Freitag, 6. Juni 2014

Es gibt kein zweites erstes Mal!


Oder:
die unheimliche Macht der Ordinalzahlen!

Wir können tun, was wir wollen, oder sogar lassen, was wir wollen.
Aber ALLES was wir tun oder lassen,
können wir nur EINMAL zum ERSTEN MAL tun, oder lassen!

Mein erster Geburtstag


















Mein erster Freund ist im Rucksack mitgereist

























Mein erster Schultag
























Mein erster Kuss















Banal, meint ihr?


Gegenteilig, sage ich!

Es gibt sonen Spruch wo heisst:
Du kannst einen ersten Eindruck nicht ein zweites Mal machen. oder so.

Und es geht ja nicht nur um einen ersten Eindruck!

Es geht um eine erste Erfahrung, wo NIEMAND ein 2tes Mal machen kann,
unter denselben Bedingungen!
Und wenn eine erste Erfahrung ein gute Erfahrung ist, dann wird sich wohl alles drauf freuen, diese Première immer und immer wiederholen zu dürfen
Zum 2ten, zu 3tten and so on. Bis, beim 24ten Mal – Holy Shit!
Der Dernière, sozusagen.


Was aber, wenn bereits die Première in die Hosen geht?

Es gibt da sone Story, ethokognitionspsychologisch gesehen, und die geht so:
Da hat sich wer um seine „Lebensstelle“ beworben und wird zum Vorstellungsgepräch eingeladen. Er ist zu früh dran und trinkt noch einen Kaffee im Starbucks, wo gleich nebenan liegt, wohin er eingeladen ist, und es ist das ERSTE Mal, dass er im Starbucks Kaffee trinkt.
Nun gibt’s 2 Möglichkeiten:
Er kriegt den Job -> Nullo Problemo
Er kriegt den Job NICHT -> wird er je wieder Kaffee trinken, im Starbucks ????

78 Kommentare:

fufi hat gesagt…

Ach ja, und wir können auch alles nur 1 mal zum letzten Mal tun.
Ob wir das denn bewusst wollen, oder meistens halt eben nicht!

fufi hat gesagt…

Obwohl es scheint's welche geben soll, wo ihren 25ten Geburtstag unterdessen schon zum 40ten Mal feiern!

Tiger hat gesagt…

Das mit dem ersten Kuss bin ich im Fall (zumindest der links im Bild). fufi, klau nicht fremde Bilder.

Orlando hat gesagt…

Lustig, das mit dem Kuss. Hättest auch den Klimtschen Kuss nehmen können.

Zum Kaffee-Fall: Was wenn er sich gleich bei Starbucks bewürbe?

Carolina hat gesagt…

Fufi, willkommen zurück - hoffentlich in alter Frische!?

Völlig off-topic:
Wir hatten heute beim Frühstück schon eine Diskussion über das Streitgespräch im Tagi zwischen Blocher und Ziegler. Ich kann es mir nicht verkneifen, aber irgendwie erinnern mich die beiden Protagonisten an Fufi und Orlando;-))

Schöne Pfingsten allerseits!

Orlando hat gesagt…

Shoah, Theodizee, Sünde, Barmherzigkeit - die Menschliche Freiheit und das Teuflische. "Adam, wo bist du?", der Vater ruft seinen Sohn. Eine bemerkenswerte Rede von Papst Franziskus in Yad Vashem.

http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/adam-wo-bist-du-1.18317199

fufi hat gesagt…

@Carolina

Kommt mir manchmal ähnlich vor. Aber eher wie Don Camillo und Peppone revisited!

@Orlando
Ich hab's nicht so mit Klimt, aber sehr mit der Brücke und den Konstruktiven.
Hätte allerdings auch einen Negerkuss darstellen können, was der Wahrheit ziemlich nahe gekommen wäre.

@Tiger
Wer hat denn gesagt, dass ich das Teil links sei?
Ist doch alles reine Interpretation, seit Conchita Banana?
:grunt:

Wünsch euch allen wunderschöne Tage!

fufi

fufi hat gesagt…

Danke für den Link, Orlando

OH JA!
Es geht um die Anthropodizee!
Es geht um die "Reichweite" von Karfreitag und Ostern!

Ich muss den Text erst genau lesen, um mich näher dazu auszulassen.
Für heute - dem Thema entsprechend: DAS war das erste Mal, wo sich der Mensch bewusst von Gott abgewendet hat - ich sage ausdrücklich NICHT: Sein Gebot missachtet hat!
Aber es war nicht das letzte Mal - seufz!

fufi hat gesagt…

Und passt bitte auf, dass Ihr morgen nicht schon morgens besoffen seid.
Sonst könnte es nämlich sein, dass einige bibelfest ChristenUndInnen meinen, es sei gerade der HG auf euch runtergetröpfelt!

Also: Erst NACH dem Kirchenbesuch saufen, bitte! Im Frieden, zum Beispiel, und wenn der zu hat im Löwen, oder pfingstgemäss in der Eintracht!

Anonym hat gesagt…

1+1 = 3.

And remember what great service many young people did for all of us on D-Day, 70 years ago.

Many where barely 18.

The lone Scottish bagpiper shall drum in your honor for ever.

Thank you.

Kat.

fufi hat gesagt…

Thats right, Kat.
But in several cases, otherwise, 1 + 1 = 1!

Oh ye!
NEVER forget the D-Day!
And NEVER, I say REALLY NEVER forget die nazionalsozialistisch-kriegerischen Hintergründe, die den D-Day denn überhaupt "nötig" gemacht haben!
Bedenkt:
EIN VOLK, EINE NATION - und schon ist's um die Menschen geschehen!
Nicht nur um ihren Verstand, sondern um ihr Leben!

Orlando hat gesagt…

Nationalismus hat nie in den Krieg geführt. Allle anderen Ideologismen wie Imperialismus, Faschismus, Internationalismus, Kommunismus, Paneuropäismus und dergleichen hingegen schon. Nicht von ungefähr war der wichtigste Punkt in Wilsons Nach-1-WK-Friedensplan (und später der UNO) das Selbstbestimmungsrecht der VÖLKER. Die Völker und ihr Nationalismus waren nie die Ursache eines Problems. Wenn man sich aber über sie hinwegsetzen wollte oder diese Einheit (zwischen Volk und Nation) aktiv bekämpfte hatte dies jene fürchterlichen Folgen, die einen D-Day erst nötig machten. Das post-68er Märchen vom Nationalismus als Ursache für Kriege ist inzwischen hundertfach widerlegt. Starke, selbstbewusste Völker in ihren souveränen Nationen haben auch das Nachkriegseuropa geprägt - zumindest im Westen. Im Osten wurde das durch eine antinationalistische Ideologie verunmöglicht, hinter der natürlich eine Hegemonialmacht stand, die in sich selber durchauseine intakte nationalistische Grundtendenz bewahrte. Das sieht man ja heute auf der Krim.
Siehe zu deinem Irrtum auch den Aufsatz des französischen Historikers in der neuen Weltwoche.

@Carolina: Das Gespräch fand ich dilettantisch gemacht. Beide hätten viel zu sagen, ich bin auch der Überzeugung, dass das reale Gespräch viel interessanter war, als diese Abschrift. Sie lassen sowohl Blocher wie Ziegler mit Gemeinplätzen davonkommen, dabei wäre gerade intersessant, was die Herren beim Nachhacken auf ihre im ersten Austausch gedroschenen Phrasen ausgeführt hätten. Man kann auch kein Gespräch über theologische Spitzfindigkeiten leiten, wenn man selber keine Ahnung von irgendwas hat. So kann Blocher gewitzt ausweichen und Ziegler noch auf jede Frage mit den hungernden Negerli antworten. Beide repräsentieren ja auch nicht eine bestimmte Richtung (obwohl Ziegler offenbar Katholik ist, was er leugnet...) sondern ein ganz individuelles, persönliches Glaubenssubstrat fern von jedem Mainstream. Fazit: interessante Idee, schlecht umgesetzt.

ABER: Es zeigt die grosse Kraft, die im Christentum steckt, wenn ein gläubiger Altkommunist und ein gläubiger Grosskapitalist zusammensitzen und vom Anderen sagen: Er vertritt absurde politische Positionen, aber ich respektiere seine Haltung, weil sie aus dem gleichen, dem richtigen Glauben herkommt!

