Samstag, 5. Juli 2014

Germany for World Champion 2014

Es sei Tschütteli-Weltmeisterschaft

Haben sie am Radio gesagt, und das ist auch in der Zeitung gestanden und sogar im Fernsehen gekommen. Und zwar in Brasilien, und sogar im Urwald. Und die GANZE Welt schaue in den brasilianischen Urwald, wegen der Tschütteli-Meisterschaft.

Nicht etwa wegen den Quadratkilometern Regenwald, wo dort stündlich vernichtet werde, oder den Slums wo nicht mal Gott selbst mehr die Gewalt stoppen kann, sondern wegen der Tschütteli-Meisterschaft.

Also irgendwie muss DIE ja schon ganz WAHNSINNIG wichtig sein, diese Tschütteli-Weltmeisterschaft in Brasilien?


Brot und Spiele und Milliarden

Da waren die alten Römer ja schon fast altruistisch, wenn sie dem geplagten Voulch so Zirkus-Spiele anboten. Ok, DIE gingen manchmal tödlich aus, aber scheint's wird an der WM auch so lustig um sich gebissen und da geht dann auch mal ne Lendenwirbelsäule zu Bruch.
Der Sport lebt von Emotionen sagen sie - und die Wirtschaft auch
Wieviele NAZIONAL-Trikots wohl wieder verkauft wurden? und andere Fan(antiker)-Artikel?

Und wenn der Beisser da sone Busse von 100'000 Dollar zahlen muss, tja, so einen Wochenlohn mag der Arme Sünder wohl verschmerzen.
Und NIEMAND regt sich darüber auf, dass der Beisser und andere so Tschütteler und "Sportler" ein Vielfaches von dem Abzocken, was die Abzocker abzocken!
5 Millionen Euro für 1 Jahr Tschüttelen?


Hypes sind Hypes sind Hypes

Mag sich noch wer erinnern, dass da im 2012 Olympische Spiele waren, in London?
Da waren doch alle Medien voll davon. Und da haben MillionenMilliarden Menschen zugeschaut, zum Beispiel dem Final im Hochsprung der Frauen.
WER von denen weiss heute noch wer gewonnen hat?
Ok, ich mach's einfacher: Sotschi war erst vor 5 Monaten.
WER wurde Olympiasiegerin im Slalom der Frauen?

Und weil wir grad beim Tschüttelen sind:
WER gewann 2010 das Spiel um den 3tten Platz gegen WEN?


Over and gone!


Die im Dunkeln sieht man nicht

Und dann gibt's daneben noch andere wo auch Sport machen. Spitzensport sogar.
Ich kannte, als ich noch ein Bübli war eine, wo Synchronschwimmen gemacht hat.
6 Tage pro Woche Training. Sie wurde CH-Meisterin bei den Juniorinnen.
Mein Nachbar ist zweifacher Europameister. Im Eisstockschiessen.

Ich hatte mal einen Studienkollegen, der war blind.
Und er wurde CH-Meister im Torball.
Und er hat sich für die Paralympics qualifiziert, im 200m-Lauf.
Und 1 Woche vor Beginn hat er sich beim Training den Knöchel gebrochen.

Ich widme diesen Post all den Spitzensportlern im Dunkeln!

6 Kommentare:

fufi hat gesagt…

Und ja früher, VIEL VIEL früher wurden während den olympischen Spielen ALLE kriegerischen Handlungen eingestellt.
Es herrschte, zumindest, so ne Art Waffenstillstand.

Tempi passati!

fufi hat gesagt…

Und obwohl DIE SCHWEIZ ja bereits im Achtelfinal ausgeschieden ist, haben, sagen sie, denn einige SCHWEIZER ihren MARKTWERT massiv steigern können.
Holy Smoke!

Tiger hat gesagt…

fufi stellt natürlich die richtige Frage: Wenn Orlando als Jude in Ashdod geboren wäre, dann wäre er kaum je Christ geworden, und er wäre immer davon überzeugt gewesen, dass es das Beste ist, Jude zu sein.

Warum ist das nicht so passiert, Orlando? Das ist ZUFALL!!!

Orlando hat gesagt…

Mpf, was willlst du hören, dass es Vorsehung war? Nein, das wirst du nicht hören, jedenfalls nicht von mir. Wenn es Zufall ist, dass du hier mitschreibst, statt dein Dasein als Schmeissfliege in Indien oder als Stein im Weltall zu fristen...na und?

Der Erkenntnisgewinn scheint mir gering.

Ich würde da eher vom Begriff Schicksal ausgehen. Ja, es gibt ein Schicksal. Keine Kinder zeugen zu können ist Schicksal, in eine steinreiche Familie geboren werden ist Schicksal, schwul zu sein ist Schicksal, hochbegabt zu sein ist Schicksal. Mit einem schönen Körper geboren zu sein ist Schicksal. Dass wir nicht alle so gescheit sind wie Einstein ist Schicksal, aber auch, dass wir nicht alle indische Strassenkinder sind.

