

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


Ebenso Ken Hensley : Cold autumn sunday




Christian Morgenstern, der ewige Galgenvogel, ... aber lest selbst!

Novembertag

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen;
ohne Not geht niemand aus;
alles fällt in Sinnen.

Leiser wird die Hand, der Mund,
stiller die Gebärde.
Heimlich, wie auf Meeresgrund,
träumen Mensch und Erde.

1 Kommentar:

fufi hat gesagt…

"Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben"

Hab ich gelesen, damals im November, in der Schule, ich war 16 und hatte noch nie eine Freundin!

Holy Schit!

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