Sonntag, 15. Februar 2015

Ach du heilige Schrift - part 2 (grins!)



Macht oder Ohnmacht der christlichen Religion?

Der Anspruch des Christentums an seine Umwelt wird sich als ein Ansprechen darauf beschränken müssen, die in den Evangelien dokumentierte Geschichte Jesu zu erzählen und sich zu ihm als dem Christus zu bekennen, doch wird es keinen Einfluss auf die Reaktion seiner Hörer nehmen können. Es wird sprechen können, dürfen und müssen, doch ob es dabei auf Aufmerksamkeit stösst und Gehör finden wird, ob sein Reden also zum Glauben führen wird, das zu erreichen steht nicht in seiner Macht: Ein Wort zu sagen ist das eine, dass dieses aber gehört und darüber hinaus auch noch geglaubt wird ist eine andere Sache, die sich mit keiner Macht der Welt erzwingen lässt.

Ebenso muss sich auch das Fehlen eines spezifisch christlichen Heilsweges und eines ebensolchen codex iuri divini, respektive christiani besonders in einer religiös aufgeladenen Umwelt als Schwachheit des Christentums auswirken: Die ganze Welt schreit nach Heil, und das Christentum hat ihr grundsätzlich nichts weiter zu bieten, als ihr dieses als bereits feststehende Tatsache zu verkündigen. Offensichtlich ist das der religiös suchenden Seele dann doch etwas zu dürftig … . 

Das Christentum als die Religion des Wortes kann deshalb eine strukturbedingte Schwachheit nicht abstreiten, sie hat wesenhaft Anteil an der 'Ohnmacht des Wortes'. Dennoch wird ihr dadurch auch eine gewisse Macht verliehen, denn indem die christliche Kirche um die Grenzen ihrer Möglichkeiten weiss, wird sie vor einem sinnlosen Einsatz ihrer Kräfte bewahrt und kann sich darauf beschränken, nur das was ihren Fähigkeiten entspricht, und das jedoch möglichst gut zu tun. Ihre Macht besteht gerade darin, von aussen an sie herangetragene, unerfüllbare (religiöse) Ansprüche zurückweisen zu können, und indem sie das tut wird sie zugleich die Macht desjenigen bezeugen, den sie als ihren Herrn bekennt.



Christus ist Jesus

Der Gekreuzigte: Gott

Zeichnet sich das Christentum unter den Religionen schon aufgrund seiner Struktur durch Schwachheit aus, so noch viel mehr von seinem Inhalt her. Ein Glaube, dessen grundlegendes Bekenntnis darin besteht, dass in diesem Menschen Jesus Gott selbst sich geoffenbart und also Gott selbst sich am Kreuz hat hinrichten lassen, kann sich seiner Umwelt gegenüber ganz einfach nicht als intolerante und arrogant-rechthaberische Religion präsentieren. Auch und gerade in der interreligiösen Begegnung wird sich ein Christ stets vor Augen halten müssen, dass es Vertreter derjenigen Religionsgemeinschaft waren, der Gott in seiner menschlichen Gestalt selbst angehörte, welche unter dem Vorwurf der Gotteslästerung seinen Tod forderten.  Ebenso seien hier auch diejenigen, die Jesus Christus vornehmlich als Weltherrscher und eschatologischen Richter zu verehren und zu 'Himmel und Hölle'-Spielen zu missbrauchen pflegen, wieder einmal daran erinnert, dass es sich dabei um keinen anderen handelt als um denjenigen, der um der Welt und der Menschen willen sein Kreuz auf sich genommen hat. 

Die Beziehung eines glaubenden Christen zu seiner Umwelt lässt sich folglich auf die paradox klingende Formel bringen, dass seine Fähigkeit zu Toleranz gegen aussen direkt von seiner Intoleranz gegen innen abhängt: Je kompromissloser er an seinem Glauben und dessen fundamentalen Dogmen festhalten wird, desto freier, offener und undogmatischer wird er seinen Mitmenschen begegnen können.


Die Botschaft: Evangelium

Schon die Bezeichnung, unter welcher der christliche Glaube das Christusereignis zusammenfasst, zeigt, dass dessen Verbreitung und die Form seiner religiösen Manifestation keinesfalls von Intoleranz geprägt sein kann: Einem euaggelion mit Gewalt Beachtung verschaffen zu wollen, ist schierer Unsinn.

Die Christenheit muss allerdings von allem Anfang an davon ausgehen, dass die Umwelt ihre Verkündigung nicht in diesem Sinne wird verstehen können, sie wird dies bedauern, aber sie wird nicht versuchen wollen, ihre Mitmenschen zu ihrem Glück zu zwingen. Bloss wird sie sich hoffentlich bemühen, ihre Botschaft noch überzeugter, überzeugender und inhaltlich angemessener, mit Blick auf die herrschenden Zustände: jedenfalls etwas fröhlicher auszurichten.


Die Forderung: Feindesliebe

Was immer die radikale Forderung der Feindesliebe an Fragen bezüglich ihrer Praktikabilität aufwerfen mag, nimmt man sie von ihrer Kehrseite her in den Blick, so wird jedenfalls deutlich, dass sie keinerlei Differenzierung des eigenen Verhaltens je nach dem Gegenüber zulässt: Es gibt nicht die geringste christliche Legitimation, einem Nichtchristen anders entgegenzutreten als einem Christen, jener verdient dieselbe Achtung, ja dieselbe Liebe wie dieser auch. Ein Christ hat keinen Menschen nach seiner Religion zu beurteilen, sondern er soll im Umgang mit ihm, als minimalster Form der Liebe, zumindest eine tolerante Haltung einnehmen.


Die Zukunft: Reich Gottes

Die Christen haben bezüglich der Aufrichtung des Gottesreichs nur einen, dafür einen ganz klar definierten Auftrag, der dahingehend lautet, sie sollen um sein Kommen beten. Weiter haben sie in dieser Sache nichts anderes zu tun, als dieses sein Kommen der Welt anzukündigen, indem sie ihr das Evangelium predigen.
Die Christenheit wird sich demnach nicht bemüssigt fühlen dürfen, der Verwirklichung des Gottesreiches in der Welt auf eigene Faust etwas nachhelfen zu wollen. Sie ist weder fähig noch beauftragt, die ganze Welt zum Glauben zu bringen (doch bestimmt eher: zu zwingen), noch irgendein politisch-religiöses Staatsgebilde zu installieren, das auch der unverbesserlichste Sympathisant nur als billige Karikatur eines Reichs Gottes zu bezeichnen vermöchte.
Hält sie sich aber an diese Vorgaben, dann wird die christliche Welt wohl oder übel warten und beten müssen, dass Gott sein Reich selbst aufrichten werde. Vorher hat sie ihr Verhalten nach der paulinischen Trias 'Glaube, Hoffnung, Liebe' zu richten, und sich vielleicht daran zu erinnern, dass die grösste dieser drei die Liebe sei, und dass diese keine, auch keine religiösen Grenzen anzuerkennen gewillt ist.


Allversöhnung?

Mit dem Thema der Allversöhnung ist ein ziemlich delikates Problem angesprochen: Nicht nur, dass der Begriff verdächtig nach Indifferenz und Libertinismus klingt , viel schwerer wiegt die Tatsache, dass ihre Verurteilung als Häresie einen der wenigen Punkte darstellt, worin alle christlichen Konfessionen übereinstimmen. Wer sich darauf einlässt muss also befürchten, auf theologisches Glatteis zu geraten, zumal sie sich vom Neuen Testament her nicht ausreichend begründen lässt. Gleichwohl halte ich sie durchaus für vertretbar und sachgemäss, lassen sich doch gewichtige systematische und auch biblische Argumente zu ihrer Unterstützung angeben, deren einige ich abschliessend kurz skizzieren will.
In erster Linie ist auf hier auf das Bekenntnis zur Allmacht Gottes zu verweisen, welches mit Blick auf seinen universalen Heilswillen (1Tim 2,4) zu dieser Behauptung führen muss, welche sich zweitens ebenfalls aus der Endgültigkeit und der universalen Geltung des Heilsgeschehens in Jesus Christus ergibt. Und drittens lautet auch der Missionsbefehl nicht etwa, sich an einen kleinen Kreis von Auserwählten zu richten, sondern das Evangelium der gesamten Menschheit zu verkündigen: "Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium allen, die erschaffen sind!" (Mk 16,15).. Nun kann jedoch nur eine Tatsache verkündigt werden, die für den Adressaten zwar schon Gültigkeit hat, worüber er aber erst noch informiert werden muss, was nichts anderes bedeuten kann, als dass die ganze Welt in Jesus Christus tatsächlich mit Gott versöhnt worden ist und sich nun im Zustand der Versöhntheit mit ihm befindet (vgl. 2Kor 5,21).

