Dienstag, 16. August 2011

Neue Väter braucht das Land?

Im TA von heute war im Kulturbund, erste Seite, ein recht interessanter Artikel zu lesen zu den Ausschreitungen in England. Der ist bis jetzt leider nicht online verfügbar, aber die Kernaussage scheint mir recht interessant, wenn auch hier etwas vage wiedergegeben:
"Es ist zu früh, um irgendwelche Schlüsse zu ziehen"
Was den MB natürlich nicht daran hindert, schon heute zu wissen, wo das Problem liegt:

Wenn Jungs ohne Vater aufwachsen

http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/18504/die-randalierer-und-die-abwesenden-vater/

Nach 49 relativ belanglosen Zeilen - äxgüsi, der MB zitiert da ganz wichtige Soziologen und Professoren und Studien und so, aber die Seite muss ja schon auch gefüllt werden - , jedenfalls: erkennt er dann doch:

Natürlich gibt es auf komplexe Probleme selten einfache Rezepte.
Aber
(Achtung, jetzt kommt's!)
wenigstens auf meine letzte Frage scheint mir die Antwort eindeutig:
Die Männer müssen ran.
Sie müssen ihre Rolle hinterfragen und neu definieren, es braucht neue Vorbilder für neue Männer.
Erinnert mich irgendwie an den Piraten-Ausgucker in den Asterix-Bänden:
Imme' die alte Leie'!
So scheint es ja doch sogar studierten PhilosophInnen keine Mühe zu machen, die Welt nach einem ganz simplen X/Y-Chromosomen-Schema in Gut und Böse einzuteilen?

Aber der MB denkt weiter und weiss:
Denn letzlich ist es ja auch ein Integrationsproblem.
Und integrieren müssen sich ja sowieso immer nur die Arschlöcher, pardon: Die Männer, die Machos, die Wasweissichwas, jedenfalls die mit einem Y-Chromosom!
Frauen SIND nämlich schon immer und ewig integriert, egal ob sie Burkas tragen oder auch nach 30 Jahren in der Schweiz noch KEIN Wort Deutsch können, obwohl ihre Kinder sich perfekt in der Landessprache unterhalten können. Aber auch da sind ja die Männer schuld, sorry, hätte das beinahe vergessen.

Die Einwanderer leben auf der untersten sozialen Stufe und zelebrieren ihr Macho-tum und den Hang zur Kriminalität als Gegenkkultur zur Klasse der Besitzenden, des schweizerischen Mittelstands.
Dümmer geht's nümmer!
Weil: NICHT alle Einwanderer leben auf der untersten sozialen Stufe! Ganz besonders nicht diejenigen, die von den Banken oder anderen Institutionen als CEO's oder so ins heile Schwiizerländli gelockt wurden! Aber, und da hat der MB recht, auch DIE "zelebrieren ihr Machotum und den Hang zur Kriminalität", wenn auch als Gegenkultur zur Klasse der Besitzlosen, "des schweizerischen Mittelstandes".
Denen tut's nämlich nicht wirklich weh, da mal 700 und dort mal 1475 zu entlassen.
Lateinisch geradebrecht: Nicht alle, wo Boni erhalten, sind boni!
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Wie hiess es damals im Wirtschaftsteil des TA:
UBS weist Quartalsgewinn von bloss 1 Mia. aus.
Es werden rigorose Sparmassnahmen ergriffen
Oder so .....
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(btw: Gegenkultur schreibt sich mit bloss 1 "k")

Und dann gibt's scheint's doch auch noch jene Einwanderer, die wirklich auf der untersten sozialen Stufe leben müssen. Und zumindest einige davon gehören zu denjenigen, die von "der Wirtschaft" als billige Arbeitskräfte importiert und ausgenutzt werden. Und wenn sie dann aufgrund von "Optimierungsstrategien" bei der Sozialhilfe landen, tja, was dann?


Hier braucht es von der Politik ein klares Bekenntnis zur Gleichberechtigung der Geschlechter als zentraler Wert der hiesigen Kultur.
Ganz abgesehen von der Grammatik mag ich denn DIESEN Satz schon grad gar nicht ver-stehen!
In welcher "hiesigen Kultur", und in welcher "Politik" ist denn "die Gleichberechtigung der Geschlechter" ein zentraler Wert? Im schweizerischen Christentum, wie etwa der EDU? Im Familienbild der "Schweizer Familie", im Sinne der CVP, oder "die heilige Hausfrau" wie sie die SVP propagiert? Aristotelisch und katholisch ist's jedenfalls nicht!
Und auch nicht realistisch!


