Haben mich Katharina und Mila jetzt dazu provoziert?
Haben mich Katharina und Mila jetzt dazu ermuntert?
Haben Katharina und Mila überhaupt was mit diesem Post zu tun?
Jedenfalls ist es so, dass ich das Folgende eigentlich schon längst mal gern geschrieben hätte.
Einfach so.
Damit ich's mal hab von mir geben dürfen!
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Sie
wollten ein Kind!
Und
sie wollten UNBEDINGT ein Kind, und haben deshalb damals, im 1957 alle für sie
bezahlbaren medizinischen Hilfen in Anspruch genommen, um ein Kind zu kriegen.
Aber
sie wollten NICHT DAS, was sie kriegten, weil:
Aber sie wollten nicht MICH!
Also,
aber eigentlich hätten sie mich denn ja schon geduldet, wenn ich denn
wenigstens IHRE versauten Lebensträume verwirklichen hätte täten würden. Oder
so.
Jedenfalls
hat s’Müetti schon in meinem frühesten Kindesalter meine Manneskraft getestet:
jedesmal beim Bädelen hat sie mein Schwänzli bearbeitet, ob’s denn stehen
möchte, und ob ich denn mal so ein richtiges Mannsbild werden würde.
Das
hat sie so rund 20 Jahre danach einer jungen Frau erzählt, von der s’Müetti
nicht wusste, dass DIESE Frau denn später MEINE Frau werden würde.
Und
als sie es denn wusste fragte s’Müetti meine Frau, ob ich denn gut sei, im
Bett!
Nun ja, wer würde es ihr denn verdenken, wo sie mich denn schon abgelehnt hat, als ich da noch in ihrem Leib heranwuchs, denn da wurde es ihr nämlich erst so richtig klar, dass ICH der Grund sein würde, wo alle ihre Träume vom Leben der Reichen und vom dazuzugehören und jedenfalls: fufi vernichtete ihre Träume und wurde zu Müettis Abschaum!
Weil
das war nämlich so: S’Müetti hat nach der Sekundarschule Anwaltssekretärin
gelernt. Und es wäre ja sowas von gerne Anwaltsfrau geworden. Und ist darum ja
auch mit dem Einen und dem Anderen und dem Dritten auch noch ins Bett
gestiegen. Aber irgendwie hat sie die erforderlichen Qualitäten einer Anwalzfrau
eben doch nicht mitbringen können.
Und
da hat sie dann eben meinen Vater genommen.
Und
der war ja noch so froh, überhaupt was kriegen zu können. OHNE Qualitätskontrolle!
Aber
immerhin, SIE war ja so was von schaurig intellektuell und kulturell, weil sie
nämlich in der Sekundarschule Schillers Glocke und Goethes Zauberlehrling
auswendig gelernt hat. Und sie wusste, dass Beethoven und Mozart das Beste vom
Besten sind. (Originalzitat ca. 1980: Gnüss es, es isch Beethoven!)
fufi
meint: Was würde sie sagen, wenn sie wüsste, wie ich Hindemith schätze, Mahler,
oder Berlioz? Aktuell läuft Liszt’s Klaviertranskription von Beethovens 6ter,
gespielt von Glenn Gould. EINE OHRENWEIDE!
Ach
ja, und ich hab s’Müetti NIE, aber grad GAR NIE Beethoven oder Mozart hören
gehört. Es schwärmte nämli für Freddy Quinn, und literaturistisch gilt
dasselbe!
Aber
sie war ja so schaurig gescheit und ebendrum SO gut im Kreuzworträtseln!
Aber
äxgüsi, ich bin abgeschweift.
Zunächst
wurde ich ja erzogen.
Der
Vatti tat das nach dem Motto: Was ihn nicht umbringt macht ihn stark.
Weil
er nämlich NICHT wollte, dass ICH eine derartige Memme werden würde, wie er es
zeitlebens war.
Da
war s’Müetti ja irgendwie noch liebevoller, weil es sagt: Aber gäll fufi, SOWAS
wirst du denn niemals mehr machen, weil du ja auch möchtest, dass dein Müetti
dich liebhaben kann.
Was
fufi allerdings nicht beeinflussen konnte war das Datum seiner Geburt.
S’Müetti
hat ihn nämlich oft geschumpfen, dass er 3 Wochen zu früh sich ARSCH voran aus
der mütterlichen Hölle hat befreien wollen. Ansonsten wäre er nämlich im
Sternzeichen „Jungfrau“ geboren. Und wäre darum VIEL einfacher zu händeln
gewesen, als wie als Löwe.
Hat
s’Müetti gesagt, ihrem Kind, und immer wieder, wenn sie so ob fufi hat leiden
müssen!
Aber
immerhin hat fufi denn, er war so ungefähr 6 Jahre alt, innert erinnerten 2
Wochen LESEN gelernt. Weil s’Müetti ihn das nämlich gelernt hat, weil sie
nämlich keine Zeit mehr hatte für fufi, sondern sich vollzeitlichstens IHREM
SOHN widmen musste, wo sie unterdessen auch aus ihrem Bauch rausgepresst hatte.
ARSCH voran!
Aber
den sie denn NIE und NIMMER hätte dafür schimpfen mögen, dass der arme Kleine
das Licht der Welt auch retrospektiv erblickt hat. Denn daran sei nämlich fufi
schuld, sagte sie, weil nämlich schon fufi ... . Und das arme kleine Kerlchen
könne denn schon grad gar nichts dafür. Und DAS sagte SIE mir, SEINE Mutter!
Aber
wer könnte IHR das verübeln, jetzt, wo sie doch endlich einen richtigen Sohn
hatte!
Den
sie von ganzem Herzen und ganzem Bauch so richtig lieben konnte. Und das hat
auch der Vatti genauso gefühlt und geliebt!
Und
der SOHN meiner Eltern, der hatte denn auch ihre ganze unterstützende Liebe.
Zum
Beispiel als er mal was zu Weihnachten kriegte, was er denn aber schon grad gar
nicht hat kriegen wollen. Da hat er denn halt erst am 27.12. DAS gekriegt, wo
er hat kriegen wollen. Und fufi hat zum später Geburtstag DAS gekriegt, wo der
SOHN meiner Eltern zu Weihnachten NICHT hat kriegen wollen.