Schliesslich darf nicht übersehen werden, dass Kol 1,20, immerhin auch Heilige Schrift, expressis verbis vom friedensstiftenden Kreuzesblut Christi spricht, das dieVersöhnung Gottes mit allem, sei es im Himmel oder auf der Erde, erwirkt habe.




"Das ist sicher, dass es kein theologisches Recht gibt, der in Jesus Christus erschienenen Menschenfreundlichkeit Gottes unsererseits irgendwelche Grenzen zu setzen. Unsere theologische Pflicht ist, sie als immer noch grösser zu sehen und zu verstehen, als wir es zuvor getan haben."
(K. Barth, Die Menschlichkeit Gottes)

71 Kommentare:

fufi hat gesagt…

Ums XR-tum geht's mir!

Tiger hat gesagt…

In your face, Orlando.

Anonym hat gesagt…

Ein interessanter Text. Wer ist der Autor? Eine Quellenangabe fehlt.

Tiger hat gesagt…

Der Autor ist fufi, meinst Du, der würde etwas ohne Quellenangabe abschreiben irgendwo? Vielleicht hattest Du aufgrund seiner Beiträge hier den Eindruck, er habe sowas nicht drauf. Irrtum. fufi hat was drauf, und das wissen wir hier. Jetzt auch Du.

mila hat gesagt…

Fufi, ich spiele jetzt einfach mal den advocatus diaboli weiter. Aufgrund des obigen Textes könnte ich als Nicht-Christ vielleicht abstrakt erahnen, weshalb man Christ sein will (respektive, weshalb dies erstrebenswert sein könnte - es geht in Deinem Text ja ums Ansprechen der Umwelt). Aber weshalb der Fufi, der da mit mir redet, im Speziellen Christ ist, würde ich damit noch lange nicht verstehen. Gehört das aber nicht auch zur christlichen Verkündung der Evangelienbotschaft, das persönliche (Herzens-)Bekenntnis? Zumal solche Bekenntnis in der Regel überzeugender ist als trockene theologische Theorie. Die Freievangelikalen verstehen sich sehr gut auf diesem Terrain, und vielleicht kommt es ja auch daher (also nicht von ungefähr), dass sie zur einzigen signifikant wachsenden christlichen Gruppierung gehören.

mila hat gesagt…

Ergänzung: zumindest in westlichen Breitengraden.

Was ich ebenfalls sagen könnte: Gerade von bekehrten Muslimen hört man nicht selten, dass Sie nach einem Glauben gesucht haben, der ihnen mit einem einfachen Regelset den Rahmen vorgibt, und damit rigiden Halt. Mit dem Christentum verhält es sich dagegen komplizierter, wie man nicht zuletzt auch Deinen Erörterungen entnehmen kann. Oder um Kat zu zitieren: "JvN hat vielleicht dieses Mündigsein am offensichtlichsten angemahnt" - nun, manche Gläubige fühlen sich von diesem Mündigsein augenscheinlich überfordert. Emotionalisierung ist eine Antwort darauf, Vereinfachung die zweite (auch das eine Klaviatur, die die Freievangelikalen gut beherrschen).

fufi hat gesagt…

Doch, doch, das hab wirklich ich geschrieben.
Und ich habs auch so gemeint!

Katharina hat gesagt…

„Und trotzdem:
Nei, Nei, Nei!
Tetelestai
war efhapax!
Wie schon Paulus gesagt hat!“

Fufi, ich finde Du widersprichst Dir da. Einerseits redest Du, und bittest, dass wir das Wort Jesu als lebendiges Wort nehmen. Lebendig heisst doch, dass wir es uns anhören, darüber reflektieren und darin den Schupf finden, der uns in unserem gelebten Alltag weiterbringt.

Und hier verweist Du auf etwas vor langer Zeit geschriebenes, also Buchreligion. Nämlich, dass tetelestai in modernen Worten sagt: Paid in full, oder die Schuld ist beglichen – das Mysterium des Karfreitag.

Aber:

Praktizierende durchleben in ihren Riten im Jahres Zyklus den Weg JvN, so wie er überliefert wurde. Sie tun dies als Ehrerbietung, aber auch, um in der wiederkehrenden Reflexion seines Weges und seiner Worte das gesagte zu vertiefen, neu zu betrachten und neu aus seiner Quelle Einsicht zu schöpfen für ihren Lebensweg und im iterierenden Zyklus dieser Praxis die Worte auch immer aus ihrer Lebenserfahrung heraus in neuen Blickwinkeln zu sehen. Etwa so, wie jemand, der um einen Diamanten herumgeht und entdeckt, wie das Licht (die Botschaft) in immer anderen Farben funkelt.

Deshalb sagte ich: tetelestai geschieht im christlichen Zyklus alle Jahre wieder, denn zum Mysterium des Karfreitag gehört auch Ostern, bzw. der Abend davor:

ΙΧΘΥΣ

Tomorrow, he will rise again.
He will rest on the mountaintop and look out all over his father’s creation.
His face will speak of satisfaction.

His eyes will gaze all over our souls that
He sees down there in the valleys of time.
Each single one of them burns a candle in their humble cottage.

To enlighten his throne.

He smiles at each one of us and sees how we keep that room in our souls tidy for him.
Day in and day out.

Mission accomplished again, he will say to himself.

fufi hat gesagt…

@mila

"Aber weshalb der Fufi, der da mit mir redet, im Speziellen Christ ist, würde ich damit noch lange nicht verstehen."

That's it!
Ich versuche, meinen Mitmenschen zunächst und vor allem als Mensch zu begegnen. Mit allem was so dazugehört.
Und erst wenn es sich denn ergeben tut, komme ich auf mein Christ-sein zu sprechen.(*) Und auch dann vermeide ich alles, was im Sinne von "du sollst"rüberkommt, weil: was soll's?
Vor dem LIEBEN Gott sind sie gleich (siehe meinen Text). Das einzige was ich tun kann und will ist, ihnen, wenn sie das denn wollen, helfen, die Sache etwas fröhlicher = erlöster anzugehen.
Was im übrigen massive Auswirkungen haben kann, nicht zuletzt im Sinne ihres "sozialen" Verhaltens.

Und damit komme ich zu deinem 2 comment:
JA, JA, JA! - oder nicht vielmehr das Gegenteil?
LEIDER scheint die "persönliche", soll ich sagen die "göttliche" Freiheit das Schwierigste zu sein, was MENSCH denn ertragen könnte.
Immer und immer wieder auf deine eigene Insel zurückgeworfen, im grossen Meer der Möglichkeiten!
Und immer wieder selbst verantwortlich für das eigene Tun und lassen, für die eigene Lebensweise.

Kein Wunder(sic!) wenn sie sich sehnen nach Normen, nach Gesetzen, nach vorgegebenen Verhaltensweisen jedwelcher Art.

Im Kontext:
Kleingläubige sind sie, Gottes Arschkriecher!

fufi hat gesagt…

@Katharina

Das mit den Riten geb ich dir natürlich recht.
ABER: Die Schuld IST beglichen!

fufi hat gesagt…

@Katharina
Wie könnte dieses Mysterium denn anders als 2deutig sein?

Nein, was ich meine:
Die Tatsache, DASS, MUSS (und wird uns hoffentlich) immer wieder herausfordern, eben gerade nicht Buchstaben zu lesen, sondern ein Wort hören zu wollen!

fufi hat gesagt…

@mila

Hab das da (*) vergessen:
Sollte heissen:
Ausser sie begegnen mir nicht als Menschen sondern als hach so Religiöse. Dann könnte es denn schon mal sein, dass ich ...!!!

fufi hat gesagt…

Es sind wenige, SEHR WENIGE unter den Christen,
und ich beschränke mich auf diese, jedenfalls
Es sind wenige, SEHR WENIGE unter den Christen,
die so frei sein wollen, wie sie IHR Vater befreit hat!
Naja, vielleicht war's auch ihr Bruder.