Aber so ganz zum Schluss dann doch auch noch das:
Und man muss vor allem auch den immigrierten Männern ermöglichen, zu arbeiten, ein Auskommen zu finden, so dass sie ein menschenwürdiges Leben führen können.
Sonst sind sie eine soziale Zeitbombe.
Man?
Ach du heilige Scheisse!
Man, das sind ja zum Glück die andern!
:Aufschnauf:
Sonst hätte das ja sogar noch MICH betreffen können!


Aber ehrlich, ich finde das eigentlich doch eine ganz gute Idee, den Männern zu ermöglichen, ein menschenwürdiges Leben führen zu können.
Hat ja irgendwie glaub's auch mit der Gleichberechtigung der Geschlechter zu tun, meine ich?
Und ob Männer, die "ein menschenwürdiges Leben" leben dürfen(!?!) vielleicht auch ANDERE Väter wären?

51 Kommentare:

Lina hat gesagt…

Rote Schrift: blöd. Bildli: schön. Zu den Männern: keine Meinung.

fufi hat gesagt…

@Lina

Von wegen der Schrift:
Naja, nehm ich auf mich, aber bedenke dies:
Der CHEF-Layouter der NZZ, damals noch "Bleiwüste", hat mal gesagt: In unseren Sonderbeilagen seht ihr, dass wir's auch können!
Punto e basta e Grusso!

Lina hat gesagt…

Zu den Vätern: "Die Männer haben sich papaisiert. Sie sind keine Väter, sondern eben Papas, was bedeutet: Väter ohne Autorität eines Vaters." (Milan Kundera: Die Identität. Roman)

Das stört die meisten hiesigen Männer (mit gezupften Augenbrauen, die Goofen und die Einkaufs-Taschen ihrer Chefinnen haltend) nicht, aber es stört die Männer aus Kulturen, die nicht papaisiert (sowie oft kriegstraumatisiert) sind und die keine Vorteile aus der Alternative ohne Autorität und ohne Respekt vor männlichen Werten ziehen können.

Keine Entschuldigung für Gewalt und Abwesenheit.

Lina hat gesagt…

Schlimmer als die Papaisierung ist nur noch die Papiisierung und ebenfalls das bare Grauen: die Mamiisierung.

Mami und Papi: das sind Witzfiguren. Sie haben zusammen Sexli, geben sich Chüssli. *gilligilli*

Wir brauchen Mütter und Väter: Autoritäten, erwachsen, verantworlich, kräftig. Chefs. Häuptlinge.

Ciao!

fufi hat gesagt…

@Lina um 19:19

Word!

Wenn auch absolutestens off-topic, aber vilicht doch nöd so wiit ewäg? Also:
Hundetrainerin sagt: KEINE Guteli in der Erziehung. Schliesslich kriegt's kleine Hundi oder s'Wölfli auch kein Guteli, wenn es sich ins Rudel einfügt (="gehorcht").
Nöd emal, wenn der Wolf ein "e" hintendran hat!
:grins:

Anonym hat gesagt…

hmm..., lina, das zitat aus dem kundera roman ist mir jetzt ein bisschen zu dünn. könnten sie noch etwas ausführen, was er im einzelnen damit meint? ich habe das buch nicht, sonst würde ich selber nachlesen.

fufi, das farb-layout macht einen halb wahnsinnig - das orange würde den selben zweck erfüllen, ohne dass ich gleich mit der sonnenbrille hier sitzen muss.

auguste - feelin' like top gun behind his ray-bans

Bianca hat gesagt…

Lieber fufi. Gratuliere zum eigenen Blog. Ich weiss, ich bin etwa spät dran. Wenn ich wieder mehr im Leben stehe, dann schau ich sicher öfter rein. Freue mich, bekannte Namen zu sehen.
Besonders liebe Grüsse,

Bianca aka Kim

fufi hat gesagt…

Liebe Bianca!

Allerherzlichst willkommen - und so!

Tiger hat gesagt…

Ich habe Eure Kommentare alle noch nicht gelesen, aber mir ist aufgegangen, dass die randalierenden Typen in GB unter gesellschaftlichen Verhältnissen leiden (keine Entschuldigung, nur erklärend), die wir Reichen mit zu verantworten haben. Die Sache ist uns nicht fern.

Und ehrlich gesagt, tut es mir um die arroganten gestopften Bänker, die sich wirklich für eine andere Spezies halten als die Krawallmacher, nicht leid. Die können meinetwegen krepieren. Leider müssen vor allem andere leiden.