Was tun? Man kann natürlich ein Leben lang über sein Schicksal jammern (oder jeden Tag vor Freude weinen, und Gott danken, wie gut es das Schicksal mit einem meint).
Entscheidend ist, was man daraus macht. Das ist dann die menschliche Freiheit, entweder untätig und mit dem Schicksal hadernd zuzuschauen wie die eigene Erdenzeit abläuft oder selber nach dem Glück zu suchen, etwas zu tun, um seinem Leben einen Sinn und eine Richtung zu geben. Das macht mE sowohl der ISIS-Kämpfer wie der Shop-Owner in der Favela, als auch der Nigerianer, der an der Langstrasse Drogen dealt als auch die alleinerziehende Mutter, die nach Feierabend noch Sitzung mit der Schulpflege hat. Sie alle nehmen ihr Leben in die Hand und streben nach den je eigenen Glück. Genau dafür hat Gott uns mit einem freien Willen ausgestattet.

Dass man dabei nicht von gleichen Voraussetzungen ausgehen kann, ist mir klar. Religionsfreiheit zum Beispiel ist nicht überall gegeben (nebenbei bemerkt: je mehr Religionsfreiheit es gibt, desto mehr Christen gibt es).

Aber der Sohn eines orthodoxen Juden, die Tochter eines bärtigen Muslims ist trotzdem nicht rein zufällig dort geboren. Respektive - und darum geht es mir hier die ganze Zeit - er/sie befindet sich in einer ganzen Reihe von Ahnen, in einem kulturellen Raum und mit dessen Erbe vor, aus dem er das beste zu machen versucht. Das schicksalshafte Geborenwerden schafft vor allem Identität. Wenn alle einfach die Hände verrühren und sagen "ich bin ja nur zufällig überhaupt auf der Welt und noch zufälliger hier, wo ich nun mal bin", dann wäre damit gar nichts gewonnen. und es entspricht ja auch nicht der gelebten Wirklichkeit.

Sind deine Eltern aus Zufall deine Eltern, liebst du sie deshalb aus Zufall, Tigri? Ist deine Tochter nur ein Zufallsprodukt?

Der Schlüssel: Die Liebe. Vom Tag eins ist sie da. Das vierte Gebot sagt nicht explizit "du sollst deinen Vater und deine Mutter lieben", aber genau das ist gemeint. Stabile Gesellschaften, starke zwischenmenschliche Bünde und manchmal (vernunftlose) Liebe sind Gott sei Dank auf der Welt die Normalität. Dabei entstehen Volksgemeinschaften, kulturelle Werte, Religion und Nationen. Das schafft Stabilität, Frieden, Ordnung und Freiheit.

Wie billig und dumm ist es da, von einem Westler (der in all das obige hineingeboren wurde und dazu noch mit Wohlstand gemästet) zu hören: "Alles Scheisse, Leute, purer Zufall, wir sind bedeutungslos, lasst uns in unser Möbel-Pfister-Stube hocken und das Nichts denken, alles andere hat keinen Sinn".

fufi hat gesagt…

Nicht schlecht, Orlando,
wirklich nicht schlecht :-)

Aber vielleicht sollten "wir Westler" und halt eben auch Gedanken machen übder das Schicksal der NICHT-Westler, der verreckenden Somalier, zum Beispiel, und uns fragen, ob wir da nicht so eine Art Verantwortung hätten, auch und gerade wenn "die Liebe" der Schlüssel wäre.
Mehr dazu gibt's in meinem nächsten Post!

Tiger hat gesagt…

"Sind deine Eltern aus Zufall deine Eltern, liebst du sie deshalb aus Zufall, Tigri? Ist deine Tochter nur ein Zufallsprodukt?" Kurze Antworten: Ja und ja.

Orlando, Schicksal oder Vorsehung, ich glaube, dass dies in Deiner Ansicht einerlei ist. Es ist etwas Vorausbestimmtes. Wenn es nämlich nicht vorausbestimmt wäre, wäre es "ZUFALL".

Das mit dem Nichts ist sicher nicht mein Wort, das ist fast schon diffamierend. Ich sage Zufall, und nicht Nichts. Das ist ein Unterschied...

Wie auch immer: Du verwedelst. Im wissenschaftlichen Duktus heisst das "Proof by vigorous handwaving". Nichts Wert. Wenn der Jude in Ashdod nicht aus Zufall sondern mit einem Sinn dahinter als Jude in Ashdod geboren ist, dann hat dieser Sinn ja einen Wert, und dieser Wert ist kaum geringer als der Wert davon, dass Orlando in Benken im Weinland geboren wurde (als Katholik, also in der Diaspora...). Warum soll es dann irgendwie besser sein, Katholik zu sein als Jude? Wenn es ja einen Sinn hat, Katholik bzw. Jude zu sein? Nein, in meinen Augen ist es das nicht. Und es ist auch keine Wahl, bei den meisten Leuten nicht jedenfalls. Ein Bauernjunge aus Benken oder Ashdod wird nur in sehr wenigen Fällen je die Religion seiner Eltern wechseln.

Orlando, ich stelle Fragen. Fragen, die Deine Antworten untergraben. Ich selbst habe keine Antworten. Der Zweifel steht bei mir weit, weit oben.

Ebbi dei dubbi sì
Ebbi dei dubbi no
Ebbi dei dubbi mamma
E tanti ne avrò
Chi dubbi non ne ha
Chissà cosa farà
Dimmi dimmi dimmi dimmi
Tu quanti dubbi hai
...Ebbi dei dubbi già
Il primo giorno di scuola
E all'università
Ebbi dei dubbi ancora

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und danach sagt Edoardo Bennato in "Abbi dubbi" noch das hier:

Non ebbi dubbi solo sul rock'n'roll
Non ebbi dubbi solo sul rock'n'roll
Nemmeno un dubbio solo sul rock'n'roll
Non ebbi dubbi no!
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