Katharina hat gesagt…

"Wie könnte dieses Mysterium denn anders als 2deutig sein?" ich verstehe nicht, was Du damit sagen willst. care to elaborate?

Und was denkst Du zum alljährlichen mission accomplished, also die Herzen berührt habend? Ist nicht DAS dasjenige, worum es uns allen geht? Das es eigentlich gopfertori ziemlich einfach wäre? der Frieden miteinander?

Dass wir den dunklen Divisor in uns allen, und damit eigentlich der rubish in unseren Köpfen, einfach zähmen können. ????? Warum schaffen wir das nicht?

WARUM SCHAFFEN WIR DAS NICHT? Gopf!

mila hat gesagt…

@Kat, weil wir von klein auf gewöhnt werden, in Unterschieden zu denken und das Trennende als Wesentliches zu sehen. Gemeint sind damit Familien-, Gemeinschafts-, Nations- und Kulturbewusstsein, um nur einige Divisoren zu nennen. Identifikation dieser Art braucht zwingend ein Gegenüber, also ein Anderes, Fremdes, das einem dann eben doch nicht so nahe steht, wie der Glaube es (zumindest bei Christen ist es so) eigentlich vorschreiben würde. Ich denke allerdings auch, dass man sich zu einer Familie, einer Gemeinschaft, einer Nation und einer Kultur zugehörig fühlen und dennoch in der Menschlichkeit, dem Mensch-Sein das übergreifend Verbindende erkennen kann. Nur darf man sich dann nicht reflexartig-blind von diesen Banden in Beschlag nehmen lassen, und niemand wird heftiger kritisiert, als jemand, der kritisch aus dem Rahmen einer fällt 'Gruppe'. Das ist nicht einfach auszuhalten, weswegen die meisten es vorziehen, sich Scheuklappen aufzusetzen.

Aber ich schätze, Du hast mit dem Begriff 'dunkler Divisor' etwas anderes gemeint?

fufi hat gesagt…

@Kat.
Von wegen dem geschriebenen und dem lebendigen Wort und dem Mysterium desselbigen:
Es soll Menschen geben, die heute noch weinen,
wenn sie Goethes Werther lesen ....

Und dazu:
WARUM SCHAFFEN WIR DAS NICHT? Gopf!
kann ich eigentlich nur DAS da sagen:
Warum WOLLEN wir (?) das NICHT? GOPF......... !!!!!!!!!!!!!

fufi hat gesagt…

Oder vielmehr:
Weshalb wollen DIE, die meinen, sie wären die Mächtigen hier,
weshalb lassen DIE nicht zu, dass Friede HERRSCHT (sic!).
HIER! Und Jetzt!

mila hat gesagt…

@Fufi: Dazu möchte ich entgegnen, dass wir alle Rädchen im Machtgetriebe sind. Der eine oder andere mag über mehr Einfluss verfügen, aber am Laufen halten wir es alle. Gerade für neuzeitliche Betrachtungen leuchtet mir nach wie vor das von Foucault entworfene Modell einer kapillaren Machtverteilung ein. Aufgrund Zeitmangel kopiere ich dazu einen bestehenden Netz-Text:

Die einflussreichste zeitgenössische Theorie von Macht stammt von Michel Foucault. Ähnlich wie die Geschichte, die Foucault über den Begriff der Genealogie bestimmt, hat Macht für ihn keinen einfachen Ursprung und kein einfaches Ziel, geht also nicht von Individuen oder Gruppen aus, sondern ist konstitutiv sowohl für die Beziehungen zwischen Gruppen als auch zwischen Individuen und Gruppenidentitäten. Macht ist nicht einfach repressiv, sondern immer auch produktiv und gestaltet das moderne Individuum als eine Art Biomacht, welche die Körper durchzieht.

Während Macht vor Foucault meist als rein negativ verstanden wurde, von oben nach unten verlaufend, also von jemandem besessen und ausgeübt, beschreibt Foucaults Machtbegriff eine umfassende, einschließende und integrierende Macht. Foucaults Macht ist ein Kräfteverhältnis, das verschiedene Kräfte miteinander in Beziehung setzt und diese ordnet. Sie ist im Gegenteil zum früheren Machtbegriff produzierend, schöpferisch und auch positiv. Als unsichtbare Disziplinarmacht wirkt sie nicht in eine einzige Richtung, sondern geht von multiplen, miteinander verknüpften Machtzentren aus, die alle gesellschaftlichen Beziehungen – den Gesellschaftskörper und den Körper des Individuums – kapillar durchdringen, diskursiv konstituieren und zugleich kontrollieren. Diese kontrollierende, disziplinierende Macht wirkt normalisierend auf die Individuen ein. Das "Normale" avanciert zum wesentlichen Zwangsprinzip einer Gesellschaft, in der die Herrschaft der Norm über alle Lebensbereiche die äußere Herrschaft des Gesetzes ablöst.
Foucault setzt sich außerdem vertieft mit der Beziehung zwischen Macht und Wissen auseinander. Macht operiert bei ihm über die Produktion von Wissen und Wahrheit. Wahrheit und Wissen werden in Diskursen formuliert, und da Macht Wahrheit und Wissen produziert, schafft sie auch die Diskurse, mit dem Ziel neue Machtbeziehungen herzustellen. Weiter sieht Foucault Macht nicht als starres Eigentum, sondern als eine Summe aus Techniken, Strategien, Manövern etc., zu denen auch das System der Bestrafung gehört. Dabei hat Macht für ihn eine neutrale Bedeutung, erst Gewalt sei negativ konnotiert. Wahrheit wird durch Machtpraktiken in Diskursen produziert, welche auch das Subjekt konstituieren. Macht ist demnach nicht etwas, was man erwirbt, wegnimmt, teilt, was man bewahrt oder verliert, sondern etwas, was sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht. Es sind Machttechniken und Selbstpraktiken, die das Subjekt formen.

http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/glossar/macht.html

fufi hat gesagt…

Ach ja, und MACHT ist immer relativ!

Weil Macht ist immer Macht gegen ist, oder vielmehr: Macht ÜBER!
Und das geht vom President uff the United States bis ganz unten zum kleinen Schwesterchen wo so vor sich hinplärrt und DICH zu Unrecht beschuldigt, DU hättest es geschlagen!

Macht macht sexy.
Macht macht reich.
Macht macht Macht.

Und was haben sie davon, die wo MACHT haben?
Ausser Macht, Sex und Geld, meine ich?

Aber vielleicht macht MACHT allein schon glücklich?
Ich meine diejenigen, wo bloss Macht haben über die,
wo grad gar keine Macht haben?

Oder vielleicht macht Macht sogar GEIL?

Irgendwie halte ich's da lieber mit denjenigen aus USA's Süden:
https://www.youtube.com/watch?v=ie4IPkvgtOY

fufi hat gesagt…

Selbstverständlich hat Herr F. recht, mit seiner Analyse der Macht.
Bloss:
Die OBERSTEN könnten denn wohl KEINE Macht ausüben, wenn sich die Nächst-Unteren dagegen zur Wehr setzen würden,
heisst: GEGEN-Macht ausüben täten.
Im Sinne des allten Gewerkschafter-Kampfspruchs:
Alle Räder stehen sitill, wenn unser starker Arm das will.

Aber das ist offensichtlich NICHT der Fall:
ICH setze doch mein kleines Gärtli NICHT auf's Spiel. Oder so.

Was hat Kat. gefragt:
WARUM SCHAFFEN WIR DAS NICHT? Gopf!

fufi hat gesagt…

Aber wo der Herr F. total daneben liegt:
MACHT ist immer und immer und IMMER GEWALT!
Auch wenn letztere denn nicht ausgeübt werden muss!
Es genügt nämlich dass Macht STRUKTURELLE Gewalt ist.

Anonym hat gesagt…

@Kat

ΙΧΘΥΣ - dieses Poem ist sehr schön. Danke.

DJ Tiger hat gesagt…

Hello old friend
Eric Clapton

As I am strolling down the garden path,
I saw a flower glowing in the dark.
It looked so pretty and it was unique;
I had to bend down just to have a peek.

[Chorus:]
Hello old friend,
It's really good to see you once again.
Hello old friend,
It's really good to see you once again.

I saw you walking underneath the stars;
I couldn't stop 'cause I was in a car.
I'm sure the distance wouldn't be too far
If I got out and walked to where you are.

[Chorus]

An old man passed me on the street today;
I thought I knew him but I couldn't say.
I stopped to think if I could place his frame.
When he tipped his hat I knew his name.

