Montag, 24. Dezember 2012

Frohe Festtage mit fufi!

In der festlich geschmückten Lounge leuchten die Kerzen am Christbaum, die göttlichen Klänge von JSB’s Oratorium erbauen unser Gemüt mit viermal 400 Watt und ein übervolles Gratis-Buffet zeugt von praktizierter Nächstenliebe meinerseits, vom tiefen Verständnis meines christlichen Wissens darum, dass Geben so ungleich seliger ist als Nehmen.

In dieser solennen Atmosphäre gehören ein paar besinnliche Worte des Verwalters des Weinkellers des Herrn  - von MIR (MIR: russisch = Frieden), also - doch ganz einfach dazu, wir leben ja bekanntlich nicht von Lachsbrötchen und Veuve Cliquot alleine, nein, wir bedürfen scheints auch des Wortes desjenigen, der seinen Sohn einst in einem Kuhstall hat zur Welt kommen lassen, in einer Futterkrippe, von Stofffetzen notdürftig warmgehalten, von einer Mutter geboren, die nicht wusste, ob und wie sie den Kleinen denn überhaupt grossziehen könnte.

Ihr habt wohl längst gemerkt, worauf ich hinaus will, nämlich zur allweihnachtsfestlich-obligaten Frage, was an diesem Mega-Event  „Weihnacht“ denn überhaupt noch „christlich“ genannt werden könne.

Ich habe nun allerdings keineswegs die Absicht, einen weiteres Tenorsolo im vielstimmigen Lamento zu singen, und ich glaube nicht, dass wir uns in einen Viehstall legen müssten, um dort gemeinsam mit Ochsen und Eseln an einigen Strohhalmen zu knabbern. Auch von all den sattsam bekannten Verhaltensregeln, wie dieses Fest richtig zu begehen wäre, halte ich, ihr könnt’s euch unschwer vorstellen, nicht besonders viel.
Im Gegenteil: wieso nicht an Weihnachten fröhlich sein und feiern, und dafür das ganze Jahr über sich von Zeit zu Zeit an christliche Schlagworte wie Feindesliebe, Toleranz, Einsatz für Benachteiligte und so weiter erinnern? Ich denke, der Liebe Gott würde damit nicht weniger geehrt, als mit den alljährlichen ach so besinnlichen und wirkungsleeren Seufzereien, wie und was man doch eigentlich sollte, und, Gott sei’s geklagt, alle anderen dann eben leider doch nicht tun.
Womit dem christlichen Gewissen ja meist die Reverenz erwiesen ist und das Festmenü mit um so grösserer Selbstzufriedenheit in sich hineingeschaufelt werden kann.

Genug der nestbeschmutzerischen Rundumschläge

Das Thema, zu dem ich einige Worte sagen möchte, ist nicht die Art, wie wir heute Weihnachten feiern, sondern die Frage, was an diesem Fest denn eigentlich christlich sei, ob es seinem Wesen nach wirklich das sei, als das es uns alljährich verkauft wird: Eines der höchsten Feste des Christentums.

Schauen wir zunächst auf das, was als Symbol für Weihnacht schlechthin steht, auf den Lichter- und Kugelgeschmückten Tannenbaum. Ihr habt wohl keine Mühe, mir zu glauben, wenn ich sage, dass dieser Brauch kaum auf die urchristlichen Palästinenser und Kleinasiaten zurückgehen wird, sondern auf einen erzheidnischen Ritus der Germanen. Um einen Fruchtbarkeitskult, der seinen Bezug gehabt hat zum Sonnenjahr.
Also: nichts ist mit der Christlichkeit des herausgeputzten Tannenbäumchens.
Aber wie steht es mit den Geschenken sowie der Tatsache des Festes überhaupt?
Die Sitte des sich Beschenkens könnte zwar, wie man gerne meinen möchte, auf die Gaben der heiligen drei Könige zurückzuführen sein, wie dieser Brauch ja in gewissen Regionen bis heute nicht an Weihnachten, sondern eben am Dreikönigstag geübt wird.
Leider ist dem aber auch nicht so, dazu später.

Bleibt also noch die Frage, wieweit wir uns auf christlichem Boden befinden, wenn wir Überhaupt um diese Jahreszeit das Weihnachtsfest feiern. Auch hier werden wir uns arg enttäuschen lassen müssen. Kein Evangelium gibt uns Anlass zu glauben, dass Jesus in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember geboren wurde.
Aber zufälligerweise haben die Juden in dieser Zeit ihr Chanukka-Fest gefeiert, ein fröhliches Fest in Erinnerung an die Weihe des Jerusalemer Tempels, das immer auch mit dem gegenseitigen Austausch von Geschenken verbunden war.
Ebenfalls in die Zeit um den 25. Dezember fielen im alten Rom die Festivitäten der Saturnalien, eine ausgelassene Zeit der Festfreude. Und nicht zuletzt liegt der Weihnachtstag verdächtig nahe an der Wintersonnenwende, ab dem 21.Dezember werden die Tage länger und scheint die Sonne wieder mit mehr Kraft, kündigt sich also ein neuer Beginn des ewigen Kreislaufs der Natur an.
Der Lichterbaum lässt grüssen!


Weihnacht soll also kein christliches Fest sein?

Was sagt denn die Bibel zu dieser ketzerischen These?
Nun, eigentlich sagt sie dazu ganz einfach NICHTS!

Denn weder der Evangelist Markus noch Johannes wissen was von der Geburt oder der Kindheit Kindheit Jesu zu erzählen, dafür erhalten wir bei Matthäus und Lukas vermeintlich um so detailiertere Auskünfte.
Beide betonen sie, dass Marias Sohn nicht von einem Manne, sondern vom Heiligen Geist gezeugt worden sei, damit ist’s aber mit der Uebereinstimmung auch schon fertig. Matthäus kennt die Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland, er erzählt uns vom Kindermord in Bethlehem und von der Flucht des heiligen Paares nach Aegypten.
Lukas dagegen gibt uns Kunde vom Kindlein in der Krippe sowie von der Anbetung der Hirten, allerdings weiss er auch noch nichts vom Ochsen und dem Eselein.

