Sonntag, 26. Juni 2011

Macht und Ohnmacht

Der mächtige Weise

Vor vielen hundert Jahren herrschte ein tyrannischer Scheich über ein Land, dessen Grenzen zu umschreiten das Leben eines Mannes nicht ausgereicht hätte. Sein Name war Abdul al-Saddiq, ein Name der gefürchtet war von den Oasen der grossen Wüste bis zu den Bergen des Nordens, ganz besonders aber in der Stadt, wo sein Palast stand. Im Innern ihrer Mauern wagte keine Zunge, diesen Namen auch nur zu flüstern, der berühmte Weise El-Qijehr, der an diesem Ort eine Nacht lang hatte sein Lager nehmen müssen, glaubte sogar, dass ihre Einwohner es nicht einmal ertrugen, diesen Namen zu denken.

Nun machte sich einst der älteste Sohn des Scheichs auf, um einige Tage lang alleine in der Einöde der Wildnis zu jagen, seine Fertigkeiten als Schütze zu üben und seine Geduld und Ausdauer zu stärken. Als er aber in die Stadt zurückkehrte, wurde er von einem grossen Aufruhr in den Strassen aufgeschreckt, und um zu erfahren, was sich während seiner Abwesenheit wohl zugetragen haben könnte, lenkte er die Schritte seines Pferdes in die Richtung, woher er das vieltausendstimmige Schreien vernommen hatte.
Bald sah er einen prunkvollen, mit vier prächtigen Schimmelstuten bespannten Wagen, der nur langsam seinen Weg nehmen konnte durch die Volksmenge, die dem darin sitzenden Manne zujubelte.
Der Prinz wusste sehr wohl, dass sein Vater bei seinen Untertanen verhasst war, dem Scheich konnten diese Freudensrufe bestimmt nicht gelten, zumal er weder den Wagen noch die Pferde im Palast je gesehen hatte. Erstaunt und zugleich erschrocken überlegte er bei sich selbst, ob sein Vater vielleicht in die Gewalt eines Thronräubers gefallen sei, sodass der ausgelassene Lärm dem neuen Herrscher gelten sollte?
Nun hatte es dem Jüngling noch nie an Mut gemangelt, und da er in seiner von der langen Hatz mitgenommenen Kleidung nicht fürchten musste, als derjenige erkannt zu werden, der er war, mischte er sich ohne lange zu zögern unter das Volk und fragte den ihm am nächsten Stehenden, wem dieser Jubel denn gelte.
"Wir freuen uns," lautete dessen Antwort, "dass der Wohltäter dieser Stadt, Mahmad Ibn Salam, nach einer langen Reise unversehrt wieder in unserer Mitte weilt! Ungezählt ist sein Reichtum, endlos seine Güte und unfassbar seine Weisheit! Der Segen des Allmächtigen ruhe ewig auf ihm und seinem Haus!"

Diese Antwort befreite den jungen Prinzen zwar von der Sorge um das Wohlergehen seines Vaters, aber die Unruhe seiner Seele vermochte sie dennoch nicht zu besänftigen, weshalb er sich beeilte, zum Palast zu gelangen. Dort begehrte er sogleich, den Scheich aufzusuchen und berichtete ihm, was er gesehen und gehört hatte.
Mit bekümmertem Sinn fragte er, ob ihn dieses Geschehen nicht mit Besorgnis erfülle, ein Mann von solchem Reichtum könne doch jederzeit zu einer Gefahr für seine Herrschaft werden, erst recht, wenn ihm die Untertanen ihre ungeteilten Herzen zugewandt hätten.
Lächelnd antwortete ihm der Tyrann mit beruhigenden Worten: Höre, mein geliebter Sohn, der dir Auskunft gegeben hat, sprach die Wahrheit. Der Mann, den das Volk liebt, besitzt unermesslichen Reichtum. Gross ist sein Vermögen, grösser noch als mein eigenes. Aber seine wertvollsten Besitztümer sind seine Weisheit und seine Güte. Und deshalb wird er mir und meinem Haus denn auch niemals zur Gefahr werden, weiss er doch, dass mein Wort seinem ganzen Vermögen, all seinen Wohltaten ans Volk, und sogar seinem Leben ein Ende setzen könnte.
Und deswegen, so fuhr der Scheich fort, tut er nur, was ihm seine Weisheit zu tun gebietet: Er geniesst seine Güter, solange sie ihm noch gegeben sind, und freut sich, davon an die Armen verschenken zu können. Er bereichert sein Herz mit deren Dank und schafft sich so ein Vermögen, das ihm niemand je entreissen kann. Er weiss zwar heute nicht, ob er vom morgigen Tag an für den Rest seines Lebens in den Kellern dieses meines Palastes eingekerkert sein wird, doch bestimmt wird er keine Stunde einsam sein. Er weiss nicht, ob er die Sonne noch einmal aufgehen sieht, aber er ist gewiss, dass er im Andenken der Menschen noch lebendig sein wird, wenn du und ich und auch deines Sohnes Sohn längst nur noch Namen in den Büchern der Schreiber sein werden.