DJ fufi hat gesagt…

Now I have a God of my own!
https://www.youtube.com/watch?v=yWme4vXead0

Riding along on the words of a song in my head
Thinking all day of the thoughts in my mind never said
I have needed a friend, over and over again


Everyone sings of a God they have known
Now I have a God of my own
And it's better now, been a long, long time
And it's better now that the words can rhyme


Gotta have something to sing about, everyone must have a song
Now I got something to sing about, everyone's singing my song
Gotta have something to sing about, everyone must have a song
Now I got something to sing about, everyone's singing my song

Dreaming away, never wishing to be anyone
Never a question or reason to find right or wrong
When I looked at the end, over and over again
Riding along on the words of a song
Thinking my time had all gone

And it's better now, been a long, long time
And it's better now that the words can rhyme



Gotta have something to sing about, everyone must have a song
Now I got something to sing about, everyone's singing my song
Gotta have something to sing about, everyone must have a song
Now I got something to sing about, everyone's singing my song

Bibel-Rock hat gesagt…

Oh my God!

https://www.youtube.com/watch?v=SaH8WMuP7LM

mehr dazu gibt's hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Aqualung_%28Album%29#Inhalt

und hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Jethro_Tull_%28Agronom%29

und OH, my God, auch hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Jitro_%28Person%29

Katharina hat gesagt…

Das Gegenteil des dunkeln Divisors.

"Anderseits ist es eine Thatsache, dass das Auge die Grösse von Gegenständen nach der Ausdehnung der Fläche, auf welcher es dieselben erblickt, abschätzt, so zwar, dass ihm ein Gegenstand um so grösser erscheint, je mehr Raum er auf der Beobachtungsfläche einnimmt. Hierzu kommt, dass das Auge gewohnt ist, die Grösse eines Objectes auch nach dem Verhältniss der in der Nähe befindlichen Gegenstände zu bemessen. Wenn der Mond nun über den Horizont emporsteigt, findet das ihn beobachtende Auge irdische Gegenstände, als Häuser, Bäume, Berge, Thürme u. s. w., die einmal das Gesichtsfeld einengen, ferner aber auch zu Vergleichen mit ähnlich geformten Objecten, z. B. Schornsteinen, Baumtheile, Gebirgskuppen, Kuppeln u. s. w. Veranlassung geben, wodurch die Mondscheibe grösser angesehen wird, als sie ist. Denn wenn man den Mond durch ein dunkles Blendglas betrachtet, wodurch die ihn umgebenden irdischen Gegenstände unsichtbar werden und nur die helle Mondscheibe in's Auge fällt, so wird sofort die imaginäre Vergrösserung wesentlich reducirt. Erst wenn der Mond höher und höher steigt und dann am freien Himmelsgewölbe auf einer weithin unbegrenzten Fläche steht, durch keinerlei Vergleichsobjecte beeinflusst, schwindet das Trugbild gänzlich und Luna erscheint in ihrer wahren Grösse."

- Keplers Traum vom Mond

mila hat gesagt…

Zu Fufi, 18. Februar 2015 um 18:19:

Dem würde ich abermals (in zeitnotgedrungener Kürze) widersprechen. Macht mit Gewalt gleichzusetzen verblendet die spezifische Sicht der Dinge. Es käme so wohl niemandem in den Sinn - um nur eines der offensichtlichsten Beispiele zu nennen - elterliche (Erziehungs-)Macht per se als Gewalt zu bezeichnen, zumal dies auch dem (eben) spezifischen, respektive anders formuliert: wesentlichen Begriffsgehalt von Gewalt verwässernd abträglich ist. Auch wenn Erziehung in Gewaltformen - physische wie psychische, in vielfältigsten Abstufungen - ausarten kann.

Ich könnte auch einfach sagen, dass ich wenig davon halte, 'grosse' Allerweltsbegriffe mit noch mehr Allerweltsbedeutung aufzuladen, bis sie zur definitorischen Unkenntlichkeit bar jedes heuristischen Werts verkommen. Und könnte mich dabei ebenfalls auf Foucault berufen (dies erwähne ich, um mich nicht fremden Lorbeeren zu schmücken).

mila hat gesagt…

@Kat: Danke, darüber muss ich in Ruhe nachdenken, ohne Alltagsablenkung.

Katharina hat gesagt…

Das Wirken des dunkeln Divisors:

Wissenschaft und Theologie sind zwei Enden einer Wahrheit, aber die Welt wird nie den vollen Nutzen ihrer Untersuchungen ernten, bis sie miteinander Frieden geschlossen haben und Hand in Hand für
die Vollendung des grossen Werkes arbeiten: Der Befreiung des Geistes und der Intelligenz von den drei-dimensionalen Gräbern der Ignoranz, des Aberglauben und der Angst.

mila hat gesagt…

@Kat, so gesprochen kann ich Dir nur zustimmen. Ich habe in der Vergangenheit teils bruchstückhaft darüber geschrieben, wann und weshalb sich die Theologie und die (modernen) Wissenschaften trennten - dies war eine eigentliche Trennung von Physik und Metaphysik, die die Vormoderne als solche nicht kannte -, respektive die Naturwissenschaften der Theologie den einst innewohnenden Rang der obersten (edelsten) Wissenschaft abliefen, um fortan diskursbestimmend das Geschäft der Weltdeutung zu übernehmen. Und ja, es wird Zeit, dass sie nun nebeneinander treten. Vielleicht komme ich am Wochenende dazu, dies in (möglichst) kurz gebündelter Form zusammenzufassen.

Ergänzend möchte ich sagen, dass auch die (tradierte) Kultur im Allgemeinen und die Kunst im Besonderen uns ein grabenüberschreitendes Mittel zur Vollendung des besagten opus magnum darbieten, beziehungsweise (Ein-)Blicke auf das Gute, Wahre, Schöne gewähren (ich denke hier unter anderem explizit an das platonische Höhlengleichnis). ΙΧΘΥΣ ist ein schönes Beispiel dafür.

Tiger hat gesagt…

Kat, ich hatte einmal einen Arbeitskollegen namens Peter Keppler, der war ein Nachfahre von Johannes Kepler.

fufi hat gesagt…

@kat.
In erster Lesung würde ich das unterschreiben:
"Wissenschaft und Theologie sind zwei Enden einer Wahrheit,".
Aber in 2ter Lesung würde ichdem, was sich als Wissenschaft bezeichnet denn doch gerne auf dern Zahn fühlen.
Erst recht wenn es sich um die achsoheilige Mathematik handeln täte, oder so biologisches Zeugs.

Ich meine da gibt's denn schon einige? VIELE! welche, wo ihr Maul etwas ZU voll nehmen! Im Sinne von Fachidioten.

fufi hat gesagt…

namal @ Kat.

Ich meine zum Beispiel gewisse Evolutionsbiologen oder auch so Big-Bang-Kosmologen wo IHR Fachgebiet als "Naturwissenschaft" bezeichnen und damit implizit sagen, dass sie 1tens Experimente über ihr Steckenpferd veranstalten können und 2tens, was noch viel dümmer ist, dass dieselbigen denn auch wiederholt werden könnten.
Hei:
So lasset uns ein Experiment machen mit dem Archeopteryx?
Und die Rekombination im Jahr 300'000 nach NULL spielen wir doch im Labor locklerstens nach?
Ich meine, auch DIE sollten sich mal hinterfragen!

Was mich betrifft:
Ich würde mich gerne mal mit denen treffen.
Am liebsten am Fusse eines Biervulkans!

fufi hat gesagt…

@mila

Doch: SOWAS kommt mir denn sehr wohl in den Sinn, persönlich?
"Es käme so wohl niemandem in den Sinn - um nur eines der offensichtlichsten Beispiele zu nennen - elterliche (Erziehungs-)Macht per se als Gewalt zu bezeichnen"

Naja, mit Kindern hab ich da keine Erfahrung,
aber leider mit Eltern!
Erziehung ist Gewalt!
Das Kind muss SO sein, wie WIR wollen, dass es ist.

Und was unsere Hundeli betrifft, und da sage ich stets:
Wir haben sie begleitet!

fufi hat gesagt…

Nein, Mila, Erziehung DARF nichts zu tun haben mit MACHT.
Oder GEWALT!

Erziehung muss liebevoll sein!
Begleitung, Vorbereitung, Einführung, wasweissich.