@Kat: Ich weiss nicht recht...wennn ich in die Gesichter dieser Burschen auf der Omaha Beach blicke sehe ich bewundernswürdiger Mut, auf der richtigen Seite, auf der Freiheit und der Seite Gottes zu stehen. Zweifelsohne bedeutet dieser Tag aber auch der Untergang des alten Europa, das seit ungefähr 300 Jahren Bestand hatte. Der Untergang eines goldenen Zeitalters der Ideen, der Auslotung der Möglichkeiten, des euphorischen Vorwärtsstrebens, einer vorher und seither beispiellosen quasi betriebsam-pluralistischen Friedfertigkeit, letztlich im Mix zwischen bürgerlicher und aristokratischer Balance gedeihenden Blüte der Kultur. Die so erfolgreich war, dass sie - lange vor jeder Globalisierung - in der ganzen Welt als leuchtendes Vorbild diente, trotz ihrer vielen Widersprüche, ihrer Anfälligkeiten und ihrer chronischen Krankheiten. Für mich ist bei Omaha Beach auch Wehmut dabei. Wehmut darüber, dass Europas goldene Zeit so jämmerlich durch eine Invasion endete. Weil Europas edelstes Volk in der Mitte des Kontinents hinter einem grössenwahnsinnigen Monster hergelaufen war. Wie würdelos. Denn was danach kam, war abgesehen von Kaugummi, Bluejeans und Rock 'n'Roll nicht einfach nur besser als das Vorherige. Das lass ich jetzt einfach mal so stehen.

Tiger hat gesagt…

1+1 equals 3 indeed, at least for large values of 1, Kat.

Orlando, wisse, dass die meisten Leute, und die allermeisten Gebildeten, Dir vehement widersprechen bei "Nationalismus hat nie in den Krieg geführt." Bitte. So ein Muell. "Das post-68er Märchen vom Nationalismus als Ursache für Kriege ist inzwischen hundertfach widerlegt." Ersetze "wider" durch "be" und der Satz stimmt (nimm dann noch das "Maerchen" weg fuer etwas mehr Korrektheit)

mila hat gesagt…

Interessant finde ich den Satz, den Tom Hanks in 'Saving Private Ryan' irgendwo im letzten Drittel des Films ausspricht: Ryan nach Hause zu bringen wäre womöglich das einzig Anständige, was er (und seine Truppe) in diesem Krieg geleistet hätten (oder so ähnlich).

Diese jungen Soldaten, ja, Kinder noch, wurden nicht auf einem 'Feld der Ehre' geopfert, sie waren vielmehr Opfer der Unfähigkeit, den ersten und dann in der Folge auch den zweiten Weltkrieg zu verhindern. Ich habe es deshalb immer mit Dordje Balasevic und seinem Aufruf 'Samo da rata ne bude' gehalten; ein zeitlos strahlender Ausdruck von Tief-Menschlich(st)em, Humanem. Der Krieg hat nichts Heroisches an sich. Er ist Ausdruck von kollektivem Versagen, Konflikte auf politisch-diplomatische Art und Weise vorbeugend zu beenden. Jeder, der die Geschichte beider Kriege auch nur ansatzweise kennt, weiss das.

Übersetzung:
http://lyricstranslate.com/de/samo-da-rata-ne-bude-just-let-there-be-no-war.html

Video:
http://www.youtube.com/watch?v=tcvkenhDk7k

Tiger hat gesagt…

Ich, der ich nie in einem Krieg war, ich habe es natürlich leicht, hier mila zuzustimmen. Aber der Satz, dass jeder Krieg das Zeichen ist, dass jemand ganz gewaltig versagt hat im Vorfeld und dass dieses Versagen durch den Krieg niemals wieder gut zu machen sondern nur noch zu verschlimmern ist, ist sehr richtig (der Satz ist weder meiner noch ihrer, natürlich).

mila hat gesagt…

"Nein, dieser Abgrund kann nicht allein dein Werk sein, das Werk deiner Hände, deines Herzens" - wessen denn sonst? Niemand hat uns verdorben, kein Satan, kein Teufel. Gut und Böse sind im Dualismus kernhaft angelegt.

Mich erschreckt, wenn ich an Auschwitz denke, nach wie vor am meisten die Bürokratisierung der Tötungsmaschinerie. Wie normale Beamte, Richter, Ärzte, Krankenschwestern und Verwaltungsangestellte - Vertreter der Zivilgesellschaft (!) - zu Handlagern der totalen Vernichtung werden konnten. In der systemischen Verdichtung der Unmenschlichkeit ging dies weit über ein individuelles Böses hinaus. Und es ist, wie gesagt, kein Teufels-, sondern Menschenwerk. Von Menschenverstand ersonnen, von Menschenhand umgesetzt. Sehen wir dieser Tatsache endlich ins Auge.

Und vielleicht ist das denn auch die Lektion, die zu lernen war: unter bestimmten Umständen - und ich meine hier nicht nur die ideologische Komponente - können viele, direkt oder indirekt, zum Mörder werden. Es wäre zu fragen, weshalb es den übrigen gelang, zu widerstehen. Widerstand im Namen der Menschlichkeit zu leisten.

mila hat gesagt…

Unmenschlichkeit ist in diesem Zusammenhang eigentlich das unzutreffende Wort. Das treffende ist Entmenschlichung.

Tiger hat gesagt…

Hm, mila, es geschieht auch heute. Wir alle kennen die Fälle von den einstürzenden Textilfabriken in Bangladesch, von den ausgebeuteten Arbeitern in den Fabriken in China, von denen viele so verzweifelt sind, dass sie sich umbringen, alles im Namen unseres (nicht mal sehr billigen) iPhones, acer-Computers (den habe ich), iMacs etc. etc.

Wir sind an diesen Todesfällen mitschuldig, genau, wie es der namenlose Administrativheini im Amt war, das den Bau eines KZs organisiert hat. Wir sind nicht so schuldig wie der Polizeichef von Saigon, klar, aber doch.

mila hat gesagt…

Ein letzter Nachtrag auf folgende Bemerkung von Orlando:

"Zweifelsohne bedeutet dieser Tag aber auch der Untergang des alten Europa, das seit ungefähr 300 Jahren Bestand hatte. Der Untergang eines goldenen Zeitalters der Ideen, der Auslotung der Möglichkeiten, des euphorischen Vorwärtsstrebens, einer vorher und seither beispiellosen quasi betriebsam-pluralistischen Friedfertigkeit, letztlich im Mix zwischen bürgerlicher und aristokratischer Balance gedeihenden Blüte der Kultur."

Dieses Goldene Zeitalter hat uns nicht vor Auschwitz bewahrt; keine Renaissance, kein Humanismus, keine Aufklärung, und nicht zuletzt: kein Glaube. Der Sieg des kalten Barbarismus über zivilisatorische Glanzpunkte: das ist es, was mich mit Wehmut erfüllt. Wobei die Conquista und Kolonialisierung ebenfalls (ge-)wichtige Phänomene der alten (europäischen) Welt waren. Sie haben einen wesentlichen Keim zum Wettstreit der Mächte im 19. Jahrhundert gelegt, begleitet von Imperialismus und Militarismus. Die Industrialisierung auf Kosten von unzähligen Menschenleben in Bergwerken und Fabriken hat uns bürokratische Effizienz gelehrt; Gier kannten wir dagegen schon. Der Nationalismus (nicht: Patriotismus) hat in uns das unverrückbare Bewusstsein genährt, Teil von auserwählten Völkern zu sein. Das implizite Säbelrasseln der Aufrüstung sprengte nachhaltig das Feld der Diplomatie. Schliesslich wurden automatisierte Pläne aufgrund von Bündnissen und Ereignissen in Gang gesetzt.

Im Kern, scheint mir, gingen Profitstreben und Grössenwahn Hand in Hand. Gerade auch in der Erscheinung des (alltäglichen) Faschismus.

mila hat gesagt…

@Tiger: Unsere Kommentare haben sich gekreuzt. Ich glaube, mein letzter Kommentar gibt eine Antwort auf Deine Frage nach Verantwortlichkeit(en).

fufi hat gesagt…

Krieg, sagen sie, sei die Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln.
Mord, sagt Sir Charles Chaplin, ist die Fortsetzung des Kapitalismus mit anderen Mitteln:

http://de.wikipedia.org/wiki/Monsieur_Verdoux_%E2%80%93_Der_Frauenm%C3%B6rder_von_Paris

Silvio Berlusconi sagt:
Wenn ich andersrum keinen exorbitanten Gewinn mehr machen kann, dann kauf ich mir halt den Staat.