Wir sind also genauso klug als wie zuvor, und leider werden wir armen Toren auch nicht gescheiter, wenn wir hören, dass in einigen sogenannt apokryphen Evangelien zwar die Geburt Christi in allen Einzelheiten beschrieben wird, dass diese Schriften aber schon in urchristlicher Zeit als unchristlich und ketzerisch verdammt worden sind.

Vollends von den Beinen geholt werden wir aber dann, wenn wir erfahren, dass die antiken Menschen sehr genau gewusst haben, was ein rechter Erlöser zu sein habe, und wenn wir vernehmen, wie sich ein solcher der Welt zu präsentieren hatte:
Er durfte selbstverständlich, wie dies auch bei allen altägyptischen Pharaonen der Fall war, nur von einer Jungfrau zur Welt gebracht worden sein, und dieses Ereignis musste sich jedenfalls aus der Konstellation der Sterne ablesen lassen (bei den berühmten Weisen handelt es sich um nichts anderes als um Astrologen, eine Kunst die im Morgenland meisterhaft beherrscht wurde).
Dazu wurde der künftige Weltherrscher natürlich von den aktuellen Machthabern brutal verfolgt, und er musste auf alle Fälle auch aus ärmlichen Verhältnissen stammen.

Entweder hat sich der liebe Gott damals also grosse Mühe gegeben, den Heiland nach den aktuellen Standards zur Welt kommen zu lassen, oder aber, was wohl eher zutreffen wird, diese beiden Evangelisten haben sich darum bemüht, mit diesen allgemeinen Vorstellungen, ihre Behauptung zu unterstreichen, dass eben der gekreuzigte Jesus von Nazareth der Christus sei.

Nach all diesen Ueberlegungen kann somit die Antwort auf die Frage, was denn eigentlich christlich sei am Weihnachtsfest, nicht anders lauten als ganz einfach:

Nichts!


Eine schöne Bescherung!

Ihr werdet jetzt ja wohl kaum erwarten, dass ich dieses Ergebnis wirklich so gelten lassen will, also behaupte ich nun, dass es tatsächlich einen christlichen Grund gibt, weshalb wir das Weihnachtsfest mit bestem Gewissen feiern dürfen. Dieser Grund liegt darin, dass wir daran glauben, dass Jesus von Nazareth eben wirklich der Christus sei. Und es ist eine historisch verbürgte Tatsache, dass um’s Jahr 30 ein Mensch dieses Namens am Kreuz hingerichtet worden ist. Das bedeutet aber offensichtlich, dass ein Mensch dieses Namens auch einmal gelebt hat und dementsprechend irgendwann hat geboren werden müssen.
Ist es nun derart abwegig, diese Tatsache feiern zu wollen, uns darüber zu freuen, dass einst unser Heiland geboren ist? Wollten wir dieses Ereignis aber so feiern, wie das seiner Bedeutung angemessen wäre, dann müsste dieses Fest wohl 365 Tage im Jahr dauern, und solche Festivitäten vertragen sich nun einmal nicht gerade gut mit den alltäglichen Zwängereien, denen wir uns lebenslänglich ausgesetzt sehen.
Was liegt somit näher, als einen bestimmten Tag festzusetzen, der stellvertretend als Festtag gelten soll? Und ist es dann so unverständlich, wenn wir diesen Tag zu einem Zeitpunkt wählen, wo uns die religiöse Umwelt bereits ein Fest mit fröhlichem Charakter vorgegeben hat, zumal wenn wir Über das Ereignis der Geburt Jesu keine genauere Kenntnis der Fakten besitzen? Entspricht solches nicht vielmehr einem menschlichen Bedürfnis und auch der menschlichen Natur?

Und stellen wir uns dazu noch vor, Jesus wäre wirklich der Christus gewesen, der uns Menschen mit Gott versöhnt hat, müssten wir uns dann etwa unserer Menschlichkeit schämen, oder dürften wir uns nicht vielmehr gerade unseres Menschseins freuen, auch wenn das manchmal bedeutet, ein bisschen abergläubisch, ein bisschen heidnisch zu sein?

Deshalb behaupte ich, dass Weihnacht wirklich ein christliches Fest ist, und zwar dann, wenn wir selbst uns als Christen bezeichnen dürfen!
Nur wir sind es nämlich, welche dieses „heidnische Konglomerat von Riten“ zu einem christlichen Ereignis machen, indem wir dieses Fest als Christen feiern. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (Mt 18,20).


In diesem Sinn wünsche ich uns allen:

Schöne Festtage! 

43 Kommentare:

fufi hat gesagt…

Und um noch eins draufzugeben:
So wie's aussieht, haben wir hier oben zumindest teilweisse Weihnacht.
Ich fürchte, auch sowas hätten die jungen Eltern damals dankend abgelehnt!
;-))

Anonym hat gesagt…

hmm..., tut mir leid, folks, dass ich jüngst nicht etwas mehr zeit hatte, da waren viele interessante inputs, die es verdient gehabt hätten, etwas ausführlicher debattiert zu werden. ich habe einiges aber sehr wohl zur kenntnis genommen.

weil ich auch jetzt schon wieder etwas hinter dem zeitplan liege, nur noch das: allen ein schönes weihnachtsfest und keule schlägt brust immer und bei jedem tier - ausser vielleicht gerollt vom kalb neben einer weltsportion stock mit seeli.

auguste - see ya round

youtube: jennifer nettles - silent night

Orlando hat gesagt…

Weihnachten lässt sich ebensowenig aufgrund seiner (hypothetischen) Einflüsse aus vor- und aussrchristlichen Zusammenhängen und Narrationen erfassen, wie die Person Jesus Christus bloss als historische Person verstanden werden kann.

