Mittwoch, 4. Februar 2015

Fufi hat keine Lust

Nein, echt, ich hab heute keine Lust auf Kontroversitäten!

Das hat auch damit zu tun, dass ich heute, zusammen mit fufine,

unseren 31. Hochzeitstag feiern darf.

Und weil ich keine so Songs kenne, für Hochtzeiztage,
dann hal diese beiden da, das heisst, es ist ja nur 1er,
aber in doppelter Ausführung, sozusagen:

für die grossen Kleinen:
https://www.youtube.com/watch?v=3Xpeami317s

und für die Kleinen wo jetzt Gross sind:
https://www.youtube.com/watch?v=ztoSUhbNntQ

Ich wünsch euch allen auch was!

53 Kommentare:

Tiger hat gesagt…

Gratulation, fufi, und grüss Fufine schön von mir!

1984 hat gesagt…

Am 5.3.1984 starben rund 1'300 Menschen bei Ausschreitungen von Muslimen im Norden Nigerias.

Orlando hat gesagt…

Hmm, vielleicht sollte man "die" ihre Probleme tatsächlich einfach
untereinader ausmachen lassen...

http://www.spiegel.de/politik/ausland/jordanien-vater-von-totem-pilot-forde
rt-rache-am-islamischen-staat-a-1016629.html

Bravo Jordanien! Der Westen ist sich ja zu fein dafür, mit denen eine
Sprache zu reden, die sie verstehen. Auge um Auge. Viel zu
"alttestamentarisch" für die Moderaten und Aufgeklärten!

Vielleicht geht all den Hollywooddummchen mit ihren Aidsbändeli ein Licht
auf, wenn sie sehen, wie diese Leute mit unschuldigen Schwulen umgehen:

http://nypost.com/2015/02/03/isis-hurls-gay-man-from-roof-stones-him-to-dea
th-after-he-survives-fall/

Man muss sich das mal vorstellen: Sie nehmen den angeblichen Schwulen
gefangen, stossen ihn vom höchsten Gebäude der Stadt (obwohl im Koran gar
nichts gegen Homosexualität steht, hahaha!), und als er den Sturz überlebt
wird er unten zu Tode gesteinigt.

Aber wir proben die "Unterwerfung" derweil mehr abstrakt: Blick am Abend
drohte soeben an, jeden Tag bis zum Kinostart eine Porno-Stelle aus "50
Shades of Grey" abzudrucken. Kopfkino für durchemanzipierte Bürolieschen,
die nach 40 Jahren Geschlechterkampf gegen das "Patriarchat" sich nur noch
weichsanften verständnisvollen Frauenverstehern gegenübersieht und sich
wenigstens im Bett nach dem steifharten Grauphallus sehnt, der den Kurs
durchgibt. Denn die Schweizer Männer sind nicht mehr so in Form:

http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Junge-Maenner-versagen-im-Bett---wei
l-sie-zu-nett-sind-30609495

Unterwerfung! Dabei müssten die ja bloss in den Nahen Osten...vielleicht
dereinst eine Tourismusidee für den Islamischen Staat? Sexurlaub für
westliche Weiber, die sich wieder mal so richtig unterwerfen möchten...?

Für Homos gibts das in Beirut, Damaskus und generell in Nordafrikas
legendären Badehäusern übrigens schon länger. WEIL ES DER KORAN JA NICHT VERBIETET!

What a strange, strange word we live in!

Tiger hat gesagt…

Orlando, IS versteht die Sprache der Rache, versteht Auge um Auge Zahn um Zahn. Er versteht das aber nicht in dem Sinne, wie es Du annimmst. Er sieht das eher so: Endlich, endlich spielen sie mit uns auf unserem Spielfeld. Hier kennen wir uns aus, und hier ist es, wo wir spielen wollen. Hier geht es eben nicht um solche Kinkerlitzchen wie Demokratie sondern um die wahre Staatsräson, um Stärke, Macht, Rache. Viele bei uns versuchen, den IS mit demokratischen Mitteln zu bezwingen, der IS versucht, uns mit antidemokratischen Mitteln zu bezwingen. Und es scheint ihm langsam zu gelingen.

Für diese Leistung müssen wir dem IS gratulieren.

Und 50 shades: Ich tu mir sowas nicht an, das ist Verdummung erster Klasse. Ich kenne aber durchaus heisse Schnitten, die 50 shades gelesen haben, Orlando, und die das völlig unverschämt sagen.

Orlando hat gesagt…

kenne aber durchaus heisse Schnitten, die 50 shades gelesen haben, Orlando, und die das völlig unverschämt sagen.

Ja und?

Es ist jedesmal dasselbe, Vagina Monologues, Feuchtgebiete, Nymph()maniac, 50 shades etc. Die offenen Schamlippenbekenntnise offenbaren, wenn überhaupt etwas, ein ziemlich gestörtes Verhältnis der modernen Frau zum Sex. Und ich dachte immer, schon das männliche hat ausgereicht um damit eine ganze Kulturgeschichte zu verspamen...

fufi hat gesagt…

@1984

ICH habe vom 4.2. gesprochen.

Aber magst du dich auch an My Lai erinnern, oder an Wounded Knee?
Oder sogar ans Blutbad zu Sichem?

Aber es ist ja schön, dass du dich daran erinnerst!

fufi hat gesagt…

Naja, Orli

Hab glaub mal angedeutet, dass diese ganze Riesenscheisse ein inner-islamischer Machtkampf sein könnte?
Ob das UNS(?) was angeht?
Zumindest wegen denen HIER wo du weisst welche ich meine!

Viel interessanter scheint mir, welcher Wahrheitsgehalt denn in dieser Sensations-Verschwörungstheoretischen-Schurnaille drin steckt:

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Saudische-Verstrickungen-in-911/story/20864622


Und was meint ihr denn mit den Grautönen?
Ist das sogenannte "Konstruktive Kunst"?

mila hat gesagt…

Es ist ein allgemeines Missverständnis - eines, das zu meinem Leidwesen auch der ansonsten von mir sehr respektierten Eva Illouz unterlaufen ist - anzunehmen, dass es in literarischen Schundromanen wie '50 Shades of Grey' primär um Sex geht, respektive um das weibliche Bedürfnis nach männlicher Dominanz. Im Kern geht es vielmehr - umgekehrt - um das Ammenmärchen vom gequälten, selbstzerstörerischen (Anti-)Helden, wahlweise in Gestalt des Billionaires, Lords oder Bad-Boy-Bikers, der von der vormals naiv-unschuldigen Heldin vor sich selbst er-rettet werden muss (umso besser, wenn die naiv-unschuldige Heldin dabei selbst ein wenig korrumpiert wird). Das ist weder verrucht noch sexy, sondern einfach nur dümmlich. Dümmlich deswegen, weil Frauen, die narzisstische Kleinkinder erziehen wollen, besser selbst welche in die Welt setzen, anstelle die zivilisierende Über-Mutter für sozial inkompetente (aka beziehungsunfähige) erwachsene Bubis zu mimen. Zumal das in der Realität selten ein gutes Ende nimmt.

Tiger hat gesagt…

dead-on, mila, bis zum vorletzten Satz. Frauen, die Narzissten erziehen wollen, sollen das bitteschön sein lassen.