Und bitte. Ich bin da. Lest nicht zwischen meinen Zeilen, bitte, sondern fragt mich, wenn Ihr was wissen wollt.

Tiger hat gesagt…

Kim/Bianca!!! Wie geht es Dir? Wow, super, Dich zu hören, das freut mich unheimlich!

Bianca hat gesagt…

Hallo Tiger, hallo Fufi, freue mich auch sehr. Ich melde mich bald mal wieder per Mail. Ansonsten habe ich den Mut aufgebracht, selbst einen Blog einzustellen, der mir bei der Aufarbeitung helfen soll. Drücke euch in Gedanken.

Brella hat gesagt…

Na ja, wir Reichen (schuften wie ein Arsch, 15K Steuern pa), bin schuld, dass die "isch doch gliich" Generation (jajaja, nicht alle sind so...), plündern und brandschatzen.... Soll ich meinen Lohn abgeben, damit sie ruhig bleiben? Tiger, machen sie das?

Anonym hat gesagt…

Immer nur forderungen, ist dass die Zukunft die wir haben, schaffen wollen? Genügsamkeit und Ehrlichkeit, wer hat das, wer lebt das? Woran sollen sich denn junge Menschen orientieren? Ganz egal wie oft man es in welche richtung auch dreht, es fängt immer bei einem selbst an.
Sie Herr Vater?? oder doch lieber Papi??

Lina hat gesagt…

Auguste, schrecklich. Ich habe hier lange an einem Text gebastelt für Sie, zitiert, interpretiert, gemacht - und ihn eben aus Versehen und Dummheit gelöscht.

Schönen Tag!

fufi hat gesagt…

@Lina

Schreib auf Word (oder so) und dann - ach, weisst's ja!

:grins:

Tiger hat gesagt…

Nein, Brella, Du sollst nichts abgeben. Du sollst wissen, dass der simple Satz nicht unwahr ist:

Wir sind reich WEIL sie arm sind.

Es geht nicht darum, sie "ruhig zu halten". Es geht einfach um Gerechtigkeit. Und darum, dass wir mit unserem Verhalten Ungerechtigkeit erzeugen, auch ohne, dass wir es wollen.

Anonym hat gesagt…

hmm..., bianca aka kim, ich hoffe, es geht ihnen so gut wie nur irgend möglich und freue mich ausserordentlich wieder mal von ihnen zu lesen. das leben ist voller zufälle - dieser tage wird dieser neue song von martina mcbride rauskommen. als ich ihn kürzlich das erste mal hörte, musste ich gleich an sie denken. see for yourself...

youtube: martina mcbride - i'm gonna love you through it (with lyrics)

auguste - wishin' you all the best

Tiger hat gesagt…

Thanks Gus.

Anonym hat gesagt…

hmm..., no sweat tiger - gus tönt kinda cool.

@ lina

danke einäwäg. das selbe ist mir vor ein paar tagen mit einem pjöngjang inn newsflash auch passiert.

youtube: sugarland - it happens

auguste - word's for wimps

Lina hat gesagt…

Danke für den tröstlichen Song, Auguste.

So geht der Kundera-Text weiter: "Sie (Chantal, die Protagonistin, Anm. L.) stellt sich vor, mit einem Papa zu flirten, der den Sportwagen mit einem Baby schiebt und zwei weitere auf dem Rücken und vor dem Bauch trägt; sie würde einen Moment ausnutzen, in dem die Ehefrau vor einem Schaufenster stehenbleibt, und dem Ehemann ein Rendezvous zuflüstern. Was würde er tun? Würde der in einen Kinderbaum verwandelte Mann sich noch nach einer Unbekannten umdrehen können? Würden die auf seinen Rücken und vor seinen Bauch gehängten Babys nicht gegen die störende Bewegung ihres Trägers anbrüllen?"

Die Protagonistin, die heftig und unerwartet in die Menopause eingetreten ist, sagt sich, dass sie in einer Welt lebe, in der sich die Männer nie mehr nach ihr umdrehen werden. Damit kommt sie wieder auf ihr eigenes Thema, von dem der Roman handelt.