Was und wie die Mehrheit von uns feiert hat ja auch kaum rituellen Charakter. Filet im Teig hat relativ wenig mit dem Christentum zu tun, ebensowenig, was ein reformierter Pfarrer an der Mitternachtsmesse von der Kanzel schwatzt, da halte man sich lieber an Hochzeiten, Beerdigungen und eine rechte Abendmahlsfeier.

Ich habe mit meiner Nichte gestern ein Wimmelbuch-Tableau von der Krippenszene angeschaut, war alles da, Stall, Krippe, Könige, Engel, Hirten, Schaf und Ochs. Eine kraftvolle, konzentrierte Szene, die über Jahrhunderte von Menschen aufgefüllt wurde, die darin ihre Lebenswelt (bäuerlich-handwerklich, pastoral, gläubig, die weltlicheh Mächte kommen darin vor, Luxusgüter und im Kern: die Urfamilie).

Und doch ist das stärkste im Bild stets die Familie, Mutter, Vater, Kind. Nativität als Ereignis, das den ganzen Erdkreis und alles was in ihm lebt und kreucht und fleucht in bedeutungsschwangere Poesie taucht, in andächtiges Staunen vorm Wunder der Geburt, was dem lebensweltlichen Universum des Betrachters eine Richtung, eine Ordnung und einen Sinn gibt.

(Ich fragte mich, wie eine zeitgemässe und politisch korrekte Krippenszene wohl aussehen könnte? Das Schwulenpäärli Mario und Josef mit dem Kind, das von der Eselin als Leihmutter ausgetragen wurde und das sein soziales Geschlecht erst noch definieren muss, die Hirten feiern Ramadan und rollen die Gebetsteppiche aus und die Atheisten fangen mit Netzen die Engel ein und prügeln sie windelweich, die unheiligen drei Königinnen predigen das Recht auf Abtreibung, frühkindliche Sexaufklärung und genderkonforme Umerziehung. Sie bringen Haschisch, Verhütungspillen und Viagra und den Stutz von der Sozialhilfe mit, während der Ochs die Türe zur subventionierten Kinderkrippe aufschliesst...)

Frohes Fest allerseits!

Orlando hat gesagt…

Lesetipp: Das gestrige Tagi-Interview mit Kardinal Koch http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Der-heilige-Geist-ist-der-beste-Freund/story/18463552

Der dümmliche Journalist versucht mit seiner antikatholischen Haltung hie und da etwas an der Oberfläche zu kratzen und der Gottesmann antwortet elegant und schlagfertig aus Geistestiefen, die vom ganzen debilen Mediengebrabbel um Universen entfernt sind.

fufi hat gesagt…

Jaja, unter Kochs Vorgänger Bischof Vogel haben die Nonnen halt was anderes gelernt als das Kochen!

fufi hat gesagt…

Und nochwas fon wegen der Weihnacht:
Wer war dieser Jesus - aus der Sicht eines Historikers:

http://www.srf.ch/player/radio/popupaudioplayer?id=8ff96a24-0dfb-4c8d-a186-eef2e9626029

Carolina hat gesagt…

Last mich mal raten: Ihr müsst alle kein Weihnachtsfest ausrichten, habt entweder keine kleinen Kinder mehr oder überhaupt keine, seid womöglich bei der Familie eingeladen, wo jemand anders die ganze Arbeit macht (meistens ja doch wohl die Frau des Hauses), alles sehr gepflegt und anständig.... Wie sonst könnt Ihr hier schon um 10 Uhr nach Heiligabend gepflegt Konversation pflegen?

Werde jetzt mal ein wenig jammern, das ist mein Privileg als meistens einzig weibliches Wesen in diesem Blog:
Zwei Turkeys erfolgreich gebraten, 16 Leute untergebracht, vom Flughafen abgeholt, mit Apéro versorgt, gepflegt Konversation gemacht, getröstet, gelacht, geweint, mit köstlichem Essen und wunderbaren Getränken versorgt, mit (selbst mitgebrachtem) Gebäck bewirtet, das beste Dessert aller Zeiten (Spekulatius-Parfait) serviert, dem einzigen (und vergessenen) Vegetarier eine Alternative vorgesetzt (grrrr!) - und das war nur das Essen! Dann viel zu viele Kerzen angemacht, den Baum fast abgefackelt, da wie jedes Jahr die Hunde wild geworden sind, eine merkwürdige Mischung aus englischer und schweizerischer Weihnacht gefeiert, zuviel getrunken, zuviel gegessen, mindestens 2 kg zugenommen...... Um 3 ins Bett - immerhin haben die Heinzelmännchen die Küche aufgeräumt.
Heute morgen Brunch für 16 Personen......

Was für eine wunderbare Weihnacht!

Orlando: Sie haben einen neuen Fan - habe Ihre alternative Weihnachtsgeschichte vorgelesen und mein Mann lässt Ihnen ausrichten, dass er Sie um Ihre Fantasie beneidet (re Engel......).

So - und jetzt Café und Kuchen auf der sonnendurchwärmten Terrasse, ein Traum.

fufi hat gesagt…

Sag mal C.:
Warens wirklich die Heinzelmännchen, und nicht etwa die Hunde, wo die Küche aufgeräumt haben?

Wünsch euch allen was!

fufi hat gesagt…

Ich mein, C., weil damals warens ja auch unsere Kätzchen, wo zuerst die Wienerli aus der Gerstensuppe auf den Küchenboden befördert haben, und danach die Wehnachtsgutzeli aus dem Körbli auf den Stubenboden.
Und stets hat s'Hundi geholfen, die ganze Sche zum Verschwinden zu bringen.
Sozusagen!
;-))

C. hat gesagt…

Hast schon Recht - die Hunde sind besser als so mancher Staubsauger. Apropos 'Unfälle' mit den lieben Tierchen: vor Jahren waren wir mal bei Freunden eingeladen zum Spaghettiplausch - irgendwann kam ein Schrei, als unser Kollege den freifliegenden Wellensittich oder-was-immer-für-ein-Vogel-das-war in der Spaghettisauce fand. Wir sind dann in die Pizzeria gegangen (nach dem Begräbnis).