Was ich so mitgekriegt habe, ist dieser Gray-Typ vom Buch eigentlich kein wirklich echter Mensch, viel Leute glauben das nur (die Autorin wohl auch). In Wahrheit ist er, wie mila richtig feststellt, ein psychisch Gestörter, dem man keiner Frau, schon gar nicht einer jungen, jungfräulichen, unerfahrenen zumuten will. So ein Mensch will man nicht als Vorbild sehen, in Wahrheit, aber die Verquickung mit Sex hat das halt vernebelt (und vernebelt es in der öffentlichen Meinung). Aber was wotsch, wenn meine Freundin Steffi halt 50 shades mag, dann was soll ich da tun?

mila hat gesagt…

Tigri, was ich meinte ist: Kleinkinder sind notwendig (noch) selbstbezogen, da ihr Überleben von anderen abhängt. Soziales Verhalten lernen sie nachfolgend - oder eben auch nicht. Selten nicht, zum Glück. Erwachsene (fiktonale) 'Charaktere' wie der besagte Grey sind dagegen ernsthaft schwach - nur erkennen Männer in aller Regel diese weibliche Zivilisations-Dominanzhaltung nicht. Weil sie die Bücher nicht lesen. Und in der vermeintlich zugeschriebenen Dominanz schwelgen.

Orlando hat gesagt…

@mila: ich habe es jetzt 3 mal gelesen und komme beim besten willen nicht nach. Inwiefern handelt es sich NICHT um um eine ziemlich ungesund-symptomatische sexfantasie? Man könnte wohl zutreffender auch sagen: eine feuchte altfrauenfantasie. Nicht tiefgründiger als das pendant, die altherrenfantasie. Aber mindestens so rück-schlüssig im bezug auf den umgang einer kultur mit sexualität zwischen anspruch und wirklichkeit...
Die wenigsten texte, die die welt veränderten oder nur schon treffend beschrieben, waren hochliteratur.

mila hat gesagt…

Orlando, lesen Sie den Originaltext. Und dann sagen Sie mir, dass Sie sich als Mann nicht eventuell ver-arscht fühlen. Respektive, miss-braucht.

mila hat gesagt…

Und ja, dieses spezielle 'Genre' nennt sich nicht umsonst: Mommy Porn.

mila hat gesagt…

Ich mache es etwas leichter für Sie und gebe Ihnen eine grobe Plot-Umschreibung: der angekündigte grosse böse (jungfrauenverschlingende) Wolf entpuppt sich schnell einmal als armes Würstchen mit hundstrauriger Kindheitsgeschichte. Aus purer Grossherzigkeit wird er von der (wahren) Heldin folgerichtig über drei Bände zum braven Schosshündchen dressiert, die sich ihrerseits dafür nur ein ganz klein bisschen hauen lassen muss, damit das Machtgefälle wenigstens an der Oberfläche nicht ganz so eklatant einseitig ist. Wobei der Leserin zugleich immer wieder versichert wird, dass es beim ganzen Sadomasokram eigentlich nur um die (Lust-)Bedürfnisse der Submissiven geht. Womit wiederum glasklar zu Tage tritt, wer hier als Sklave agiert, und wer zur Meisterin mutiert.

Die S/M Community fand die 'expliziten' Darstellungen anscheinend reichlich unglaubwürdig, aber schliesslich soll die schaurig-schöne Gutenachtgeschichte für in vielerlei Hinsicht frustrierte Hausfrauen ja auch niemanden wirklich verstören, sondern in erster Linie den tiefsitzenden weiblichen Wunsch nach einem formbaren Traumprinzen bedienen.

mila hat gesagt…

Wer sich wirklich verstören lassen will, der lese Bücher wie 'The Decimation of Mae'. Wobei auch hier bezeichnenderweise der gequälte (Anti-)Held nicht fehlen darf (er kriegt denn auch seine 'Errettung' im zweiten Band, 'The Salvation of Daniel' - allerdings keine rosarote wie bei EL James und den restlichen Mommy Porn-Konsorten).

Ich gestehe: mir hat es wirklich die Fassung geraubt, dass Frauen so etwas schreiben können. Die 'Geschichte der O' ist Kindermumpitz dagegen.

Tiger hat gesagt…

mila, nur eine kleine, scheue Frage: Wie bringst es Du übers Herz, sowas zu lesen, eingehend, richtig Zeit hinein zu stecken? Ich lese vielleicht so jedes dritte Buch fertig, das ich beginne, mich durch einen eher mühsamen Stoff hindurchzukämpfen widerstrebt mir. Dir nicht? Ich muss fürs Studium schon manchmal Zeugs lesen, das ich freiwillig nicht lesen würde, da tue ich mir sowas nicht privat noch an.

Das geht so weit, dass ich sogar Bücher nicht fertig lese, die mir im ersten Drittel sehr gut gefallen haben, etwa 2666 von Roberto Bolaño oder Breaking News von Frank Schätzing. Manchmal wird es irgendwann langweilig, manchmal hat sich die Frische des Stils aufgebraucht. Aber: Ich lese tatsächlich Bücher zu Ende. Zuletzt "Homeland" von Cory Doctorow. Grandios spannend und sehr stimmig. Jetzt habe ich grad zwei Sachbücher über Ed Snowden auf dem Nachttisch, das von Glenn Greenwald und das von den Spiegelautoren (das zweitere gefällt mir besser irgendwie, ich glaube, jenes wird das Rennen machen...). SM macht mich halt so gar nicht an, persönlich, da beginne ich sicher nicht, gross eine Geschichte in dem Umfeld zu lesen. Ja, Frauen, bei mir werdet Ihr nicht gehauen :-)

Tiger hat gesagt…

Und, Leute. in 2666 hat es ein paar ziemlich deftige Sexszenen. Allerdings sind sie am Plot aufgehängt und nicht der Plot daran, was 2666 entscheidend unterscheidet von einem Porno.

mila hat gesagt…

Es ist kein allzu wohlgehütetes Geheimnis, dass ich seit früher Jugend ein avid romance novel reader bin, quer durch alle Zeiten und Genres - quasi von Barbara Cartland bis eben EL James. Zudem weiss ich gerne, wovon ich spreche, daher im Speziellen die Lektüre von '50 Shakes of Grey', zu der mich nebst soziokulturellem Interesse zugegeben auch schlichte Neugier getrieben hat. Deshalb kann ich auch mit gutem Gewissen davon abraten, Geld für ein absolut lahmes Machwerk auszugegeben, das noch nicht einmal sprachlich auf halbwegs akzeptablen Niveau ist.

Orlando hat gesagt…

Die allerhärteste unter den Hardcore-Geschichten für Hartgesottene ist ohnehin "Die Geschichte deS O."...

Nein, ich habe das Buch nicht gelesen. Mir reichen die Auszüge im "Blick am Abend". Das ist wie bei de Sade: 15 Seiten "Justine" reichen, um einen Geschmack zu kriegen. Viel mehr ist da nicht dran.

ich würde hingegen ernstlich bezweifeln, dass die Horden von Bürotussis sich das Werk der ja anscheinend eher plump (als psychologsierend-verkomplizierendes Feigenblatt) konstruierte Rahmenhandlung wegen erwerben. So wurde es ja auch vermarktet: als Lüftung des Geheimnisses zeitgemäss-weiblicher Gelüste und Sehnsüchte.

Denn es ist ja auch nicht so, dass wir im Bubenalter die "Eis am Stiel"-Filme als Millieustudie adoleszenter Israelis missverstanden, die ihren Körper entdecken im Spannungsfeld zwischen vom amerikanischen Kino genährten, eskapistischen Sehnsüchten Heranwachsender und der harten Realität der Mannwerdung in einem Krieg führenden Land mit Zwangs-Milizarmee.

Nein, wir haben die Filme aus einem einzigen Grund angeschaut: Als Wixvorlage.

Katharina hat gesagt…

Tut mir leid, aber ich sehe in 50 shades of grey, oder 50 grades of shy..., auch keine Substanz, die für einen Diskurs genug Tiefe bietet. Ich hatte auch nur konsterniertes Unverständnis für deinen Post vom 5.2. 17:24. ff, Mila.