Und
als der SOHN meiner Eltern fufi mit Dart-Pfeilen bewarf – der eine traf nicht,
der zweite verhedderte sich im T-Shirt und der dritte verfehlte das Skrotum um
ca. 1 cm und bohrte sich in fufis Oberschenkel, nun ja, da war
selbstverständlichstens fufi schuld daran, weil er den lieben SOHN seiner Eltern
scheints, so sagte jedenfalls dieser, jedenfalls höchstbösartigerweise wütend
gemacht hat haben soll. Böser, böser fufi!
Ok,
zwar machte auch fufi seinen Eltern Freude, in der Schule zum Beispiel, aber
eben halt doch nicht so richtig, weil er in Turnen, Schreiben und Zeichnen halt
keine 6er nach Hause brachte. Und manchmal nach einem 6er in Rechnen oder so
halt auch bloss einen 5 ½.
DA
musste er sich denn aber schon etwas mehr Mühe geben, gefälligst, meinte der
Vatti wo jeweils das Zeugnis unterschrieb, denn WIE könnten wir dich sonst noch
gerne haben?
Wer
möchte sich denn darob wundern, dass s’Müetti nach fufis erster Klavierstunde
ihn ermahnte: „Dass du mir aber NIEMALS Klavierjazz spielen wirst!“
Oh no, SHE didn’t know the boogie!
Nun
denn, nachdem fufi die Gymi-Prüfung bestanden hatte meinten die Eltern unisono:
DU
gehörst jetzt zur geistigen Elite.
WIR
können dir jetzt nicht mehr helfen.
Was
sie denn auch nicht taten. Oder eben gerade doch?
Bloss
die Ansprüche blieben dieselben!
Da
wird sich ja auch niemand wundern wollen, wenn Vattis Kommentar zu fufis bestandener
Matur lautete:
Wenn
du dir jetzt noch die Haare schneidest, kann man dich vielleicht wieder
gern haben!
Nun
ja, irgendwie hat Vatti ja schon recht gehabt als er – und damit schliesst sich
der Teufelskreis – fufi war so etwa 23
jährig, also wo ihm der Vatti gesagt hat:
Wenn
wir gewusst hätten, dass es DICH gibt, hätten wir DICH NICHT gemacht.
Recht
hat er gehabt, der Vatti!
Denn
fufi hat ganz, ganz böse Schuld auf sich geladen, weil:
fufi
ist schuld dass, beispielsweise (!):
a)
fufis Müetti an allerschlimmster Form von Multipler Sklerose als Fleischsack
verreckt ist.
b) fufis Bruder an Sarkoidose leidet.
c) fufis Grossvater im Alter von 83 Jahren an
Altersleukämie gestorben ist. Das heisst, gerade DARAN ist der Grossätti ja
NICHT gestorben. Sondern an was ganz anderem, was fufi zu verantworten hat.
HEUTE noch!
Und
DAS werden denn schon alle Ueberlebenden bestätigen.
Insbesondere
fufis Bruder, jedenfalls was a) und b) betrifft!
Ach
ja, und selbstverständlich wurden meine Eltern in ihrem Tun auch noch
unterstützt, und dies nicht nur von allen lebenden Grosseltern und dem Götti
und der Gotte, sondern auch noch von den Lehrerinnen, denn:
dass
fufi in der ersten Klasse regelmässig vor die Türe geschickt wurde, hatte denn
grad gar nichts mit seinem Betragen zu tun, sondern damit, dass er seinen
„dummen“ Gschpänli das Lesen und das Rechnen beibringen musste. Was fufi denn
auch getan hat.
Dennoch
hat sich das Fräulein Derungs bei fufis Eltern beklagt, dass man „dieses
„Sensibeli“ denn ja eigentlich in Watte einpacken müsste.“ Was natürlich NICHT
geschah!
Und
als der Herr Bachmann, das war die 6te Klasse, einen Fünfliber versprach – das
war viel für einen 6t-klässler in 1970 – für den, der diese schwierige Aufgabe
zur Gymiprüfung lösen könne, tja, und nachdem fufi dem Herrn Bachmann vor der
ganzen Klasse an der Wandtafel bewiesen hat, dass fufi recht hat und der Herr
Bachmann eben nicht, nun denn, da hat der Herr Bachmann dem fufi halt zähneknirschend
2(!) Franken gegeben!
Sorry,
bin schon wieder abgeschweift.
Denn
immerhin hab ichs ja geschafft, eine erfolgreiche Maturprüfung abzulegen.
Und
da hab ich mich ja zunächst für die eine meiner beiden Leidenschaften zum
Studium eingeschrieben. Für Physik nämlich, an der ETH ZH, ziemlich schwierig,
nöd wahr?
Doch
auch Vatti hat die Schwierigkeiten dieses Studiums SEHR ernst genommen, und mir
deshalb am Sonntagabend, 20 Uhr, vor dem Montags-Studienbeginn in grösster
Anteilnahme geraten: „Jetzt musst du dir ab Morgen ein Plätzli im Bus
erkämpfen!“
Und
s’Müetti hat dazu verständnisvoll genickt. In ihrem Rollstuhl.
Und
DA hat fufi zum ersten mal gemerkt, was Sache war, und ist so ziemlich
ausgeflippt.
Was
seine Freundin, die halt auch dabei war, denn gar nicht goutieren mochte und
meinte:
Aber
gäll fufi, SO öppis machsch mer denn nöd nanemal!
Aber
es gab ja auch so was wie lustige Szenen:
Zum
Beispiel als der Vatti dem Fufi den rechten Aermel hochkrempelte, weil er
wissen wollte, ob fufi Haschisch nehme (Ist im Fall echt so geschehen. Und ja:
fufi ist bekennender Rechtshänder!)
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SCHNITT!
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Nun
denn, das war nämlich nicht das erste mal, dass ich an Anorexie erkrankt bin.
Das
erste Mal war nämlich anno domini 1971. Das ging damals von 68 auf 38 Kilo,
weiss nicht mehr ob es 4 oder 6 Monate dauerte.