Euch Männer interessiert das natürlich nicht, aber die weiblichen Mitglieder der Familie ziehen sich jetzt zurück, um Sissi zu schauen - muss sein...... Schönen Weihnachtstag noch!

Tiger hat gesagt…

Also, Leute, aus gegebenen Anlässen (Weihnachten, ergo Ausverkauf, ergo Computerkataloge in der Post PLUS totaler Hardwareabsturz) kaufe ich mir ein neues Rig. Muss sein.

Das bei weitem beste Preisleistungsverhältnis, das ich so gefunden habe mit einer guten Stunde Vergleich, hat die Migros mit der Maschine Acer Aspire 5750G mit einem Boliden als Prozessor (der absolut schnellste erhältliche Intel-Prozessor kostet über 2000 Franken und ist etwa dreimal so schnell wie dieser hier), der in der Leistungsklasse rennt von Prozessoren, die alleine für sich die Geldbörse um rund 500 Franken erleichtern... Und mit einem Prozessor hat man ja noch nix, für einen brauchbaren Compi braucht man Hauptplatine, Speicher, Tastatur, Bildschirm, Akku und das Gehäuse (und noch ein bisschen weiteres Zeugs natürlich). Die Zeiten, wo unsereins mit Computerbasteln noch Geld sparen konnte, sind definitiv vorbei.

Der Prozessor heisst Intel i7-2670QM und ist sein Geld wirklich Wert (viel Cache, vier echte Kerne mit 2.2 GHz (und jeder der vier kann zwei Dinge zur praktisch gleichen Zeit erledigen, die CPU macht also acht Sachen praktisch gleichzeitig, so ein Feature gab es vor zehn Jahren nur in richtig teuren und grossen Firmenrechenzentren)). Die Maschine kostet 480 Franken, im Markt habe ich sie für über 1000 Franken gesehen. Ein Schnäppchen, oder? Ich hoffe, sie ist dann am Donnerstag nicht sofort ausverkauft... Und, ist die Maschine neu erhältlich? Nicht ganz, ich denke, sie ist seit einem guten Jahr auf dem Markt. Allerdings war sie wohl noch nie für einen deutlich dreistelligen Preis erhältlich. Der Prozessor ist im Frühling 2011 heraus gekommen und die Reviewer überschlugen sich beim Loben. Er hat neben dem kryptischen Namen i7-blabla auch die Bezeichnung "Sandy Bridge".

Jedenfalls kann ich dann noch viel viel schneller Müll posten als bisher. Enjoy.

Werde ich Mac OS installieren? Wer weiss. Schneller als jedes MacBook wird das ja eh. Und VIIIIEL billiger.

fufi hat gesagt…

Und C.:
Von wegen dem Wellensittich:
Der ist nämlich damals direkt ins Maul vom Hundeli geflogen. Worauf er - der Wellensittich - derart erschrocken ist, dass - du weisst schon was.
Aber s'Hundi ist auch derart erschrocken, dass es den Mund schon gar nicht mehr zugebracht hat.

Wir haben das Vögelchen dann - unversehrt! - beerdigt. Es hiess Sarah!

Tiger hat gesagt…

Da las ich also Os Ejakulat äh Elaborat und wartete sehnsüchtig auf ein Wort, das mich, wie so üblich, wie so nötig, laut aufstöhnen liesse und zum Geussen bringen würde, und, ooooh, lobpreiset, alle Heerscharen des Himmels, oooh, da war es: "Nativität". Das ist er, der Einmalige, der Wahrhaftige, der Einzige, ja, der Leibhaftige O. Oooh wie glücklich wir uns schätzen dürfen, einen derart wortgewaltigen, völlig selbstsicheren Heiligen unter uns zu wissen, oh wie grossartig ist es, der Gewissheit zu sein, diesen Geistesriesen unter uns zu wissen. Ho Si Anna. This makes the Tiger cry. It does. Reliably. Each fucking time.

http://www.youtube.com/watch?v=yFbs668qCvU

http://www.youtube.com/watch?v=DBIqih5gWz4

http://www.youtube.com/watch?v=aRpj3r_MrMw

http://www.youtube.com/watch?v=nl4tWRsOxV0

and if you don't cry here then go check your medication:
http://www.youtube.com/watch?v=XbZgSdPO-X4

Orlando hat gesagt…

@C.:

1) ein richtiger Schweizer feiert an Heiligabend und nicht am 25. und schon gar nicht am Morgen.

2) am 24. mit Blutsverwandten und Angetrauten und -vermählten, tags darauf allenfalls im erweiterten Familien- und Verwandtenkreis. Da man nicht jedes Jahr selbst gastgibt, geht man also wo hin. Dort kümmern sich die Gastgeber um das Buffet, Mann und Frau gleichermassen, falls Hilfe benötigt wird, werden am Ehesten die weiblichen Gäste rekrutiert. Die Männer setzen mit den Kindern Lego zusammen oder beraten beim Apero die Lage der Nation und den Gang der Geschäfte.

3) Filet im Teig, Fondue Chinoise oder auch ein warmer Schinken mit Salaten sind Schweizer Weihnachtsklassiker - so einen trockenen Turkey hatten wir mal versuchsweise, kann mir gestohlen bleiben. Jederzeit ja sage ich jedoch zu einem herrlichen Christmas Pudding (mit Brandybutter!).

fufi hat gesagt…

Sag mal Orlando:

ad 1)Weshalb feiern denn die "richtigen" Schweizer schon an Heiligabend? Aber doch nicht etwa deshalb, damit sie die Geschenke denn schon möglichst früh auspacken dürfen?
Weil DANN wäre ja der Morgen vom 25, eigentlich noch eine ganz gute eidgenössische Kompromisslösung, oder nöd?

ad 2) Wenn denn die Herren Ospel, Grübel, Honegger, Merz, Villiger und so bloss beim Lego-Spielen geblieben wären! Aber wahrscheinlich haben sies nicht geschafft, auch bloss 1 Flugi zu bauen!

ad 3) Also aus christlicher Sicht müsste so ein Menu ja doch eher SO aussehen:
Vorspeise ECHTE Salami, mit Eselsfleisch, nämli.
Danach Ochsenschwanzsuppe und schliesslich Lamm-Gigôt. Und zum Dessert ein Schoggi-Chrüüzli!