Kundera beschreibt den "Papa" als einer, der - im Gegensatz zum Vater - unreflektiert und in der Nivellierung die eigene Natur verleugnend das Gebot der frauzentrierten Gleichberechtigung umsetzt und - weil er der Frau keinen eigenen Vorschlag unterbreitet - sich dabei selbst entmannt oder die Reifung verhindert (!), er schafft sich als Subjekt in Bezug auf das Sexuelle, das Wilde, Unzivilisierte und damit Lebendige ab, aber auch - anders als der "altmodische Vater" - in Bezug auf die Transformation in Autorität/Macht, die ungebrochen attraktiv wirkt - und bei den Frauen in den nächsten Jahren an Stellenwert gewinnen wird, weil sie so rar geworden ist.

Mit der gutgemeinten Auto-Überzivilisierung des Mannes, der zum Papa/Papi wird, d.h. zum älteren Knaben, geht einher - nebst dem Wohlstandsbäuchlein - Langeweile und Harmlosigkeit, die der konstanten Abwertung männlicher Werte nichts entgegensetzt, die sie - im Gegenteil - mit Haltung und Duktus gutheisst, fördert.

Der klassische puer aeternus, nicht einmal mehr ein charmanter Peter Pan, sondern ein wohlmeinendes Papali, mit dem ich jederzeit Rezepte austauschen kann, aber sonst fällt sogar mir nichts mehr zu ihm ein. Lahmarschisierung.

Syntaktische Katastrophe. Die erste Version war ca. hundert Mal besser und klarer gedacht - mit Ziel Partnerschaft und Würde (betr. Nachwuchs und Frau).

Ich bin in diesen Tagen einfach nicht bzw. nur zehn Minuten (am Morgen nach dem Zähneputzen) auf Draht.

Anna2 hat gesagt…

Hmmm. Ausgerechnet Kundera schreibt gegen den puer aeternus an? Seine Männer sind teils eine andere Version davon. Dieser Chirurg in der Unerträglichen Leichtigkeit des Seins etwa, der und Partnerschaft? Oder habe ich was falsch verstanden?

Ich bin insofern nicht einverstanden, Lina, als der Bauch in meiner beschränkten Erfahrung öfter bei traditionell denkenden Männern anzutreffen ist. Irgendjemand hat sogar mal unser Parlament gewogen und die Rechten für schwerer befunden als die Linken, ausnahmsweise ganz wörtlich gemeint.

Was Langeweile und Harmlosigkeit betrifft, gibt es andere Perspektiven als die weibliche. Ich habe ein paar ganz hervorragende Forscher flüchtig kennenlernen dürfen. Sie fielen wohl allesamt in diese Kategorie, auch wenn der eine Kongresse unsicher zu machen pflegte mit dem Kommentar "a pretty girl shouldn't sit alone". Lang, lang ists her.

Anna2 hat gesagt…

Neulich einem Text begegnet, heute im Tagi? der mehr oder weniger sagte, Exilkosovaren der ersten Stunde seien oft bildungsfern und gälten in ihrer (ehemaligen?) Heimat inzwischen als Hinterwäldler. Kann auch in der gestrigen Aargauer Zeitung gewesen sein. Oder heisst die Neue Aargauer Zeitung?

fufi, nehmen Sies nicht zu persönlich als Mann, natürlich sind die Frauen nicht integriert. Ebenso natürlich sind sie in solchen Kulturen komplett vom Mann abhängig. (40 m2 Deutschland und so.) Was mir die männliche Macht, ganz privat, halt doch wieder recht unsympathisch macht. Ich hatte glaubich schon erwähnt, dass meine Mutter in den 90ern mal versucht hat, einen angekündigten "Ehrenmord" an einer jungen Türkin? Kurdin? aus Ostanatolien zu verhindern. Die Polizei hatte damals kein Musikgehör, kurz darauf war das Mädchen tot. Ich dachte - und hoffe immer noch -, die Zeiten hätten sich etwas geändert. Anscheinend nicht genug. Aber ich glaube, das Hauptproblem ist nicht die Region und nicht die Religion, sondern die Bildungsferne. Bilde ich mir da was ein...?

Gute Nacht!

Orlando hat gesagt…

You're so full of wisdom. Good night, sleep tight, grannie!

Anonym hat gesagt…

hmm..., neues aus dem pjöngjang inn...

o: weisst du, für mich war der coyote schon immer ein wolfe, mila.
m: denk..., äh, glaubst du wirklich, lieber?
o: natürlich, nur wölfe überleben solche stürze.
m: ...und explosionen und felsbrocken.
o: du siehst es also auch - ich bin ein big bad wolfe mit einem big bad mouth.
l: ...und einem "e".
m: da fällt mir ein, ich habe deinen inhalator gefunden, lieber.
l: inhalatoren sind für coyoten.
o: der gehört mir nicht, mila.
m: aber lieber, ich würde dir auch überall hin folgen, wenn du ein coyote wärst.
l: niemand liebt coyoten.
o: ich bin ein big bad wolfe, und ich fresse grannies, wenn sie schon im bett sind.
m: ja, ja, lieber, und womöglich auch junge mädchen, die nachts in bars arbeiten.
l: der wolfe ist ein tiere.

fortsetzung folgt...