The Decimation of Mae hingegen, wo Deine wirkliche Neugierde wohl liegt, auch im Sinne von the law of attraction - auch im sinne deiner Interaktionen.... verstehe ich sehr wohl. was Dich betrifft, befremden sie mich nicht, und ich denke dass du dies hier erwähnst, kann nur einen Heilungsschritt bedeuten.

Ich sehe davon ab, zum Thema The Decimation of Mae viel zu sagen. Das hat mehrere Gründe. unter anderem was ich zu sagen hätte lures in the lurkers. definitiv hier der falsche Ort.

50 shades of grey ist nicht einmal eine Masturbationsvorlage, sondern nur ein in der Tat bloss auf Blickniveau gemachter Text von remote Phantasies eines gefilterten bdsm tubes. Dass der/die Submissive in jenem Spiel Machtinhaber ist, ist common knowledge. Das Spiel basiert aber auf absolutem Vertrauen. Nichts für Schlüssellochleser. Problems arise when it is not a game, or the rules are broken by the non-submissive.

All this has nothing to do with gender.

mila hat gesagt…

@Orlando: Es ist eine Binsenweisheit, dass (viele) Frauen keine gängigen Pornos schauen. Hingegen blüht das literarische Genre porno-esker Romanzen, von eher konventionellen Regency Erotica bis eben hin zu sogernannten Dark Romance, die jeden gängigen Hardcorestreifen verblassen lässt. Was also Frauen betrifft: it's all about the Rahmenhandlung. Sie ist das Vehikel, um weibliche sexuelle Gelüste zu verkaufen.

@Kat: nein, das mich eigentlich interessierende Thema will ich nicht vertiefen. Aber darauf hinweisen, dass der Shades-Skandal eben nur das ist: ein äusserst harmloser Sturm im Wasserglas. Der zudem in erster Linie im Märchenkontext von Erlösung gelesen werden muss.

mila hat gesagt…

Übrigens, noch ein Auszug aus einem Interview mit Dakota Johnson (der Film-Anastasia):

Hast du vor dem Dreh mit Unterwürfigen gesprochen, sogenannten "bottoms", wie Anastasia eine ist?

Ja. Es hat mich überrascht, dass es in erster Linie um die Übernahme oder die Aufgabe von Kontrolle geht.

Und weniger um Sex?

Genau. Wir Frauen möchten doch alle die Fähigkeit haben, einen Mann zu knacken, oder? Ihn verletzlich zu sehen und ihn auf einer tieferen, emotionalen Ebene kennen zu lernen.

Voilà.

Tiger hat gesagt…

Womit Du zweifellos eine grosse Neugierde erschaffen und total offen stehen gelassen hast, Kat. Well done.

Tiger hat gesagt…

Dakota Johnson ist eine Schauspielerin. Die hat doch nichts zu sagen. Würden lieber mila interviewen.

Orlando hat gesagt…

Tz, diese emanzenweiber...nicht mal einen richtigen porno kriegen sie hin.

Ihre analyse in ehren, mila. Aber was ist denn dann schlecht an dem buch? Passt ja alles.

Tiger hat gesagt…

50 shades ist ja auch gar nicht als Porno gedacht. Muss man sowas Orlando erzählen, tststs.

Orlando, ich bin kein Geschmackpolizist, wenn gewissen (viiiielen) Frauen sowas gefällt, jänu. Anscheinend finden viele Frauen das Buch genau richtig, stimmt, passt. mila hat es nicht gefallen, wahrscheinlich unter anderem aus den gleichen Gründen, wieso es mir nicht gefallen hätte. (Und nein, ein Buch gefällt mir auch ohne explodierende Raumschiffe drinnen :-) ) Dass es zwischen dem realen und dem idealen Buchgeschmack von mila gewisse Diskrepanzen gibt, naja, das erstaunt mich natürlich nicht, wir haben ja alle unsere unlogischen Unlogikheiten.

mila hat gesagt…

Ach, Tigri. Susan Elizabeth Phillips, eine meiner erklärten Schnulzenköniginnen, hält als Motto auf ihrer Homepage fest: "Because life's too short to read depressing books". Ich würde depressing durch boring austauschen. Ich lese (und schaue) so gut alles, was mich als Leser (und Zuschauer) halbwegs vernünftig unterhaltend am Ball hält. Was mich weder mit Verstand noch mit Herz zu packen vermag, wird schnell in die Ecke geschmissen; mittlerweile habe ich eine Toleranzgrenze von etwa hundert Seiten (von dieser sehe ich nur ab, wenn mich etwas anderes als genuine Unterhaltungsgründe zum Weiterlesen antreibt).

So hat es eine gewisse Logik, dass ich 'Die Blechtrommel' als Buch nach langem inneren Hadern in der Mitte geschlossen und nie mehr geöffnet habe (damals fragte ich mich tatsächlich noch, ob etwas mit mir nicht stimmt), den Film von Volker Schlöndorff jedoch mehrfach gesehen habe. Standesdünklerische Berührungsängste finde ich einfach nur dämlich, Menschen, die nur ‚gehaltvolle‘ Bildungsromane lesen, für hoffnungslos unterbelichtet.

Orlando hat gesagt…

Zusammenfassend, was hier (schlechter) versucht wurde, in Worte zu fassen: über Kultrrelativismus und warum Appeasement auch hier zum Scheitern verurteilt ist.

http://www.zeit.de/2015/04/islam-christentum-konflikt-kultur

Vom Islam geht die Gefahr eines modernen Faschismus aus. Es ist der Kampf, den unsere generation zu führen hat. Die friedvolle Nachkriegswelt ist dahin. Ein neuer Kreuzzug wird geführt – aber diesmal in die umgekehrte Richtung. Hört die Signale. Man kann entweder Widerstand leisten oder sagen, das habe doch mit dem Islam nichts zu tun und gehe uns gar nichts an. Wir sind aber gemeint, nous sommes Charlie (schon vergessen?). Und ihre Kasernen stehen mitten in unseren Städten. Macht euch auf etwas gefasst. Leute!

Buh, Orlando, Schwarzseher, das klingt aber nicht nett. Machst keine Partylaune, ist unlustig. Sei doch nicht immer so ernst. Enjoy a little. Entspann dich, lass dir einen blasen, rauch einen Joint. Diskutier doch mal über Belletristik oder Wohnungseinrichtungen oder den nächsten Urlaub.

Nein.

mila hat gesagt…

Ich verstehe nur zu gut, dass man geneigt ist, Texten, die einem genau nach dem Mund reden, völlig unkritisch gegenüberzustehen. Schliesslich ist es immer ein erhebendes Gefühl, verwandten Geistern zu begegnen und sich bestätigt zu fühlen. Mir geht es bisweilen auch so.

Das Problem beim verlinkten ZEIT-Artikel ist ein gängiges: Was nicht sein darf, kann nicht sein. Es gab also niemals Christen mit der Vorstellung, die Ermordung Andersgläubiger sei göttlicher Auftrag? Nun, wenn es denn so wäre, hätte es auch keine innerchristliche Kritik gegen solche Entgleisungen von Glaubensbrüdern gebraucht, zu keinem Zeitpunkt, niemals. Das Phänomen, den Balken im eigenen Augen übersehen zu wollen, trübt augenscheinlich selbst den schärfsten Intellekt. Was hinsichtlich AT 'historisch' legitimiert wird, ist entsprechend im Koran natürlich verdammenswert; wie einfach doch das (Ab-)Wägen mit zweierlei Mass ist.

Nein, es spielt in meinen Augen keine Rolle, dass das NT das Töten untersagt - nicht, solange sich Christen gegen dieses Gebot versündigen (um in der zugehörigen Terminologie zu bleiben), noch dazu explizit im Namen ihres Glaubens. Das Dilemma ist also kein theologisches respektive bibelexegetisches, sondern ein menschliches. Aber eigentlich mag ich mich nicht zum x-ten Mal wiederholen. Wer keine Befähigung zur selbstkritischen Prüfung hat, wird immer an der Mauer seiner Unfähigkeit, kognitive Dissonanzen wahrzunehmen und auszuhalten, scheitern. Und sich selbst immer in der selbstgerechten Position des Unanfechtbaren wiederfinden.