Der Allmächtige straft, wem er Gewalt und die Gabe des Krieges zuteilt, aber er segnet, den er beschenkt mit der Macht von Weisheit und Güte.
Gelobt sei der Allmächtige!

26 Kommentare:

Orlando hat gesagt…

Als Herr Keuner, der Denkende, sich in einem Saale vor vielen gegen die Gewalt aussprach, merkte er, wie die Leute vor ihm zurückwichen und weggingen. Er blickte sich um und sah hinter sich stehen - die Gewalt.
"Was sagtest du?" fragte ihn die Gewalt. "Ich sprach mich für die Gewalt aus", antwortete Herr Keuner.

Als Herr Keuner weggegangen war, fragten ihn seine Schüler nach seinem Rückgrat.
Herr Keuner antwortete: "Ich habe kein Rückgrat zum Zerschlagen. Gerade ich muß länger leben als die Gewalt."

Und Herr Keuner erzählte folgende Geschichte: In die Wohnung des Herrn Egge, der gelernt hatte, nein zu sagen, kam eines Tages in der Zeit der Illegalität ein Agent, der zeigte einen Schein vor, welcher ausgestellt war im namen derer, die die Stadt beherrschten, und auf dem Stand, daß ihm gehören soll jede Wohnung, in die er seinen Fuß setzte, ebenso sollte ihm auch jedes Essen gehören, das er verlange; ebenso sollte ihm auch jeder Mann dienen, den er sähe.
Der Agent setzte sich in einen Stuhl, verlangte Essen, wusch sich, legte sich nieder und fragte mit dem Gesicht zur Wand vor dem Einschlafen: "Wirst du mir dienen?"
Herr Egge deckte ihn mit einer Decke zu, vertrieb die Fliegen, bewachte seinen Schlaf, und wie an diesem Tage gehorchte er ihm sieben Jahre lang. Aber was immer er für ihn tat, eines zu tun hütete er sich wohl: das war, ein Wort zu sagen.
Als nun die sieben Jahre herum waren und der Agent dick geworden war vom vielen Essen, Schlafen und Befehlen, starb der Agent.
Da wickelte ihn Herr Egge in die verdorbene Decke, schleifte ihn aus dem Haus, wusch das Lager, tünchte die Wände, atmete auf und antwortete: "Nein."

(Bertold Brecht - Massnahmen gegen die Gewalt)

fufi hat gesagt…

fufi ist kein Literaturist!

Dennoch hier ein Zitat:
"Gegen das Goldfieber gibt es keine Medizin. Das ist ein Krebsgeschwür, das unrettbar zum Tod führt."
Jules Verne - Die Gestrandeten
Absolut empfehlenswert!

Grüsse mit Zitat 2:
"Kein Gott! Kein Herr!"

Lina hat gesagt…

Zwei Geschichten von Männern für Männer? Warum nicht? Wir sind schliesslich nicht im Mamablog. Ein literarischer Ausgleich tut Not.

Die nach Orient und 1001 Nacht duftende "Macht und Ohnmacht" (Der mächtige Weise) sind es bei Fufi, die "Gewalt" eines in meinen (und seinen) Augen verdächtigen Autors, bei Orlando. Es spricht wieder einmal für den vielgerügten Orlando, dass er die Qualität des Textes erkennt, wie er hier - in seiner rasanten und zuweilen unbarmherzigen Art - vieles richtig benennt.

"Gewalt", ein in der deutschen Sprache und Geschichte höchst ambivalenter (und belasteter) Begriff , der brachiale und zerstörerische psychische Einwirkung auf ein Gegenüber ebenso ausdrückt wie, in anderem Kontext, die (wohlwollend beeinflussende oder destruktive) Macht über andere, aber auch gezügelte Ordnungsmacht. Gewalt gegen Kinder, über das Böse, gewaltiger Reichtum, Gewaltenteilung.

