Ok, ich versuchs mal mit wenigen Worten zu erklären, weshalb
Orlando sich da falsch gebettet hat,
von wegen den zehn Geboten.
Und wie’s scheint’s so meine Art ist, zäum ich das Ross von
hinten auf, heisst:
Die Gebote 6–10, Dtn 5, 17-21
sind sozio-anthropologisch mehr als nur erklärbar, weil:
Keine Horde, Gruppe, Familie, Kein Clan und KEINE wie immer
geartete nicht nur mikro-Gemeinschaft kann überleben, wenn nicht mindestens
DIESE paar „ethischen minimal-Standards“ eingehalten werden.
Wobei, und das ist noch ganz schaurig interessant:
Das 10te Gebot ist ja eigentlich nichts mehr als eine
kasuistische Verdeutlichung der Gebote 7 und 8, kann aber auch 9 betreffen.
Jedenfalls – so recht eigentlich und in diesem Sinne ja
nicht wirklich ein Gebot?????
Und was NICHT vergessen werden darf:
DIESE GEBOTE betreffen nur das Zusammenleben INNERHALB der
Horde!
Gegen Aussen sind Plünderungen, Massenvergewaltigungen und
sonstige Massaker durchaus erlaubt.
DAS steht nämlich auch in der Bibel:
Oh Herr, wir haben den Bann vollzogen, mit der Schärfe des
Schwertes! ALLES was männlich war haben wir getötet!
Die Gebote 1 – 4 ihrerseits
Dtn 5, 6-15 sind ebenso leicht
historisch-(religions)soziologisch erklärbar, weil nämlich das, wo später als
„Volk Israel“ bezeichnet wurde ursprünglich ein wilder Haufen verschiedenster
heterogener Horden war.
Da gab’s die flüchtigen Sklaven aus Ägypten, mit ihrem
Anführer Moses.
Da gab’s die Nomaden, wo sich jeweils am Sinai zum
Jahreskult getroffen haben.
Da gab’s die Halb-Sesshaften mit ihrem
Stier-Fruchtbarkeitskult.
Zur Verdeutlichung:
Als MOSES am SINAI war, fertigte Aaron der Horde ein
GOLDENES KALB!
Das waren Outlaws, wo sich zusammengetan haben, das fruchtbare Land dort zwischern dem Mittelmeer und dem Jordan zu erobern!
Und die konnten nur durch irgendein übergeordnetes =>
religiöses Recht irgendwie im Zaum gehalten werden!
Deshalb nämlich die Gebote 1-4, weil DADURCH haben sich die
Invasoren eine eigene Identität geschaffen und sich von den Invasierten
abgrenzen können.
Wobei, wie die späteren Schriften zeigen, haben sie diese Abgrenzungen denn meist nicht so wirklich konsequent vollzogen!
Wirklich interessant ist das 5te Gebot
Dtn 5, 16, was nämlich eigentlich zu den Geboten 6-10
gehört:
Du sollst Vater und Mutter ehren
Was nun keineswegs heissen soll, dass DU so einfach und
bedingungslos gehorchen sollst, oder so.
NEIN!
Das heisst, dass du deine Eltern unterstützen sollst, wenn
sie unproduktiv geworden sind und nur noch der Familie zur Last fallen. Du
sollst sie dennoch pflegen und füttern.
DARUM geht’s hier!



11 Kommentare:
Ok, ioch weiss, dass ich damit auch nicht viel deutlicher werde, und meine Haltung schon gar nicht bewiesen habe.
Ich hoffe, ihr habt wenigstens die Gedanken verstanden, wenigstens es bitzeli.
Oh ja, ich weiss: Da hat's damals einige, viele gegeben an der Uni, wo all das historisch-soziologische Zeugs brav auswendig gelernt haben, damit sie an der Prüfung durchkommen.
Und danach haben sie gesagt:
Ischä Schissedräggä!
Nein, ich meine:
Ich schreib das natürlich nach einem Studium wo ich im Laufe der Jahre dies und das, nein: nicht gelernt, sondern als Gedankenanstösse mitbekommen habe, und mir drauf auch noch selbst einige Gedanken gemacht habe, zum Thema.
Dass das nicht argumentativ ist, nicht sein KANN, ist mir ziemlich klar.
Weil: beweisen lässt sich nämlich weder die 1e noch die 2te und die 3tte Ansicht nämlich schon grad gar nicht!
Gedankenanstoss, vielleicht?