Orlando hat gesagt…

*doppelgähn* *weiterzapp*

Bianca hat gesagt…

@auguste: danke für die guten wünsche und den song, habe seit wochen wieder mal tränen vergossen, treffender könnte ein songtext kaum sein
liebe grüsse

Anonym hat gesagt…

Ache Orlandoe, genervte? Hättest uns das nicht zu zeigen brauchen, das war nichte coole.

fufi hat gesagt…

@Anna2 am 17. August 2011 21:53

Hast leider föllig recht!
Natürlich sind die Frauen auch NICHT integriert,
und natürlich liegts auch und vor allem an den Männern.
Hab's ja auch zynisch gemeint, und zwar, weil immer nur die Männer die Schuldigen sein sollen. Obwohl eigentlich: Söhne werden von Müttern nein, vielleicht nicht wirklich zu Machos erzogen, aber auf ihre künftige Rolle geprägt!

Oder täusche ich mich da?
Ok, ich glaub ich weiss, was ich dazu zu hören bekommen könnte?!?

Sprachlos - Ratlos - Hilflos?

Anna2 hat gesagt…

fufi, schon. Was Ähnliches habe ich heute gedacht, als eine chemierothaarige Mutter und eine noch chemierothaarigere Grossmutter einen Jungen neben dem Kinderbecken herumkommandierten. Laut und schneidend, in einer Sprache, die ich nicht zu identifizieren wusste, jedoch sicher slawisch war, weniger weich als Russisch, vermutlich vom Balkan. Der Junge war vielleicht fünf, hatte stoppelkurze Haare, Spiderman-Badehosen und hinten in den Haaren ein rasiertes Spinnennetz. Er sprach kaum, blickte dafür sehr... Himmel, wie beschreibt man das an einem Fünfjährigen? Mir kam ein Bild von ihm in zehn Jahren: der Bart so millimetergenau rasiert wie jetzt der Hinterkopf, der gleiche Blick inzwischen einfach zu benennen: ein Macho.

Orlando, seien Sie doch mal anständig. Ist das überflüssige e aus dem Olde Curiosity Shoppe?

Tiger hat gesagt…

Mich beelendet die Ansammlung von dummen, kurz gedachten, simplen Lösungsansätzen, wie sie etwa die SVP immer wieder propagiert, unheimlich. Die irre Vielfalt der Gesellschaft nur schon hierzulande und die noch viel irrere Vielfalt weltweit versucht sie auf den einfachen Gegensatz gut/böse zu reduzieren. Was sie nicht versteht ist im besten Fall nicht berichtenswert (wenn es gut funktioniert) oder wird gnadenlos heruntergemacht (wenn es Probleme macht/hat).

Das ist eine Definition von Populismus: Man macht alles fürs gemeine Volk einfacher als erträglich, viel einfacher, man schnitzt mit der Farbtiefe von einem Bit (s/w) und gibt vor, damit die Wirklichkeit exklusiv einzufangen, etwas, was alle anderen nicht schaffen.

Dies ist sexy.

Es ist natürlich falsch, und eigentlich sähen das recht viele, die aber am Schluss doch bei der SVP landen, weil die halt die Realität so schön einfach macht. Wir = gut, sie = bös. Oder zumindest blöd. Oder dumm. Einfach abzulehnen.

Sie leiden sicher darunter, dass in der Schweiz auch Schweizer namens fufi und Tiger wohnen, Schweizer, die wohl NIE die SVP-"Lösungen" gutheissen werden, und sie würden die beiden am liebsten ausbürgern.

Oder, wie der Vater eines Kollegen von mir (ganz netter Typ übrigens, der Junge) einmal sagte, als er im Nationalrat war: "Die Linken und Grünen sollte man an die Wand stellen und mit dem Flammenwerfer drüber." Tja, ich brenne nicht so gut, leider, aber ich verspreche, dass ich nach so einer Behandlung nicht mehr links wählen würde, ich würde gar nicht mehr wählen.

