Ich danke Orlando für die Anregung!
Ihr findet den vollständigen Text hier:
Hier eine Zusammenfassung:
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Ich kann mich gut erinnern, als die US-Truppen Saddam in einem Loch aufgriffen. Ich weiss auch noch, als wäre es gestern gewesen, als Herr und Frau Ceaucescu abgeurteilt und erschossen wurden.
Kann man sich über den Tod eines Tyrannen freuen?
Darf man?
Es flogen weltweit einige Korken, als Hitlers Selbstmord am Radio verkündet wurde.
Es ist die gleiche Frage, wie der Jubel auf amerikanischen Strassen, als Osama endlich exekutiert wurde. Mir war das damals auch zuwider.
Ist es letztlich eine Frage des Stils?.........
Aber sitzen wir diesbezüglich hier in der Schweiz nicht auch auf dem etwas gar hohen Ross? .......... Für die Libyer ist es eine Ohrfeige wenn wir kommen und ihnen vorwerfen, sie seien mit Gaddaffi jetzt doch etwas gar grob umgegangen.
Aber müsste ich Scham empfinden oder mit dem moralischen Zeigefinger aufwarten, wenn zum Beispiel die Syrier ihre dekadente, langjährige Herrscherkaste an die Wand stellt oder aufhängt? Oder dürfte ich mich sogar (mit)freuen?
Und wenn ja, dann nur verstohlen, oder unverhohlen? .........
Fragen über Fragen.
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Nun ja, dürfen wir uns freuen?
Zunächst mal ganz einfach:
Dürfen wir uns freuen, wenn eine Regierung gestürzt oder auch bloss ganz demokratisch-unkriegerisch ersetzt wird?
Bloss weil die neue UNSEREN Vorstellungen besser entsprechen mag?
Im einfachsten Fall: In D holt die SPD die Mehrheit, anstelle von CDU/CSU.
Aber sobald Gewalt ins Macht-Spiel kommt, wird's kompliziert.
Kann mir nämlich recht gut vorstellen, dass es "die Wirtschaft" freuen mag, wenn in einem Land was an Rohstoffen reich ist, das Militär einen rechtmässig gewählten "Sozialisten" wegputscht und den Rohstoffhandel in die eigenen Hände nimmt, sozusagen.
Und auch hierzulande dürften einige jubeln, v.a. wenn's Benzin und's Oel billiger würden.
Und noch komplexer wird's, wenn die Gewalt denn in Morden mündet.
Dürfen wir uns also, fragt Orlando, am Tod eines Terroristen oder eines Diktators freuen?
Ganz einfach gesagt:
JA - aber nur wenn dadurch die Welt etwas weniger gewalttätig wird.
Z.B. Egypt: Dürfen wir uns wirklich darüber aufhalten, wenn die AegypterInnen in einigernassan fairen Wahlen nun die "Muslimbrüder" zur stärksten Fraktion im Parlament gewählt haben. Dürfen wir wirklich?
Hierzu ein Ausschnitt aus einer von fufis Arbeiten - er stammt aus dem Jahr 1993:
Die gegenwärtige Welt präsentiert sich dem Beobachter nicht nur in religiöser, sondern in umfassender Hinsicht in einem ziemlich verwirrten Geisteszustand. Positiv könnte dies als 'Pluralismus' bezeichnet werden, doch faktisch stehen eine Vielzahl von meist disparaten weltanschaulichen Strömungen miteinander in Konkurrenz oder unverbunden nebeneinander, sodass der Begriff 'heilloses geistiges Durcheinander' die Lage zutreffender beschreibt.
Von ebensogrosser Bedeutung ist auch der Zusammenbruch des kommunistischen Weltreiches, indem sich von daher einerseits eine Tendenz zur Absolutsetzung der eigenen politischen Weltanschauung ergibt, da sich ja das westlich-kapitalistische System als das wahre erwiesen haben soll, und der bedauerliche Verlust des ehedem einigenden Feindbildes andererseits zur Notwendigkeit geführt hat, neue Abgrenzungen, im Klartext: sich neue Feinde zu schaffen, was ebenfalls durch die Verabsolutierung der eigenen Position erreicht wird. Das Resultat zeigt sich in einer grundsätzlichen Abwehrhaltung allem Fremden gegenüber, jedenfalls sofern es sich nicht in konsumierbarer Form einverleiben lässt, und im religiösen Bereich als beängstigendes Wiedererstarken von Antisemitismus und 'Antiislamismus'.