Tja, Katharina, das ist eine meiner Schwächen.
Es gibt einfach Sachverhalte wo mir derart was von einleuchtend sind, dass ich sie gar nicht beweisen kann.
Zum Beispiel das vom Sabbath, Gebot 4.
Die ganze (vor-)antike Welt hat im 6er-System gerechnet. Von daher kommt’s nämlich auch, dass die 7 so eine besondere, magisch-heilige Zahl ist.
Deshalb haben die israelitischen Priester damals genau das auch zum Anlass genommen, um den Sabbath zu erfinden! Holy Holy-Day!
Was übrigens auch der Grund ist, dass die 13 so eine böse Zahl ist, weil die nämlich grad nach dem achso wunderbaren Dutzend folgt!
Obwohl sie im Quadrat, ich meine: 169 ist ziemlich elegant!
Ach ja, und die Christen haben der 7 denn noch 1 draufgegeben!
Weil, wenn die 7 schon, dann ist der ChristenGott doch noch um 1 besser.
Was übrigens der Grund ist, weshalb die Kirchenbauten so häufig 8eckig sind!
Bevor ich mich detaillierter äussere, zwei interessante Bemerkungen:
- wie der Titel dieses Beitrages zustandekam? Hmmm, geheimnisvoll. Mit dem Inhalt hat's nichts zu tun, deshalb ist es wohl der Titel eines anderen Beitrages, den Fufi dann ein anderes Mal postet. Ischauguet.
- wenn alles eine Erfindung rabbinischer Priester wäre - das müssten ja dann wahre Genies gewesen sein, denen eines Tages der universelle und zeitlose Standard von Richtig und Falsch in den Sinn kam und ihn dann Gott in den Mund legten...
ps, Der Titel hier könnte lauten: "Wie ich als einziger Theologiestudent den historizistischen Unsinn glaubte, den wir für die Prüfung lernen mussten" ;-)
Siehste Orlando:
DAMIT
"Wie ich als einziger Theologiestudent den historizistischen Unsinn glaubte, den wir für die Prüfung lernen mussten" ;-) "
Hast's à point gebracht!
Da könnt ich dir noch seitenweise, du weisst schon.
Und ehrlich gesagt: Du mir auch!
Sorry, aber den musste ich einfach loswerden!
:-)))))
Von wegen dem Titel, Orlando:
Das ist ein "eyecatcher", und zwar kein schlechter!
Aber noch was wegen den Geboten:
NEIN, ich denke nicht, dass da so ein bärtiger Alter auf einem Berg so 2 Tafeln erhalten hat von einem noch bärtigeren noch Älteren, und so.
Aber das heisst im Fall keineswegstens, dass ich, um es mal so zu sagen, nicht an deren Bedeutung glaube, der Gebote, meine ich!
Du denkst? Das ist ja ganz nett, aber du sollst GLAUBEN!
Es steht dir natürlich frei, nicht zu glauben. Dann frage ich mich einfach, wie du ein Christ sein willst.
Dass ich dir die fundamentalen Grundsätze unseres Glaubens beibringen muss...tztztz.
Ok, mag sein, dass die letzte Woche nicht meine argumentativ Stärkste gewesen sein mag.
Bloss: Argumente sind nur im Bereich einer zugrundeliegenden Axiomatik von Bedeutung.
Wo diese gemeinsame axiomatische Basis in einer Diskussion fehlt, ist mit Argumenten ebensowenig auszurichten wie mit Logik.
Insofern hat Orli schon recht, wenn er will, dass ich dem Denken den Glauben voranstelle. Das tue ich zwar schon, aber wie gesagt: Solange unser gemeinsamer(?) Christenglaube auf anderen Axiomen aufbaut, ist sozusagen Hopfen und Malz verloren.
Da kann man bloss beten: Gott erhalt's!
:-)
Mir gefällt, wie wir uns hier implizit drauf geeinigt haben, und ja, ich war irgendwie der letzte, der's geblickt hat, newa, unseren Senf immer unter die neueste Geschichte von fufi zu schreiben, auch wenn er sich auf einen Kommentar unter der vorvorletzten bezieht. Well done, guys (das sage ich all denen, die sowas gerne hören, also nicht Kat oder Orli, denen es aaabsolut egal ist, wie das ankommt, was sie tun, was ich sehr cool finde).