Nein, man sollte die Sachen gut untersuchen, und sie dabei zu vereinfachen und in Modelle abzufüllen ist keine schlechte Idee, solange man nicht meint, die Modelle *seien* die Realität. Aber man soll die Realität nicht einfacher machen, als sie ist. Und das tut die Rechte. Das ist ihr Business, seit Jahrhunderten.

Anonym hat gesagt…

hmm..., doc, mein "best guess" ist ja, dass unser pseudo-neoliberaler freund (berner und liberal - joke coming up) im buchstabieren ähnlich begabt ist, wie der legendäre, ehemalige vice president von g. bush sen. - dan "potatoe" quayle - damals. dem wurde auch ein "e" zum verhängnis, das ihn seither nicht mehr loslässt.

etwas wohlwollender betrachtet, könnte er natürlich unbewusst tatsächlich an tom wolfe gedacht haben. dann wäre auch seine "grannie" bloss ein in den südstaaten gebräuchlicher ausdruck für eine geburtshelferin - was sie ja sein könnten, doc.

das ist mir dann allerdings doch ein wenig zu wohlwollend und käme aus einer für seinen geist nie und nimmer erreichbaren tiefe. trotz pax wollen wir es mit dem wohlwollen mal nicht übertreiben.

auguste - still enjoying the boss' e street band

Lina hat gesagt…

Anna2, letztlich beruhen die Urteile betr. Mann/Geliebter/Vater/Papa/Papi, wer auf Draht sei, wer nicht, welcher zu brauchen, lebendig, kräftig, lustig, lebenstüchtig, eine Inspiration, auf persönlichen Erfahrungen.

Ich habe mich bisher mit zwei Männern ernsthaft eingelassen (mehr werden wohl nicht mehr dazukommen), und das waren/sind sehr, sehr klassische Exemplare, traditionsbewusst, tätig. Das trifft sich natürlich nur gut, weil ich auch traditionell eingestellt bin. Damit verweise ich auf das Fabelwesen oben, das so lustig am eigenen Schwanz nuckelt.

Anonym hat gesagt…

hmm..., neues aus dem pjöngjang inn...

o: für wie schlau hälst du mich?
m: du bist schlau wie ein fuchs, lieber.
o: ich bin ein wolfe!...ein big bad wolfe!
l: geht das geheule schon wieder los...!
m: verkneif dirs, lina!
o: was jetzt mila?
m: wäre ich hier bei dir, wenn ich dächte...
l: du weichst aus.
o: lina, hat recht!
l: was ist daran neu?
m: deine fortschritte sind bemerkenswert, lieber.
o: ich will aber keine fortschritte machen - ich bin perfekt, abgesehen von dem bisschen asthma.
l: ein astreiner coyote mit "e".
o: ist das paket von acme schon gekommen?
m: hier ist es, orlando, lieber - was hast du den diesmal bestellt?
o: einen kalender ohne august.
l: es gibt nicht einmal tage ohne august - schau dich doch nur mal bei fufi um!

auguste - present or gift?

Tiger hat gesagt…

Lina: "Mehr werden wohl nicht mehr dazukommen."

Erlaubst Du mir, sehr entschiedenen Zweifel anzubringen?

Anonym hat gesagt…

hmm..., kennen sie pepe le pew, tiger?

auguste - feelin' like being in a wb cartoon here sometimes

Anonym hat gesagt…

fufi. a company that makes everything (aka acme).

Astrid hat gesagt…

Darf ich ein paar Nachträge anbringen? Bzw Dinge, die mir beim Nachlesen aufgefallen sind?

Bianca/Kim: willkommen! Ich habe über die Monate oft an Sie gedacht, schön, dass Sie wieder da sind!

Lina: 'The Circus of Horrors' - wunderbar! Ich hoffe nicht, dass ich dieses seltsame Wesen sein soll, dass da permanent unter der Decke hin- und herschwingt. Aber die Frisur passt definitiv nicht. Wenn Du wie eine modifizierte Eveline W-S aussiehst, dann sehe ich aus wie Farah-Fawcett-Majors für Arme.....(Tiger, das dürfte Dir auch was über mein Alter verraten).
Und zu Michele Roten: Es ist mir ziemlich egal, was Ihr über sie sagt: ich mag sie, vor allem den gigantischen 'chip on her shoulder' und auch schon deshalb, weil sie damals dieser unsäglichen Regula Stämpfli richtig schön Paroli geboten hat, als diese sie eine 'Schwanzlutscherin' nannte (heute von der WW daran erinnert worden).