Das Personal 1: der tyrannische Scheich, der Sohn, der Wohltäter. Als Hintergrund: das Volk/der Chor/die Tapete/eine Kulisse mit Schloss und Markt. Castello e piazza. Dazu später (aus Zeitgründen, muss Znacht kochen, Leute).

Drei Männer. Einer mit weltlicher/realer Macht, wie uns der Text diktiert, einer mit Ohnmacht, wie uns der Fufi-Titel vorlügt und einer zwischen diesen Welten, ein junger Mann, Prinz und Reisender, unfertig und unentschieden, wie die beiden Alten selbst gewesen sein mögen vor viele Jahrzehnten. Das wäre für mich ein Ausgangspunkt der Überlegung: Wie beeinflussen die beiden polar aufgebauten Sphären männlicher Reife und Arriviertheit, die zwei Möglichkeiten des Seins einen Werdenden? Und, lieber Fufi, der böse Scheich ist ja auch ein Wissender, oder? Er verneigt sich vor dem vermeintlichen Widersacher. Und es sei die Frage erlaubt, ob einer, der alle Leute, die Masse, das Volk begeistert, ein durch und durch weiser Mann sein kann. Die Charaktere sind alles andere als eindeutig angelegt.

Psychologisch haben wir es - wie in Märchen - möglicherweise mit drei sich nicht ausschliessenden, aber sich beissenden und miteinander konkurrenzierenden Aspekten einer einzigen männlichen Figur zu tun. König, Prinz, Weiser (allenfalls: Bettler). Klassisch.

Zur Typologie: Märchen oder etwa Gleichnis? Gleichnis, sagt Fufi.

Das Personal 2: Herr Keuner, die Gewalt, Herr Egge sowie Leute und Schüler, d.h. Öffentlichkeit. Die lehrstückhafte Geschichte des denkenden Herrn Keuner, der die Gewalt als Personifikation erlebt und kein Rückgrat zum Zerschlagen hat, weil er selbst die Personifikation des Rückgrades ist. Was ihn prägt ist die Geschichte des weisen Herrn Egge, der er selbst sein mag und der tut, was verlangt wird, um länger zu leben als die Gewalt, der er aber nie seine Sprache schenkt, ausser in der absoluten Negation. Das ist etwas.

Ein Lehrstück für den Prinzen aus Geschichte 1 und für den Schüler aus Geschichte 2, der alles begreift.

Anna2 hat gesagt…

Oh, oh, im vorherigen Thread habe ich schon gute Nacht gesagt, aber Orlandos Post und Linas Frage schreien danach: Brechts Liebesgedichte gehören zu den absolut unpeinlichsten Sexszenen der deutschen Sprache. Ja, genau so hat er sie genannt, Liebesgedichte. Dabei. Muss wiederlesen - schlafen Sie wohl!

Anna2 hat gesagt…

Schon wieder ich: es war gar nicht Brecht, der sie so genannt hat. "Gedichte über die Liebe", ausgewählt von einem Herrn Hecht, erschienen bei Suhrkamp. So: abiit, excessit, evadit, erupit. (Altenglisch für over and out.)

Orlando hat gesagt…

Brecht fickte in einem Gedicht einmal einen Engel in einem Hauseingang.

Lina hat gesagt…

Nachtrag: der Agent (bei Personal 2). Ausserdem heisst es: konkurrieren ( nicht konkurrenzieren). Das kommt vom schneller Hacken als Denken...

Tiger hat gesagt…

Divide et impera. Oder, wie es im US-Krimi des 20. Jahrhunderts genannt und gemacht wird: good und bad guy.

Lina hat gesagt…

Patrick: Divide ed impera? Darüber muss ich nachdenken.

Beim Good-Guy-Bad-Guy-Konzept wird es ja immer dann interessant, wenn sich die Konturen verwischen und Irritationen gesetzt werden, wenn sich die Extreme berühren oder Zwillingshaftes, Vertauschtes, Verkehrtes auftaucht, wenn der Good Guy gleich viel Gewalt anwenden muss wie sein Widersacher, um das Gute zu wahren, der gleich clevere Bad Buy als jemand, der Angst empfindet, jemanden schützt oder liebevoll eine Hamster hält, dargestellt wird oder wenn seine (akzeptablen) Motive geklärt werden. Zum Schluss: das Duell. Zuerst gerüstet mit Psychologie und/oder Technik, zum Schluss gerne mit Fäusten aufs nackte, "wahre" Gesicht, Faust gegen Faust, Hirn gegen Hirn. Nicht selten mit implizit homoerotischer Geste. Der Kampf als sublimierter Liebesreigen, der im konventionellen Film wenig Platz hat, aber für männlichen Feindschaften oft konstitutiv ist: Sie hätten Freunde sein können. Allenfalls scheint gar Respekt oder eine Art verquere Zärtlichkeit durch die Bilder und die Worte, zumindest eine Restanerkennung. Und uns Zuschauern schwant, dass wir alle irgendwie gut sein wollen, aber stets ein kleines Mistvieh in uns herumtragen und deshalb Eindeutigkeiten auch im Kino bevorzugen, vor allem, was den Schluss anbetrifft. Nur pöh! wünscht sich kein Happy End.