Übrigens könnt Ihr mein google-+-Konto angucken. [Ohne Anspielung auf Euch: Wie mein Vater selig jeweils sagte einem etwas lästigen Dummkopf: Huere n Affe (mit ausgesprochenem "e" am Schluss, wie ein "ä", obwohl das nur eine Einzahl ist, er hat seine italo-Sprachfärbung nie abgelegt, obwohl er super deutsch konnte).] Ohne meinen Namen zu wissen, könnt Ihr das nihicht, darum das hier. Das bin ich mit ungefähr 2. In einem Herrenhemd der Epoche.
Das war alles Intro.
Easy, Kat. Um mich auf einen Mindframe zu programmieren, ist man ungefähr 40 Jahre zu spät. Bei fufi beisst man wohl genauso auf Granit wie bei Dir und Orlando (und bei Carolina, wäre sie doch nur wiedermal hier). Die Kinder, die ich unterrichtet habe im Herbst, total rund 45 aus drei Klassen, haben mich übrigens alle sehr gut gefunden. Das tut weisch wie gut im Fall. Weil ich, ich war oft recht unsicher. Ihr solltet ihre feedbacks lesen, die sind alle sowas von schmeichelhaft, das ist humbling. Kritik hat's auch etwas gegeben, aber nur ganz leichte, und natürlich gerechtfertigte (ich wollte, dass sie mich kritisieren). Eine (oder einer, weiss nicht) schrieb "Herr Leonardi hat alles schlecht gemacht. Scherz. Mir hat es super gefallen." Die haben sogar kapiert, wie mein Humor funktioniert, das ist spitze.
Wenn ich mir keine Meinung gemacht habe über etwas, dann bin ich schon noch formbar. Aber das kommt sehr selten vor.
Katharina, ich glaube auch, dass Europa absteigt, vor allem relativ zu anderen aufsteigenden Ländern wie China. Occhio al Brasile. Die USA werden mittelfristig aber ebenso ihren Einfluss verlieren, und da sie den Kolonialschock der Europäoischen Länder nicht durchgemacht haben, wird das ihnen sehr weh tun.
Orlando, bitte nicht so kulturbefehlsgewalttätig. "was unterscheidet einen Seattler von einem Miamianer? Nichts, Monokultur." Das stimmt natürlich nicht. Erstens Mal ist der Latinoanteil in Florida ("blühend" auf kastilianisch) viel viel höher als in Washington (wo es dafür viel mehr Asiaten hat), was die Menschen deutlich anders ticken lässt. Dann sprechen sie anders, und das Wetter ist natürlich radikal anders, was wiederum die Kultur beeinflusst. Ausserdem kommt kein Betriebssystem aus Miami, kein weltweit tätiger Buchhändler und keine führende Flugzeugfabrik.
"Das plurale Nebeneinander von Kulturen in ihren eigenen Verwaltungseinheiten - statt grosseuropäische Gleichmacherei. Vielfalt, Selbstverwaltung statt Monokultur!" - keine Frage, das passt mir auch. Ich will nicht, dass die Schweiz in die EU geht, auch nicht, wenn die EU ein tolles Land wäre. Sie soll gewisse Aufgaben teilen, so, wie es schon heute passiert, in Teilen auch noch mehr, aber ich halte die EU nicht für eine gute Sache, nicht mehr, weil sie gewalttätig ist und undemokratisch. Sie hätte Erfolg haben können, wenn sie vor 400 Jahren gegründet worden wäre, aber heute ist es zu spät.
Ich denke, dass es interessant wäre, anzuschauen, wieso europäische Amokläufer oft politisch motiviert sind, amerikanische oft aber nicht. Ausnahmen sind wichtig hier, klar. Wieso wollen Amis in ihrer Mehrheit Knarren zuhaus haben, Europäer aber nicht? Wieso sind in Montreal Wohnungstüren oft nicht einmal verriegelt, während man in den USA mancherorts über den Haufen geknallt werden darf, wenn man nur den Weg vom Gartentörchen zur Haustür betritt? Ich hatte eine Flinte, und war gottenfroh, als ich sie abgeben konnte, sie war immer ein Fremdkörper hier, obwohl ich ganz gut ballern konnte damit (noch heute gewinne ich an jeder Chilbi ein paar Viecher für die Kids). Ich kann Gewehre auseinandernehmen, putzen, pflegen, zusammensetzen, damit zielen, schiessen, treffen, kein Problem, wahrscheinlich besser als so mancher stolze US gun owner. Aber ich beziehe kein Selbstbewusstsein daraus.
Kommentar veröffentlichen