Zum zweiten wird im Artikel, ebenfalls typisch, die innermuslimische Kritik völlig ausgeblendet. 'Gute' Moslems sind in dieser Logik letztlich (nur) jene, die dem Islam entsagen - Ayaan Al Hirsi zum Beispiel. Beides entbehrt jeder argumentativen Redlichkeit. Und so heizen sich die Radikalen - Verzeihung, es muss für Europäer ja gemäss Artikelautor Konservative heissen - gegenseitig auf, mit einem gemeinsamen Feindbild vor Augen: der liberalen, aka degenerierten westlichen Gesellschaft. Wenn es nicht so todernste Konsequenzen hätte, wäre es beinahe lustig.

Überhaupt ist es bezeichnend, dass viele sogenannte 'wahre' Christen im Grunde ihrer Herzenseinstellung Alttestamentarier sind; mit dem Geiste Jesu haben sie wenig am Hut. Das, dies gebe ich zu, verblüfft mich fast am meisten. Und nein, Orlando, auf weitere solche Sperenzchen habe ich keine Lust. Da widme ich mich in der Tat lieber der Belletristik.

Katharina hat gesagt…

Ich denke nicht, dass die echte Bedrohung durch Dschihadisten unter dem Aspekt der Religion, auf die sie sich berufen, gelöst werden kann. Soviel zum verlinkten Zeit.de Artikel. Denn durch den Bezug auf Religion dreht es sich immer nur weiter im Kreis der Kriege.

Richtig aber ist, diese Bedrohung als eine der vielen Formen des Faschismus zu betrachten. Und als eine der neuesten – auch was die seltsamerweise nicht abgeblockte multimediale Propaganda betrifft.

Der Kampf gegen Faschismus beginnt aber nicht beim Waffengang. Er endet dort, mit zweischneidigem Erfolg.

Auch wenn wir nun anscheinend einen weiteren Waffengang aufstellen, so wird dieser genauso temporäre Linderung der Bedrohung geben, wie andere vor ihm, nur schlimmer:
Das Gerät und die Leute dazu werden z.Z in Kuwait eingerichtet und die Dronen liefern so viele Daten, dass wegen des Mengengerüstes diese durch AI Algorithmen voranalysiert werden müssen. Sprich, der Algorithmus entscheidet, welches die möglichen Ziele sind. Der Click to Kill Entscheid bleibt vorerst noch bei Menschen, ist aber technisch nicht mehr eine zwingende Voraussetzung. Im Gegenteil, weil diese Systeme vernetzt funktionieren, werden sie, wenn durch eine Gegenmassnahme das Netz gekappt wird, autonomer. Das Netz zu kappen, ist mit primitiven Mitteln möglich. Kleinere Dronen militärischen Grades kosten ca 250‘000 USD. Nur diejenigen mit (inter-)kontinentaler Reichweite kosten die Beträge, die in den Medien herumgereicht werden.

Das bedeutet: Wir beobachten eine Umkehr von der Gewaltenteilung, eine Umkehr von Gewaltmonopol, das durch demokratischen Konsens und Delegation bestimmt ist, zurück zur Konzentration der Gewalt in autokratischen mittelalterlichen Warlords. Diese neuen Technologien sind extrem billig, die Software funktioniert äusserst effizient, ist selbstlernend und dadurch gegen konventionelle taktische Abwehr sehr gut gewappnet. Unsere eigene Technologie wendet sich also über jene erkrankten Gehirne als Mittler gegen uns als Demokratische Gemeinde. Als Mittler arbeiten sie aber genau denjenigen in die Hände, die an der Spitze der Wertschöpfungskette genau AUCH die bewährten Werkzeuge des Friedens – die Demokratie – zersetzen wollen. In dem Sinn ist die faschistische Bedrohung von zwei Fronten her.

Die wirklich anstehende Aufgabe ist daher, to put the defective Brains on Trial. Leider ist die Neurowissenschaft und Epigenetik noch zu wenig weit entwickelt, um, abgesehen von den ganz krassen Fällen eines fehlenden Frontal Cortex, ein faires justiziares Assessment zu machen.

fufi hat gesagt…

@Orlando

Das da:
"Denn es ist ja auch nicht so, dass wir im Bubenalter die "Eis am Stiel"-Filme als Millieustudie adoleszenter Israelis missverstanden, die ihren Körper entdecken im Spannungsfeld zwischen vom amerikanischen Kino genährten, eskapistischen Sehnsüchten Heranwachsender und der harten Realität der Mannwerdung in einem Krieg führenden Land mit Zwangs-Milizarmee."
Ist derart was vön gröölig! Complimento!
Aber, um die Idee aufzunehmen, da könnten irgendwie noch viele, viele ü-18 Filme als "Milieu"-Studien verkauft werden?

Und von wegen den SEX-Büchern hab ich da eine Empfehlung:
Mary Roach - Bonk
Alles über Sex - von der Wissenschaft erforscht
ISBN 978-3-596-18229-9

DAVOR verblassen sogar 100 Graustufen!

fufi hat gesagt…

@mila

"Überhaupt ist es bezeichnend, dass viele sogenannte 'wahre' Christen im Grunde ihrer Herzenseinstellung Alttestamentarier sind; mit dem Geiste Jesu haben sie wenig am Hut."

DAS verblüfft mich leider nicht!
Das empört mich, das entsetzt mich, das macht mich schier wahnsinnig, als Christ!

Machtspiele, im Namen desjenigen, der KEINE Macht ausgeübt hat!
Jedenfalls keine im Sinne des Wortes Machtspiele!

Schande über sie alle!

Katharina hat gesagt…

fufi, erklär mir mal, wie einer, der behauptet, der sohn eines gottes zu sein, keine macht ausübt.

mila hat gesagt…

Du siehst, Katharina: trotz unterschiedlicher Argumentations- und Interessenlinien landen wir beim selben diagnostischen Punkt. Einem Zwei-Fronten-Angriff auf die offene demokratische Gesellschaft.

Ich bin mir nicht sicher, ob Faschismus die treffende Bezeichnung für das aktuelle Vorgehen ist. Dazu ist er zu sehr an ein bestimmtes historisches Phänomen mit spezifischen (Wesens-)Merkmalen gebunden. Man unterscheidet in der historischen Fachliteratur, strenggenommen, deshalb auch zwischen italienischem Faschismus, deutschem Nationalsozialismus und sowjetischem Stalinismus - ihnen gemeinsam ist, dass sie sich ungeachtet ihrer individuellen Ausprägungen strukturell unter dem Oberbegriff des Totalitarismus zusammenfassen lassen.

Wobei ich persönlich denke, dass diese Form(en) des Totalitarismus eine kennzeichnende Eigenart des 20. Jahrhunderts war(en). Im 21. Jahrhundert nimmt er andere Züge an. Aber es fehlt mir für diese neue, wesenseigene Ausgestaltung noch ein prägender Begriff.

Orlando hat gesagt…

Interessanter Einwurf, Kat.

Nicht nur in der Menschen Sohn hat sich Gott gezeigt, wir alle sind Kinder Gottes, er ist Gott in uns Kindern, wir sind seine Hände, Augen, Finger, Ohren. Die Gotteskindschaft ist eines der prägendsten Merkmale des jüdisch-christlichen Denkzusammenhangs.