Und dass du keinen "cold Turkey" magst, DAS kann ich vestehen!

fufi hat gesagt…

Ach ja:

Bei uns gibt's traditionellerweise Rindszunge mit Herdöpfelschtock!
:gierundschlemm:

Orlando hat gesagt…

Rindszunge und Kartoffelstock! Und dazu vielleicht eine weisse Buttersauce mit Kapern? Fufi, mir läuft gerade das Wasser im Mund zusammen...!

Heute zum Fest mit Freunden gibt's wie immer Entrecote double mit hausgemachter Béarnaise, dazu Kroketten. Und den ganzen Scheiss spülen wir mit einem ausgezeichneten Südwestfranzosen hinunter (Chateau Montus, Madiran).

...die Herren Ospel, Grübel, Honegger, Merz, Villiger und so...

Sag mal, in welchem Jahrzehnt lebst du genau?

Orlando hat gesagt…

Tigri, was strübt sich in dir so gegen das Wort Nativität? Das geboren werden, der Beginn von etwas Neuem, ein neues Zeitalter (und eine neue Zeitrechnung) bricht an, Gott eröffnet ein neues Kapitel in seiner Geschichte mit der Menschheit, a new beginning...ein ungeheures Momentum,, das!

Das ist eine neue Chance, die da verhiessen wird, der neue Adam wird nicht aus Lehm geformt sondern komt als Baby in die Welt, als das zerbrechlichste, schwächste menschliche Wesen auf Erden, das unseres Schutzes bedarf. Und dies in einem Stall, wo Ochsen furzen und Esel wiehern. Dieser Bogen, vom Kindlein in der Krippe bis zum gemordeten Menschensohn am Kreuz - das ist der Urmythos dieses unseres neuen Zeitalters.

Wir sind noch im Stadium des Beginnens. Bis wir uns selbst, diesem erschütternden, unbegreiflichen Geschehen folgend, in einen reiferen Erkenntnismodus emporarbeiten und das Wesen Gottes erkennen können. Und endlich selbst zur Erlösung der Welt am Kreuze hängen und damit die Vervollkommnung des Zyklus herbeiführen und selber zu den Rettern der Welt werden.

Wir stehen noch am Anfang. Stumme Zuschauer jener Nativitäts-Szenerie. Erleben vielleicht gerade einige Kinderkrankheiten. Die machen uns stärker, kräftigen unsere Abwehr.

Wir müssen ja doch selber gross und stark werden.

fufi hat gesagt…

Aber Orlandinho

Musst Du denn noch gross und stark werden?

Na dann spendier ich dir doch gerne eine oVI!

fufi hat gesagt…

Neinei,
DUNKLE Sosse, mit frischen Pilzli und Kaperen.
Und dazu Dörrbohnen oder frischen Rosenkohl.

Tiger hat gesagt…

Was mich stört an Nativität? Es ist hochgestochen, lächerlich und problemlos auf Deutsch umschreibbar. Das tust Du ja, später, auf Aufforderung. Tus sofort. Ein lateinisches Wort ist nich SVP-konform. Ab ins Ausschaffungslager damit. Oder besser noch: gleich ins neue KZ, das die SVP ja einrichten will für die Asylanten.

Peinlich berührt hat gesagt…

Orlando und sein pathetischer Kitsch. Einfach nur peinlich und dumm.

Orlando hat gesagt…

@Fufi: Wir alle müssen gross und stark werden. Der Unterschied ist vielleicht, dass ich das weiss und andere Tubel sich damit begnügen, klein und schwach zu bleiben.

Dunkle Sauce ist auch gut. Ich bin da offen.

@Tigri: So früh am morgen schon derart doofe Posts abfeuern? Mann bist du doof.

@Peinlich berührt: ...ist man, wenn Leute einfach nicht nachkommen und dies mit einem anonymen Post noch verdeutlichen müssen.

Peinlich berührt hat gesagt…

Ich komme eben leider nach. Orlando sagt uns, wie Weihnachten zu feiern sind, wie es so steht mit der Rollenverteilung, was man essen soll, wie das ist mit der Religion, was oben und unten ist. Einfach anmassend, peinlich und vor allem dumm. Dein Horizont ist sehr beschränkt, Orlando. Du merkst nicht einmal, wie Du zur Witzfigur verkommen bist. Von nix eine Ahnung, jede Menge Halbwissen, ein dilettantischer kleiner Mann. Happy New Year!

Orlando hat gesagt…

Ach so. Nächste Frage?

fufi hat gesagt…

Also, Orli!

Die nächste Frage:
WER bist du, Orli?
Und weshalb willst du NICHT das sein, wo du eigentlich bist?

Tiger hat gesagt…

Er wird sich NIE ändern, O. Und wenn man ihm Freunde (sorry, ich meinte "Freunde"), Job, SVP und sonst alles wegnimmt. O ist ein Überzeugungstäter. Das ist eigentlich noch sympathisch. Seine Überzeugung ist es allerdings nicht. GAR nicht. ÜBERHAUPT REIN GAR nicht.

Aber was soll's. Es interessiert ihn zwar schon, ob jemand ihn sympathisch findet. Aber nur insoweit als er diese Person inskünftig meidet. O darf niemandem sympathisch sein, sonst ist diese Person O gleich unsympathisch.

Getrieben, soziopathisch.

Orlando hat gesagt…

@Fufi: Wie meinen??

@Tigri: Wie meinen??

Tiger hat gesagt…

Ti faccio un disegnino, ti faccio? Ao, soooo kryptisch war das doch nicht, oder?