Aber die Falle mit den "Völkern" haben auch "die Internationalen" nicht begriffen!

Anonym hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Anonym hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
fufi hat gesagt…

Wer hat das erstmals geschrieben, Kat.`?

fufi hat gesagt…

Ach ja weisst du, DAS könnte in IRGENDWELCHEM Kontext geschrieben worden sein.
Politisch, wirtschaftlich, pädagogisch, religiös und wasweissichnochwas?

fufi hat gesagt…

Aber irgendwie, na also:

Ich wünsch euch allen einen schönen Pfingst-Abend!
Ich denke für euch!

mila hat gesagt…

Das ist Original Kat. Und es ist kontextlos gut. Wobei der Kontext eigentlich klar ist.

Orlando hat gesagt…

Es geht darum: Nationalismus muss man verstehen als der Glaube, dass Völker (sprachliche, ethnische, religiöse und/oder wertemässige Entitäten) am besten in abgegrenzten, übersichtlichen, souveränen Territorien leben und ihr Business selber regeln und ihre eigenen Gesetze machen. Nationalismus ist nichts anderes als das!
Wenn die Völker friedlich in ihren eigenen Nationen hausen, gibts nie Puff. Nur wenn jemand kommt und sagt, man solle lieber in einer grossen Völkergemeinschaft zusammenhausen, weil das edler oder gerechter oder sicherer sei: Dann gibts Probleme. Oder wenn ein Volk findet, seine Nachbarn und überhaupt der ganze Kontinent müsse an seinem Wesen genesen: Dann gibts Krieg. Solches denken ist aber zutiefst unnationalistisch. Dem Nationalismus selber wohnt ja gerade kein Sendungsbewusstsein inne. Er ist immer und letztlich auf den eigenen Vorteil zum Nutze seiner Bürger ausgerichtet und daher sogar in der Tendenz isolationistisch, sich ab-grenzend.

Dagegen stehen eben die anderen Ideologien, die sich oft den gesunden Nationalismus der Volksgemeinschaften zunutze machten, um andere Ziele zu erreichen. Wodurch unterscheiden sich die deliriösen Visionen eines Napoleon, eines Hitler, eines Stalin, einer zur "Wertegemeinschaft" emporstilisierten EU?
Im Kern wollen alle vorgenannten, dass das Europa der Nationen beseitigt wird und durch ein angeblich besseres Konstrukt ersetzt wird. Tout l'Europe, mais après ma facon!

@Mila: Mit dem Imperialismus (alter und neuer Prägung) und Kolonialismus hat doch der Nationalismus nichts zu tun! Oder wollen Sie behaupten die nationale Gesinnung des Burschenschaftlers anno 1860 hat zu den Taten seines Enkels in Majdanek geführt? War Graf von Stauffenberg etwa kein glühender Nationalist und die Résistance und die Kämpfer im Warschauer Aufstand: war es nicht ihr "blinder" Nationalismus, der zu ihrem mutigen Kampfgeist führte? oder waren etwa die Montagsdemonstranten udn DDR-Oppositionellen gefährliche Nationalisten, weil sie bewirkten, dass am Ende sich eine Nation wiedervereinigte? Lech Walesa, ein finsterer Nationalist, der mit seiner Bewegung das ganze stabile, friedliche Gefüge des Ostblocks im Alleingang zum Wanken brachte? Gandhi, ein indischer Nationalist? Nelson Mandela, ein Ex-Marxist, der sein Land in finsteren Nationalismus stürzte?

Bevor man das Näschen über den Nationalismus rümpft, sollte man sich auch mal vor Augen führen, dass @Kats Eintrag von 16.06 implizit folgende These des vielbeachteten 31-jährigen niederländischen Publizisten Thierry Baudet in der neuen Weltwoche ergänzt: Dass eine soziale Marktwirtschaft und eine funktionierende partizipative Demokratie des Nationalstaats bedürfen. Zwingend.

Das Gegenbeispiel sehen wir seit zehn Jahren scheitern: Wie sagte jemand kürzlich? Die EU ist, wenn man Rioja, Chianti, Riesling, Pale Ale, Retsina, Aquavit und Pastis zusammenschüttet, mit Wodka abrundet und das Ganze als einen gesunden und bekömmlichen Trunk anbietet. Serviert von Ihren EU-Bürokraten-Sommeliers, voilà.

Tja, wie gerne bleibe ich da ein Nationalist und geniesse die oben genannten Getränke lieber einzeln. Kotzen muss man am Ende sowieso. Immer. Wenigstens hatte man beim Trinken Genuss.

Tiger hat gesagt…

Orlando, jetzt kapier ich, was Du meinst. "Dem Nationalismus selber wohnt ja gerade kein Sendungsbewusstsein inne." Du denkst dabei einfach an so Sachen wie "Mia san mia". In der Tat ist das kein Problem. Es ist aber auch sehr unsolidarisch. Die Bayern (um beim Beispiel zu bleiben) verkaufen den Württembergern, den Hessen, den Thüringern, und sie kaufen auch von ihnen, schon seit sehr vielen Jahrhunderten. Da war es doch ziemlich logisch, auch politisch zusammen zu spannen, oder?

Heute verkaufen alle allen, und zwar immer mehr und mehr. Und Europa ist nicht nur einfach ein Möchtegernideenplatz, sondern es ist ein riesiger Marktplatz, wo Waren von überall an überall verkauft werden. Ich finde es schon logisch, dass die Akteure in diesem Markt (und das sind ja viele hundert Millionen Leute, denn rein lokal verwurzelte und nur für sich funktionnierende gibt es ja kaum mehr) finden, dass sie auch auf politischer Ebene miteinander ihre Angelegenheiten parallelisieren könnten.

Nationalismus ist aber mehr als "Mia san mia". Das Sendungsbewusstsein, das Du so klar beschrieben hast, danke schön, ist in meinen Augen darin so ziemlich angelegt. Man hat das immer wieder in der Geschichte gesehen. Ich denke, es ist so, wie das Geld. An sich einfach ein Tool. Aber es ist derart aufgeladen mit Symbolismus, dass es auch als Waffe gebraucht wird.

Im Namen des Nationalismus wollten die Nazis ja Europa vereinen, wobei das ja nichts zu tun hatte mit "einen", sie wollten es unterwerfen. Weil sie halt dachten, dass sie eh die besten seien. Sie wollten in ihrem Nationalwahn, der, und das ist zentral, ihrem Nationalismus entsprungen ist, grosse andere Nationen vernichten und ihre Gebiete ihre eigenen machen. Das ist nicht nur einfach in Deutschland vor siebzig und achtzig Jahren geschehen, das ist dutzendfach geschehen auf der ganzen Welt seit Jahrtausenden.

Die EU als in dieser Tradition stehend zu begreifen ist total falsch. Sie hat grosse Probleme, sie macht sie, aber vor allem gelingt es ihr nicht, ihre Rolle zwischen Nationalstaat und übernationaler Organisation zu finden. Aber sie will sehr klar nicht die bestehenden Nationen vernichten. Sie will sie vielleicht überflüssig machen, was dumm ist und ungerecht, aber umbringen, so, wie das Hitler, Stalin, Mussolini, Franco etc. wollten, will sie niemanden.

Nein, Orlando, der Nationalismus hat in meinen Augen verschissen. Früher oder später bringt er die Leute immer dazu, andere besiegen zu wollen.

Wie auch immer. Mir gefällt die EU nicht mehr so.