Macht? Na ja, zumindest bedürfen wir zuerst genau jener Erkenntnis, neutestamentlich eben der erfahrenen, brennenden Liebe, um dieses Zusammenhanges gewahr zu werden. Gerade wir, die wir das Kindhafte abgestreift haben, was ganz natürlich ist.
In der Erfahrung der Gotteskindschaft als universelle und elementare Mensch-Disposition liegt der Schlüssel. Der Neue Bund nicht mehr als Vater-Kindschaft zwischen Gott und seinem Volk sondern als reine Elternschaft/Kindschaft.

Geschenkte, empfangene Vertrautheit. Keine Anstrengung, kein Verdienst unsererseits.

Am Anfang der Gottbegegnung steht aber der persönliche Glaube, in Demut. Das persönliche Zutun ist allein die Kindschaft, erfüllende Teilhabe an Gott im gegebenen VERTRAUEN, wie es eben für uns Menschen auch im Moment der Liebe (der zwischenmenschlichen und der elterlichen) erfahrbar werden kann.

Es ist dies die Liebe, von der Jesus Christus spricht. Und es ist die gleiche Liebe, von der im Alten Testament erzählt wird.

Frei zu sein und unschuldig wie ein Kind, ummantelt von jener unergründlichen tiefen Liebe, die schon immer da war und die erschüttert: Weinen, Lachen, heimliche Vertrautheit, geahnte Heimat. Terrence Malick erzählt es so schön in seinen Filmen.

Dies im Unterschied zu jenen falschen Prophetien, die "das Göttliche" zuerst als in Allem seiend postulieren um es danach an verschiedenen Orten zu suchen (und zu finden). Das ist die grösste Hybris von allen.

Und auch im grossen Unterschied zu jenem frühmittelalterlichen Wüsten-Feldherrn, der auf seine Gläubigen einredet wie auf Soldaten. Die gehorchen sollen und ihr Leben der Grösse Allahs widmen sollen.

Aber hier scheint ja kein allzugrosses Interesse zu bestehen, über den Islam zu reden. Was auch immer der alte Orlando vorbringt, die Kulturrelativisten verhalten sich wie im oben verlinkten Text ausgedeutscht: "Aber es gab auch böse Christen!"

Dazu allerlei Name-calling. Man nennt es auch Diskussionsverweigerung. So kommen wir nicht weiter.

Also lasst uns lieber über Gartenmöbel, den letzten Roman von Arno Geiger* oder den schlimmen Putin (oder den Papst oder Godot) reden, während wir auf den nächsten Anschlag warten.

*In Arno Geigers neuem Roman kommt ein Flusspferd vor. Ich habe letzthin eine Gruppe erwachsener, gebildeter Menschen am Radio gehört, die eine Stunde lang über den Roman mit dem Flusspferd gesprochen haben. Sie wählten ihre Worte mit Bedacht und unterhielten sich über Figuren im Roman, als seien es echte Bekannte von ihnen. Ich war ein wenig schockiert, wie man über im Grunde absolut Nichts zwischen zwei Buchdeckeln labern kann, weil die Sendezeit irgendwie gefüllt sein will. Es ist wirklich eine sehr kunstvolle Form des Nihilismus. Zeitvertrieb bis zum unausweichlichen Moment, wo man für klinisch tot erklärt wird.

Orlando hat gesagt…

Und zur Machtfrage: Von einer ganzen Reihe von säkulären Fundamentalismen und Tyranneien ging für den Frieden und die Freiheit in den vergangenen 200 Jahren weit ernsthaftere Bedrohungen aus, als jemals von irgend einer Kirche oder einer Theologie davor und danach. Die Jakobiner von heute stehen punkto geiferndem Religionshass ihren Vorfahren in nichts nach.

Und es gilt Matt. 22, 21: So gebt dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist.

Die Freiheit der Christenmenschen: Erst in grösstmöglicher irdischer Freiheit kann sich der Geist wie von selbst zu Gott erheben, das sagte schon Novalis.

Degoutant ist, dass ich, der ich seit Wochen auf die Gefahren des Islamismus für die offene demokratische Gesellschaft hinweise und zu ihrer offensiven und bedingungslosen Verteidigung aus dem Geist der Freiheit aufrufe, jetzt auch noch bezichtigt werde, ich sei selber eine Bedrohung für sie.

"Zwei-Fronten-Angriff auf die offene demokratische Gesellschaft"

Gehen Sie mal an die frische Luft, Fräulein.

mila hat gesagt…

Orlando, mit ihrer kruden Mischung aus Bewunderung für den 'erstarkenden' fundamentalistischen Islam und Verständnis für dessen Abscheu für den 'degenerierten' Westen zeichnen sie Ihr eigenes Bild - ganz ohne mein zutun. Meine Bemerkungen sind allgemeiner Natur, dass Sie sich von Ihnen betroffen fühlen, Ihr Bier. Es schmeckt Ihnen nicht? Dann sollten Sie sich vielleicht einmal fragen wieso. Respektive, weshalb Sie dieser Tage einmal mehr in gefühlter Permanenz aus der Haut fahren.

Ja, Sie rufen in den Wald, aber dabei kommt so wenig Substanzielles raus, dass es entsprechend verhalten zurückschallt. Was wissen Sie denn schon wirklich über 'den' Islam, den Koran? Das, was Sie sich aus zweiter Hand publizistisch-oberflächlich zusammengeschustert haben. Würde ich mich näher mit dem Islamismus befassen wollen, würde ich Kats Spur folgen: strukturell weg von der Religion, hin zum totalitären Fanatismus. Davon wären mE weiterbringendere Einsichten zu erwarten.

Aber um ehrlich zu sein, habe ich gerade anderes im Kopf, daher überlasse ich den weiteren Islamismus-Diskurs Ihnen und anderen interessierten Geistern. Nicht jedoch ohne abschliessend darauf hinzuweisen, dass gute Romanfiguren verdichtetes Leben, respektive in narrative Form gefasste Erfahrung in sich tragen. Das macht sie als fiktive Bekannte so ungemein wertvoll, oder wie Alexandar Hemon es in einem Interview mit der NZZ wunderbar ausdrückte:

"Ich muss mein eigenes Leben erzählen, aber auch das von anderen Menschen, jede Art von Erfahrung, um mir die Welt verständlich zu machen. Mir ergeht es im Leben wie in meinen Albträumen, aus denen ich regelmässig erwache, wenn der Traum in einer Sackgasse endet – in einer Situation, aus der es im Traum keinen Ausweg gibt, so dass er unvollständig bleibt. Auch im Leben ist Erfahrung für mich so lange unvollständig, bis sie durch ihre erzählerische Umsetzung real geworden ist. Um die Realität intellektuell erfassen zu können, muss man sie imaginieren und alle Lücken oder blinden Flecken der Erkenntnis mithilfe der Vorstellungskraft ausfüllen. (...) Alles, was Literatur und Kunst leisten können, ist es, einen Raum zu schaffen, in dem sich Individuen zu einem Austausch treffen können, der im besten Fall das Bewusstsein erweitert."

Nun, die heilsame Kraft des ver-dichtenden Niederschreibens habe ich weiss Gott nötig. Aber keine Sorge: davon wird nicht zu lesen sein.

fufi hat gesagt…

@Kat.

Von wegen dem "Sohn Gottes".
Es ist höchst unwahrscheinlich, dass dieser Wanderprediger sich so bezeichnet hat. Es ist aber höchst wahrscheinlich, dass er als Jude den jüdischen Gott JHWH mit "Abba" (Vater) "angesprochen hat. Was eine schiere Provokation war gegenüber dem etablierten und mit der römischen Besatzungsmacht gemeinsame Macht-Sache machenden "priesterlichen" Judentum. Und insofern hat er tatsächlich "Macht" ausgeübt.

Und er mag auch "Macht" ausgeübt haben, ind den "Wundern" wo er getan haben soll, insbesondere wenn er Kranke heilte.