Hat
sich dann später irgendwie „ausgewachsen“ (von 13 ½ bis 16 Jahren).
Das
zweite Mal ging’s etwas böser zu, zwar
auch bloss von 72 zu 38 Kilo, aber das war 1978, und ich war damals 20, und
männlich!, glaub der erste oder einer der ersten diagnostizierten Anorektiker
in CH.
Und
ich war alleine!
Alles,
was sich vorher meine „Freunde“ nannten, liessen mich fallen wie eine heisse
Kartoffel. Schon klar, wer will sich denn die Hände an einem Spinner
verbrennen, wo einem doch noch das ganze Leben offensteht?
Nun,
MIR wurden damals viele, viele Türen zugeknallt.
Zu
viele vielleicht?
Wen
mag’s wundern, dass ich mein Studium erst mit 25 begonnen habe, und bis zu
dessen Abschluss 10 Jahre benötigte? Aber als ich nach 7 Jahren beschloss,
NICHT auf die Pfarrer-Prüfung (von wegen dem Druck und die Erwartungen, die da
an mich gerichtet würden), sondern auf die akademische Prüfung mich zu
konzentrieren, da gings dann so was von ab.
Der
Experte in Philosophie – er hat übrigens NIE eine 6 vergeben – entschuldigte
sich nach der Prüfung bei mir: Er habe mich nicht etwa plagen wollen, sondern
es habe ihn bloss interessiert, WIE tief mein Wissen denn gehe – nun ja: zur 5
½ jedenfalls schon ...!
Und
das Hauptstudium hab ich ja schon fast in Rekordzeit erledigt, mit Endnoten 6
in den Gebieten, wo mich interessierten, 5 – 5 ½ in denen, wo mir nicht so fern
lagen. Und 4 in „Altes Testament“, was mich nämlich derart was von nicht
interessierte – und das wussten leider auch die Professoren! :grins:
Das
Lizentiat schenkte sich fufi dann zum 35ten, mit Bestnote und einer Prämie der
Uni ZH für „hervorragende wissenschaftliche Arbeiten.“
Was ihn allerdings nicht davon abhalten konnte, danach gut 2 Jahre lang arbeitslos zu sein.
Das
dritte Mal war’sübrigens weniger
schlimm, indem es sich bloss um etwa 1 ½ Jahre Kalorienzählen und
Wochen-Esspläne-aufstellen-und-einhalten-Fase handelte. Und fufine hat
mitgemacht! Hat mitmachen müssen?
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A
propos fufine:
Sie
hatte ihren ersten Mann, als sie 2½-jährig war. Wie muss ihr Vater sie denn
geliebt haben, das geile kleine Teilchen!
Das
hat übrigens nicht nur unser Liebesleben recht nachhaltig beeinflusst, bis
heute, im Phall!!
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Und
darum und in diesem Sinne:
hier
noch ein kleines, ewiges Grüessli vom Müetti:
What do you think I am? Do you think I'm dreaming?
Don't you know I know what it is you're schemeing?
Who did you think gave you the right,
hidden by the dead of night,
to take the world and turn it upside down,
when it should be round?
It seems I made it just in time
to use my reason and my rhyme
to save us from the evils of your mind.
I will cast the spell, be sure I cast it well.
I will light a fire, kindled with desire.
I'll fill you with fear so you'll know I'm here
and I won't be treated like a fool.
Stop what you're pretending, there'll be no happy ending.
I'm alive and darkness is my tool.
But when the night is over,
and daytime steals your cover,
the goodness of the morning sun
will wear away what you have done
and leave you cold.
I have no need for moonlight.
You're wrong to trust in sunlight.
For I exist, not just in storms,
but in life itself, in so many forms
to leave you cold.
I will leave you now, but you wont defeat me.
You had best beware when you come to meet me.
Love and truth will follow me,
an army of reality,
brought from every corner of the world.
You will never break the spell.
I summon all the fires of hell
and this is my advice for what it's worth:
Let us not begin this fight we cannot win.
Be sure you're watching me.
Cause all through your life,
every day and every night
Don't you know I know what it is you're schemeing?
Who did you think gave you the right,
hidden by the dead of night,
to take the world and turn it upside down,
when it should be round?
It seems I made it just in time
to use my reason and my rhyme
to save us from the evils of your mind.
I will cast the spell, be sure I cast it well.
I will light a fire, kindled with desire.
I'll fill you with fear so you'll know I'm here
and I won't be treated like a fool.
Stop what you're pretending, there'll be no happy ending.
I'm alive and darkness is my tool.
But when the night is over,
and daytime steals your cover,
the goodness of the morning sun
will wear away what you have done
and leave you cold.
I have no need for moonlight.
You're wrong to trust in sunlight.
For I exist, not just in storms,
but in life itself, in so many forms
to leave you cold.
I will leave you now, but you wont defeat me.
You had best beware when you come to meet me.
Love and truth will follow me,
an army of reality,
brought from every corner of the world.
You will never break the spell.
I summon all the fires of hell
and this is my advice for what it's worth:
Let us not begin this fight we cannot win.
Be sure you're watching me.
Cause all through your life,
every day and every night
you should know that I am watching you!
Uriah Heep – The Spell
Und dabei ist das eines
meiner Lieblingslieder! – Holy Shit!
Und wenn ich jetzt sagen
würde
Ich wolle damit nicht klagen,
dann würde mir sofort eine gigantische Pinocchio-Nase wachsen. Und das möchte
ich eigentlich nicht und darum sag ich das auch nicht.
Aber eigentlich wollte ich
das schon längst mal loswerden hier.



29 Kommentare:
Was ich meine:
Soll ich mich jetzt ärgern, weil es bei uns hier oben schon wieder den ganzen Tag schneit? (Es lieg nämlich noch mehr als genug Schnee von vorgestern!)
Oder soll ich mich freuen, dass ich auf dem Heimweg den Fuchs gesehen habe, wie er über die verschneite Wiese gefuchst ist?
Eben!