---

Wie auch immer, ich habe jetzt ein lokales Rechenzentrum gekauft. Der Prozessor rechnet allein zwar nur rund doppelt so schnell wie derjenige vorher, aber dafür hat die Maschine eine potente Grafikmaschinerie namens GeForce und CUDA, die in bestimmten Anwendungen viel Arbeit übernehmen kann, wenn man will. Die Grafikeinheit holt aus 40 Watt so viel Leistung heraus wie der Prozessor im alten Computer aus 160 Watt (theoretisch, praktisch hat er ja gar nicht so viel verheizen können - und da sind die normalen Household-Tasks gar nicht separat berechnet, in Wahrheit sind es wohl noch weit mehr als 160). Und so nebenbei erledigt er noch die Grafikdarstellung für die Programme (wäre ja doof, wenn der Grafikprozessor durch seinen Zusatzjob derart verplant wäre, dass er den Bildschirm nicht mehr anständig mit Zeugs beliefern würde...)

Dochdoch, impressing. Nichts ersetzt rohe Rechengewalt halt so gut wie rohe Rechengewalt.

Orlando hat gesagt…

Lange geschuldete Antwort an Carolina und Anonym:

Ja genau! vielleicht sollte man unehelich Schwangere teeren und federn, den dummen, faulen und nichtsnutzigen nichtverheirateten Eltern die Kinder wegnehmen und überhaupt den Schwulenparagrafen wieder einführen, damit die gar nicht auf die Idee kommen, unser angeblich ach so christliches Wertesystem 'auf die Probe zu stellen', nicht wahr?

Nun, ich fände das ein wenig übertrieben, nicht wahr. Was am Wertesystem "angeblich" christlich sein soll, müssten sie mir mal erklären...Und dann - ihrer Logik folgend: Nein, ich will niemandem die Kinder wegnehmen, im Gegenteil! Das ist die Spezialität jener, die glauben, der Staat könne sowieso alles besser als seine unmündigen Bürger.

Ich sehe im Kern aller linken Forderungen nach einem starken Service-Public-Staat, der allerlei Netze und Betreuungsangebote liefert, der den Bürger an der Hand nimmt und in eine goldene sozialstaatliche Zukunft führt als eine Wiederkehr des alten absolutistisch-feudalen Verständnisses von Gesellschaft (gegen das alle aufklärerischen Autoren angeschrieben haben!). Eine Schicht von Weisen und Starken hat weitgehende Herrschaftsrechte, lenkt die Geschicke des Staates, setzt Recht und steuert die Wirtschaft), ist dafür den Schwachen gegenüber verpflichtet und muss ihnen Sicherheit und Fürsorge bieten und für moralische Strukturen und eine gerechte Ordnung ihrer Lebensumstände sorgen. Der wohltuende Fürst. Das ist, als ob Thomas Hobbes höchstselbst wiederauferstände und eine moderne Knechtschaft unter einem allwissenden, allumsorgenden, alllenkenden absolutistischen Staat predigte.

Es ist als wären alle Kämpfe um Rechtstaat, Bürgergesellschaft, Eigentum, Freiheitsstreben – und daraus logisch konsequent folgend: Eigenverantwortlichkeit – für die Katz' gewesen.

In so einem System gedeiht das Schwache, Faule und Unmündige! Kant forderte den Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Und wir verschulden uns immer mehr und begeben uns freiwillig in die staatlich verwaltete Unmündigkeit.

Aber damit bewegen Sie sich ja genau auf der Linie gewisser katholischer Kreise, die nun wirklich keinen Millimeter in die Neuzeit rücken können: wir sind gegen Abtreibung, gegen Kinder ausserhalb der Ehe - aber kommt ja nicht zu uns, wenn ihr Hilfe braucht.

Wie bitte? Erstens steht es jedem Katholen, dem die Lehrmeinung seines Papstes missfällt, frei, ein Protestanz zu werden oder ganz aus der Lirche auszutreten. Umgekehrt secheinen 1 Mrd Menschen weltweit sich mit der Meinung "gewisser katholischer Kreise" ganz gut abfinden zu können. Wo ist das Problem?
Ausserdem ist die kathlische Kirche die grösste Sozialhilfeinstitution der Welt. Und dies seit über 1000 Jahren.

Oder soll ich meinen Klienten, die sich weiss Gott das Leben nicht einfach machen und versuchen, ihren Kindern den Vater oder die Mutter zu erhalten, weiter zusammenzuleben, darüber unter Umständen fast krank werden: soll ich Ihnen im Interesse des grossen Ganzen, das Orlando für das einzig Wahre hält, sagen, dass sie gefälligst nicht so dumm tun sollen und sich zusammenreissen sollen?

Ich frage mich, wieso der doch scheinbar so hoch entwickelte moderne Mensch im Kopfe so schnell krank wird...?

dann gehen Sie in die Politik

Dafür habe ich keine Zeit. Ich finde Proto-Politik interessanter, der gesellschaftiche Diskurs im Grossen und Ganzen. Mit den neuen Medien haben wir die Möglichkeit, mit Mut die grossen Fragen selber anzugehen, selber mitzudenken, selber den Diskurs zu beeinflussen. Früher brauchte es die Medien, in denen wir von gescheiten Menschen zu diesen Diskursen lasen. Heute passiert es - hier. Und jetzt.

Orlando hat gesagt…

2/2

...aber im täglichen Leben möchte ich lieber eine solche Frau an meiner Seite als jemanden, der eine für immer verlorene Vergangenheit, die Glanz und Gloria für ihn darstellt, betrauert.

Sie verkennen mich. Ich bin ein Reformer. Re-Form. Ich will die Dinge wieder zurück in Form (in die RICHTIGE Form, nicht die PASSENDE!), zurück ins Lot bringen. Dass es ein Lot gibt, ist jedem klar, der weiter denkt als bis zu seinem Nasenspitz. Meinem konservativen Geschichtsbild entsprechend gab es nie "bessere" oder "schlechtere" Zeiten - und schon gar keine ideale Zeit. Deshalb ist aber auch die Gegenwart nicht besser als die Vergangenheit. Und umgekehrt. Wie dumm ist es eigentlich zu sagen, die Gegenwart sei besser als die Vergangenheit, wie es moderne Heilsbotschafter wie Linke Hegelianer, Marxisten, Feministen, etc. sagen? Dasist ähnlich dumm, wie wenn man sagen würde: ich bin der beste Mensch auf Erden, weil ich ich bin und weil ich dies sage.
Aber was die Menschen aus ihrer Zeit machten, woran sie sich dabei orientierten, da gibt es ganz klar Qualitätsunterschiede.