Aber Gewalt hat er definitif nur 1 mal ausgeübt, wenn überhaupt, und das war die sogenannte "Tempelreinigung", und dann nie wieder. Und seine Anhänger zur Gewalt aufgefordert hat er meines Wissens schon grad gar nie! Siehe den Petrus und das Ohr des Soldaten!

Und noch was von wegen der "Macht":
Eli, Eli, lama sabachthani?

Orlando hat gesagt…

Also jetzt reicht es aber, ja! Wo soll ich diese Dinge gesagt haben?
Halten Sie sich gefälligst an die Fakten!

Und: Ich benötige nicht mehr oder weniger Wissen über den Islam als jene, die den Koran aufschlagen und den Schwertvers als Aufforderung ihres Gottes zum Töten verstehen (oder zumindest als Legitimation fürs Töten Ungläubiger). Ganz einfach - weil es so da steht! Da braucht man kein abgeschlossenes Studium in vergleichender Religionswissenschaft.

Und damit tschüss, wo man mir Aussagen in den Mund legt, da ist kein Bleiben.

fufi hat gesagt…

Und namal @Kat.

Das "CHRIST"-entum ist nicht damals entstanden, als der Wanderprediger aus Nazareth noch gelebt hat.
Und auch nicht, nachdem er am Kreuz verreckt ist.
Das "CHRIST"-entum ist entstanden, als es da welche gab wo schnallten, dass DAS wo JvN sagte, den NERV des Judentums traf. Sozusagen!

fufi hat gesagt…

Und 1es, Kat., und dies zum 3tten

also 1es , nein 2es kann man dem Jesus denn NICHT vorwerfen:
Dass er 1tens Gewalt angewendet habe, um SEINE Sicht des damaligen Judentums durchzusetzen
und dass er 2tens seine AnhängerInnen dazu angestiftet habe, SEINE Sicht des damaligen Judentums mit Gewalt durchzusetzen.

NEIN, Kat., und namal NEIN und NEIN und NEIN!
Wenn die Christen, wo doch so gerne zum "lieben" Gott beten denn nur entlich mal schnallen täten, dass dieser Ihr Gott der "LIEBE GOTT" ist!

Und dann feiern und singen sie doch, dass "GOTT" denn die "Liebe" sei.
Naja, denke ich, da muss "Gott" wirklich die "Ganz grosse LIEBE" sein!

https://www.youtube.com/watch?v=5qb3zcGB4BU

Aber sie sind ja SOOOOO Süüüsssss!

mila hat gesagt…

Ok, ich lasse Ihre Texte für sich selbst sprechen. Meine Interpretation einer kruden Mischung aus Bewunderung für den 'erstarkenden' fundamentalistischen Islam und Verständnis für dessen Abscheu für den 'degenerierten' Westen' steht nach wie vor. Aber Sie sind jederzeit eingeladen, diesen meinen Leseeindruck zu entkräften.

- Ja: ich hege eine gewisse Bewunderung für die islamische Revolution der Ajatollahs und auch die erneuernde Kraft islamisch-identitärer Bewegungen imponiert mir (wenn sie in diesen Ländern stattfindet, wod ie Muslime eine Mehrheit haben, selbstredend).

21. Januar 2015 um 11:33


"zu 4) was Sie nicht verstehen wollen: dass es in den wenigsten Weltgegenden als "Fortschritt" gilt, wenn Schwule heiraten können, Mütter je nach Laune ihre Kinder entweder abtreiben oder ohne Vater grossziehen können, Drogen von Staats wegen an Süchtige abgegeben werden oder es im Sinne liberalen Individualismus in der Schule und anderen Einrichtungen gesellschaftlicher Synchronisation, besonders den Medien, gelehrt wird, dass der Einzelne sich über Sex, Konsum, Egoismus, (finanzieller) Unabhängigkeit, Genderkorrektheit und Religonslosigkeit definieren muss. Die Verachtung für die Dekadenz des Westens (den ich eben als etwas Tieferes verstehe, als ein paar neumodische Lebensstil-Oberflächlichkeiten) ist im Kern eben nicht rückwärtsgewandt, reaktionär, neo-fundamentalistisch, Modernisierungsangst. Sondern jene jungen Männer (nein, ich meine nicht nur die terroristen) treten als Avantgarde eines siegesgewissen, nach einer neuen Blüte strebenden, bekanntermassen als Heilslehre konstruierten Islam an und werden in diesem Sinne als fortschrittlich verstanden."

21. Januar 2015 um 17:08

Orlando hat gesagt…

Na also, wer lesen kann ist im Vorteil: Das erste Zitat bezog sich spezifisch auf die islamische Revolution im Iran 1979 und nicht auf den Islamismus heutiger Ausprägung über den wir hier diskutieren und das zweite ist im Kontext der Diskussion des von ihnen vertretenen naiv-absonderlichen Geschichtsbildes (Fortschritt/Rückschritt als Leitcode) und völlig wertfrei. Da habe ich mich (als Teil dieser Gesellschaft) schon wesentlich deutlicher vernehmen lassen, was ich von gewissen inneren Zerfallserscheinungen in unseren Gesellschaften halte (Beobachtungen, die im übrigen mittlerweilen von einer breiten Front von Denkern geteilt werden – alles Nazis?)...

Dies anzusprechen soll mich also in die geistige Nähe eines neuen Faschismus rücken, implizieren sie oben, weil sie zum verlinkten Zeit-Artikel grad gar keine Gegenargumente fanden (gell, die kognitive Dissonanz, wenn sowas im geliebten linksliberalen Zeit-Feuilleton steht...).

Das ist so schreiend dumm und entsetzlich beleidigend und beweist im Grunde nur eines: Dass sie dieser Art von Diskussion offenbar nicht gewachsen sind. So wie sie hier auftreten, als Gouvernante, belehrend, herablassend zu anderen und schnell mit Vorverurteilungen und hanebüchenen Etiketts (und gleichzeitig nicht viel Substanzielles mehr bietend als schön geschriebene Allerwelts-Plattitüden im blankgeputzten Ratgeberslang) hat das wenig Zukunft. Sie haben nichts zu sagen, aber sie konnen es ganz passabel schreiben und haben, um dies zu tun, offenbar eine Menge Tagesfreizeit. Für diese Schulmeistereien müssen sie sich aber künftig einen anderen suchen. Jedenfalls bin ich es leid, hier den Stichwortlieferanten zu geben, damit sie was haben zum sich abreagieren.

Ich habe mein Herz stets auf den Lippen getragen, dass nun (ausgerechnet) sie (ausgerechnet) mich aufgrund meines Glaubens und meiner Geisteshaltung als Proto-Faschist bezeichnen der es auf Demokratie und Freiheit in einem "Zweifrontenangriff" abgesehen habe ist ein neuer Tiefpunkt. Das schmerzt zwar menschlich aber ich bin dankbar, dass sich das beizeiten zur Kenntlichkeit entpuppt hat.

Es liegt auf der Hand, dass ich unter diesen Umständen mir hier (und anderswo) nicht weiter beim Denken zusehen lassen kann.

Adieu.

fufi hat gesagt…

@mila von wegen den AT-Christen und Kat. zum Gottessohn

Da gabs nen Richter in Alabama
der war ein Büffel und kein Lama
eins und eins das gibt nicht zwei
denn eins und eins ist zweierlei
drum keine Ehen unter Hama!

Dochdoch, und der Kerl
" liess ein mehr als zwei Tonnen schweres Granitbildnis der Zehn Gebote im Gerichtsgebäude in Montgomery aufstellen – und verweigerte dessen Entfernung, als ihn ein höheres Gericht dazu anwies."
" Die USA seien eine «christliche Nation», erklärte Moore; er lasse sich nicht gängeln."