"Lord have mercy on my wicked son"
Canned Heat - On the road again
https://www.youtube.com/watch?v=aQPrDrDndh4
"It's dirty ....... but it's home"
Eric Burdon & WAR - Tobacco road
https://www.youtube.com/watch?v=Ig4jQrofnBI
"Damit er endlich mal pariert,
wird ihm das Hirn rausoperiert.
Des muaß jetzt endlich anders werdn,
jetzt muaß moi was passiern.
Man kann doch in das dumme Kind
ned dauernd investiern.
Sieh da, das war des Pudels Kern.
So ohne Hirn hat man ihn richtig gern.
Jetzt dreht er Däumchen, so a Freud!
Und ist ganz friedlich und bereut.
Der Doktor sagt: "Des werd scho werdn,
die meisten lebn ned lang und sterbn."
Irgendwann muß jeder mal
den Grundsatz akzeptiern:
Wann ein Kind ned hören will,
dann muß mas operiern!"
Konstantin Wecker - Der dumme Bub
https://www.youtube.com/watch?v=k-NN9puKWVg
Fufi, vorweg: Du weisst, dass ich keine Therapeutin bin und auch sonst denkbar ungeeignet, anderen gute Ratschläge zu erteilen. Ich kenne mich aus eigener Erfahrung allerdings mit so mancher Falltiefe aus, und möchte aufgrund dessen anstelle eines Kommentars lieber einige Fragen stellen.
Du schreibst, Du wolltest hier dieses Stück von Deiner Geschichte von Dir geben. Dieses Bedürfnis verstehe ich sehr gut und schätze es, dass Du es uns anvertraut hast. Manche Details kannten wir bereits, andere sind neu. Inwiefern hilft es Dir selber aber (respektive, tut es das), speziell in dieser verfassten Form?
Dass es manchmal gehörige Dosen an Ironie, Zynismus und Sarkasmus braucht, um etwas zu Papier zu bringen, das man in nüchterner Darstellung allenfalls nicht ertragen würde, ist mir ebenfalls wohlbekannt. Der Text hat allerdings ein offenes Ende (so wie eigentlich auch das Leben selbst offen ist, solange man lebt), und er zieht keine Schlüsse. Das macht es aus Sicht eines unbeteiligten Lesers zugegeben schwierig, eine anteilnehmende Antwort zu finden. Ich kann nur vermuten, dass Du selbst zumindest einige (Teil-)Antworten aus Deinem Glauben gezogen hast, aber dieser ist im Text ausgeklammert.
Entschuldige also bitte meine Unzulänglichkeit als Kommentierende. Was ich unter keinen Umständen möchte, ist mit wenigsagenden Allerweltsgepflogenheiten auf derart toxische Familienverhältnisse zu reagieren. Das würde dem Leid, dass Du erfahren hast, nicht gerecht werden. Also belasse ich es an dieser Stelle statt bei einer beliebigen Antwort bei anteilnahmesuchenden Rückfragen.
Lass mich in mehreren Kommentaren antworten, mila.
Also zunächst das:
Ich habe weder therapeutische noch andere Ratschläge erwartet.
Zumal ich nach rund 20 Jahren Psychoanalyse, Gesprächs- und Gestalttherapieerfahrung unterdessen psychotherapieresistent bin, mit psychiatrischem Attest, übrigens! (grins!)
Ich hab eigentlich gar nichts erwartet, jedenfalls nicht erhofft.
Es ist mir irgendwie darum gegangen:
Viele von uns kennen sich jetzt schon einige Jahre, zumindest virtuell.
Und ich hab bisher bloss mein eines Geicht gezeigt.
Es istmir aber in jeder Beziehung, sei sie auch virtuell, wichtig, dass ich mich ganz einbringen kann, dass ich nichts von mir verheimlichen muss.
Und ja doch, WENN ich mir was wünschen dürfte, dann wär das etwas Verständnis, für wenn ich wieder mal "e chli komisch, e chli denäbet" reagiere.
Und nein, mila, anders kann ich das heuete noch nicht schreiben.
fufi ist 57, übrigens.
Ich hasse sie noch immer aus ganzem Herzen, die wo mich gemacht haben, bloss um mich danach zu töten. Und ich hasse sie alle, wo dabei mitgeholfen haben und/oder Freude daran gehabt haben, wie ich getötet wurden. (Und das geht an meinen kleinen Bruder!)
Und ich hab mich jedesmal gefreut, wenn wer von denen weggestorben ist.
Es fehlt noch 1 Direktbeteiligter!
Es gibt Schuldner, denen ich nicht vergeben kann, da nützt alles Beten nichts.
Und ja doch:
Damals, an der Abdankung der Frau meines Vaters, das war nicht meine Mutter, hat der Vatti zur Schwägerin gesagt, er würde jetzt am liebsten ganz in die Nähe von fufi zügeln. Und ich hab das mitgehört.
Hätte ich ihm vielleicht NICHT sagen sollen, dass 50 m von unserem Balkon eine 2Zi-Wohnung frei war, obwohl ich das wusste?
Und DAS hatte nichts mit familiärer Liebe zu tun, sondern mit Menschenliebe!
Wer würde denn wen am Strassenrand verbluten lassen? EBEN!
Und da haben wir ihn denn halt begleitet und gepflegt, bis in seinen Tod.
Was ihn, den Vatti, allerdings nicht daran gehindert hat, im Dorf(!) bösartige Schauermärchen über fufine und mich zu verbreiten.
Shame on him!
Und ja doch: Am Ende, und das meine ich wörtlich, hab ich ihn dennoch nach oben begleitet.
Und NEIN, mila, mein Glaube hilft mir da, zumindest in der Verarbeitung, keinen Deut weiter, und auch nicht im Verstehen dessen wo abgegangen ist.
Höchstens dass Gott bis ins 7te Geschlecht straft, aber da verstehe ich eigentlich auch nicht, weshalb ICH denn ...?
Und ehrlich gesagt: Ich will's auch nicht verstehen, weil das würde heissen annehmen: "Sie konnten nicht anders".
NEINEINundnamalNEI: Sie WOLLTEN nicht anders, weil SO wars einfach einfacher!
Was mir damals geholfen hat zum Überleben, das war die ROCK-Musik, so von 1967 - 1976.
