Samstag, 5. April 2014

Ich will SEIN was ICH sein will


Aber Hallo, meint da der Philosoph und kratzt sich skeptisch am Ohr und fragt:


Wer warst du denn, als du noch nicht warst?
Und Wo warst du damals?
Warst du dabei, als du seiend wurdest?
Hast etwa DU dich ins SEIN gebracht?
Wer wirst du sein, wenn du nicht mehr sein wirst?
Und wo?


Aber dennoch willst du also dein SEIN selbst bestimmen?

Du kannst und darfst dein Verhalten selbst bestimmen,
aber bitte halte dich dabei an die Regeln.
Aber du willst mehr, und vor Allem was ganz anderes:
Du willst nämlich von ANDEREN SO gesehen werden wie DU willst,
dass SIE dich sehen SOLLEN.

Du willst nämlich gar nicht SEIN,
sondern von ANDEREN dazu GEMACHT werden,
was DU gerne SEIN(?) möchtest!




13 Kommentare:

fufi hat gesagt…

The Moody Blues - In the Beginning

https://www.youtube.com/watch?v=WTHoKEd-Gjo

fufi hat gesagt…

Ach ja, und das wirklich EINZIGE was wer zu seinem SEIN beitragen kann ist, dieses sein SEIN zum NICHT-SEIN zu bringen.
Und DAS ist ja eigentlich wirklich keine SEINS-Option?

Atheist hat gesagt…

Welches übergeordnete "Es" masst sich hier an, über "mich" so zu sprechen?

Orlando hat gesagt…

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Der-Hafenkran-wird-national-und-international-fuer-Furore-sorgen/story/29286187

Die Frage ist eigentlich nie, ob etwas Kunst ist oder nicht. Die Frage lautet: Ist es gute Kunst oder schlechte?

Man muss nur schon die drei Komponenten betrachten, die das "Kunstwerk" (sie nennen es ja: "Intervention im öffentlichen Raum"...) ausmachen:

1) Herkunft/Entstehung: Eine erschütternd kreative Co-Produktion aus Verwaltungsangestellten ("Kunst am Bau") und ein sogenanntes Künstlerkollektiv, das waaaahnsinnig originell ist (Jan Morgenthaler begeisterte schon in den Neunzigern mit der Idee eines Denkmal-Friedhofs und brachte ins einer Karriere immerhin schon eine Ausstellung mit Künstlern aus dem Iran zustande, respect!). Nicht ein Wettbewerb oder gar ein genialer Einfall steht am Anfang des Projektes, sondern ein Verwaltungsakt. Zahllosen Kommissionssitzungen wurde der Kran als non plus ultra Furz verkauft, bis sich niemand mehr traute, dagegen zu sein.

2) Die Finanzierung: vollständig von der öffentlichen Hand finanziert (sehr kreativ sind die Konzeptkünstler nicht, wenn es um Sponsorengelder geht...), gegen politische Widerstände durchgekotzt, resp. -boxt. Dafür faselt man etwas von Heerscharen an "kunstaffinen" Touristen aus Paris, Mailand und Berlin, die nach Zürich strömen werden, um das "Kunstwerk" zu sehen...als ob man dies nicht auch auf einem Bild könnte. Ich wage zu behaupten: Soooo spannend ist diese behauptete Raumwirkung dann doch nicht, dass jemand deswegen extra nach Zürich kommt, es sei denn, er hat noch ein Schliessfach in einer Bank, dessen Inhalt er wieder mal betrachten möchte.

3) Das Objekt selber: Ein Kran aus Rostock ist ein Kran aus Rostock ist ein Kran aus Rostock. Das wirklich Spiessige am Ganzen ist ja die konzeptuelle Aufladung dieses pensionierten Rosthaufens mit pseudo-originellen, vollkommen sinnfreien Worthülsen wie "Archäologie der Zukunft" und der Konstruktion einer schon fast haarsträubend unbeholfenen Rahmengeschichte der "Freilegung" des Objekts. In der postulierten Sehnsucht Zürichs nach Meeranschluss ("Zürich Transit Maritim") wird auf etwas peinliche, dabei grössenwahnsinnige Weise die verklemmte Mentalität der Zwinglistädter offenbar: Obwohl Zürich heutzutage mehr Piraten, Handelsleute und ausländische Gelegenheitskriminelle nebst den Huren aus aller Welt und schwulen Matrosen beherbergt, als die echten Hafenstädte, muss man sich an einem grossen rostigen Phallussymbol laben, um seine "Weltoffenheit" "Kulturaffinität" und Sehnsucht nach Weite (Weite des Schliessmuskels?) zu demonstrieren.