Wo bist du, pöh! Was soll das Versteckspiel? Komm endlich!

Orlando hat gesagt…

@Lina: ist dir langweilig, dass du aus unreflektiert hingeworfenen Müll noch schöne Girlanden drehst?

Ich hätte da auch noch ein paar Begriffe aus dem Fundus meines permanenten Brainstormflusses:

- good cop, bad cop
- Bruderzwist
- Dreicksgeschichte
- Ringparabel
- whodunnit

So.

Lina hat gesagt…

Ich habe keine Girlande daraus gedreht, sondern ein Krönchen für Orlandos Haupt gezaubert *blingbling* sowie

- eine Ritterrüstung
- jede Menge Minneideen (Hohe Minne, versteht sich)
- zwei Artus-Schwerter und Lanzenvorrat (sowie ein Maschinengewehr)
- den Rappen
- den sprechenden Löwen
- Beitritt zum Orden deiner Wahl
- adelige Papiere
- mich als knusprige Tante am Turmfenster mit einem seidenen Tüchlein, das mir - so eine Dung auch! - aus dem zarte Händchen gerutscht ist
- Feind deiner Wahl

Orlando hat gesagt…

Oh, eine Krone, wie schön.
Ein Kränzchen tuts amigs auch. Ein seidenes Tüchlein, ich fange es auf und schlage mit dem Lanzenvorrat jedem die Hand ab, der es ebenfalls versucht. Wie komme ich aber den Turm hoch um es der knusprigen Tante zurückzugeben und etwas Minnesang zu betreiben? Muss ich zuerst den DRACHEN (den du vergessen hat in deiner Aufzählung, tz tz) töten, der den Turm bewacht?

Wohlan, frisch gewagt!

Die Tante hat doch nicht etwa einen Keuschheitsgürtel um, oder? Weil sonst müsste ich das Maschinengewehr auch mit hoch nehmen. Ja irgendwie muss man den doch öffnen können!

Orlando hat gesagt…

Wollte nicht anzüglich werden, gell. Erinnerte mich nur an die Szene aus Woody Allens "Was sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nie zu fragen wagten".

Ist das eigentlich der längste Filmtitel der Filmgeschichte? Ich glaube fast oder?

Lina hat gesagt…

Waaas, du wolltest nicht anzüglich werden? Sauerei!

Lina hat gesagt…

Ich google ja sehr ungern, aber für dich, Orlando, habe ich den längsten Filmtitel eruiert:

Un Fatto di sangue nel commune die Sculiana fra due uomini per causa di una vedova si sospetano moventi politici. Amore-Morte-Shimmy. Lugano belle. Tarantelle. Taralluci e vino.

Passt doch bestens.

fufi hat gesagt…

Also wer einen Keuschheitsgürtel mit einem MG öffnen will, muss sich nicht wundern, wenn er unbefriedigt bleibt, sozusagen!

Aber vielleicht geht's ja bloss ums öffnen?

fufi hat gesagt…

@Lina

"Zur Typologie: Märchen oder etwa Gleichnis? Gleichnis, sagt Fufi."

Liebe Lina, da muss ich dich leider enttäuschen.
Habe diesen Text vor rund 20 Jahren geschrieben, als ich mir selbst die Aufgabe stellte: "Fingerübung im Schreiben im orientalischen Stil."

Wenn's denn noch heute aktuell ist und so!

Freut mich jedenfalls!

:Lächeln oder Grinsen?:

Orlando hat gesagt…

@éina

wie fragte man sich da: "Warst du schon in diesem neuen Streifen, 'Un Fatto di sangue nel commune die Sculiana fra due uomini per causa di una vedova si sospetano moventi politici. Amore-Morte-Shimmy. Lugano belle. Tarantelle. Taralluci e vino.'? Ist imfall echt geil!"