Was mir mein Glaube heute hilft:
Ich habe einen Vater. Im Himmel.
Ich habe einen Bruder. Im Himmel.
Ich habe eine Mutter. Im Himmel.
Aber glaub mir:
Hier drunten machts das auch nicht wirklich besser.
Hass zersetzt das Gefäss, in dem er haust.
Das kann lebensgefährlich sein, wie ich selber leider zu gut weiss.
Den Hass austreiben kannst nur Du, fufi. Da nützen Therapien wenig - ausser sie unterstützen Deinen Weg, den dunkeln Divisor in Dir ans Licht zu zerren. Dies ohne Scham zu können, braucht viel Kraft, aber einmal am Licht, verwelkt dieses Nachtschattengewächs, das in der Dunkelheit des eigenen inneren Gemäuers durch das fahle Kerzenlicht des süssen Schmerzens übergrosse Schatten wirft, schnell.
Ich weiss, liebe Kat., ich weiss es nur allzugut.
Ich danke euch allen, wo ihr dieses gelesen habt.
Ich möchte, soweit es mich betrifft, diesen Beitrag damit abschliessen.
Auf was Neues!
de fufi
Fufi, ich möchte Katharinas in Poetik gefassten Worten hinsichtlich der selbstzerstörerischen Eigenschaft von Hass wenig hinzufügen. Dies zum einen, weil es in meinem Leben nie jemanden gegeben kann, denn ich aus vollem Herzen hätte hassen können (oder müssen). Aber ich kenne mich gut aus mit Wut und weiss, wie sie das eigene Wesen durchsickert und sich bisweilen gegen andere richtet, die im Grunde nichts für diese Wut können. Auch ist mir fehlende Selbstliebe, die einem die Erde zur eigentlichen Hölle machen kann, nicht fremd. Zum anderen ist es aus Sicht eines Unbetroffenen nahezu unmöglich, sich zur systematischen Vernichtung eines Kindes zu äussern, wenn man selbst vor elterlichem Missbrauch, physisch wie psychisch, verschont blieb - man ahnt den Schrecken ansatzweise, kann ihn aber nicht im vollen Ausmass erfassen respektive nachvollziehen. Und somit fehlen einem auch die Worte dafür. So, wie Du Dir Verständnis erhoffst, wenn Du „e chli komisch, e chli denäbet" reagierst,so braucht es auch vielleicht ein wenig Verständnis Deinerseits, dass andere nicht immer damit umgehen können oder befremdet reagieren.
Wenn ich nachfolgend Unverständlichkeiten anspreche, dann ist das gänzlich meinem Unvermögen im Nachvollziehen geschuldet. Ich frage danach, weil ich es gerne besser verstehen würde.
Beispielsweise ist es mir unverständlich, weshalb Du Deine Familie aus Deinem erwachsenen Leben nicht komplett ausgeschlossen hast. Ich kann jeden begreifen, der sich solcher Eltern und Geschwister entledigt, ihnen vollends entsagt, um selbst überleben zu können. Dass dies für sich genommen noch nicht die ganze Lösung ist, steht auf einem anderen Blatt; man muss das leidvoll Erfahrene auch in sich selbst bereinigen. Linus Reichlin hat dies in meinen Augen in seinem Buch, ‚In einem anderen Leben‘ kürzlich eingehend beschrieben. Sein Protagonist findet echte Heilung erst am Ende, als er - nun selbst in der Rolle des Vaters - eine Situation durchlebt, die bei ihm als Kind ein Urtrauma bewirkt hat. Er geht mit der Situation anders um als der eigene verhasste Vater, von dem er sich trotz räumlicher Trennung von mehr als zwanzig Jahren und zwischenzeitlich gewonnener Erkenntnisse erst zu diesem Zeitpunkt auch innerlich trennen kann. Weshalb ich das erwähne? Weil ich davon überzeugt bin, dass vieles, was uns in unseren Leben unverständlich ist, uns in erzählter Form bei anderen ersichtlich wird; in Büchern, Filmen, und ja, auch in Liedern. Entsprechend waren für mich Geschichten, auch fiktive, am Ende heilsamer als jede therapeutische Hilfe, die ich zeitweise in Anspruch genommen habe.
Ebenfalls ist mir unverständlich, wie Du glauben kannst, wenn Dir Dein Glaube keine Verarbeitung oder Antwort bietet. Ich persönlich glaube nicht an die Strafe bis ins siebte Glied, kein liebender Gott würde sich je ein derart grausames Konzept ausdenken. Vielmehr glaube ich an den freien Willen, der uns als Menschen gelassen wurde: zum Guten wie zum Bösen. Etwas zu verstehen heisst nicht, es zu entschuldigen. Bei jedem, der sich für die schlechte Tat entscheidet, gibt es beleuchtende Hintergründe dafür: Charakter, Erziehung, Umstände, allenfalls auch Krankheit. Es ist kein Zufall, dass Kindsmissbrauch sich unter Menschen, wohlgemerkt ohne göttliches Zutun, oft über Generationen ‚vererbt‘. Umgekehrt gibt es jedoch auch Menschen mit eigener Missbrauchsgeschichte, die ihren Kindern in bewusster Entscheidung nicht das gleiche Leid auferlegen, das sie selbst erfahren haben - sie entscheiden sich damit für die gute Tat. Sie konnten offenbar willentlich anders. /
So wie Du Deine Eltern beschreibst, lese ich darin Menschen, die lange vor Deiner Geburt in ihren eigenen Existenzen gescheitert sind. Gerade solche Eltern sind nicht selten Gift für ihre Kinder, da sie deren Existenz wiederum mit ihren (vielfach an sich selbst enttäuschten) Erwartungen überfrachten. Sie bilden selbstzentrierte Vorstellungen davon aus, wie ihr Kind zu sein hat, was und wie es zu leben und leisten hat. Ein Kind kann diese Muster nicht durchschauen und wird alles daran setzen, den elterlichen Erwartungen ‚gerecht‘ zu werden - oder (zuletzt) dagegen rebellieren. Einem Erwachsenen ist es möglich, dieses elterliche Unvermögen als das zu sehen, was es in Tat und Wahrheit ist: ein menschliches Scheitern auf ganzer Linie. Aber dieses Scheitern entschuldigt nicht ein Iota dessen, was sie ihren Nächsten angetan haben. Weil, wer es sich einmal im eigenen Scheitern eingerichtet hat, wird den Teufel tun und sein Leben ändern. Es ist äusserst bequem, es sich in den vom eigenen Unvermögen gespeisten Ressentiments einzurichten, statt ihnen ins Auge zu blicken. Oder anders formuliert: wer sich über einige Zeit immer wieder für die schlechte Tat entscheidet, dem fällt eine Umkehr schwer bis unmöglich, denn dies würde bedeutet, dass er dem Scheitern in vollem Ausmass ins Auge blicken müsste - und das erträgt er, feige wie er ist, nicht. Auf diese Weise pflanzt sich das Böse fort, nicht selten bis zum ignoranten, bitteren Lebensende; darin liegt keine Tragik, sondern Selbstverschuldung. In gewisser Hinsicht ist das bemitleidens-, aber nicht mitleidenswert. Und schon gar nicht muss man Mitgefühl oder Verständnis dafür aufbringen.