Christlich, hat er gesagt, C-H-R-I-S-T-L-I-C-H ?????????

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Haessliche-Posse-in-Alabama/story/10379941

fufi hat gesagt…

@Orlando am 11. Februar 2015 um 11:33

Nun gehab dich nicht so beleidigt!
Es gibt noch andere hier ausser mila.
Auch wenn die sich traut, dir manchmal auf den Schwanz zu trampen!

Aber der von "dir beim DENKEN zusehen", das haste echt witzig gesagt.

mila hat gesagt…

Darauf kann ich wenig bis fast gar nichts erwidern, Orlando. Eigentlich nur eins: ich habe Sie weder hier noch sonst irgendwo als Proto-Faschisten oder Radikalen bezeichnet, weil ich persönlich davon überzeugt bin, dass Sie keiner sind. So 'radikal' Sie sich bisweilen auch gerne (und lautstark) geben und sehen.

Und es ist noch nicht einmal einer bewussten Hebammen-Technik zuzuschreiben, dass Sie besagte Schlüsse aus meinen Beiträgen für sich gezogen haben. Diese Schlüsse sind insofern, eben, ihr Bier. Das einzige was ich aus Freundschaft wirklich für Sie hoffe ist, dass Ihnen in der stillen Denk-Kammer dereinst vielleicht doch aufgeht, wie gefährlich nahe sich Ihre Äusserungen teils an bestimmten Grenzen bewegen, die Sie selbst ja offenkundig nicht überschreiten möchten.

Dass Sie, einmal mehr, persönliches Wissen zwecks Herabsetzung in ihre öffentlichen Abmahnungen einfliessen lassen, steht auf einem anderen Blatt. Damit unterminieren Sie letztlich nicht meine, sondern Ihre Würde. Übrigens, die gouvernantenhafte Schulmeisterin - oder schulmeisterliche Gouvernante - hatten wir in der Vergangenheit doch schon zur Genüge. Bleiben Sie doch erinnerungshalber bei der dümmlich-naiven, nichts-begreifenden, nichts-sagenden Kulturrelativistin; die war immerhin ansatzweise originell.

Und ja, da Sie auch das gründlich missverstanden haben: Ihr persönlicher Glaube stand nie zur Debatte; Menschen, die an nichts glauben, sind mir suspekt. Was zur Kritik stand, waren die Verbrechen wider die Menschlichkeit, die im Namen dieses wie auch anderer Glauben begangen wurden respektive werden. Ist es wirklich so schwer, diese beiden Dinge auseinanderzuhalten? So schwer, sich als Christ zu fragen, ob man in seinen Worten und Taten wirklich den Botschaften Jesu folgt, oder nicht doch unbewusst alttestamentarischen Vorstellungen nachhängt? Diese Fragen werden wohl offenbleiben. Meine Antwort dazu war immer klar: als Christin würde es mir nicht gelingen, den strafenden Gott des Alten mit dem liebenden des Neuen Testaments in Einklang zu bringen, allen elaborierten Bibelexegesen zum Trotz. Das Neue Testament ist es denn auch, was die Bibel vom Koran absetzt - soviel ist selbst dieser unverbesserlichen, kulturzersetzenden postmodernen Märchentante klar. Allerdings müsste man sich, eben, an die entsprechenden Gebote halten. (Umgekehrt bin ich dankbar dafür, dass die Mehrzahl der Muslime einen bestimmten Teil ihrer Gebote dezidiert missachtet - noch. Wenn sich das ändern sollte, werden wir vermutlich eine mitverursachende Teil-Schuld nicht von uns weisen können.)

Katharina hat gesagt…

Fufi:

Ich weiss ehrlich nicht, was Du mir mit 'Das "CHRIST"-entum ist entstanden, als es da welche gab wo schnallten, dass DAS wo JvN sagte, den NERV des Judentums traf. Sozusagen! ' sagen willst.

Ich habe nur gefragt, ob von sich zu sagen, der Sohn Gottes zu sein (so die christliche Überlieferung, was JvN gesagt und getan haben soll) nicht schon Ausübung von Macht, genauer die Ausschaltung der Logik, ist. Gewalt hast Du dann im Weiteren daraus extrapoliert.

Dass JvN ein wandernder Rebbe war, der neue, dem Establishment widersprechende Auslegungen der jüdischen Überlieferung dachte und sagte, kann ja im NT nachgelesen werden, in all den Passagen, die mit ‚ICH aber sage Euch‘ anfangen. ‚Eli, Eli, lama sabachthani’ muss auch in diesem Kontext gelesen werden: ‘ICH aber sage Euch -> Eli, Eli, lama sabachthani‘. Direkt so gegenübergestellt der Ausspruch eines Megalomanen (ICH, der Sohn Gottes), der in den bis heute weitergehenden Machtmühlen zermalmt wurde und im letzten Atemzug eben realisierte, dass das Universum Manische einsam hängen lässt. Heute könnten wir mit kranken Gehirnen anders umgehen, so wir denn wollten. Tun wir aber nicht, sondern benutzen sie in unseren Machtgespielen als Feuerbälle, um die Emotionen anzuschüren. (Siehe der von westlicher Seite genau einkalkulierte Schock der Lebendverbrennung, der das brachte, was gewollt war: der Einbezug in den Krieg durch eine sich bisher vorsichtig neutral verhaltende Nation).

Ganz abgesehen davon, dass forensische Linguisten schon lange belegt haben, dass das Ganze eine Sammlung Texte mit unklaren Quellen, mehreren Autoren, die die gleichen Namen verwendeten, und fehlerhafte Übersetzungen ist. Es gibt eine ganze Gattung an jüdischer Literatur, die sich mit den Übersetzungsfehlern auseinandersetzt, btw. Aber was solls. Ein jüdischer Witz lautet ‚sometimes we’d rather not be the chosen people‘.

JvNs Geschichte, so sie sich auf eine einzige tatsächlich gelebt habende Person bezüge, ist diejenige eines Rebellen gegen Ungerechtigkeit. Wie viele vor und nach ihm. Die Überhöhung auf eine spirituelle, transzendente Ebene mit universaler Gültigkeit ist genauso ein Verbrechen all jener Editoren und Zensoren jener Sammlung, wie das Tagebuch eines mittelalterlichen Warlords in den Wüsten Arabiens zu einer Weltreligion emporzustilisieren.


10. Februar 2015 um 17:49 von Dir und ‘die grosse Liebe’ sagt mir gar nichts. Ausser vielleicht ein zynischer Versuch Deinerseits, mich auf eine Diskussion über Deine Religion zu ziehen. Das ist genauso müssig wie sich über die Dschihadisten und ihre Bezüge zu ihrer Religion einzulassen.

Dein 11. Februar 2015 um 14:22 belegt ja gerade, wie sinnlos das wäre. Zumal es ja ein dümmlicher themenfremder Einwurf ist, und ein lahmer Versuch, zwei mitwirkende gegeneinander auszuspielen…..Erstens steht in der amerikanischen Verfassung klipp und klar, dass Religion und Glaube nicht Gegenstand der amerikanischen Gesetzgebung ist, ja sogar ausdrücklich in der Verfassung als subject area verboten ist – mit der Ausnahme, dass die freie Ausübung und Abstinenz davon als unveräusserliches Recht garantiert ist. Sich in Deiner Art über unchristlich oder christlich zu echauffieren, belegt, dass Du anscheinend einige Basics nicht verstehst, oder wie stehst Du dazu, dass eure ach so moderne Verfassung, erst in diesem Jahrhundert installiert, mit einem christlichen Gebet als Präambel anfängt. Jeder Andersgläubige, Atheist oder Agnostiker könnte mit fug und recht sagen, die ganze Verfassung könne auf ihn nicht angewendet werden, da nicht laizistisch. Eat that….

fufi hat gesagt…

Weisst du Kat.