Symptomatisch dafür ist beispielsweise die Tatsache, wie Afghanistan nach Beendigung des Krieges zwischen den vom Westen gesponserten Mudjaheddin und der kommunistischen Besatzungsmacht vergessen wurde, und wie sich die vereinte westliche Welt nunmehr angeekelt abwendet, wenn dort eine Islamische Republik ausgerufen wird.
Dürfen wir uns freuen ob dem Tod eines Menschen?
Letztlich spielt's ja keine Rolle, ob da ein Tyrann - auf welche Weise auch immer - zu Tode gekommen ist, oder ob der böse Nachbar sich woandershin aufgemacht hat.
Je nach Lebenssituation kann's ja auch der Tod des Vorgesetzten sein, der Mutter oder des Erbonkels.
Ich glaube, niemand würde privatim leugnen, sich ob dem Tod eines - gelinde gesagt: unangenehmen - Menschen zu freuen. Und dennoch würde niemand das öffentlich zugeben.
Um Gottes Willen: NEIN!
Ich freu mich bloss ob der neuen Situation, die sich nach seinem/ihrem Tod ergeben hat.
Soso?
49 Kommentare:
off topic, aber's hat auch mit Moral zu tun, glaub?
Die "Bürgerlichen" wehren sich gegen eine "Selbst-Deklarationspflicht", wonach ausländische Anleger bei CH-Banken schriftlich erklären sollen, dass ihr in der CH angelegtes Vermögen im Heimatland ordnungsgemäss versteuert werde.
Kannitverstan?
Absurdistan?
OnkelDagobertistan!
Und schon wieder off topic.
Aber sehr interessant, zum Thema: Wersind wir und wer wollen wir sein?
http://www.drs.ch/lib/player/radio.php?audiourl=rtmp%3A%2F%2Fcp23910.edgefcs.net%2Fondemand%2Fmpc%2Fdrs1%2Ftagesgespraech%2F2012%2F02%2F120206_tg_vonmatt.mp3&sg=10000031&sh=10211360&type=popup&skin=srdrs
PS@Fufi: Du weisst doch sicher, welches 'traitement' Roger Waters für missliebige PolitikerInnen vorgesehen hatte?
Take all your overgrown infants away somewhere
And buildt hem a home
A little place of their own
The Fletcher Memorial Home for incurable tyrants and kings
They can appear to themselves every day
On closed circuit tv
To make sure they're still real
It's only connection they feel
''Ladies and Gentlemen, please welcome
Reagan and Haig, Mr Begin and friend
Mrs Thatcher and Paisley, Mr Brezhnev and party
The ghost of McCarthy
And the memories of Nixon
And now adding colour a group of anonymous Latin American
Meat packing glitterati''
Did they expect us to treat them with any respect
They can polish their medals and sharpen their smiles
And abuse themselves playing games for a while
Boom, boom, bang bang, lie down you're dead
safe in the permanent gaze of a cold glass eye
Their favourite toy
They'll be good girls and boys
In the Fletcher Memorial Home for colonal wasters of life and limb
Is everyone in?
Are you having a nice time?
Now the final solution can be applied
http://www.youtube.com/watch?v=AqonCo0A68o
Damit ziehe ich mich selbst nun definitiv(st) in eine retraite unter Kollegen zurück. Sorry fürs Überstrapazieren der Lese- und gegebenenfalls auch der Hörmuskeln.