Fufi: mit Verlaub, aber dieses Immer-wieder-Hereinfallen auf O's Provokationen wird langsam alt. Wenn Du ihn so für unter aller Kanone hälst, warum ist Dir dann sein Urteil wichtig? Ignorier' es halt. Dito Tiger.

Auguste: Das Pjöngjang-Inn sollte vielleicht um eine Nebenzelle erweitert werden, in denen überempfindliche Loungebetreiber, angebliche und echte Doktorinnen, Web-Clowns, wischi-waschi-Psychologinnen und ab und zu mal ein (anonymer) Gast, aus dem Weltall entfleuchte Grosskatzen und hin und wieder auch ein Besucher aus der Hauptzelle vorkommen......
Ansonsten: Greetings from London (and, believe you me, you don't want to be there at the moment).

Lina hat gesagt…

Astrid, ich fliege morgen nach London wegen Tracey Emin...Ist es so schlimm?

Lina hat gesagt…

...ich verehre Tracey Emin, ich verehre und liebe sie so sehr, dass ich es nicht aushalte, ihre Ausstellung im Southbank Centre zu verpassen (nur noch bis zum 29. August). Das, obwohl ich in der ersten Septemberwoche an einen Ball muss, an dem für das Great Ormond Street Hospital gesammelt wird. Das, obwohl ich morgen Abend wieder zurückfliege. Das, obwohl es ein einziger ökologischer Fehltritt und eine energetische Katastrophe ist. Das, obwohl du sagst, es sei jetzt kein guter Moment (Könntest du das bitte noch ausdeutschen, wäre dankbar).

Unvergesslich, wie ich Tracey Emin in Bern traf, sie stand auf dem Perron, allein. Ich hatte am Tag zuvor anlässlich der Vernissage versucht, mit ihr zu sprechen, aber sie war dauernd abgeschirmt.

Ich ging zu ihr, es war, als kannten wir uns, wir sprachen und sprachen und lachten.

In Bern!

fufi hat gesagt…

@Astrid

Hab ich mir auch gedacht, von wegen dem Hereinfallen auf O's Provokationen.
Und hab's mir jetzt ja sooo fest vorgenommen ... !!

Nein, sein Urteil ist mir eigentlich nicht wichtig, aber ich halte ihn dennoch NICHT für unter allen Kanonen. Oder so!

Und wenn du WIRKLICH so aussiehst, altersgemäss natürlich: Wann kriege ich ein Date?

OMG

fufi

Astrid hat gesagt…

Wow, Tracey Emin! I wouldn't recognise her if she hit me over the head! Ich verliere so schnell die Geduld mit ihrer Kunst, aber ich habe Gutes gehört über die Ausstellung.
Nein, Du brauchst, rein logistisch, überhaupt keine Sorgen zu haben - ich habe nur ganz wenig Zerstörungen gesehen, meine Familie lebt in NW-London. Weiter im Osten und Norden muss es dann doch übler sein.
Ich meinte einfach die Stimmung: das liegt wahrscheinlich daran, dass die meisten in meiner Familie sehr, sehr schockiert sind. Die Finanzkrise, die wirklich viele trifft (wie immer in England, the land of short-term thinking), aber, contrary to what most people think, nicht die sozial schwächsten, sondern die ohnehin schon ausgedünnte Mittelklasse am härtesten belangt, ist schon seit Monaten ein Faktor. Aber diese riots haben alle traumatisiert. Die martialischen Bestrafungsaktionen sind ja verständlich, aber mit den Ursachen haben sie wenig zu tun. Aber so langsam, habe ich nebenan schon gesagt, kommt, so hoffe ich, bei den Engländern die gute alte Selbsthilfefähigkeit, Nachbarshilfe und Zivilcourage wieder zum Vorschein. Aber schön ist das im Moment nicht.

Vergiss die ganzen Disclaimer, Lina: geniess' es einfach. Freue mich auf Deinen Bericht!

And before Almost-Dr-Zappa rears her ugly head again: bugger off!

Astrid hat gesagt…

Fufi, für Arme habe ich gesagt. Und wenn Lina aussieht wie EWS, auch modifiziert in pflaumenrot, dann fresse ich meinen Hexenbesen!

fufi hat gesagt…

@Astrid

Verstehe dich ehrlich nicht!
Aber glaube, du gefällst mir so.
oder so!
:grinsundgrüss:

Blauer Eisenhut hat gesagt…

tracey emin, das ist doch die, die ihre schmutzigen unterhosen plus gebrauchten tampons auf einem zerwühlten bett, in dem sie eben sex gehabt hatte, zu einem stilleben arrangiert hat. sehr einfallsreich, doch. und wirklich grosse kunst, und um ein vielfaches einträglicher, als wenn sie ihre gebrauchten unterhosen im couvert an geneigte abnehmer verschicken würde. ich bin tief beeindruckt ob dieser kreativität! und lina muss deswegen wallfahren und ihren ökologischen fussabdruck um das tausendfache belasten. armes, dummes lina.

fufi hat gesagt…

Pass bloss auf, Eisenhut.