Darauf eine Flasche Brunello di Montalcino, Orlando. Chianti ist auch gut, ich hatte schon EXTREM guten Chianti (auch schon die ärgste Plörre, gegen die das billigste Lidl-Bier wie ein edler Jahrgangstropfen wirkt).

mila hat gesagt…

Auszug Wikipedia zu Nationalismus:

Inklusiver Nationalismus
Als inklusiver Nationalismus wird ein moderater Patriotismus bezeichnet, der auf eine Integration aller Teilgruppen einer Gesellschaft, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung und ihrer kulturellen Identität zielt. Er will sich für die Werte und Symbole seiner Nation einsetzen und billigt dies auch anderen Nationen zu. Er spielt eine zentrale Rolle bei einer Nationenbildung, der Entstehung von Nationen in Unabhängigkeitskämpfen und bei der Legitimierung bestehender Nationalstaaten. Der inklusive Nationalismus kann sich auf unterschiedliche Eigenschaften der Nation positiv beziehen: auf die republikanische Tradition, die demokratische Verfassung (Verfassungspatriotismus), Sozialstaatlichkeit, wirtschaftliche Erfolge oder das internationale Ansehen.

Exklusiver Nationalismus
Als exklusiver Nationalismus oder Chauvinismus wird ein übersteigertes Wertgefühl bezeichnet, das auf die aggressive Abgrenzung von anderen Nationen zielt, die als nicht gleichwertig angesehen werden. Die Überhöhung der eigenen Nation mit dem Ziel einer möglichst weitgehenden Einheit von Volk und Raum geht oft einher mit der Ausgrenzung und Diskriminierung, im Extrem bis zu Vertreibung oder Vernichtung ethnischer und anderer Minderheiten, die als dem imaginierten Volkskörper fremd oder schädlich angesehen werden. Beispiele für exklusive Nationalismen sind der italienische Faschismus, der deutsche Nationalsozialismus und die ethnischen Säuberungen nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren. Der exklusive Nationalismus erhebt ein „Loyalitäts- und Deutungsmonopol“: Das Individuum soll nicht mehr seine Religion, seine Heimatregion oder die dort herrschende Dynastie als identitätsstiftenden Fokus des Denkens und Handelns ansehen, sondern allein die Nation.[9] Dieser Anspruch kann in einem integralen Nationalismus bis zur Relativierung oder gar Abwertung des Individuums führen: „Du bist nichts, dein Volk ist alles“.[10] Daher wird der Nationalismus unter die Politischen Religionen eingeordnet.[11] Seit den 1970er Jahren wird der Begriff fast ausschließlich im Sinne von Chauvinismus verwendet.[12]

Lesenswert fürs Begriffsverständnis ist auch der lexikalische Eintrag in den Uni-Protokollen:

http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Nationalismus.html

Wenn Sie mich fragen: allen -ismen hängt letztlich etwas Anrüchiges an. Da bin ich lieber eine einfache Bürgerin demokratischer Gesinnung. Die Schweiz kann ich trotzdem als meine Geburts-, Serbien als meine Herkunftsheimat lieben. Und ja, zuweilen bin ich kontextbedingt auch stolz darauf, Schweizerin oder eben Serbin zu sein (letzteres in der Regel am Eurovision Song Contest, wobei dieses Jahr eine Ausnahme bildete; ersteres bei Spielen von Rogi und Wawa).

mila hat gesagt…

PS: Jugoslawin bin ich phasenweise auch (immer) noch. Wenn ich sonntagsnachmittags beim Bügeln YU-Rock auf Radio S höre zum Beispiel. Oder sehe, wie die zerstörerischen Fluten der Donau und der Sava die einfachen Menschen, die Zivilbevölkerung - bezeichnenderweise nicht die Politiker - einander wieder näher gebracht haben.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/ein-hauch-jugoslawischer-verbundenheit-1.18308703

Tiger hat gesagt…

Tja, mila, ich denke, Orlando sollte mal Ja Imam Talenat schauen, er versteht zwar nix (wie ich auch nicht), aber beeindrucken tut das schon, und es ist ein gutes Mittel gegen "exklusiven" Nationalismus. Ivana hat mir das mal gezeigt, war sehr beeindruckend.

Abgesehen davon, Orlando, merkst Du, wie viele von hier einen Migrationshintergrund haben? Carolina, mila, ich, Katharina ist selbst migriert...

mila hat gesagt…

Doch, das möchte ich noch nachschieben: hier bin ich stolz, Serbin zu sein (Eurovision...). Da schwingen meine Balkan-Gene, ganz anstrengungslos:

http://www.youtube.com/watch?v=z7OvpjplJ_8

http://www.youtube.com/watch?v=75weifR47m0

http://www.youtube.com/watch?v=FSueQN1QvV4

Und auch für Bosnien schlägt mein Herz, von Mazedonien ganz zu schweigen:

http://www.youtube.com/watch?v=SXlIN3mcsH4

http://www.youtube.com/watch?v=Ucx6KhD9fMo

Bemerkenswert die musikalischen Verbindungen von Okzident und Orient. Neka ti je laka zemlja, Tose.

fufi hat gesagt…

Nun ja, mit dem eurasisch-balkanischen Rock hab ich's nicht wirklich.
Da bleibe ich bei der GB-amerikanischen Version der 1970er Jahre.

Aber von wegen dem Nationalismus:
Der war glaub wirklich keine schlechte Idee, als es damals, vor etwas mehr als 200 Jahren darum ging, eine "aufgeklärte" Nachfolgelösung zur monarchistischen Ordnung Europas zu finden.
Aber xgüsi: nach 200 Jahren und 2 WWs und den "global players" und so,
naja, irgendwie sollte der Nationalismus halt auch mal überdacht werden.
Die Welt ist kleiner geworden, sehr klein.
Und dennoch sollten wir uns arrangieren, in dieser Welt, der Kleinen!

Anonym hat gesagt…
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Anonym hat gesagt…
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Anonym hat gesagt…
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Tiger hat gesagt…

Heimatliebe, that's it I guess.

Orlando, Du tust mir leid, dass Du wohl nicht verstehen kannst, dass es sowas auch ohne Fremdenhass oder -angst geben kann. Ich kann lieben, ohne das, was ich nicht liebe, zu hassen. Das geht, Orlando. Nur weil Du es nicht kapierst, heisst das nicht, dass es nicht existiert.

Zeit, zu lernen, Orlando. Genau heute.

(So sehr ich Berlusconi verachte, so sehr ich die Italiener verachtete, die ihn immer wieder gewählt haben, so sehr verehre ich Italien, als Land, als Wiege unserer Zivilisation. Verstehbar? Naja, vielleicht nicht für Dich, Orlando, aber wahrscheinlich weigerst Du Dich auch einfach)

fufi hat gesagt…

Heimatliebe, Kat. und Tiger!

HEIMAT-Liebe!

Heimat ist dort, wo ich zuhause bin.
Im obersten Tösstal, zum Beispiel.

HEIMAT! hat NICHTS zu tun mit Nation oder Volk.
Oder höchstens so ganz am Rand.

Und äxgüsi kat.:
Ich kann nicht gut genug Englisch, zum das verstehen, was du da geschrieben hast. Geht das auch auf deutsch? Dankesehr!

fufi hat gesagt…

Ok, hab die Übersetzung soeben in Wiki gefunden.
Und die geht SO:

Nicht wie der metallene Gigant von griechischem Ruhm,
Mit sieghaften Gliedern gespreizt von Land zu Land.
Hier an unserem meerumspülten hesperischen Tore soll stehen
Eine mächtige Frau mit Fackel, deren Flamme

Der eingefangene Blitzstrahl ist, und ihr Name
Mutter der Verbannten lautet. Von ihrer Leuchtfeuerhand
Glüht weltweites Willkommen, ihre milden Augen beherrschen
Den luftüberspannten Hafen, den Zwillingsstädte umrahmen.

„Behaltet, o alte Lande, euren sagenumwobenen Prunk“, ruft sie
Mit stummen Lippen. „Gebt mir eure Müden, eure Armen,
Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren,

Den elenden Unrat eurer gedrängten Küsten;
Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen,
Hoch halt' ich mein Licht am gold’nen Tore!“

http://de.wikipedia.org/wiki/The_New_Colossus

fufi hat gesagt…

Und wenn ich das lese, höre ich das:

Steppenwolf - Monster
https://www.youtube.com/watch?v=Sk3sURDS4IA

fufi hat gesagt…

Ein wunderschöner Text, Katharina!

Leider meint die Aussage unseres vielbeschworenen Schweizer Rütlichwurs so ziemlich das Entgegengesetzte, unbesehen von den ewigen Beschwörungen unserer ach-so-humanitären Tradition.