Wobei, das hier sollte zwecks besserem Verständnis hinzugefügt werden:
"The Final Cut was about how, with the introduction of the Welfare State, we felt we were moving forward into something resembling a liberal country where we would all look after one another... but I'd seen all that chiselled away, and I'd seen a return to an almost Dickensian society under Margaret Thatcher. I felt then, as now, that the British government should have pursued diplomatic avenues, rather than steaming in the moment that task force arrived in the South Atlantic." - Roger Waters
(Zum Hintergrund: "The Final Cut is an anti-war concept album, whose lyrics explore what Waters regards as the betrayal of fallen British servicemen—such as his father—who during World War II sacrificed their lives in the spirit of a post-war dream. This post-war dream was that their victory would usher in a more peaceful world, whose leaders would no longer be so eager to solve disputes by resorting to war. The album's lyrics are critical of Thatcher, whose policies and decisions Waters regarded as an example of this betrayal.")
Hm, mila, für grosse Teile der Welt war die Zeit seit dem zweiten Weltkrieg ja in der Tat eine "more peaceful world whose leaders would no longer [...] solve disputes by [...] war". Insofern war es kein Verrat. Was ich allerdings festhalten will, ist dass die Gegenwart keineswegs das ist, was den im Krieg im Kampf um eine bessere Zukunft gekillten vorgeschwebt ist. Die Gegenwart ist gleichzeitig viel besser und viel schlechter als die Gegenwart der Dreissiger.
Die Verheerungen von Margaret Thatcher werden noch lange nachhallen. Nicht nur in England, auch in vielen anderen Ecken der Welt. Denn England war in den Achzigern ein grosses Vorbild.
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Meine Antwort zum Thema ist eigentlich bekannt. Keiner der Diktatoren hätte gekillt werden dürfen (und sollen). Wenn die Unterdrückten von Ghadafi ihn um die Ecke bringen, dann habe ich aber natürlich viel mehr Verständnis als wenn ein Trupp Amis um die halbe Erde fliegt, ObL in einer Residenz irgendwo standrechtlich erschiesst und seine Asche danach über dem Meer entsorgt. Das ist sehr falsch. Und zwar nicht, weil es Amerikaner waren. Es wäre genauso falsch gewesen, wenn es Serben, Deutsche, Nordkoreaner oder Israelis gewesen wären. Nein, sondern einfach weil ich ihn so gerne in Den Haag gesehen hätte, damit die Ungereimtheiten von 9/11 etwa endlich etwas untersucht würden. Denn auch nach über zehn Jahren sind wir hier noch nicht annähernd dran, zu verstehen, was geschehen ist. Und bitte, ich hänge hier keiner Verschwörungstheorie an. Ich sehe einfach die uns präsentierten Fakten und erkenne, dass die so gar nicht zu einander passen.
fufi, Dein Text ist gut und hübsch ausgeglichen, und er stellt ja eigentlich nur Fragen. Viele von uns haben Antworten drauf, unterschiedliche, und wenn wir begännen, sie hier vorzubringen, dann hätten wir wasgischwashäsch den grössten Krach hier. Auf den ich im Moment keinen Bock habe, fufi, sorry.
Bei manchen Patienten freue ich mich, wenn ihre Frau berichtet, dass sie gestorben sind, und besonders, wenn sie berichtet, dass sie gut gestorben sind. (Geschlecht austauschbar, nur scheint es andersrum weniger oft vorzukommen.) Why not? Wenn einer oft genug gesagt hat, er möge so nicht mehr, das sei kein Leben mehr, und er hoffe, es gehe nicht mehr lang... Einer ist sogar mal mit Exit gestorben, ohne mein Zutun, aber auch ohne meine Missbilligung. Aber Fufi, das war glaubich nicht ganz, was Du gemeint hast?
Gute Nacht.
Gute Nacht.
Ja, Tiger
Da gibt's denn schon mehr Fragen als Antworten.
Fakt ist (naturwissenschaftlich):
Alle freuen sich über den Tod eines "gehassten" Menschen (und damit wird's geisteswissenschaftlich!)
Sollen/dürfen "wir" das, was ist, verurteilen, weil es NICHT DAS ist, was "wir" wollen, das es sei?
http://www.youtube.com/watch?v=tbArUJBRRJ0
Liebe Anna-Meta
Nein, so hab ich's nicht gemeint.
Aber du hast damit einen ganz anderen, lass mich sagen: liebevollen Aspekt eingebracht!