Aber gerade eben NICHT Erziehung!

Katharina hat gesagt…

fufi: etwas mehr Kohärenz und weniger polemisches Beleidigen. capish?

fufi hat gesagt…

Das sind KEINE Beleidigungen, Kat.!

Das sind Beobachtungen die ich halt so mache, seit ich, seit mehr als 30 Jahren eben so wissenschaftliche Bücher lese.
Ich meine dazu: Lies mal mein Profil, da ganz oben links!

Aber wenn ein Herr Roger Penrose meint, er könne die Mathematik im Sinne der "platonischen Realität" sozusagen als GOTT-gegeben verkaufen, und das selbstreden OHNE Gott?
Naja, da hab ich als Erkenntnistheoretiker halt schon so meine Fragen dazu.

Und ja doch: Ich würde mich als Evolutionsbiologen bezeichnen.
Aber die Evolutionstheorie war und ist KEINE wissenschaftliche Theorie, und sie wird das auch nie sein können.
Gibt es etwa wiederholbare Experimente dazu?
Ist sie aufgrund ihrer inneren Struktur falsifizierbar?

DAS meine ich!

Und das mit dem Biervulkan, das habe ich vom Bobby Henderson!

mila hat gesagt…

Fufi, ein Kind ist seinen Eltern oder überhaupt der Erwachsenenwelt zunächst einmal vollständig ausgeliefert, um überhaupt überleben zu können - wie anders als ein Machtgefälle soll man das denn bezeichnen? Sorry, aber allein diese banale Beispiel kindlicher Ohnmacht macht Deine Gleichsetzung von Macht und Gewalt in meinen Augen hinfällig.

Wie man mit dieser und mit anderer Macht umgeht, entscheidet darüber, ob aus einem gegebenen Macht- ein Zwangsgefälle wird. Das meine ich mit begrifflicher (heuristischer) Definitionsschärfe.

mila hat gesagt…

Und noch eins: Du hast ein nachvollziehbares Problem mit den Begriffen Macht und Erziehung. Das ändert aber nichts, kein Iota, daran, dass die Rest-Welt von Erziehung spricht, wenn es um das Eltern-Kind-Verhältnis geht. Und damit eben nicht per se Gewalt meint. Wenn ein Kind sich vollständig selbst, ohne jede elterliche Begleit- und Aufsichtsfunktion erziehen könnte, dann wäre der Begriff tatsächlich hinfällig. So aber bleibt nichts anderes als zu wünschen, dass das Begleiten und Aufsichten in Liebe erfolgt, und nicht in Zwang oder Gewalt.

fufi hat gesagt…

@Mila

Ich mag mich da nicht in den Begrifflichkeiten verwirren.
Ich denke, was ich hab sagen wollen, ist verstanden worden.

Tiger hat gesagt…

Nein: https://www.youtube.com/watch?v=fP_GLbJAB08

Katharina hat gesagt…

Der dunkle Divisor:

Die meisten Religionen der Welt sind Prozessionen:

Einer führt, und viele folgen nach. Auf den Spuren von Halbgöttern folgen Menschen in ihrer Suche nach Wahrheit und Erleuchtung.

Der Christliche folgt dem sanften Nazarener bis in die verwinkelten Wanderwege von Golgatha.
Der Buddhistische folgt seinem grossen Befreier durch seine Wanderungen in der Wildnis.
Die Mohammedanischen machen ihre Pilgerreise durch den Wüstensand zum schwarzen Zelt in Mekka.

Wahrheit führt, und Unwissenheit folgt in seinem Zug. Geist bahnt den Weg, und die Materie folgt hinterher. In der heutigen Welt leben Ideale nur einen Moment in ihrer Reinheit, bevor die versammelten Gastgeber der Finsternis den glänzenden Funken auslöschen.

Die Mysterienschule bleibt aber ungerührt.

Sie bringt nicht ihr Licht zum Menschen: Der Mensch muss sein Licht zu ihr bringen.
Ideale, die in diese Welt kommen, verkommen zu Idolen innerhalb ein paar kurzer Stunden.

Aber der Mensch kann, so er die Tore des Sanktuariums durchschreiten will, das Idol zum Ideal zurückverwandeln.

mila hat gesagt…

Ich bin eine Ausführung zu Wissenschaft und Theologie schuldig geblieben.

Was die ‚modernen‘ Wissenschaften von ihren vormodernen Vorgängern unterscheidet, ist eine bestimmte Vorstellung von Wissenschaftlichkeit, die sich im 16. und 17. Jahrhundert auszubilden begann. Sie schlug sich in der ‚wissenschaftlichen Methode‘ wieder, deren Merkmale heute noch in Gestalt des wissenschaftlichen Experiments verinnerlicht sind: logische Deduktion, Standardisierung, Quantifizierbarkeit. Der Natur wird eine Frage gestellt, respektive wird sie einer ‚Probe‘ unterzogen (man könnte auch sagen, die Natur wird mit allen Regeln der wissenschaftlichen Kunst ‚verhört‘). Ein Versuch, der nicht wiederholt oder gemessen werden kann, hat aus wissenschaftlicher Sicht keinen Aussagewert. Dies schliesst metaphysische Fragen an natürliche Phänomene per se aus.

Ein Grund, weshalb sich diese Art des Experiments - und damit die zugehörige Formulierung von Wissenschaftlichkeit - flächendeckend durchgesetzt hat, liegt auf der Hand: es liefert handfeste Antworten und reduziert Unsicherheiten. Auf diese Weise gelang es den modernen Wissenschaften, mit ignoranz-, aberglauben- und angstbedingten Vorstellungen aufzuräumen: eine Dürre- oder Regenperiode konnte nun natürlich ‚erklärt‘ werden, der daraus resultierende Schaden musste somit weder Hexenwerk zugeschrieben werden noch als Gottesstrafe betrachtet. Ebenso leuchtet ein zweiter Faktor ein, der wesentlich dazu beitrug, dass die modernen Wissenschaften der Theologie den (natürlichen) Weltdeutungsprimat abliefen: sie erwiesen sich in technischer respektive technologischer Hinsicht als eminent nützlich; dieser gesellschaftsdienliche ökonomische Aspekt ist nicht zu unterschätzen.

Umgekehrt führte die zunehmend verfestigte Wissenschaftlichkeit zu wissenschaftsgläubiger Dogmenbildung, radikaler (vermeintlich) wissenschaftsbasierter Materialismus oder Atheismus sind nur zwei extreme Beispiele dafür. Dessen Vertreter erliegen der quasi-religiösen Verblendung, die Wissenschaften hätten auf alles eine Antwort zu bieten - sie tun es insofern nicht, als alles Nicht-Quantifizierbare sich notwendig ihrem Gegenstandsbereich und ihrer Deutung entzieht. Im Grunde verstossen sie damit gegen das eigene ‚heilige‘ Gebot der Falsifizierbarkeit. Meine persönliche Meinung dazu ist, dass die Zeit reif ist dafür, die Metaphysik wieder neben die Physik zu stellen, das Immaterielle neben das Materielle. Beide haben mit ihren je eigenen Grundsätzen, Methoden und Gegenstandsbereichen ihre genuine Berechtigung. Ich würde auch nicht sagen, dass die Welt wieder ‚verzaubert‘ werden soll - zumal sie nie wirklich ‚entzaubert‘ wurde. Vielmehr geht es darum, dass beide Bereiche in Kenntnis (und Eingeständnis) ihrer Grenzen diese Existenzberechtigung des anderen einräumen und sich die Hand zur Kooperation reichen. Verstandeslogik und Glaube müssen sich dabei nicht ausschliessen, sie können, im Gegenteil, voneinander profitieren. Denn es gilt noch so vieles zwischen Himmel und Erde zu erkennen, geistig wie seelisch.

Wenn Du also schreibst, Kat: „Aber der Mensch kann, so er die Tore des Sanktuariums durchschreiten will, das Idol zum Ideal zurückverwandeln.“, dann würde ich hinzufügen, dass dies nur einem mündigen Gläubigen sowie, umgekehrt, glaubendem Mündigen möglich ist. Nur ist das mit der Mündigkeit so eine Sache, wie auch Marc Sautet zum platonischen Höhlengleichnis festhält: "Das menschliche Dasein ist so beschaffen, daß die meisten Menschen die Höhle niemals verlassen werden." Wie schon Platon schrieb, lassen derart Gefangene „nichts anderes für wahr gelten (…) als die Schatten der künstlichen Gegenstände.“ Diejenigen, die (zeitweise) aus der Höhle zur Höhe gelangt sind, müssen ihnen notgedrungen lächerlich vorkommen.

fufi hat gesagt…

@mila

Da geb ich dir in vielem Recht, wenn auch nicht rundum!