Fazit: Konzeptkunst darf alles, es ist aber keineswegs immer gut. In der Gebetsmühle selbstreferentieller Beliebigkeit wirkt einiges doch entlarvend kleinbürgerlich, stümperhaft, peinlich und idiotisch. Und dann stehen alle rum bei der Vernissage und grinsen doof in die Höhe, lauschen inhaltsfreien Reden zu, die nicht einmal den Versuch unternehmen, dem Depp von Steuerzahler zu vermitteln, worin die Qualität dieses Kunstobjekts besteht und klopfen sich gegenseitig auf die Schultern, dass jetzt dieser Kran hier steht.

Und keiner weiss, warum.

fufi hat gesagt…

@Atheist

Da hat KEIN ES, und schon gar kein "übergeordnetes" sich angemasst, über DICH zu sprechen.

Da hat bloss ein Weiser drüber nachgedacht, ob du denn warst, als du noch nicht gelebt hast. Und ob du denn sein wirst, wenn du tot bist.
Und ob du deine schiere Existenz anders ändern kannst, als dass du dieselbige zusammen mit dir vernichtetst.

Es geht NICHT um's SO oder Wasweissichimmer-SEIN, sondern ums blutte Sein!

Aber wenn du willst übernehme ich gerne die Rolle des übergeordneten "es". Bloss würdest du davon kaum was merken!

fufi hat gesagt…

@Orlando

Welcome back!

Weisst du, was es gibt, wenn der Hafenkran mit dem Örbi gekreuzt wird?
Bürgernahen Schrott!

Aber freuen wir uns doch auf all die neuen Vespa-Wege, wo jetzt in Zürich gebaut werden werden!

Tiger hat gesagt…

Nettes Thema, fufi. Dazu: "Du willst nämlich von ANDEREN SO gesehen werden wie DU willst, dass SIE dich sehen SOLLEN." nur das hier: Ich will eigentlich dass jeder mich so sieht, wie er das halt tut. Das darum, weil ich weiss, dass das selten wirklich schädlich oder auch nur nachteilig ist für mich. Manchmal schon, schade. Aber ich will in der Tat nicht, dass die Leute sich falsche Ideen machen über mich (so, wie zum Beispiel Katharina vor drei Jahren oder so). Das macht mich betroffen.

Tiger hat gesagt…

Kunst. Nicht ein sehr sehr leichtes Thema. Was aber nervt ist nicht so sehr die Kunst, sondern manche Künstler. Gewisse davon sind extrovertierte, oberflächliche, geldgierige, dumme, eitle Idioten (meist gelten nur ein paar wenige der Adjektive). Stimmt. Gewisse davon sind aber sehr nette Gesellen, kreativ, mit tiefsinnigen Gedanken, rücksichtsvoll, anständig, lustig, interessant.

Warum Zürich einen Hafenkran braucht, das sehe ich so halb ein. Es ist halt in der Realität so unpassend, dass es Kunst ist. Allerdings ist die Aktion schon etwas teuer. Aber haben wir das Geld etwa nicht? Geben wir nicht für viel viel Dümmeres viel viel mehr Geld aus? Zum Beispiel für den Gripen?

Hafenkran hat gesagt…

Wann merkt der Orlando, dass seine biederen Stänkereien ziemlich uncool sind?

Tiger hat gesagt…

Bieder ist cool, für Orlando.

fufi hat gesagt…

@Tiger am 10. April 2014 10:45

Es gibt da so einen Spruch wo heisst: "Du kannst nicht NICHT kommunizieren."
Und der Spruch ist sogar wahr!

Und der heisst, mutatis mutandis:
Du kannst NICHT auf die Lebensbühne treten, ohne eine Figur = Rolle zu spielen!

Steppenwolf - Life is a gamble
https://www.youtube.com/watch?v=On_HTQdd6Vo

Tiger hat gesagt…

Paul Watzlawick stellte 5 Grundregeln (pragmatische Axiome) auf, die die menschliche Kommunikation erklären und ihre Paradoxie zeigen:
1. Man kann nicht nicht kommunizieren
2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung
4. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten
5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

Gescheiter Mann, dieser Watzlawick.

Schulz von Thun hat darüber hinaus noch festgestellt:

Eine Mitteilung einer Person an eine andere ("Kann ich ein Bier haben?" in der Beiz) funktioniert auf vier Ebenen, der Sachebene ("Ich will ein Bier."), der Beziehungsebene ("Wäre schurig nett von Dir, wenn Du ein Bier brächtest."), der Selbstoffenbarungsebene ("Puoh, hab ich Durst eh.") und der Appellebene ("Bier her jetzt.").

fufi hat gesagt…

Ja, Tiger, der Watzlawick!!

Ich verweise auf den "Konstruktivismus" als erkennistheoretischen DENK(!)-Ansatz, und dessen Nähe zur Evolutionstheorie!

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