Irgendwann wirst du dein eigenes kleines Biotop mit deinen eigenen giftigen Absonderungen zugrunderichten.
Und ich fürchte, dass dir dagegen kein Naturschutz helfen möchte!

Anna2 hat gesagt…

Widmer-Schlumpf in Pflaumenrot? Energisches Dementi. Habs bei der ersten Selbstdeklaration verpasst. Die Wallfahrt versteh ich auch nicht, aber jeder das Ihre!

Lina, mein Inzwischen-Ex-Mann ist politisch stockbürgerlich, reif für die Frühpensionierung, traut sich aber nicht - dafür privat ein wahrer Künstler der Untätigkeit. Sowas hat seine charmanten Seiten, besonders wenn man gemeinsam besoffen ist, aber sie nützen sich irgendwann ab. Ich glaube nicht, dass traditionell und tätig irgendwie korrelieren. Es gibt alles.

Astrid: und sonst, London? Idle curiosity; plane nicht hinzureisen.

Auguste, too kind.

Gute Nacht.

Gute Nacht!

Lina hat gesagt…

Eisenhut: Hallo Zappa!

Astrid hat gesagt…

Zappa, ist Dir eigentlich dermassen langweilig? Hast Du uns nicht verkündet, dass Du a) Deinen Doktor machst und b) schwanger bist? Hat man da nicht andere Dinge zu tun als in Blogs Gift zu verspritzen, in denen man unerwünscht ist? Und Deine kleinliche Eifersucht auf Lina kann für so ein Ungeborenes auch nicht gut sein.....

Astrid hat gesagt…

Viel Spass, Lina. Und lass Dir durch die Oberspassbremse Zappa ja nicht den Trip vermiesen.... Diese ewige Giftspritzerei ist ja dem biologischen Fussabdruck auch nicht gerade zuträglich. Armes, verbiestertes Zappa-Mäuschen....

Astrid hat gesagt…

Anna, ich habe Sie nicht übersehen. Aber, um ehrlich zu sein, ich bin ziemlich deprimiert aus L zurückgekommen. Nicht, weil die Stadt in Schutt und Asche liegt (habe nur ganz wenige Zerstörungen gesehen), sondern weil ich die immer gleichen Reflexe in punkto Ursachen gesehen habe - und wie eigentlich alle wissen, haben die uns ja nicht weitergebracht bzw vor den Unruhen bewahrt. 'Mein' London ist dieser gierige Moloch, der Menschen verschlingt und sie verändert wieder ausspuckt, eine fast personalisierte Stadt, die wunderbare Details, exzentrische und liebenswerte Charaktere, viele, viele Widersprüchlichkeiten hervorbringt und gutmütig duldet, die, bei allen Widrigkeiten, den Meisten ein erstaunlich vielseitiges und interessantes Leben ermöglicht, die 'resilient' ist und war und in Krisenzeiten 8 Mio Menschen zu vereinen scheint.
Und dieser Galgenhumor, mit dem Dinge, die von aussen betrachtet, ziemlich fragwürdig erscheinen, geduldet, relativiert und sogar gefördert werden, hat mich immer stolz gemacht, (auch) Londonerin zu sein.
Vielleicht ist es noch zu früh für diesen 'spirit', aber ich habe ihn nicht angefunden und das bedrückt mich sehr. (Allerdings muss ich darauf hinweisen, dass ich schon etliche Jahre nicht mehr in London gelebt habe - die Aussensicht ist bei Besuchern immer eine andere als die von den dort Lebenden. Viele scheinen schon wieder zur Tagesordnung übergegangen zu sein - interessanterweise meine Familie auch....).

Anna2 hat gesagt…

Astrid, danke für den Bericht! Es sind pessimistische Zeiten, nicht nur an den Finanzplätzen. Vielleicht pessimistischere, als ich sie bisher je gekannt habe. Sieht old Europe Schrumpfungsprozesse vor der Tür stehen? (Im weitesten Sinn, nicht nur an den Börsen.)

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