Anonym hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Tiger hat gesagt…

Dann sage ich es anders. Eine Nation vernichten hiesse alle ihre Anhänger dazu zu bringen, entweder tot zu sein (Variante Holocaust) oder ihre Nationszugehörigkeit zu vergessen. Letzteres ist irgendwie schon das Ziel der EU, was sie unappetitlich macht. Allerdings sagt die EU das ja nicht. Entweder schon, aber nur in irgendwelchen mitteleuropäischen Hinterzimmern oder dann nicht, und das Ziel ist unausgesprochen.

So eine plebiszitäre Zustimmung wurde versucht, bei der Verfassung, die ja einige Male durchgefallen ist beim europäischen Volk. Ich bin immer noch erstaunt, dass man es probiert hat. Man dachte anscheinend wirklich, die gehe einfach so durch... das war naiv. War es naiv? Keine Ahnung. Ich denke, dass die europäischen Politiker grenzenlos verschlagen sind. Frank Underwood ist ein lieber Kindergärtner dagegen.

Orlando hat gesagt…

Nein, ich meine nicht bloss Heimatgefühl/Patriotismus oder Folklore. Ich meine überhaupt keine Gefühsduseleil, gopf, ich bin schliesslich kein Weib!

Ich meine Nationalismus als durch und durch rationale, vernünftige politische Leitidee. Milas Wikipedia Copy/Paste ist unscharf: Wenn ich da erfahre, dass "seit 1970 der Begriff ("exklusiver" Nationalismus) ausschliesslich im Sinne von Chauvinismus verwendet" wird, dann sagt das mehr über einen Tigri oder einen Fufi aus, die schon beim Wort "Patriotismus" eine faschistische Verschwörung wittern. Aber solange man mir hier den Beweis schuldig bleibt, wo Nationalismus in einen Krieg geführt haben soll, ist das alles Unerheblich. Oder will jemand allen Ernstes behaupten, dass der serbische Nationalismus für den Jugoslawienkrieg verantwortlich zu machen sei? Oder - noch spitzfindiger: der jahrzehntelange Nationalismus Titos?

Ich hingegen habe Beispiele angeführt, wo mehr oder weniger deutlich nationalistische Programme eine Wende zum Besseren gebracht haben. Ausser natürlich man hält am Standpunkt fest, dass die Wiedervereinigung Deutschlands einen üblen nationalistschen Exzess darstellt.

Meine Kernthese bleibt sowieso unbestritten: Dass allen Versuchen, Europa über die gewachsenen nationalen Strukturen (und Befindlichkeiten) hinweg zu zwangsvereinen und aufgehen zu lassen in einem grösseren, angeblich gerechteren, sichereren (cui bono?), schöneren Ganzen, sei dies nun die Vison eines Kontinents mit Code Napoleon von Lissabon bis Moskau, sei dies ein arisches Grossreich oder ein sozialistisches Utopia in dem die Arbeiter aller Länder vereinigt sind - dass all diese Versuche gescheitert sind, zum Glück, WEIL es gesunde nationale Reflexe gab und gibt.

Nein, nein, die Nationen, so wie sie sind (oder z.T. noch nicht sind) waren historisch gesehen nach der Christianisierung das Beste, was diesem Kontinent passieren konnte.Man darf sich von gegenwärtigen Verwirrungen nicht ablenken lassen - und nicht auf jeden Zug aufspringen, der gerade vorbeifährt.

Im Gedanken der Nation fliesst alles zusammen, was Freiheit erst ermöglicht: Kulturtradition und (abstraktes) Recht, Ethnie(n) und Austausch, Leitkultur und Integrationskraft, Aufklärung und Religion, gesellschaftliches Oben und Unten, Stadt und Land, Sprache(n) und Verständigung. Nationalismus als (proto)politisches Programm ist deshalb inhärent demokratisch, auf freien Handel, freie Meinung, freie Debatte und freie Bürger aufgebaut.

Exklusiv ist er sowieso. Aber wir alle sind Nationalisten, wenn wir feststellen, dass wir froh sind, dass die Politik hier nicht wie in Italien funktioniert, dass die Gewerkschaften nicht so stark sind wie in Frankreich, dass wir nicht die historische Schuld der Deutschen auf unseren Schultern tragen, dass wir nicht so spiessig wie die Österreicher sind. Ist das bereits eine "Überhöhung", ist das bereits chauvinistisch?
Falls ja: na und?

Es gilt, den Nationalismus nach seinen (historischen und zukünftigen) Potentialen zu beurteilen und nicht die zahlreichen Perversionen, die es in seinem Namen gegeben hat. Soviel zu "seit 1970 wird...". Sonst müsste man ja zwangsläufig auch alle sozialen Ideen verunglimpfen, die ja im stalinistischen Gulag und im nordkoreanischen Groteskistan enden, wenn man sie ernsthaft zu ende denkt.

mila hat gesagt…

Also sehen Sie es selbst, Orlando, dass es 'Perversionen' von Nationalismus (-en) gibt. Damit wird der Begriff nun mal zum zweischneidigen Schwert, auch wenn ich Ihnen grundsätzlich Recht gebe: nicht 'der' Nationalismus/'die' Nationalismen hat/haben Jugoslawien zerstört, sondern die Grundintentionen Gier und Geltungsdrang (wie das in meinen Augen für jeden Konflikt/Krieg gilt). Nationalismus und Religion bilden insofern jeweils nur ein propaganda- respektive prestigeträchtiges Deckmäntelchen für weit niedere Masseninstinkte.

Die ressentimentgespeisten Enteignungen der Juden waren jedenfalls ein hochwillkommenes Zückerchen für die braven Bürgersleut der Weimarer Republik. Die Aussicht, die Welt 'am eigenen Wesen genesen' zu lassen, ein weiteres. Wobei keiner von uns weiss, wie er in diesen Zeiten gehandelt hätte. Die existentielle Not der Menschen kann sowohl zum Guten wie zum Bösen beflügeln: siehe (einmal mehr) Pico della Mirandola, Von der Würde des Menschen.

http://www.pinselpark.org/philosophie/p/picomiran/texte/wuerde.html

Orlando hat gesagt…

Klar, die Davidianer in Waco Texas beriefen sich auch auf das neue Testament und waren doch eine häretische Sekte, eine Perversion dessen, was das Cristentum lehrt. Genauso, wie eben die Kristallnacht nichts mit dem Nationalismus sagen wir der Vorwilhelminischen Phase zu tun hat (nachher vermischten sich Kaisertreue, antijüdisches Ressentiment und imperialistische Tendenzen unheilvoll) oder wie beispielsweise die Rote Armee Fraktion eine Perversion des sozialistischen Studentenproteste war.

Man kann übrigens schlechterdings das Schicksal des jüdischen Volkes (und generell der Umgang mit Minderheiten) nicht als Gradmesser für die angebliche Gefährlichkeit von Nationalism(en) nehmen: Denn erstens gab es Antisemitismus in allen Phasen der Geschichte in unterschiedlich starker oder schwacher Form und zweitens wurde die Shoa von jenem Volk begangen, welches über Jahrhunderte und ganz besonders im Zeitalter des Nationalsmus den Juden die mit Abstand (nach Amerika) die gelingendste Integration und Entfaltung bot: Das werdende nationale Deutschland des 19. Jahrhunderts war für Juden ein safe haven, if there ever was one...!

Zu den Perversionen: Interessant die Erwähnung von Mirandola in diesem Zusammenhang. Er war es gerade. der eine grosse Verteidigung des christlichen Glaubens gegen sieben Feinde (Atheismus, Polytheismus, Judentum, Islam, Aberglauben, Astrologie und magische Künste, Häresie und Gleichgültigkeit der Christen) leider unvollendet hinterlassen hat.

mila hat gesagt…

Zu Pico della Mirandola, einem Universalisten (und Eklektizisten) vor Gottes Gnaden (wenn Sie so möchten):

http://www.domradio.de/nachrichten/2013-02-24/vor-550-jahren-wurde-der-humanist-pico-della-mirandola-geboren

mila hat gesagt…

Übrigens gebe ich Kat vollkommen Recht: die Liebe zur Heimat, zur Scholle, überwiegt jedes abstrakt hergestellte Nationialgefühl. Ich meine, schauen Sie sich nur einmal die Bündner in ihrem Eigenwesen an, die Walliser, die Zentralschwyzer...