Sag mal: Hat der olle Platon mal die (seine?) Höhle verlassen?
KANN ein Mensch denn überhaupt seine Höhle verlassen?
Kann ein Mensch seine conditio humana "hinter(?)" sich lassen?
Und falls ja: WAS ist denn das "Vordere" in das er eintreten mag?

Ich meinerseits, im Sinne eines Erkenntnistheoretikers, hab's da halt eben schon eher mit den anglikanischen (grins!) Skeptikern, vom Wilhelm von Ockham bis zum Kriegsdienstverweigerer und bekennenden Nïcht-Christen Sir Bertrand Russel.

Gerne werde ich mich mal zum Thema auslassen!

mila hat gesagt…

Über die conditio humana mag ich mich nicht unterhalten, mit der habe ich mich für (m)ein Leben genug herumgeschlagen. Die Quelle für allfällige Grenzüberschreitung lautet aber für mich, als zumal ausgewiesene Idealistin, eindeutig Inspiration (Platon dürfte das ähnlich gesehen haben). Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

fufi hat gesagt…

@mila

Smile!

Katharina hat gesagt…

Wahre Wissenschaftler, blödes Wort, ich weiss, aber die ganz grossen Wissenschaftler haben nie die fast schon kindliche Freude am Wunder verloren. Gerade die an den theoretischen Grenzen des Verständlichen forschenden, die Quantenmechaniker, sagen, dass vieles fast schon metaphysisch sei, gerade, was die Mathematik betrifft.

wie immer, sind es die nachfolgenden der Leitfiguren, die dogmatisch bleiben, weil sie nachäffen. und wie zwei benachbarte Affenkolonnen keifen diese mit den Affen der Nachbarskolonne.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie genau sich conditio humana und conditio simia ähneln. Auch, wie gerade die neuen Dogmatiker des atheistischen Humanismus, der rationalen Ethiker und Philosophen, die meinen, Logik für sich exklusiv gepachtet zu haben, gerade die Argumentation der Falsifizierung vehement unterdrücken.

Diejenigen, die (zeitweise) aus der Höhle zur Höhe gelangt sind, müssen ihnen notgedrungen lächerlich vorkommen – kann auch umgekehrt werden, nämlich, dass die aus der Höhle gekrochenen die in der Höhle verbliebenen lächerlich vorkommen, es sei denn, es gelingt ihnen sprachlich zu vermitteln, was sie gesehen haben. Das Meme des dunkeln Divisors aber ist eines der Angst und aus dieser heraus wird das nicht vertraute ins Reich der Absurdität geredet. Die Sprache muss also eine des Vertrauens sein.

Und gerade in der heutigen Zeit fehlt dieses Vertrauen. Gerade denjenigen gegenüber, die sich als Vorreiter oder Leiter ausgeben. Die Angst aber ist auch, weil die Menschheit an einem Scheideweg ist und rational vielen bewusst ist, dass die vertrauten heimeligen Gefühle einer ‚conditio humana‘ – als von unseren evolutionären Verwandten abgetrennte Natur – uns als Spezies nicht weiterbringen kann, ja sogar unser Verschwinden einläutet.

Es besteht also ein evolutionärer oder Selektionsdruck, aus der Höhle herauszutreten. Ein Druck, den wir aber als Gesamtheit uns selber antun wegen und durch unsere Gewohnheiten. Nur ist es da, um Vertrauen zu gewinnen, nicht dienlich, eine Haltung des ‚leave the unevolved behind‘ zu zeigen. Denn diese ist eher Beleg einer conditio simia anstelle von Anführern. Es sei denn, die Angewohnheit, einem Anführer folgen zu wollen, wird als schlechte Gewohnheit der conditio humana abgelegt.

mila hat gesagt…

Dass Quantenmechaniker weniger Berührungsängste mit 'art'-fremden Bereichen haben als andere Wissenschaftler, hängt mit der Natur ihres Gegenstands zusammen. Ein berühmtes älteres Beispiel ist die Kooperation zwischen Wolfgang Pauli und C.G. Jung. Neuerdings geht es auch einigen Biologen und Neurophysiologen so.

Überhaupt kann man festhalten, dass alle grossen Wissenschaftler mit Inspiration und besagtem Staunen gesegnet waren - den Gaben eines offenen, kreativen und damit innovativen Geistes. Ihren Epigonen gehen diese in aller Regel ab, weshalb selbige sich vor allem auf konservierende Tradition und Fussnoten verstehen.

Platon äusserte sich auch zu dem von Dir benannten Problem: "Wundere dich nicht, daß diejenigen, die zu dieser Höhe gelang sind, keine Neigung verspüren, sich den menschlichen Alltagsgeschäften zu widmen; sondern ihre Seelen fühlen sich immer getrieben, dort oben zu verweilen....
Scheint es dir verwunderlich, wenn einer, der von den göttlichen Anschauungen her in das menschliche Jammertal herabkommt, haltungslos ist und sich recht lächerlich ausnimmt, wenn er, noch getrübten Blicks und noch nicht wieder genügend an die hiesige Finsternis gewöhnt, sich genötigt sieht, in Gerichtshöfen oder anderswo um die Schatten der Gerechtigkeit zu streiten ..."

Ich für meinen Teil denke, dass dies mitunter damit zusammenhängt, dass das Denken und die Wahrnehmung derjenigen, die mit der Höhe in Berührung kamen, sich in fundamentaler Weise ändern und denen, die diese Erfahrung nicht gemacht haben, nicht (mehr) verständlich sind. Das kommt daher, dass in der Höhe andere Gesetzmässigkeiten gelten als menschliche. Ob Sprache eine Verständnis-Abhilfe schaffen kann, ist für mich insofern fraglich; man kann dieselbe Sprache sprechen und einander doch nicht verstehen. Die alten Traditionen überlieferten ihr tiefstes Wissen deshalb auch in Symbolen; es ist nicht weiter verwunderlich, dass diese Art der wissensübermittelnden Imagination im 16. und 17. ebenfalls noch eine (letzte) Blüte hatte.

Kannst Du den Begriff der conditio simia noch etwas näher ausführen?

fufi hat gesagt…

@mila

"Ich für meinen Teil denke, dass dies mitunter damit zusammenhängt, dass das Denken und die Wahrnehmung derjenigen, die mit der Höhe in Berührung kamen, sich in fundamentaler Weise ändern und denen, die diese Erfahrung nicht gemacht haben, nicht (mehr) verständlich sind."

Ich für meinen Teil behaupte zu wissen, dass Niemand wirklich mit der Höhe in Berührung gekommen ist -> sic GOTT kennengelernt hat, der sich danach NICHT mit einfachen Worten hat ALLEN verständlich machen können, die diese Erfahrung nicht gemacht haben.

Und NIEMAND, wo sich so Höhen-Schwurbselig-Heilig vor andern auskotzt ist jemals dort oben gewesen!

mila hat gesagt…

Fufi, ich denke in Schichten, nicht in Absolutheiten. Und mir geht es auch nicht um (den einen) Gott.

Zu den 'einfachen' Worten: nur schon die Bibel ist ein komplexes Bündel an vermeintlich simplen (Parabel-)Botschaften und Wahrheiten. Sprache ist unzulänglich, dabei bleibe ich.

mila hat gesagt…

Wie seltsam ist es also, dass das vermeintlich einfache oft das schwierigste ist? ;) Bei der Umsetzung, wohlgemerkt.