Die handlung ist eigentlich mit dem Titel schon erzählt. Ist sicher so ein sozialrealistischer Film as den Siebzigern, mit kaum Dialogen, weil der Drehbuchautor nach dem Titelsetzen in den Streik getreten ist. Avanti Popolo, Bandiere Rosso!

Tiger Oscarverdächtig hat gesagt…

Lina... der Witz geht weiter. Der Film mit diesem tollen Titel "Un fatto di sangue nel comune di Siculiana fra due uomini per causa di una vedova. Si sospettano moventi politici. Amore-Morte-Shimmy. Lugano belle. Tarantelle. Tarallucci e vino" (etwa "Eine Bluttat in der Gemeinde Siculiana zwischen zwei Männern wegen einer Witwe. Vermutet werden politische Motive. Liebe-Tod-Shimmy. Schöne Lugano. Tarantelle. Tarallucci und Wein") von 1978 ist

Lina (!!!) Wertmüller, eine Schweizerisch-Italienische Filmemacherin aristokratischer Herkunft, aber mit kommunistisch-feministisch-anarchistischen Themen.

Lina hat gesagt…

Wertmüller = Vertemate (aus Chiavenna, dem früheren Nizza der Alpen, ans Bergell angrenzend, ehemaliges Untertanenland der Drei Bünde). Eine europäisch bedeutende Familie (Habsburger-Berater, Münzprägerecht in Venedig, grosse Flotte, Besitz praktisch aller Silberminen auf dem Territorium der heutigen Schweiz), die in Basel (, wo sie ins Chemie-Business einstiegen) den Namen angepasst hat.

Sie besassen vor dem Felssturz in Piuro/Plurs zu Beginn des 17. Jahrhunderts einen gigantischen Renaissance-Palast, der Boden des Festsaals bestand aus Goldmünzen, die jedoch nicht flach ausgelegt waren, sondern aneinandergereiht, der Höhe nach...

Die Zürcher Pestalozzi stammen ebenfalls aus Chiavenna. Und die Toriani-Tasso in der Nähe von Bergamo wurden in Deutschland zu der Familie "Thurn und Taxis".

Ähm, kam ich ins Plaudern?

Lina hat gesagt…

Fufi, du darfst grinsen oder lächeln, wie es dir beliebt...

Aber ich hatte recht: ein Gleichnis. Denn: Du hast es geschrieben. Well done!

Tiger Kritico hat gesagt…

Äh, fufi, die Fingerübung ist gelungen, wirklich. Ein Text mit einer nicht gerade glasklaren Moral. Gefällt.

fufi hat gesagt…

@lina und Tiger:

Merci vilmal!

Anna2 hat gesagt…

Eine schöne Geschichte, fufi.

Brecht, Liebeslied:

Man muß schon Schnaps getrunken haben
Eh man vor deinem Leibe stand
Sonst schwankt man ob der trunken Gaben
Von schwachen Knien übermannt.

Oh du, wenn im Gesträuche kreisend
Der Wind die Röcke flattern läßt
Und man, das weiche Tuch zerreißend
Die Knie zwischen deine preßt.

Der Abendhimmel macht das Saufen
Sehr dunkel, manchmal violett.
Dazu dein Leib im Hemd zum Raufen
In einem breiten weißen Bett.

Die Wiese schwankt nicht nur vom Trinken
Wenn man in deinen Knien liegt.
Der dunkle Himmel will versinken
Indem er sanft sich schneller wiegt.

Und deine weichen Knie schaukeln
Mein wildes Herz in deine Ruh
Und zwischen Erd und Himmel schaukeln
Wir leicht geschwellt der Hölle zu.

OK, sehr explizit ist es nicht. Muss es aber auch nicht. Der Kerl war gerade mal zwanzig, als er es schrieb.

Lina, dass der schrullige General aus dem Schuss von der Kanzel mit diesem Vertemate'schen Urahnen verwandt war, den man als weibliche Besucherin unbedingt grüssen musste, weil er sonst durchs Zimmer spuken kam... herrlich!

Gute Nacht.

Lina hat gesagt…

Es gibt einen im Jagdschlösschen der Vertemate in Prosto, das nicht verschüttet wurde, der aus seinem Bild recht keck die Frauen anschaut und unbedingt zu grüssen ist, will frau des Nachts nicht von ihm heimgesucht werden.

Und es gebe da einige, die partout nicht grüssen wollen.

Anna2 hat gesagt…

P.S. beim Blättern im Gedichtband: Das war eine Kopie aus dem Netz und enthält Fehler. Es muss heissen: TRUNKNEN Gaben. DEN Abendhimmel.

Gute Nacht!

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