@Kat: Dreams enthält eine altslawische Eucharistie-Feier. Aber umso schöner finde ich das Lied, wie auch den gesamten Soundtrack.

fufi hat gesagt…

Von wegen der EU und - unter anderem an Kat vom 9. Juni 2014 18:27:

Frühgeborene, sozusagen, mögen sich noch erinneren, dass der Keim der EU gelegt wurde mit der Gründung der

EWG = EuropäischeWirtschaftsGemeinschaft, die am 25. März 1957 mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge durch Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, die Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde.

Ich meine, da hätte ja sogar die Schweiz beitreten können, damals, als es explizit um wirtschaftliche Interessen ging?

Als ob es denn bei der EU was anderes wäre?
Europapolitik? Gemeinsame Aussenpolitik?
Die bringen ja nicht mal eine EU-Nationalmannschaft zusammen, damit sie entlich mal wieder oder gar erstmalig Tschütteli-Weltmeister würden!

Anonym hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Anonym hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
fufi hat gesagt…

Spielt's denn eine Rolle, Katharina?

Es ging um Wirtschaftliche Interessen damals!

fufi hat gesagt…

Und irgendwie meine ich , dass es IMMER um wirtschaftliche Interessen geht.
Auch und gerade in der "AUSSEN"-Politik.

fufi hat gesagt…

Sport verbindet Kulturen, Katharina!

Orlando hat gesagt…

Äh, Mauren? Reconquista? Wie lange ist das her?
Übrigens: Unter den Römern ging's den Juden sogar noch besser, da hatten sie noch einen Staat. Und einen Tempel. Und Herodes und so.

Bitte nicht Äpfel und Birnen verwechseln, ja!

Für eine europaweite Freihandelszone braucht es weder einen Teuro noch eine politische Union. Das beweist ja das Beispiel Schweiz seit Jahr und Tag. Und, @Fufi: Nein es geht nicht "nur" um wirtschaftliche Interessen - ein Wort das du aussprichst, als wäre es eine ansteckende Krankheit. Und lebst dabei im reichsten Land der Erde und profitierst vom allgemeinen Wohlstand...
Tatsache ist ja, dass die EU-Eliten (also der ansonsten nutzlose Akademikerüberschuss in den Mitgliedsländern, die noch nicht einen Tag im Leben in der richtigen Welt draussen einen Cent verdient haben) diese Union laufend aufpimpen zur "Wertegemeinschaft". Und erfinden Bevormundungsprogramme für den Pöbel während sie in einer Brüsseler Kneipe Stopfleber und Kaviar in sich reinstopfen. Mit 30 000 Euro monatlich lässt sich ordentlich leben, doch doch.

@Mila: Scholle? Wollen Sie mich veräppeln? Wann haben Sie je eine Scholle von Nahem gesehen? Natürlich kann man wie Kat das Gezirpe und Geflimmere um einen herum als heimelig lieben. Aber Nation geht ja immer darüber hinaus, ist ja immer abstrakt, ist immer ein grösseres Ganzes als den kleinen Ausschnitt, den man selber sieht: Wie könnte beispielsweise ein Schweizer Nationalgefühl von der Scholle her gedacht werden? Eben nicht: Sonst ist das ja nur so eine hinterwäldlerische Tösstaler Dihei-isches-am-schöschte-Halluzination, samt bluemeten Trögli und em Tanner Fritz, wo winkt, wenn er mit dem Subaru verbii fahrt.
Hochkomplex ist diese unsere Willensnation mit so verschiedenen Landesteilen, vier Sprachen, dem vielbeschworenen Stadt/Land-Unterschied. Schwierig, ja. Für manche zu schwierig, weil es eben etwas mehr braucht als bis zum Nasenspitz zu denken. Deshalb werden manche eben links oder sonstwie heimatmüde.

Und klar ist auch, dass sich je nachdem der Begriff der Nation aus weiteren Einflüssen speist: Ethnie, Religion, Sprache, Kultur. Das ist doch das normalste auf der Welt. Da ist es falsch, aus einer überheblichen Schweizer Optik heraus herunterzuschauen auf jene, deren Patriotismus sich stärker aus ihrer Volkszugehörigkeit, ihrem Glauben oder ihrer Sprache nährt: Und nicht aus dem Umstand, dass man in der pünktlichen Eisenbahn durch zwanzig Löcher im Berg in die Sonne fährt um mit Tausenden Volksgenossen ein paar Stunden einen Kunstschneeabhang herunterfährt und dann einen Cervelatsalat und ein fades Eichhof zu sich nimmt und pünktlich um 21 Uhr wieder im Mitteland im Bicoflex-Bett ist, weil am nächsten Tag schliesslich Montag ist und man möglichst schon drei Stunden gearbeitet haben möchte, wenn es zu tagen beginnt.

Tiger hat gesagt…

Hier zitiere ich den grossen norddeutschen Philosophen Ottokar von Waal, der einst sagte:

Was Du nicht willst,
Das man Dir willst,
Das willst auch keinem,
Was willst denn Du?

Was will uns Ottokar damit sagen?

mila hat gesagt…

Orlando, was Sie treffend beschreiben ist eine Willens-Wertegemeinschaft, die man, ohne Heimat gedacht, beliebig auf den Kontinent Europa ausweiten könnte. Weshalb sollte 'Nation' in so einem Denk-Konstrukt eine herausragende Rolle spielen? Oder sollte da versteckt doch mehr Gefühl dabei sein, als Sie uns weismachen wollen?

Ich finde es ja eigentlich auch herzig, wie man in den vergangenen Jahren diese Diskrepanz der Heimatlosigkeit mit dem Swissness-Trend zu übertünchen versucht. Alphorn und Käseloch, Appenzeller-Tracht und weidende Kühe begrüssen einen, wie kürzlich diskutiert, am kosmopolitischen Flughafen Zürich. Wo ich herkomme, gibt es die Art der traditionellen, ungekünstelten Verbundenheit hingegen noch, über Musik und eine lebendige Folklore. Lustigerweise verbinden diese den gesamten Balkan, und nicht nur die einzelnen Ethnien. Item.

Das mit der Scholle meine ich übrigens sehr ernst. Sie vergessen immer wieder gerne, dass ich aus einer langen und noch immer präsenten Ahnenlinie von Bauern abstamme. Es ist der grosse Stolz meines Vaters, dass er allen seinen Töchtern an seinem Lebensende je zwei Hektaren Land hinterlassen wird. Und dieses Gefühl ist nicht beliebig, hat nicht nur etwas mit Besitz zu tun: ich finde es immer wieder erheiternd zu sehen, wie er sich verwandelt, wenn er von Aufenthalten in der Schweiz in seinem Elternhaus an der Hochspitze des Dorfs ankommt. Raus aus der formellen Business-Kleidung, rein in alte Hosen, handgestrickte Socken und Opanke (nein, nicht die handgeflochtenen, sondern die schmutzresistente Gummivariante).

Und so sehr ich über seinen Hektaren-Spleen auch lächeln muss: meine Kindheitssommer habe ich auf diesem Land verbracht. Sind sie schon einmal über grobgepflügte Felder gerannt? Was für ein Spass, vor allem wenn es hangabwärts geht. Ich mache das heute noch gern, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Haben Sie noch warme Eier aus Hennennestern geholt, die die Grossmutter sogleich zum Frühstücksomlett verarbeitet hat? Oder eine Kuh gemelkt? Ich schon.

Deswegen werde auch ich insgeheim ein kleines bisschen Stolz auf das Stück Erde sein, das mir mein Vater hinterlässt. Es erinnert mich an meine Wurzeln, die weit tiefer reichen, als die städtisch-weltmännischen meiner schweizerischen Existenz.

mila hat gesagt…

@Kat, Picos Rede (ent)steht an der Schwelle zur Neuzeit. Historikern wie Jacob Burckhardt gilt sie als Manifest des neuen Menschenbilds - der menschlichen Selbst-Ermächtigung - der Renaissance, ist also mitnichten Mittelalter. Auch ein Mystiker im eigentlichen Sinn war der Herr aus Mirandola nicht.