Würde mich sehr freuen, wenn du dazu mal eine CB beitragen möchtest!
Was fufi betrifft:
Der hat sich nämlich auch gefreut, dass sein Vater, nachdem er und vor allem fufine ihn zwei Jahre lang betreut haben, hat "gut" sich von dieser Welt verabschieden können.
Vor allem hat sich fufi aber darüber gefreut, dass dieser Mensch sich von DIESER Welt verabschiedet hat.
Er war nämlich KEIN "Vater", und schon gar kein lieber!
Aber gäll, das bleibt unter uns?
Nun ja, eigentlich wollte ich ja nicht, dass ich DARAUF hinauslaufe.
Aber vielleicht freut sich Freud, dass ich's denn jetzt doch tu!
S'ist jedenfalls so, dass fufi sich jedesmal gefreut hat, wenn eine Grossmutter, ein Grossvater, eine Tante, ein Onkel, ein Götti, eine Göttin und vor allem die Mutter und der Vater gestorben sind.
Mit allem, was nicht mehr da war, war was nicht mehr da, was ihn schimpfte, verachtete, ihm sein Lebensrecht als eigenständiges fufi absprach.
Jetzt ist da bloss noch ein Brüderli, das noch immer davon überzeugt ist, dass das Müetti deshalb an Multipler Sklerose gestorben ist (das tat sie), weil sie sich derart über den fufi ärgern musst, weil fufi nicht SO war, wie's Müetti wollte, dass der fufi zu sein habe!
Und zudem ist's Brüderchen noch heute davon überzeugt, dass fufi daran schuld ist, dass es an Sarkoidose leidet. Das haben ihm nämlich s'Müetti und de Vatti immer gesagt, dass fufi daran schuld sei.
Naja, da hat fufi ja noch gewisse Hoffnung, dass auch das Brüderli ... !?
Sorry rundum
Ich wusste, dass diese Pferde früher oder später mit mir durchgehen würden.
Nun denn, sie sinds!
http://www.youtube.com/watch?v=Xb3fZmkzy84&ob=av2n
Fufi, oweh. Das ist eines der merkwürdigsten Konzepte von Autoimmunerkrankungen, das mir je untergekommen ist. Aber wahrscheinlich sagen das die Leute auch nicht vor den Töktern.
Cartes Blanches zu medizinischen Themen sind mir zu anstrengend, ebenso zu politischen, aber einen Versuch zur Kindermusik habe ich inzwischen geschickt und dabei natürlich wieder die Hälfte vergessen. Macht nix, ich will sie nicht nachholen.
Gute Nacht.
Zum Thema: wir sollten uns über Herkunft, Ausprägungen und Wirkungen unseres Mitleids-Ethos einmal gründlich Gedanken machen.
Ja, ich sage "wir", ihr Christenleut'!
Herkunft, Ausprägungen und Wirkungen unseres Mitleids-Ethos? Wie wärs zum Auftakt mit einer Grundüberlegung:
Welcher (masochistische) christliche Glaubensteufel hat Dich, Fufi, denn geritten, die Pflege der Un-Eltern bis zu ihrem Tod zu übernehmen? Und welcher (sadistische) teuflische Engelsflüsterer hat den Hass, den selbige in Deinem Herzen angesäht haben, weiter kultiviert: zu Deinem Schaden? Wenn das das Ergebnis christlichen Mit-Leid(en)s sein soll, dann verzichte ich dankend darauf.
Den Bruder hätte ich, wie die Eltern, an Deiner Stelle längst zur Hölle geschickt. Mich ein für allemal von ihrer Bösartigkeit gelöst, um mein eigenes Mach-Werk zu werden.
mila, man liebt die Eltern, auch wenn man nicht zurückgeliebt wird, das geht vielen Leuten so. Eltern müssen die Liebe ihrer Kinder nicht verdienen meist. Christliche Gründe braucht es dafür nicht.
Und irgendwie ist man gebunden. Denn bei vielen ist halt ganz tief drin: Wenn es schon in der Familie nicht klappt, wie soll es denn im grösseren Rahmen klappen? Also versucht man mit aller Kraft (und vergeblich) es zum Klappen zu bringen.