Zum Schluss: Es braucht Mut, zur eigenen Lebensgeschichte zu stehen, in allen ungeschönten Facetten. Da mir dies selbst lange schwer viel, habe ich tiefen Respekt vor Menschen, die nichts vor sich oder anderen verheimlichen müssen. //
...ich sehe gerade, dass Du dieses Kapitel abschliessen möchtest. Sieh Dich insofern bitte nicht gezwungen, auf meinen obigen Beitrag zu antworten.
Vielleicht noch ein Nachtrag zu Verständniszwecken: Reue-losen Menschen, die unendliches Leid über andere bringen, kann (und will) ich nicht mit Menschenliebe begegnen, zumal meine Menschenliebe keine ehrliche, sondern eine erzwungene wäre. Und ich kann ehrlich gesagt keinen (guten) Grund erkennen, um sie mir abzuzwingen. Auch nicht, um im Vergleich zu ihnen als besserer Mensch dazustehen.
Aber das ist (m)eine menschliche Perspektive. In meinen Augen kann man sie getrost - in christlichen Begriffen gesprochen - Gott überlassen.
@mila
Gerne antworte ich dir!
"So, wie Du Dir Verständnis erhoffst, wenn Du „e chli komisch, e chli denäbet" reagierst,so braucht es auch vielleicht ein wenig Verständnis Deinerseits, dass andere nicht immer damit umgehen können oder befremdet reagieren"
Hab's mir gemerkt! Danke ehrlich!
"Beispielsweise ist es mir unverständlich, weshalb Du Deine Familie aus Deinem erwachsenen Leben nicht komplett ausgeschlossen hast."
Ich hab's getan, soweit das möglich war.
Da gab's lange, SEHR lange NICHTS mit Treffen, mit Weihnacht oder so.
Aber als am 1. Mai 1993 um 17:10 das Telefon rief - das war genau ein Monat vor Beginn meiner schriftlichen Prüfungen, an einem Samstag, und ich hatte bis um 17:00 gelernt - jedenfalls sagte ich zu fufine, ich sei nicht zu sprechen. Worauf fufine meinte: "Du solltest glaub trotzdem dran, dei muetter isch gschtorbn." Tja, da hab ich zum Glück grad ein Dunkles getrunken.
Oder als ich meinen V anrufen MUSSTE, und er sagte: Soeben ist meine Frau gestorben. Was sollte ich da denn machen? Ein Dunkles trinken?
NEIN!
DAS geschah, als ich wusste, dass ich ein Kind meines Vaters im Himmel bin. Und er hat mich NICHT zu den Gerechten geschickt!
(Ich weiss, was ich schreibe!)
Ich hab das getan im Sinne meines echten Vaters, auch wenn's kitschig klingen mag.
@mila2
"Ebenfalls ist mir unverständlich, wie Du glauben kannst, wenn Dir Dein Glaube keine Verarbeitung oder Antwort bietet. Ich persönlich glaube nicht an die Strafe bis ins siebte Glied, kein liebender Gott würde sich je ein derart grausames Konzept ausdenken."
Womit du natürlich recht hast. Das mit dem 7ten Glied hat leider vielmehr soziopsychoökonomische Gründe. Aber das macht's auch nichjt wirklich besser.
Nehmen wir den Vater der Mutter meiner Mutter.
Der war ein ungebildeter Fabrikarbeiter, ein grosser Wüterich vor dem Herrn. Und weil die Mutter meiner Mutter scheint's ein schönes Mädel war, hat der sie oft und gerne mal gefickt.
Die Mutter meiner Mutter hatte in der Familie einen Übernamen, der war: "S'Tanti Bös". Meine Mutter hatte auch einen Nick: "Die böse Kusine".
Der Vater vom Vater von meinem Vater wurde als Verdingkind verkauft.
Von der Schmidrüti zum Laubberg-Müller in Saland. Tja, irgendwie hat er es dann doch geschafft zum Barrierenwärter bei der Sihltalbahn.
Und nachdem das 12te Überlebende geboren war ist er am Suff verreckt.
Und die Familie vom Vater von meinem Vater war im Quartier auch sehr bekannt, nämlich als "die Bösen".
DAS meine ich, mit bis ins 7te.
Und da haste nur allzu recht: DAZU brauchen wie keinen Gott!
@mila3
"So wie Du Deine Eltern beschreibst, lese ich darin Menschen, die lange vor Deiner Geburt in ihren eigenen Existenzen gescheitert sind."
Selbstverständlich sind sie das.
Aber sie haben sich zeitlebens als die Grössten und die Besten aufgespielt.
Was gerade unter SOLCHEN Existenzen ja eigentlich nicht die Ausnahme sondern der Normalfall ist.
Und das kann übrigens auch Milliardäre betreffen, und ihre Gattinnen.
UN-Menschen-sozusagen, auch wenn sie gegen aussen zumindest ganz "normal" erscheinen.
Qoud erat demonstrandum
Nimm zum Beispiel mal meinen Götti.