Mir ging es jedoch im obigen Kontext vor allem um die Schlusspassage, in der die (Willens-)Freiheit des Menschen angesprochen wird, 'in die Unterwelt des Viehs zu entarten' oder sich 'in die höhere Welt des Göttlichen durch den Entschluss des eigenen Geistes zu erheben'. Vor diese Wahl ist der Einzelne nach wie vor zeitlebens gestellt. Und gerade im 20. Jahrhunderts haben wir als Kollektiv nachdrücklich bewiesen, dass wir allen zivilisatorischen Errungenschaften zum Trotz immer noch zur Ent-Artung (Ent-Menschlichung) fähig sind. Nicht zuletzt in Europa, der Wiege der Aufklärung.

fufi hat gesagt…

@Orlando

Es geht IMMER und NUR um wirtschaftliche Interessen und deren Folgekosten.
Wenn ich dazu auf Karl Marx verweise ......

Hoffe, hast dich unterdessen soweit erholt, dass ich auch DEINE UR-Liberalen Adam Smith und John Stuart Mill erwähnen darf.
Die haben bloss andere Konsequenzen gezugen, aus derselben Erkenntnis!

fufi hat gesagt…

Und absolut off topicstens:

Gestern abend haben meine Büro-Gschpänli den ganzen "unseren" Bereich des Grossraumbüros mit Schwiizerfähnli und so Zeugs zugepflastert.
Ich nehme an, ihr wisst weshalb.

Sie haben mich damit sozusagen gezwungen, 2 Deutschland-Fähnchen zu kaufen, zum Preis von total CHF 3.90.

Ok, Orli: Es geht in ganz seltenen Ausnahmen NICHT um wirtschaftliche Interessen!
:grins:

Ottökär vöm Böhmerwäldli hat gesagt…

@Tiger

Ich will nicht, was du willst.
Und was du willst, will ich nicht.
Ich will, was ich will,
und du willst was ich will.
Ich will nicht, dass du willst,
was ich will, oder nicht.
Ich will nicht, dass du willst!

Ich will.
Du willst was ich will.
Er/sie/es will was ich will.
Wir wollen was ich will.
Ihr wollt was ich will.
Sie wollen was ich will.

Und biste nicht willig so brauch ich Gewalt!

fufi hat gesagt…

@mila am 11. Juni 2014 11:10

Es mag ja wohl sein, dass "die Aufklärung" ihren Anfang hat in Europa gehabt.

Aber als sie damals, im Franzosenland ihren ersten politischen Einfluss genommen hat, tja, da ist sie, die Aufklärung, nicht eigentlich als Wiege aufgetreten, sondern in Form einer Gouillotine.
Der aufgeklärtesten und humansten Form nämlich eines Instrumentes das dazu erdacht wurde, die NICHT-Aufgeklärten from here to eternity zu befördern.
Sorry for thät, aber gerade wenn von Europa, als Wiege der Aufklärung im politischen Sinne, gesprochen wird, darf auch und gerade DAS nicht vergessen werden!

Unsere Urschweizer möchte ich im Zusammenhang an den Sonderbundskrieg erinnern!

Orlando hat gesagt…

@Mila: Nein, man kann das eben nicht "beliebig weit auf Europa ausdehnen", das war der ganze Sinn meines Posts. Weil jeder Nationalismus sich vom anderen unterscheidet - und das ist die Stärke des Konzepts! Bin ich jetzt der, der plötzlich Pluralismus, Vielfalt und Jedes-Scheissvolk-wische-vor-seiner-eigenen-Tür predigen muss um das verständlich zu machen?

Wir müssen das uns unterscheidende, das Trennende suchen, nicht das oberflächlich Gemeinsame, mehr Reibung statt Berührungsflächen, mehr Essenz statt beliebiger Nebensächlich-und Beiläufigkeit, weil wir grad so gut gelaunt und freundlich gestimmt sind.

@Mila: Sie müssen, um sich eines Nationalismus rühmen zu dürfen, schon ihre zwei Hektaren auf 8,8 Millionen Hektaren Serbien hochrechnen, die gleiche Scholle-Gefühligkeit mit jedem anderen der 7 Mio. Serben solidarisch mittragen (ich weiss, das ist völlig abstrakt!). Sonst ist es nicht viel mehr Wert, als Fufis Liebe zu seinem Blumentrögli. Den musikalisch-folkloristischen Aspekt haben Sie ja schon bekannt. Nur Mut, vielleicht ringen Sie sich ja zu Religion und Sprache, oder auch Kulinarik durch - als Heimat definierendes Sentiment, aber auch als nationale Alleinstellungsmerkmale. Oder wieso reagieren Sie als abgebrühte Helveto-Urbane so gereizt auf von Aussen kommende Gemeinplätze zum Jugoslawien-Konflikt?

Also ich glaube, nicht mal Fufi wäre in seinem Schrebergarten-Nationalismus bereit, ein Fünftel seines Pflanzbodens an Sherdan und Krisme Shequiri abzugeben, weil deren UCK das so befohlen hat...

Haltet bloss die Amseln von den Feldern fern, ihr Leut'!

Euer Fürst Lazar Orlandic (der sich in seinem Federbett jedem Morgen so verdammt heimelig fühlt, dass er stets sich gerne noch einmal umdrehen und hemmungslos sich seinem Kissen-Nationalismus für eine weitere weiche Stunde hingeben wollte...hélas!)

mila hat gesagt…

Reagiere ich gereizt, Orlando? Das wäre mir nicht bewusst. Der Jugoslawienkrieg ist einfach ein sehr gutes Beispiel für Pervertierungen des Nationalität(en)denkens, zudem 'close to home'. Aber Sie wissen ja - gutinformiert wie Sie sind - sicher auch, dass in Belgrad seit längerem ein Umdenken bezüglich Amselfeld und Kosovo stattfindet...

Sie verkennen übrigens, was ich mit meinen zwei Hektaren als Metapher aussagen will: gerade nicht, dass diese mich als Serbin ausmachen. Sie sind einfach nur eben das: ein (Erd-)Stück Heimat. Und die Kulinarik als definierendes Unterscheidungsmerkmal eignet sich nun nicht wirklich, dieselben Hochzeitsfeste inklusive tradierter Speisenfolge finde ich auch irgendwo in Kroatien oder Bosnien (im Alltag isst man ohnehin zunehmend Pasta, oder, jetzt im Sommer, halt Cevapcici und die berüchtigten Balkan-Platten). Verstehen tu ich die Leuts auch, ohne jede Übersetzungsnot. Bleibt also nur die Religion, und wenn man ganz spitzfindig sein will, der mentale Habsburgergraben. Ob man auf dieser schmalen Grundlage 'Nationalitäten' zimmern kann - nun ja, offenbar kann man. Wenn man sich nur genug anstrengt.

Ich sehe, mit meiner einfachen 'dusa slovenska' (s. Balasevic, Slovenska), eher das Verbindende. Aber das bin auch einfach nur ich, geboren und aufgewachsen als Jugoslawin und per Geschichtsentwicklung zwischenzeitlich zur Serbin deklariert. Hoffen wir nur, dass nun endlich alle für die nächsten paar Jahrhunderte Ruhe geben, nachdem sie ihren eigenen nationalen Historieneintrag erhalten haben. ;)

Orlando hat gesagt…

Oje, heuet Morgen hat Fürst Lazar doch tatsächlich seinem Kissenpatriotismus zu lange gefrönt und kam zu spät zur Arbeit.

Eine oder zwei Prisen gesunder, ausgeschlafener, nüchterner Nationalismus ist etwas durchaus wertvolles. Gemeint ist aber immer das was hinter dem Gezirpe unter der Sonne Kaliforniens oder dem Feeling feuchter Erde zwischen den Zehen steht: die Nation. Gegen die man sich wehren kann (zum Beispiel indem man die Nationalfahne der Bundesrepublik aufhängt, wiel man den Anblick von ein paar Schweizerkreuzen während einer Fussball-WM physisch nicht erträgt - Deutschland, Deutschland, über alles...!). Gegen die man sich auflehnen kann, sich nicht oder gar nirgends zugehörig fühlen (ewiges Aussenseiterdasein, mit der Nase an der Scheibe des richtigen Lebens).