@mila am 8. Februar 2012 08:13
Lieben Dank dafür! EHRLICH!
Hab dich glaub richtig verstanden.
Mag dazu jetzt nicht viel mehr sagen als das:
Wer hätten den alten Sack denn sonst "begleitet", wenn nicht vorab fufine, und auch ich?
Der wäre ja jämmerlich in seiner Messie-Hütte verreckt.
Und "am Schluss" wär's ja eh auch wieder an mir gelegen ...!
Aber, nicht nur an Mila, sondern an alle hier:
Darf ich dazu mal was schreiben?
Was meint ihr?
Warum nicht? Ganz schwieriges Thema. Ich kenne eine einzige Frau in meinem Alter, die es geschafft hat, die emotionale Nabelschnur zu einer Mutter zu kappen, die ihr alles andere als gut tat. Und mehrere andere Menschen jeden Alters, die sich an den Eltern abmühen ein Leben lang. Das geht bis zur Neunzigjährigen, die bei jeder Konsultation abwechselnd mit einer anderen Tochter an der Schwelle zum Rentenalter auftaucht, eine so verdrückt wie die andere, und eisern Forderungen an alle rundum stellt.
Du darfst in deinem Blog alles, Fufi!
Kennst du Schopenhauer? Das Leiden der Welt?
Fufi, ich schliesse mich meinen Vorrednern an: bring it on. Vertreibe die Pferde-Geister.
Los fufi, ich will Dir Mut machen. Ich weiss, den braucht's. Ich hoffe, dass sogar O diesmal dezent bliebe.
Thanks all together!
Wie sagte doch schon der alte chinesische Weise Fu Fi:
Bloss wer die Hölle kennt, weiss den Himmel zu schätzen!
Möchte dazu noch was mulikalisches beitragen. Hab lange überlegt, und meine DAS könnte passen:
http://www.youtube.com/watch?v=D_de22l2Ghc&feature=related
and finally
http://www.youtube.com/watch v=OTHRg_iSWzM&feature=related
Sorry, der LETZTE (?!?) Link sollte dieser sein:
http://www.youtube.com/watch?v=OTHRg_iSWzM&feature=related
Wahrscheinlich einer der besten Songs der Sechziger... :-)
Ich schliesse mich dem Vorredner an.
Ist ja schon überaus krud. Von Dir, Katharina? Uaa, wie verdreht muss Dein Kopf sein.
De gustibus non est disputandum.
Es ist wie ein Autounfall, man kann nicht anders als hinstarren.
Grossartig.
Katharina
Hab's glaub verstanden?
Mir meinerseits fehlen die Worte, obwohl ich viele Wörter kenne.
Am nächsten kommt vielleicht F. Dürrenmatt mit den letzten Sätzen in der Kurzgeschichte "Der Tunnel"
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tunnel_(D%C3%BCrrenmatt)
frei adaptiert:
Was können wir tun? - NICHTS!
Katharina:
Was können wir tun? - NICHTS!
Katharina, mein Kompliment: ein ausser-ordentliches Stück, in jeder Hinsicht. Es führt kunstvoll vor Augen, dass plastische Überzeichnung einen wichtigen Zweck in der Literatur erfüllt, indem sie gut versteckte (individuelle) Heucheleien und (gesellschaftliche) Doppel-Moralitäten ans hässliche Tageslicht zerrt.
Nun, Katharina:
Ich mein's aus Sicht der "Aufgegriffenen" in deinem Text.
Und ganz besonders interessant ist ja, dass die Geschichte in einer ersten Version SO endete:
"Gott ließ uns fallen, und so stürzen wir denn auf ihn zu.“
Und dasss der alte Fritz DIESEN Satz später strich!
Ehrlich gesagt, ich finds ohne diesen Satz auch um Lichtjahre besser!
PS@Katharina: Ich könnte es auch anders formulieren: Anstand als blosse Fassade ist Wohlanständigkeit, jedoch keine ethische Prinzipientreue. Insofern eine Lachnummer. Genauso wie Manieren noch lange nicht von Haltung zeugen, Gebaren nicht von Takt, und äussere Form nicht von Charakter. Von Niveau ganz zu schweigen.