Katharina hat gesagt…

Ehmmm. Ich habe nirgends von Gott geredet, so von wegen buchreligiösem Geschwurbel, fufi... Dass sollte Dir als 'Erkenntnistheoretiker' eigentlich klar sein..... so von wegen angewandter conditio simia. Es sind ja gerade die sprichwörtlichen Affen, die alles anthropozentrisch nehmen.

oder:

"der sich danach NICHT mit einfachen Worten hat ALLEN verständlich machen können" - als Falsifizierung deiner Hypothese verweise ich auf Mizvoth. Nämlich die Sammlung aus Gesprächen und Ueberlegungen darüber, was das ganze bedeuten soll. kein Wunder, sind die jüdischen Anwälte Weltspitze ;-)

Zum vergeigen eignet sich Zorba the Greek wirklich besser. Dein spiritueller Führer hat ja gerade 'sich so Höhen-Schwurbselig-Heilig vor andern ausgekotzt', und den shekel mit Tetelestai abgestempelt.

mila hat gesagt…

Kat, im Grunde ist Fufis Reaktion verständlich. Auch ich misstraue vielen, die von Höhenerfahrungen berichten und darauf eine Gefolgschaft aufbauen wollen (ich meine dabei explizit nicht Christus, sondern denke an neuere Beispiele - deren gibt es weiss Gott genug).

Fufi, ich hatte zwei Höhenschichtenbegegnungen. Darüber rede ich nicht, das ist privat (für mich aber nicht minder wahr). Insofern kannst Du mir zwar nicht vorwerfen, ich würde mich darüber auskotzen - aber Du darfst mir gerne eine Geisteskrankheit attestieren, falls Dich das verbal zügelt.

mila hat gesagt…

PS: Und nein, ich behaupte nicht, dass diese mich 'gewandelt' hätten. Sie haben mich lediglich zum Über-Denken gebracht; eine früh, eine sehr viel später. Die Spur bleibt dennoch.

Katharina hat gesagt…

Mila, wer auf Erkenntnistheorie verweist und dann weiter oben Evolutionstheorie als unwissenschaftlich tituliert, hat verloren. Er versucht es zudem immer auf SEINE Sicht von Religion umzubiegen. Und das in seinem wuseligen Stil, der überhaupt nicht konstruktiv ein Thema weiterbringt. Er tut zwar immer enerviert über das Sektierertum, liefert aber den genau gleichen Content.

oder etwas deutlicher formuliert: die nachfolgenden christlichen Affen flippen aus, wenn gesagt wird, dass jener auch nichts weiter als einer in einer langen reihe von wanderpredigern ist. Andere Allegorien, andere Paraphrasen und parabeln im jeweiligen Kulturkontext. Einige schaffen es, 'das Herz' anklingen zu lassen.

Fufi ist davon leider weit entfernt. Für mich enttäuschend, weil ich mich wirklich bemühe.

mila hat gesagt…

Nun gut, vor dem Umbiegen von Themen ist glaube ich niemand hier ganz gefeit. Aber ich verstehe, was Dich stört, und bin ansonsten auch oft inhaltlich einer Meinung mit Dir (selbst dann, wenn es nicht auf Anhieb den Anschein hat). Ich kenne aber auch die verführerische Kraft des Gedankens, etwas erkannt zu haben, was andere (noch) nicht erkennen. Ein zweischneidiges Schwert, das.

Man ist sich mittlerweile gewöhnt, Menschen, die von Berührungen mit dem Nicht-Profanen berichten, mit allerlei Diagnosen zu begegnen: Religionswahn, Psychose, Schizophrenie, Narzissmus etc. Davor bin auch ich nicht gefeit, zumal ich denke, dass die meisten dieser Begegnungen sehr klein sind, so dass sie von den Betroffenen selbst selten völlig bewusst wahrgenommen werden; der Verstand hat damit seine Mühe, nicht so das Gefühl. Insofern misstraue ich prinzipiell den ‚grossen‘ Erzählungen (nun, nicht ganz allen) und halte es im Übrigen mit Mircea Eliade: das Profane und das Sakrale sind keineswegs so weit voneinander entfernt, wie man uns glauben machen möchte.

Was ich damit sagen will ist: diese Begegnungen gehen zwar - zumindest vermute ich das - niemals spurlos an einem vorbei (ein zunächst unbestimmt nachhallendes Empfinden bleibt), doch braucht es bisweilen Zeit, bis sie geistig ‚reifen‘. Für meinen Teil dachte ich beispielsweise lange, ich hätte Angst vor dem Tod - dabei war es umgekehrt, eigentlich hatte ich Angst vor der Existenz, respektive vor der Möglichkeit eines Scheiterns. Aber die Gewissheit (nicht: den Glauben), im Tod und über den Tod hinaus geborgen zu sein, kann man niemandem vermitteln, der sie selbst nie gespürt hat. Und wie man sieht, löst auch sie gewisse andere Probleme nicht. (Aber immerhin werde ich nie zu der Fraktion gehören, die sich ‚ewiges‘ Menschenleben wünscht.)

Tut mir leid, aber besser kann ich es nicht ausdrücken. Und mehr sagen will ich nicht.

fufi hat gesagt…

@mila am 23. Februar 2015 um 17:54

Danke für dein Vertrauen.

Ich kann da nur von meinen "Höhen"-Erlebnissen sprechen, und von all den TIEFEN, wo ich auch überlebt habe.

Aber aus meiner Sicht, ich hab's ja gesagt:
Wer die Höhe wirklich kennt, kennt auch die Tiefe.

fufi hat gesagt…

@Katharina

"Mila, wer auf Erkenntnistheorie verweist und dann weiter oben Evolutionstheorie als unwissenschaftlich tituliert, hat verloren."

Kannst du mir bitte erklären, inwieweit die Evolutionstheorie eine wissenschaftliche Theorie ist? zum Beispiel im Popperschen Sinne?

Kannst du mir bitte auch nur EIN "unabhängig reproduzierbares" Experiment zeigen, wo beweist, dass "die Evolution" in Jahrmillionen hat so ablaufen müssen?
Kannst du mir bitte diejenigen Punkt sagen, wo die Evolutionstheori falsifizierbar ist? Und ich meine da nicht den Kreationistischen Impetus!

NEIN, wissenschaftlich im Sinne dessen, was "die Wissenschaft" von sich selbst fordert, ist die Evolutionstheorie ebensowenig wie die Wegenersche Idee von der Plattentektonik!

Klaro, da gibt's Messungen zuhauf, und Ausgrabungen und DNA-Analysen und was der wunderbaren Dinge noch mehr sein können.

Aber es gibt KEINE Beweise! Keine "eperimentell reproduzierbare Ergebnisse" im "streng wissenschaftlichen Sinn!

Indizien, meinetwegen.
Und bestimmt plausibler als die Theorie der Kreationisten.
ABER, und DAS mein ich:
Ebensowenig beweis- wie falsifizierbar wie die kreationistische Seuche!

Katharina hat gesagt…

'Ich kann da nur von meinen "Höhen"-Erlebnissen sprechen, und von all den TIEFEN, wo ich auch überlebt habe.

Aber aus meiner Sicht, ich hab's ja gesagt:
Wer die Höhe wirklich kennt, kennt auch die Tiefe. '

ist ja ausgerechnet dies:

'Ich kenne aber auch die verführerische Kraft des Gedankens, etwas erkannt zu haben '

und

'Und NIEMAND, wo sich so Höhen-Schwurbselig-Heilig vor andern auskotzt ist jemals dort oben gewesen! '

nein. einem solchen protagonisten kann ich angesichts seiner agenda nicht vertrauen.

warum vertrauen überhaupt aus milas beitrag konstruiert wird, entgeht mir völlig. Geborgenheit über den Tod hinaus? Dies als Gewissheit zu postulieren ist teil jeder near death experience, gleich auf welche art diese zugeführt wurde.

Zudenken, dass nach dem tod unser bewusstsein in einer menschlichen form weitergeht, sind träumereien einer eben anthropozentrischen sicht. was danach ist, können wir nicht wissen, oder erahnen. falls überhaupt etwas ist. ziemlich gesichert ist nur, dass niemand zurückkommt. oder noch nicht.

nebenbei sprichts du ja nie von deinen erlebnissen, fufi. ausser passagen aus womöglich einer seminararbeit. verdauungen von nur einer schriftsammlung. was darüber hinaus geht, ignorierst du konsistent oder kannst du nicht verstehen.

wir reden also aneinander vorbei, weil du orthodox auf ausschliesslich eine melodie eingespielt bist. so in etwa wie jemand der ausschliesslich radio nrgy hört.

aus den untiefen kann also auch , um deine worte 'Wer die Höhe wirklich kennt, kennt auch die Tiefe.' betroffend den höhen analogieschlüsse gemacht werden. als erkenntnistheoretiker solltest du ja wissen, dass analogieschlüsse dünnes eis sind. es sind meist strawmen's arguments.