Fussball und generell Sport ist ja nur eine Simulation. Ihm zugrunde liegt das eben so gesunde (durchaus abstrakte, nicht nur gefühlige) Denken in nationalen Symbolen, nationalem Teamgeist, Stolz auf die Landesfarben, stolz auf kollektiven Leistungs- und Siegeswillen und ein berauschtes Wir-Gefühl im Erfolg wie in der Niederlage. Alkohol hilft enorm. Im Sport wie im politischen Nationalismus. Darob vergisst man, dass die eigene Mannschaft zum grosen Teil nicht aus alteingesessenen Familien sich rekrutiert. Was keine Rolle spielt (im Sport wie in der Politik), weil unser Nationalismus gegnüber dem Neuen, den Einwanderern immer sehr offen war. Was sich schon nur daran zeigt, dass ein Fünftel unserer bevölkerung ausländische Wurzeln hat, Und die meisten davon wählen ja auch SVP :-)

Es ist einfach gesund und gut, zu wissen, dass da ein Stück Heimat, ein Ausschnitt auf der Weltkarte ist der UNS gehört, wo WIR die Herren sind (und nicht das Geld, globale Konzerne oder supranationale Behörden und Hegemonialbündnisse), wo WIR entscheiden, weil wir uns kennen und UNS mehr vertrauen und von EINANDER gewisse Dinge voraussetzen und erwarten dürfen, was fremde Fötzel in ihren komischen Ländern einfach nicht draufhaben.

@Tigri: Wenn ich nicht überzeugt wäre, im trotz aller seiner schlechten Seiten verdammt besten Land dieser Erde zu leben, dann würde ich schnellstens dorthin abhauen, wo ich glaube oder weiss es sei besser. Ich wüsste auch, wo das ist. Du kannst mich übrigens auf deiner Liste mit Lounge-Teilnehmern die einen familiären Migrationshintergrund mitbringen auch aufführen, du Tessiner.

fufi hat gesagt…

Tja, Orli

Sport, insbesondere Tschüttelen, ist nicht wirklich dein Spezielgebiet.
Was nicht heissen soll, dass du woanders nicht auch gewisse Qualitäten aufweisen könntest. Im Sändele?
:bösgrins:

Germany for World Champion!

fufi hat gesagt…

Auch ICH habe einen Migrationshintergrund!

Meine Ur-, bzw Grosseltern sind vom Tösstal, bzw. dem Seetal in die Stadt zürich eingewandert, vor etwas mehr als 100 Jahren!

Aber, was zumindest das Tösstal betrifft:
Per 1.1.2015 wollen/sollen ja die Gemeinden Bauma und Sternenberg fusionieren. Da gibt's denn vielleicht eine Gratis-Rück-Einbürgerungsaktion?

fufi hat gesagt…

Und namal an den Orlando

Wenn du DAS da wirklich SO Meinst:
"Es ist einfach gesund und gut, zu wissen, dass da ein Stück Heimat, ein Ausschnitt auf der Weltkarte ist der UNS gehört, wo WIR die Herren sind (und nicht das Geld, globale Konzerne oder supranationale Behörden und Hegemonialbündnisse), wo WIR entscheiden, weil wir uns kennen und UNS mehr vertrauen und von EINANDER gewisse Dinge voraussetzen und erwarten dürfen, was fremde Fötzel in ihren komischen Ländern einfach nicht draufhaben."

DANN träum weiter süss!

Carolina hat gesagt…

Germany for world champion? In your dreams, fufi!

Aber ich verstehe, was Du meinst. Bei uns streiten sich drei 'Nationen' darum, dass exakt die Verteilung der Flaggen stimmt - wobei ich finde, dass die Schweizer Flagge in der Ueberzahl sein sollte! Musste daran denken, dass vor Jahren mal ein englischer Innenminister, Michael Howard, sich in die Nesseln setzte damit, dass er Einwanderern, die es wagten, für die 'alte Heimat' zu fanen, den Integrationswillen absprach. Gab eine gewaltige Diskussion (a lot of hot air, actually).
Man beachte in diesem Zusammenhang, wieviele Autos zweiflaggig geschmückt herumfahren - finde ich völlig ok.

Carolina hat gesagt…

Zu Eurer Heimatdebatte: je älter ich werde, desto mehr stelle ich fest, dass mir der Begriff Heimat immer weniger zu sagen weiss.
Ich beneide Mila fast um das Stückchen Scholle - kann das sehr, sehr gut verstehen, auch ohne eine Begründung haben zu müssen (ich nehme mal an, dass es wie eine unbewusste Erinnerung bzw Verankerung an und mit den Vorfahren ist).

Am ehesten kann ich noch etwas mit dem ach-so-aufgeladenen Wörtchen Patriotismus anfangen, der für mich aus den Komponenten Nationalstolz und Loyalität besteht. Keine Nation ist perfekt, aber die Tatsache, dass ein Teil meiner Familie hier in allerhöchster Not Aufnahme gefunden hat und dass ich meine Kinder hier sicher und geschützt aufwachsen sehen darf, verbinden mich mit der Schweiz in höchstem Masse.
Egal, wieviele Unzulänglichkeiten es natürlich auch hier gibt, aber die humanistische Tradition der Schweiz (damit meine ich auch, den eigenen Bürger in seinen Befindlichkeiten ernst zu nehmen), ist für mich ausreichend, mich zu ihr zu bekennen (sorry, immer dieses Pathos).

fufi hat gesagt…

Und ja, ich bin stolz darauf, ein Tösstaler zu sein, ein Zürcher, ein Schweizer.
Aber wenn ich's mir so bedenke, manchmal, bin ich zuallervörderstens ein Mensch. Glaub?

fufi hat gesagt…

Man beachte in diesem Zusammenhang, wieviele Autos zweiflaggig geschmückt herumfahren - finde ich völlig ok.

ICH auch!
(Wenns denn die Scheizer und die Deutsche Flagge sind??)

Carolina hat gesagt…

Haha! Auch gut, wenn man an den Schrebergärten der Schweiz vorbeifährt (oder den Hochhäusern mit je einer Satellitenschüssel auf dem Balkönli): Portugal, Kroatien, Schweiz, Deutschland, Italien etc etc - alles vertreten!
Es gibt nichts besseres, als einen Match (z.B. den am Sonntag) mit ganz vielen unterschiedlichen Nationalitäten zu schauen - ist erstaunlich, wie gut das funktioniert;-))

fufi hat gesagt…

NEIN, Carolina!
Der Matsch am Montag um 13:00!

Orlando hat gesagt…

Hm, interessant: http://politblog.tagesanzeiger.ch/blog/index.php/26394/ich-liebe-menschen-nicht-ein-geschlecht/?lang=de

Tiger hat gesagt…

Also eigentlich zitierte ich Otto Waalkes aus einem Grund, den ich aber 1. vergessen habe mittlerweile und wo ich 2. nicht mehr weiss, was ich sonst Gescheites sagen wollte. Wie auch immer.

Ein paar US-Aufrufe waren übrigens wohl von mir, als ich damals undercover die USA verunsicherte.

Von wegen Arth... kennt Ihr den Tierpark? Wirklich nett. Die Hirsche laufen einem hinterher wie die Hündchen und sind nicht so hinter Zäunen abgesperrt.

Ich sag mal meinen Kollegen von der Lounge. Vielleicht hat der Einte oder die Andere Lust auf einen gelegentlichen gepflegten Zusammenschiss von Orlando. Abgesehen davon haben sich ja gewisse Leute hier schon eine vielmonatige Auszeit gegönnt, vielleicht kommen sie ja wieder...

Von wegen Pimm's: kenne ich auch nicht. Ich mag immer noch einfach Caipiroska alla Fragola: Wodka, brauner Zucker, viel gestossenes Eis, eine Limette, Erdbeerpulpe. Alles in vernünftigem Verhältnis mischen, die Limette zerdrücken, ansonsten kann wenig schief gehen (0.4 dl Wodka, der Rest is up to you).

mila hat gesagt…

@Orlando: Interessant fände ich eine Diskussion zur geplanten Reform des Familien- respektive Eherechts. Aber nicht auf dem Conchita-Wurst-Niveau von Toni.

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Ich-habe-ueber-100-Mails-erhalten-80-Prozent-negativ/story/16672056

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