Einfach nur gruuuuusig, Katahrina. Qualität: unter Null.
Katharina, ist das aus dem Leben des Fürsten Vlad, der historischen Figur, dem dann Dracula nachempfunden wurde?
Absolut schrecklich! Noch schrecklicher, wenn man sich bewusst wird, dass es sich tatsächlich so oder ganz ähnlich zugetragen haben soll.
Katharina, magst Du Dich erinnern: du hattest einen Teil dieses Traumes schon vor gut einem Jahr in der Bar geposted, und ich habe damals die gleiche Frage nach Vlad Tepes gestellt. Ist das ein Thema, mit dem Du Dich näher beschäftigst, oder dient die Figur des Fürsten lediglich als Inspirationsquelle? Oder anders gefragt: beschäftigst Du Dich systematisch mit Gewalt?
Der Text stellt die Frage nach dem Tyrannenmord. Sie wird auf der Alltagsebene oft durch den Pöbel gelöst (Ghadafi, Saddam Hussein). Und auf ethischer Ebene: Ist das erlaubt oder nicht? Darf man mit Mitteln, die man sonst ächtet, ein grösseres Übel bekämpfen? Auf diese Frage habe ich noch keine Antwort gefunden, vielleicht weiss jemand mehr.
"Extraordinary times call for extraordinary measures" - sagt Gola Meyr im Film "Munich" von Spielberg.
Auge für Auge, Zahn für Zahn.
Ein sehr jüdisches Thema, wir erinnern uns, dass zu den Geburtswehen (die bis heute andauern) des Staates Israel auch die Entführung, Verurteilung und Hinrichtung Adolf Eichmanns gehört. Die Strafexpedition gegen die Hintermänner des München-Attentats auf die israelische Olympia-Mannschaft 1972 gehört ins gleiche Kapitel der Geschichte eines Volkes, das vom Priestertum und Gotteswortbewahrertum Abschied nahm und zur Kriegernation wurde.
Und damit gleichsam einen Bruch herstellte zu den selbstgerechten, pazifistischen, Nation-auflösenden, überall-dabei-aber-nirgends-wirklich, teils den Wirtevölkern hochmütig bis verachtend gegenüberstehend, teils grotesk überassimilierten Verhaltens ein Ende bereitete und als starke Nation in das Konzert der Völker zurückkehrte. Now and forever Israel - aber das ist eine andere Geschichte.
Wir werden nicht umhinkommen, uns mit unserem eigenen, christlichen Mitleids-Ethos das machtvoll hinausstrahlt in unser säkuläres Zeitalter mit seiner Sozialstaat-Ersatzreligion zu befassen, wenn wir (in "nach-christlicher Moral" - hahaha) die von Fufi aufgeworfene Frage zu beantworten versuchen wollen.
O, Deine pathetische Prosa, "wir erinnern uns", "Geburtswehen", "machtvoll hinausstrahlt in unser säkulares Zeitalter", Gott, ist ja peinlich. Wie wäre es mit einer etwas normaleren Wortwahl?
Pathos macht Beleidigendes nicht gut.
Wer Worte hat, ist im Vorteil. Immer. Durchschnittsblabla möchte niemand hören, ausser der Service Public gehörte zu seinen bevorzugten Medien.
Soviel zum Thema 'Positionen beziehen'.
Tigri schau mal im August-den-Arsch-versohlen-Thread nach. Ist die meine Wortwahl dort genehmer?
Na also, gern geschehen.
Wo?
Ah ja, mila, ich denke, mein Vokabular ist ganz in Ordnung. Ich verzichte halt auf Wörter, die nur da stehen als Ornament. Ich will, dass ein Wort, das ich brauche, nötig ist und richtig. Und ich will nicht, dass mein Stil den Moder ausströmt von zweihundert Jahren Grabesruhe oder runden Fenstern in grossen Klavierzimmern in Villen.
Dass ich langweilig schriebe, hat noch niemand gesagt.
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