Ich gebe dir mehrheitlich recht.
Ich hab's in meiner Sprache geschrieben, und du in die deine übersetzt.
Und was "unsere" Verfassung angeht: nur "unsere" Nationalhymne ist noch schlimmer!

Und die ganze Textkritik wo du erwähnst, die kenne ich nur allzugut.
Aber dennoch: JvN hat sich glaub nie als Sohn Gottes bezeichnet.

Aber, wenn du denn so willst:
Glaube, Überzeugung, "Wissen" stellt IMMER einen Machtanspruch dar!

mila hat gesagt…

@Kat: Auch wenn ich der biblischen Überlieferung aus den benannten Gründen skeptisch gegenüberstehe und nicht an einen dreieinigen Gott glaube, sehe ich doch einen essentiellen qualitativen Unterschied zwischen dem Neuen Testament und dem Koran, basierend auf Auszügen, die ich aus letzterem kenne. Ob Jesus sich buchstäblich für Gottes Sohn hielt, oder metaphorisch darauf hinweisen wollte, dass alle Menschen Gottes Kinder sind, können wir nicht wissen. Es ist eine Glaubens-, respektive Vertrauensfrage im Hinblick darauf, ob man dem überlieferten Schrifttum wörtlich Glauben schenkt.

Gnostisch interpretiert liegt die zweite Auffassung nahe. Und man muss nicht Christin sein, um aus der Bibel wie auch aus anderen heiligen Schriften symbolischen Sinn-Wert zu ziehen. Es gibt darin Muster, die sich überschneiden; diesen gilt mein persönliches Interesse.

mila hat gesagt…

Und noch etwas, was mir wichtig scheint: Mohammed schrieb selbst, Jesus hat gerade das nicht getan. Ich wäre insofern bei diesem vorsichtig mit der klinischen Diagnose einer Manie; unser 'Wissen' beruht sozusagen ausschliesslich auf Zeugnissen anderer.

Katharina hat gesagt…

Fufi:

Ich weiss ehrlich nicht, was Du mir mit 'Das "CHRIST"-entum ist entstanden, als es da welche gab wo schnallten, dass DAS wo JvN sagte, den NERV des Judentums traf. Sozusagen! ' sagen willst. Was meinst Du mit den Nerv des Judentums treffen?

Katharina hat gesagt…

Mila:

Das aramäische Ab’ba wurde damals, also in den frühen Jahrhunderten CE als Title der Ehrerbietung gegenüber Rabbis benutzt. Es wird so im Babylonischen Talmud (Berakhot 16b) erwähnt. Später wurde der Titel auch für Bischöfe der Koptischen, Syrischen und Äthiopischen Kirchen verwendet. Der Bischof von Alexandrien hatte diesen Titel (‚Papa‘), woraus dann in der Katholischen Kirche Papst wurde. Das Englische abbot und abbey ist aber etymologisch die direktere Abstammung von ab’ba.

Die jüdische Sanhedrin wird in der ältesten Niederschrift der mündlich überlieferten Tora, der Mishna, als sanhedrîn, griechisch synedrion (zusammensitzen) erstmals erwähnt. Mishna ist die von den Rabbis mündlich überlieferte Interpretation der Tora. Sie wurde in der Zeit der römischen Besetzung Judäas niedergeschrieben, aus Angst vor einer Diaspora. In römischer Zeit war es die Versammlung des Rates der 71 jüdischen Weisen, das höchste Gericht und Legislative in Judäa.
In Berakhot 16b wird gesagt, der Vizevorsitzende der Sanhedrin habe den Title ‚Av, oder Vater der Sanhedrin‘. Av und ab’ba sind etymologisch verwandt.

Betrachten wir nun das Leben JvN als das eines wandernden Rebbe, der seine eigene Interpretation der jüdischen Überlieferung predigte:
Ich denke wir können sagen er sei unorthodox, unkonventionell gewesen. Einer der sich auflehnte gegen Orthodoxie, oder modern gesagt, Indoktrination, ‚reine Lehre‘, Dogma und dem Verbot, selber zu denken. In dem er JHWH mit dem Titel ab’ba ehrt, sagt er, sein höchster, weisester Rabbi, und wirkliche Quelle der Anweisungen, sei JHWH selbst, nicht die verkrusteten (orthodoxen, nicht mehr selber denkenden) Mitglieder der Sanhedrin. Da ab’ba eine Doppel Bedeutung hat (so wie viele Substantive im hebräischen) ergibt sich natürlich auch die Implikation Sohn. Selbstredend ist zuallererst diese Ehrerbietung eine Insubordination gegenüber dem Establishment. Er sagt damit aber auch, dass die Sanhedrin in ihrer dogmatischen, das eigene Denken verbietenden Institution unjüdisch ist, denn die Essenz der jüdischen Lebensweise ist das kontinuierliche Reflektieren des eigenen Lebens mit den tradierten Schriften, als ständiger Dialog, und einem Finden der Bedeutung für den Moment im Leben und dessen Umstände, wie sie sich nun zum Zeitpunkt der Meditation, und wichtig!, dem Gespräch in der Gemeinde und Familie, sich entfaltet. Es ist also ein Dialog mündiger Erdenbürger damit, was JHWH als Anleitung und Betrachtungshilfe uns geschenkt hat. Shabath, der freitags nach Sonnenuntergang als Treffen im Kreis der Familie anfängt, ist der Kern und Quelle der Kraft dieser Tradition, nicht Edikte aus einer Institution. Aus dieser Tradition entstand die über die Millenia und bis heute lebendige Kultur der immer fortwährenden Auseinandersetzung, was jene Worte jetzt und hier für uns in unserer Lebenssituation bedeuten. Oder kurz: jüdisch und orthodox ist genaugenommen ein Oxymoron.

In dem Sinn kann JvN auch als einer gesehen werden, der auf das Fundament zurück verwies, und mit ‚JHWH ist mein ab’ba‘ die Dekadenz des Establishments von Judäa geradezu verhöhnte, bzw. damit, was dann mit ihm gemacht wurde, entlarvte. Vielleicht ist er der Archetyp des Rebellen gegen Oligarchie und FUER den mündigen Erdenbürger. Diejenigen, die, was er sagte, später niederschrieben, taten dies wohl aus der gleichen Motivation, wie diejenigen, die die Mishna niederschrieben, nämlich eine Tradition zu bewahren, die vor der Verfolgung und Diaspora geschützt werden musste. Denn: damals wie heute sind alle, die selber denken wollen, oft ungeliebt und oft Verfolgung oder Diskriminierung ausgesetzt. Denn selber denken ist die ultimative Insubordination. Rebellen haben es an sich, dass sie, je mehr Druck gegen sie gemacht wird, von ihrer Mission besessener werden – oder geradezu manisch, nicht im klinischen Sinn. Ich mag das Wort Besessen nicht, weil es die andere Seite, der archetypische Satan, oder sagen wir die dunkle Seite des im Menschen angelegten JHWH, manifestiert.

Katharina hat gesagt…

Mila,2:

In uns angelegt bedeutet dann sicher auch, dass wir alle Kinder dieses Prinzips sind – oder wie ich oft sage, Sternenkinder, denn gebaut sind wir aus Sternenstaub, oder dem sich uns im kosmologischen Gemälde offenbarenden Prinzip JHWH.

Du siehst, gnostische Exegese und politische Exegese sind keine Dichotomie.

Aber ich könnte eine solche Exegese mit dem wenigen, das ich über den Koran weiss, nicht machen.

p.s. In der Nacht auf heute hatte ich schreckliche Albträume. Vielleicht hat es mit meinem Post vom 11. Februar 2015 um 17:22 zu tun. Ich (oder JHWH?) straft mich sofort.

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