Der hatte ein schönes Büchergestell, mit vielen Büchern drin.
Alle in braunem Leder und alle mit Golddruck.
Und ALLE vom Reader's Digest Abonnement!
Nachtrag zum Verding-Urgrossvater im Laubberg:
Der Laubberg in Saland ist nämlich auch derjenige Ort, wo mein Familienname erstmals erwähnt wurde, um 950.
@mila4
Ok, ob's mit Menschenliebe zusammenhing?
Jedenfalls mit Nächstenliebe!
Und du kennst duch die uralte Frage: WER ist mein Nächster?
Viel interessanter andersrum: Wen DARF ich verrecken lassen?
Merci für Deine Antworten, Fufi. Vorweg: folgendes schreibe ich bewusst punktuell und werde gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt ausführlicher darauf zu sprechen kommen.
Ich bin an dieser Stelle erst mal versucht zu sagen, ich hätte solche Nächste vermutlich ohne Wimperzucken verrecken lassen, im Eingedenk dessen, was Marlen Haushofer in folgender Bemerkung für meine Begriffe überaus treffend zusammenfasste: „Man konnte einem Kranken nicht helfen, wenn seine Krankheit sein eigentliches Leben war.“ Andererseits kann ich es nicht mit Gewissheit sagen, weil mir schlicht die entsprechende Erlebnisbasis fehlt. Wer aufrichtig, ehrlich bereut, dem wird nicht selten verziehen; das Verzeihen-Wollen liegt ebenso in der Natur des Menschen wie das Bedürfnis nach Rache. Manche Menschen warten deshalb ein Leben lang auf die Reue eines geliebten (oder verhassten) Menschen, aber sie kommt nicht. Vielleicht ist es mitunter auch dieses eine letzte Stückchen Hoffnung, das einen Sohn dazu bringt, einen Vater in den Tod (und in die Höhe) zu begleiten, der in seinem reuelosen Wesensgrund nicht zu heilen oder retten war.
Für mich wäre die Frage aus (nachempfundener) Sicht eines Betroffenen die: was hilft einem selbst, zunächst zu überleben, um dann vielleicht irgendwann auch wieder wirklich leben zu können? Und wie kann man die fürs Leben benötigte Selbstliebe aus dem Überleben ziehen? Ich meine damit übrigens zuletzt ein ‚Funktionieren‘ gemäss gängigen sozialkonformen Normen (wie es in der Psychotherapie oft als eigentlicher Heilungszweck angestrebt wird), auch wenn eine Dosis alltäglicher Normalität für den Heilungsprozess in jedem Fall zuträglich ist. Jedoch ist bisweilen für einen selbst nicht verträglich, was gemeinhin als sozialverträglich gilt - man kommt dann nicht umhin, (zeitlebens) auf einem Grat zu tanzen.
Einen Artikel, den ich in diesem Zusammenhang für lesenswert erachte, habe ich unten verlinkt:
http://www.zeit.de/2015/07/therapie-jugendliche-internat-weisse-villa-harz
Diesen Teilsatz muss ich noch ergänzen: der in seinem reuelosen Wesensgrund nicht zu heilen oder retten war - auf Erden.
fufi, ich schrieb was, aber habe es dem falschen Blogtext angehängt, was ich hier korrigiere:
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Oh mein Gott, fufi, ich hab Deinen Text gelesen und er hat mich ganz stumm gemacht. Und wieder einmal bin ich bass erstaunt, mit was für Untaten Leute straflos davon kommen können, auch in der Neuzeit noch. Kats Vater hat sich ja auch enormstens daneben benommen (das ist natürlich eine Untertreibung, aber die Wahrheit darf nur sie schreiben, wenn sie will). Und ist davon gekommen, straflos. Und es gibt wohl noch heute Leute, die sagen, dass Kat's Paps ein ganz Flotter war.
Ich bin so glücklich, dass meine Eltern mich immer liebten, alle ihre Söhne, und alle gleichermassen. Und noch heute hilft mir meine Mutter öfters mal sehr, und ich bin ihr unendlich dankbar dafür. Ja, vielleicht weiss sie das nicht gut, ich muss es ihr wieder einmal sagen. Und ich will meinen Kindern ein lieber Vater sein, ein verständnisvoller, ein lustiger, und kein strenger, schon gar kein ungerechter, strafender, bösartiger. Denn das ist doch viel viel viel besser, für sie und für mich. Denn: Was bringt einem denn das ewige fies sein? Rhetorische Frage.
@mila am 2. März 2015 um 14:53
Vielen Dank für deinen schönen Kommentar.
Dazu 1tens:
Weshalb ich damals meinen "Vater" begleitet habe, bis ganz oben?
Weil ich damals wusste, dass ich ein Kind Gottes bin.
(Jaja, ich weiss was ich schreibe!)
Das hatte wenig zu tun mit familiären Gefühlen.
Aber viel mit dem Wissen darum, WER denn mein Nächster sein könnte.
Und ja doch, soweit ich seit frühester Kindheit bloss auf "meiner Intelligenz" gelebt haben soll, so sagen es jedenfalls die(!) Psychiater, und sie sagen auch, dass ich es bloss deswegen "wenigstens soweit gebracht" hätte, also, was "Leben" heisst, oder "Freude" oder so, so rein gefühlsmässig, NEIN, sowas kenne ich schon längst nicht mehr.
Eigentlich kenne ich ja nur noch das Gefühl, dem SIE "Angst" sagen.
Und dennoch, und ja, eigentlich bin ich ja trotzdem noch VIEL besser als SIE, weil ich gelernt habe zu "ÜBER"-Leben!
ICH funktioniere auch dann noch, wenn SIE längst kaputt wären!
Pink Floyd - Welcome to the machine
https://www.youtube.com/watch?v=lt-udg9zQSE
Lieber Tieger
Lass bitte Kat. aus dem Spiel ja?
Ich hab da NUR über MICH geschrieben.
Mir sind Parallelen aufgefallen, auf die ich hinweisen wollte.
Hab's nicht wirklich böse gemeint!
@Tigri: Es liegt wirklich nicht an Dir, auf Parallelen hinzuweisen, die jemand anders nicht explizieren möchte. Nicht in diesem Kontext.