Zu er- und begründen, worin diese liegen, dafür verplempere ich hier die ganze Zeit, statt sie zum Beispiel zum Videogames spielen oder zum auf Facebook mein Leben synchron mitteilen nutze.

fufi hat gesagt…

Was willst du uns damit sagen, Orlando?

Orlando hat gesagt…

Du lesen. Nix schwer. Steht alles da.

Tiger hat gesagt…

O, da die Götter des Internets erneut einen tollen, ausführlichen Post von mir mit Verbannung gestraft haben und dieser nunmehr in der Hölle der verbannten Posts weilt, hier nur etwas Kleines.

"Ich frage mich, wieso der doch scheinbar so hoch entwickelte moderne Mensch im Kopfe so schnell krank wird...?" Gute Frage, allerdings, da von O, rhetorisch gemeint. Eine Erklärung ist sicher, dass das Leben immer vielfältiger geworden ist. Man kann, man darf, ja man muss, gleichzeitig in alle Richtungen gehen. Dass darunter die Positionierung leidet, ist ja klar. Diese Frage treibt viele, sehr viele gescheite Leute um, und wie die meisten guten Fragen hat sie keine schnelle, kurze, einfache Antwort. Nicht einmal eine eindeutige. Nicht einmal eine einzige.

O, Du fragtest mich nach Beispielen. Hier ist eines. Du stellst eine gute Frage, das ist ein gutes Zwischenresultat. Wenn Du sie beantwortest, dann wirst Du das auf eine sehr sehr simple Art tun, eine Art, wo die Komplexität der Frage fehlt. Du verkaufst Dich damit unter Wert. Brutal unter Wert. Das könnte mich glatt beelenden.

Oberpeinlich berührt hat gesagt…

"Ich bin ein Reformer." (Orlando über Orlando) Pruuust!

orlando hat gesagt…

Tigri, die antwort ist in der tat kurz: der mensch der gegenwart ist trotz iphone, sozialversicherungen und seiner naturwissenschadtsgläubigkeit kein bisschen weiser oder klüger als vor 100 oder sogar 1000 jahren. Geschweige denn glücklicher. Das sollte uns zu denken geben und wenn wir zu denken anfangen, werden wir schnell sehen, wie hohl und infantil es ist, diese total wirkende gegenwart und ihre in passdorm gebrachten wertehaltungen - und die verheissungen jener, welche sie in progresso noch zu optimieren gedenken - zum mass aller dinge zu erheben. Da waren geschlechter vor uns und sie haben gerungen und gekämpft NICHT dafür dass wir heute unser leben hedonistisch in unserer dekadenten lebenswelt in absoluter nichtigkeit führen, die werte und regeln ihrer vergessend, ja: sie verhöhnend! Jedes menschenalter, ja auch das unsere steht auf schultern von riesen. Wie wärs mit etwas respekt? Mit hochachtung vor vätern und müttern - oder nur schon dem prinzip vater und dem prinzip mutter! - und ihrem tun und denken von jahrhunderten, ja -tausenden? Das wäre ein anfang und wir würden anders über den wert des lebens und der notwendigkeit eines moralischen rückgrats befinden als in dieser unseren passform-gegenwart ohne richtung und geistiges konzept. Nachdenklichkeit, respekt, weniger ich-und-jetzt-sucht. Das wäre in der tat ein anfang. Und vielleicht wären weniger menschen krank, im kopf, am ich, an der gegenwart.

Carolina hat gesagt…

Kann mir mal jemand erklären (Tiger, Sie sind doch ständig am Fachsimpeln), wie zwei längere Posts, die abgeschickt wurden und sogar erschienen, dann plötzlich wieder verschwinden können?
Sorry, habe keine Lust, mir nochmal einen abzubrechen, daher nur kurz, der Reihe nach:

O: Weihnachten ist für mich nur erträglich, wenn ich von Menschen aller Altersstufen, vor allem Kindern, Hautfarben, Religionen und nahen und fernen Verwandtschaftsgraden umgeben bin. Diese Mischung aus kontinentaler und engischer Weihnacht ist wunderbar - und wenn das unschweizerisch ist, so be it.

Fufi: Rinderzunge? Pfui Deibel!

Tiger: Sie langweilen mich mit Ihren IT-Beiträgen unendlich - Sie wiederum scheinen die Diskussionen zwischen O und mir nicht zu goutieren. Einigen wir uns doch darauf, dass es für alle weiss Gott mehr als genug Platz hat.

Selber-Peinlich: Ohne O wäre es hier vor Langeweile nicht zu ertragen - mir sind gelegentliche Bomben und Aufreger lieber als harmonisches Dahinplätschern. Wozu sind wir sonst hier? Und warum habe ich den Verdacht, dass Sie selber eine Freundin der gezielten Provokation sind?

O: Wie gesagt, meine Antwort an Sie ist zweimal verschwunden, daher in der Zusammenfassung: Wer bestimmt, was 'im Lot' heisst? An welchem Punkt fängt man an, Hilfe zu verweigern? Wie fangen wir als Gesellschaft an, einmal gemachte Hilfeleistungen zurückzuschrauben, auf Hilfe zur Selbsthilfe zu bauen? Wie soll das gehen? Mit Ihrem Lamento des mangelnden Respekts für die Vorväter und -mütter, unserer ach-so 'dekadenten Lebenswelt absoluter Nichtigkeit' kann ich nichts anfangen. Wie schon tausendmal vorher, verweise ich auf unsere unmittelbaren Vorväter, die Zeiten durchstanden, die wir uns in unseren schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen können. Wenn überhaupt, dann mangelt es Ihnen selbst an Dankbarkeit für in, historisch gesehen, kleinem Zeitraum Erreichtes. Millionen und Abermillionen von Toten, Kriegs- und Gewaltopfern, traumatisierte Kontinente: wenn das nicht der Gipfel der Dekadenz war, dann weiss ich wirklich nicht, von was Sie sprechen.