Katharina hat gesagt…

Womit ich leider auch so langsam an den Punkt komme, wo ich mir sage, ob es einen sinn macht, mir hier bei meinem denken zuschauen zu lassen, fufi.... denk mal darüber nach.

fufi hat gesagt…

@Katharina

Ich bitte Dich!

WO habe ich von "Geborgenheit über den Tod hinaus?" geschrieben?
Oder was in DEM Sinne: "Zudenken, dass nach dem tod unser bewusstsein in einer menschlichen form weitergeht, sind träumereien einer eben anthropozentrischen sicht."

Und weshalb ich "orthodox auf ausschliesslich eine melodie eingespielt" bin, das hat mit meiner wissenschaftlichen Ausbildung zu tun.
Aber darfst mir glauben: Ich kann "orthodox" und "glaubend" sehr gut unterscheiden!

Und ja, DA haste recht: Dass ich mich nämlich hüte, von meinen Erlebnissen zu schreiben, auch wenn sie immer mal wieder durchsickern, sozusagen.

Und was dich betrifft, das musst du entschjeiden.
ICH meinerseits werde mir hoffentlich noch einige Zeit beim Denken zuschauen lassen können.

Greets!

fufi hat gesagt…

Und ja doch, Kat.
Du hast mich provoziert, und leider gehöre ich zu denen, die sich gerne provozieren lassen.

Nun denn, dass wir uns im Diesseits in der "MENSA" - du weisst, was ich meine(?) - treffen werden, ist eher unwahrscheinlich.
Aber fielleicht ergibt's sich im Jenseits, unter einem Bierfulkan, zum Beispiel?
http://de.wikipedia.org/wiki/Fliegendes_Spaghettimonster

Katharina hat gesagt…

Weisst Du Fufi, mir geht es in letzter Zeit nicht so gut. Eine allgemeine Beklemmtheit und dieses allgemeine Angst. Und über jenen dunkeln Divisor nachgrübeln tut das seine. Sollte ich vielleicht lassen.

Die Aussenwelt lasse ich in letzter Zeit nicht so an mich ran. Nachrichten mag ich gar nicht mehr anschauen.

Also nimm es vielleicht so.

Ich denke mir manchmal: Ist die ganze Welt verrückt geworden oder bin nur ich ver-rückt, nicht im Lot?

fufi hat gesagt…

Vielen Dank, Katharina

Weisst du, Nachrichten am TV schaue ich seit 5 Jahren nicht mehr.
Mir genügt's, was ich täglich lese.
Ich brauche keine Videos dazu.

Was soll ich schon sagen:
Wenn ALLE so verrückt wären wie wir,
wäre die WELT wohl viel weniger verrückt.

Aber die Verrückten wo die Welt verrücken,
sind verrückter als wir.
Hoppla, da hab ich gelogen:
Es sind DIE, wo meinen SIE seien die Normalen!
Und leider haben sie recht, alle, in ihrem Kontext!

fufi hat gesagt…

Und @ Kat. mal ganz was persönliches:
An so ein (ewiges) Weiterleben nach dem Tod, jedenfalls im anthropomorphen Sinn, und mit den jungfräulichen Huris oder dem Suff im Walhalla, oder der ewigen Anbetung: NEIN, an SO was glaube ich nicht!

fufine hat dazu mal was ganz Schönes gesagt:
Wenn wir im Himmel sind, können wir in so ein "Kino" gehen und dann sehen wir wie das wirklich war, mit den Dinosauriern.

fufi hat gesagt…

Ach ja Kat.

Ich wünsch Dir was!

mila hat gesagt…

Kat, mir geht es phasenweise ähnlich. Ich frage mich dann allerdings weniger, ob die Welt verrückt geworden ist (zumal ich viele sogenannte Verrücktheiten als Zeichen eines gesunden Geistes, respektive einer gesunden Seele erachte), sondern überlege, ob Max Born nicht doch recht hatte mit folgender Aussage: "Es scheint mir, dass der Versuch der Natur, auf dieser Erde ein denkendes Wesen hervorzubringen, gescheitert ist."

Ich sprach übrigens weder von Nahtoderlebnissen noch von anthrophormophen Jenseitsvorstellungen, aber dies nur zur inhaltlichen Klärung. Nachrichten schaue ich schon lange nicht mehr, ich lese sie nur wohldosiert in ausgewählten Publikationsorganen. Dies weniger auf Basis eines Ausschlusses allenfalls missliebiger weltbildlich-politischer Ausrichtungen, sondern weil ich die Kategorie Vermischtes, die bei einem Medium wie 20.min kräftig in allen Sparten beigemischt ist, mit ihrem zusammengetragenen Allerwelts-Potpourri von kleinen und grossen Katastrophen, weltbewegenden wie kleinen, nicht ertrage. Wenn der Elefant bei seiner Befreiung weint, muss ich mitweinen (aber das waren wenigstens schöne Tränen, zumal wenn man es schafft, die anderen weiterhin gequälten Artgenossen für einen Moment auszublenden und diesen kleinen Sieg der Freiheit zu feiern).

Was ich sagen will: take care, und frag Dich vielleicht Dir zuliebe wirklich, was Du bewusst in Deinen Geist reinlassen möchtest - und was zum Selbstschutz ausblenden. Das selbstgewählte Mass macht auch Beklemmendes erträglich(er), und das für Dich Wesentliche - das, was Du wirklich wissen musst - wird Dich ohnehin erreichen.

mila hat gesagt…

Fufi, hast Du Dir vielleicht schon mal überlegt, dass manches ungewollt oder zum unpassenden Moment ungefiltert durchsickert, weil Du Dich im Allgemeinen davor hütest, davon zu sprechen? Und damit meine ich keineswegs, dass Du hier davon schreiben müsstest.

Es ist in jedem Fall weder fair noch austauschdienlich, die Wut und Frustration, die wir alle in uns tragen und die manchmal eine sehr persönliche vor dem eigenen Lebenshorizont ist, durch Schimpftiraden gegenüber allem, das einem spanisch vorkommt, abzureagieren. Ich fühle mich jedenfalls auf längere Sicht besehen keinen Deut besser, wenn ich in Reizsituationen automatisch Dampf ablasse. Und von denen gibt es auch bei mir einige.

mila hat gesagt…

...mein JHWH-vor-Den-Haag-Stellen-Anfall war so einer, da JHWH mich nur schon bis aufs Blut reizt, wenn sein Name irgendwo fällt. Besonders verüble ich ihm, dass er mir das Alte Testament vergällt hat. Ich mag nämlich durchaus nicht nur einige neutestamentarische Passagen, sondern auch so manche alttestamentarische Metapher. Aber dies nur als konkretes Anschauungsbeispiel.

fufi hat gesagt…

@ mila

Zum ersten:
Ich möchte euch sehr, sehr gerne mal erzählen, weshalb ich - und so.
Aber ich hab mich bisher nie getrauen mögen dazu.
Weil, ich weiss es ja - aber ob ich das denn auch sagen darf?
Hier, und übermorgen?

Und von wegen dem AT:
Da hab auch ich so einige Texte, wo mir ganz besonders gefallen:
Gen 1, zum Beispiel, weil damit gesagt wird, dass die ganze Welt, ALLES, irgendwie in der Hand Gottes = unter seinem Schutz steht.

Und das ALLERVERR.... steht so ganz beiläufig in Gen 3.21:
Und Gott der Herr machte dem Menschen und seiner Frau Röcke aus Fell und legte sie ihnen um.
DAS war nämlich das ERSTE was er getan hat, nachdem er die Menschen aus dem Paradies vertrieben hat! Bedenkt dessen, bittesärr!

Und eine meiner erklärten Lieblingsgeschichten aus dem AT ist die von Bileam und seiner Eselin:
http://www.bibleserver.com/text/LUT/4.Mose22

mila hat gesagt…

Man kann immer alles sagen, von dürfen ist nicht die Rede, würde ich meinen. Ich weiss allerdings nicht, wer hier so alles mitliest - und auch die Reaktionen kann man in einem virtuellen Raum im Gegensatz zu einer vis-à-vis Situation eher schlecht (mit)steuern. Ich für meinen Teil bin daher eher vorsichtig mit persönlichen Geschichten.

Ich mag die Schöpfungsgeschichte mit allem drum und dran und habe sie auch schon mit anderen Schöpfungsgeschichten verglichen. Einige kulturenübergreifende Überschneidungen sind geradezu frappant.

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