Ich kann Deine Nächsten-Haltung nun besser nachvollziehen, Fufi. Nur würde ich sie noch besser verstehen, wenn Dir dieses letzte Erlebnis mit Deinem Vater (beziehungsweise, Deiner Ursprungsfamilie) einen Lösungsansatz für Dich selbst gebracht hätte. Aber das war nicht der Fall, Deinen Schmerz trägst Du weiterhin in Dir. Ich frage mich daher, ob dieser Kontakt wirklich gut für Dich war, oder ob er nicht ‚Trigger‘ ausgelöst hat, die Dich wieder zurückgeworfen haben. Und es macht mich traurig zu lesen, dass Du das, was "Leben" heisst, oder "Freude" oder so, so rein gefühlsmässig, schon längst nicht mehr kennst. Leben ist aus meiner Optik mehr als ein Über-Leben und Funktionieren, aber darauf komme ich weiter unten noch einmal zurück.
Dass Du nur noch das Gefühl der Angst kennst, lässt mich an den Film ‚Yalom’s Cure‘ denken, der sich mit dem Leben und dem therapeutischen Ansatz des Existenzialpsychologen Irvin D. Yalom befasst. Vorweg: Yalom glaubt - wie ich -, dass man der Wahrheit nicht selten mit eindringlicher Erzählung näher kommt, als wenn man sie theoretisch abhandelt. Er selbst hält sich für einen besseren Reiseleiter in Seelentiefenergründungen (das ist das Wort, das er für sich benutzt), wenn er Geschichten erzählt. Oder ihnen zuhört. Seine ‚Therapeuten‘ waren nicht umsonst Dostojewski und Tolstoi.
Er weist auch auf etwas - für mich - wesentliches hin: die Universalität des menschlichen Leidens. Ob wir nun Patienten sind oder nicht, wir leiden an denselben Dingen. Den existentiellen Fragen. Es sind aus seiner Sicht äussere Umstände, die dazu führen, dass man irgendwann therapeutische Hilfe sucht und benötigt, oder nicht. Wir alle werden von denselben Abgründen - oder dunklen Divisoren - heimgesucht; in der Gestalt von Sinn, Einsamkeit, Angst. Unterschiedliche Kulturen haben dafür unterschiedliche Antworten gefunden, deshalb liegt - zumindest für mich - Heilung in der Kultur. Oder vielmehr noch: in der Kultur des Geschichtenerzählens. Respektive, um meinen guten Freund Herbert Grönemeyer zu zitieren: Die Erde ist unsere Pflicht; aber das gilt genauso für unsere Leben. Was wollen wir uns am Ende erzählen - von reinem Über-Leben? Das wäre unendlich zu bedauern.
Ich weiss sehr gut, was ‚Funktionieren‘ bedeutet, ich habe es damit versucht und bin an meine Grenzen gestossen - nicht wegen meiner ‚Fähigkeiten‘, sondern wegen meiner Seele. Die will etwas anderes. Yalom sagt auch: wenn man getan hat, was man wollte, fällt einem die Vorstellung vom Tod nicht ganz so schwer. Die Vorstellung vom Tod beängstigt mich, wie ich schon früher geschrieben habe, nicht, aber alles andere. Die Frage, die Yalom mir mitgegeben hat, ist die: 'Wenn Du in Dein tiefstes Inneres langst, worüber beginnst Du nachzudenken?' Beziehungsweise: ’Wofür leben wir?' Er hat mir damit (im Nachhinein) mehr geholfen als jeder vis-à-vis Therapeut. Diesen tanzte ich nach Belieben auf der Nase rum, ich war genug intelligent dafür. Und ich wollte nicht zu dem faszinierenden ‚Studienobjekt‘ werden, als das sie mich sahen - schliesslich war ich auch ein Mensch aus Fleisch und Blut und suchte vor allem eins: Anteilnahme. Nun, ich habe mich zwischenzeitlich meiner selbst ‚angenommen‘, denn was das wesentliche ist, ist nicht zwingend ein reelles Gegenüber (dieses kann allerdings durchaus helfen): sondern schonungslose Offenkeit. Ein guter Therapeut versteht es, die richtigen Fragen zu stellen, und den Patienten-Antworten nicht auf den Leim zu gehen. Aber jemand, der zu dieser nicht einfachen Übung bereit ist, kann das auch - zunächst - mit sich selber ausmachen. Die Fähigkeit zu Selbsterkenntnis - so, nochmals, Yalom - ist ein schwieriges Geschenk; aber Wahrheit führt nicht zum Wahnsinn, genauso wenig wie Verleugnung zu geistiger Gesundheit. Was nichts bringt, ist eine bestimmte Form von selbstquälerischer Grübelei, damit kenne ich mich gut (genug) aus und das ist genau nicht gemeint. Wie ein guter Therapeut, der Anteil an seinem Patienten nimmt und ihn nicht nur sezieren möchte, muss man sich selbst ein guter - der beste - Freund sein. Es braucht einen „umfassenden Blick auf das Schlimmste“, aber auch ein konstruktives Feedback. Eine Stimme, die es eben gut mit einem meint.
Dann kann man vielleicht eines Tages sagen: Leben ist lebenslanges Lernen - wllkommen unter Menschen.
Fufi, ich denke, ich hatte mit meinem Beitrag vom 28. Februar 2015 um 18:06 alles gesagt, was ich im öffentlichen Raum dazu sagen möchte. Ich denke auch, dass Du das so verstanden hast.
Tigri, hier parallelen auszumachen, ist unangebracht. Fufis Geschichte steht hier so, wie er sie hinschreibt. so einzigartig wie andere einzigartig sind. Ich fand es überaus unsensible von Dir, meine Geschichte hier in der Art einbeziehen zu wollen. das zeugt von einem Disrespekt fufi gegenüber, und auch mir gegenüber, zumal du facetten von mir einbringst, die nicht öffentlich gesagt wurden. Deine Anteilnahme an fufi, und dass du dankbar bist, liebende Eltern gehabt zu haben, soll diese Kritik nicht vernüütele.
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