So, wenn das hier jemals erscheint: Ihnen allen einen guten Rutsch und ein wirklich gutes, in gewünschter Hinsicht fruchtbares 2013.

Tiger hat gesagt…

Tja, da ist doch zum Ende des Jahres in der Tat wieder einmal ein gehaltvoller Post erschienen von O, den ich ganz unterschreibe. Ich lamentiere auch, C. Wir sind nicht überall uneins, wir sind nicht überall weit auseinander. Klar, mein Ton wäre weit unprätenziöser geworden, ich hätte nicht feierlich von den "Prinzipien Vater und Mutter" gesprochen. Aber egal.

C, dass IT für Dich langweilig ist, he, das ist doch egal. Für die einen ist halt IT langweilig, für die anderen Physik, Linguistik oder Medizin. Für mich ist gar nichts davon langweilig (für Floristik habe ich ein doch etwas unterentwickeltes Interesse, wie ich zugeben muss). Leben und leben lassen. Don't you think, dear? (und hier bitte den Subtext lesen von "dear?", das ist natürlich nicht wörtlich genannt). Wir können uns einigen. Allerdings, wenn mir Diskussionen nicht gefallen, dann schreibe ich einfach a) nicht mit und b) gehe anderen nicht auf den Keks damit, dass sie mich langweilen. Wenn sie streiten, und das mich nervt, dann ist das etwas Anderes.

Wie geschieht es, dass bereits veröffentlichte Texte verschwinden? Naja, eigentlich deutete das ja auf menschlichen Einfluss hin (also: jemand hat gelöscht). Das sähe man hier aber glaube ich schon, und fufi täte es sicher nicht stumm. Die zweite Möglichkeit ist, dass Google, der Herr von blogspot, hier schummelt, das ist aber nicht wahrscheinlich. Was geschah, weiss ich also nicht.

Was mir jeweils geschah, als mir ein Post verschwand, war das Folgende: Ich war mit einem USB-Surfstick (Sunrise, CHF 3 pro Tag, an dem man surft, sonst gratis, keine Monatsgebühr) von unterwegs im Zug in der fufislounge und schrieb mein Ding. Dann, als ich abschickte, war die Verbindung weg, da zwischendurch die Abdeckung für einige Zeit verschwunden war und die Software aufgegeben hatte. Ich musste sie also neu aufbauen, was kein Problem war. Der geschriebene Text aber war in eine nicht mehr existierende Verbindung geschickt worden und Firefox kommt damit nicht graceful zurecht. Der Text war futsch, lost, perdu, perso, perdido.

Wer weiss, vielleicht kann das Chrome besser. Oder Opera. Oder, schudder, der IE.

Tiger hat gesagt…

Übrigens, O, Du fändest diese Serie SEHR doof, da sie die Unreflektiertheit und die Dekadenz der Jugend zeigt, allerdings tut sie dies durchaus unterhaltsam und stets gebrochen selbstironisch (die Leute haben irgendwie nie so richtig Spass am Dekadentsein und merken es auch noch):

Girls. Mir gefallen die Charaktere. Die Frauen sind viel besser gezeichnet als die Typen (hence the name). Und da ich eh nix mehr erwarte, passt mir das grad so.

orlando hat gesagt…

Carolina, in aller kürze: es darf ganz einfach nicht sein, das als unsoziale und radikale jene abgestempelt werden, die sich gegen ein stetes und fettes wachstum der sozialausgaben ihres staates wenden, wenn dieser mit beträgen überschuldet ist, die unter normalen umständen erst in zwei, drei generationen abgerackert werden können. Der staat ist nicht bloss ein erbringer von transferleistungen für die angeblich sozial schwachen, er ist auch der staat jener, die mit ihrem hart erarbeiteten und versteuerten geld intakte und effiziente strukturen wollen, im interesse der eigenen kinder (und nicht bloss der eigenen bequemlichkeit, dass mamb etwa dieselben kids gratis fremdbetreuen lassen kan, um etwas mehr zeit für die selbstverwirklichung zu haben, gratis natürlich). Gerade, wer zum beispiel für die schwachen einen starken staat befürwortet, muss sich für einen finanziell handlungsfähigen und gesunden staat einsetzen. Einen staat der nicht wegen fiskalklippen und konjunkturellen unwägbarkeiten sofort ins schlingern gerät und schulden auftürmt im exzess. Handlungsfähig bleibt wer klein, wendig, vermögend ist, nicht gross, überfettet und verschuldet! Wir sollten also widerstand üben wenn politiker aus gefallsucht und politischem wiederwahlkalkül allerlei gelder verteilebm. Denn nichts verteilt sich so leicht, wie geld das einem nicht gehört. Nichts ist so einfach wie schulden zu machen, die man auf die nächste generation überwälzen kann.

Orlando hat gesagt…

Ach, Tigri, mir gefällt sogar Glee. Trotz der agressiv schwulen Agenda. Und ich meine wirklich: trotz.

Und da ich eh nix mehr erwarte

Tja, eben, davon sprach ich.

Tiger hat gesagt…

Glee? Buääää. Dann passt Dir sicher auch Hannah Montana und der Quark... Aber ehrlich gesagt, war das längste von Glee, das ich kenne, der Trailer. Hat mir gereicht.

In Girls finde ich lustig, wie die Leute sich alle so bedenkenlos nackig machen... Auch die Chefin des Ganzen, Lena Dunham, die ja grad einen tollen Buchvertrag garniert hat (und eigentlich eher... unvorteilhaft aussieht...)

Tiger hat gesagt…

http://www.guardian.co.uk/tv-and-radio/2012/oct/08/lena-dunham-girls-book-deal-new-yorker-festival-talk

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